Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 23 (10.6.1898)
- Article
- Da englische Oberhaus und die Statistik
- Date
- 1898-06-10
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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den eventuellen Ueberschuss der Einüber die Auswanderung. Wie groß ist dieser? Lord H ard w i cke, der Antragsteller, verwies mit Schrecken auf die monatliche Einwanderungsrate von 3800 Personen. Aber über den minimalen Jahres-Ueberschuss gieng er schweigend hinweg. Liest man den Bericht des Oberhauses über diese Sitzung, da muss auch auffallen, dass von keiner Seite darauf hingewiesen wird, wie viele Tausende englischer Arbeiter- England verlassen, um beffere Lohnbedingungen in den anderen Welttheilen zu suchen und damit anderen Elementen Raum schaffen. Vergleichen wir alle gegebenen Daten, so kommen wir znm Schlussresultat: J-.n letzten Jahre sind abgegangen Von England nach Europa. 587.000 Personen „ Europa nach England . . . . . 500. l 50 „ Ueberschuss . . . 17.850 Personen Der Ueberschuss der Auswanderung nach nichteuropäischen Ländern über die Einwanderung betrug.5.388 Die Zahl auswärtiger Seemänner, die bei der Ankunft als Einwanderer mitgezählt wurden, nicht aber bei der Abreise als Auswanderer, betrug ..... .... 10.762 Zusammen . . . . . . 16.150 Personen Gesammt-Einwanderungs-Ueberschuss . 1.700 Personen Und darum so viel Geschrei! Aber niemand liest diese winzige Bilanz der gesammten Einwanderungsbewegung, man sieht nur die Ziffern der jüdischen Einwanderer. Und da gestattet sich selbst der „exacte" Geist der Engländer einige Correcturen. Sonst haben die ehrenwerten Lords gewiss einen sehr großen Respect vor der Statistik. Dr. S. R. L a n d a u. 4k Wathatiel) der Chasrrronai. Bild der Statue des Mathatia im Palaste des Fürsten Ferdinand von Bulgarien. Von dem Bildhauer Berisch Schatz. PopMr-wilftnschastlichc Rundschau. Die Jungfraubahn. Zu den interessantesten und kühnsten Bahnen, welche je entworsen worden sind, gehört die von dem schweizerischen Eisenbahnkönig Gnyer-Zeller in Zürich geplante und bereits in Angriff genommene Bahn bis auf den Gipfel der 4118 Meter hohen Jungfrau. Diese Bahn wird in Europa die höchste Bergbahn sein, übertroffen wird sie von einigen außereuropäischen, unter denen die peruanische Central- und Südbahn mit über i000 Meter Kulmhöhe den ersten Rang einnehmen. Die Maximalsteigung beträgt 25 Percent. Der Betrieb der Bahn geschieht elektrisch. Die nöthige Kraft wird von einem Wasseriverke in Lauterbrunnen geliefert, das 2800 P.-S. gibt; eine zweite Wafferwerksanlage bei Berglauenen, deren Concession ebenfalls im Besitze der Unternehmung ist, wird 0000 P.-S. liefern. Flüssige Gase. Ueber die neueste großartige physikalische Entdeckung, die Verflüssigung des Wasserstoffes, die schon kurz gemeldet wurde, erfahren wir Folgendes: Das Wesentliche an den Experimenten, die Professor James Dewar am io. d. der Royal Institution in London vorführte, liegt darin, dass mittelst des neuen Verfahrens das Gas in erheblicher Menge in flüffigen Zustand übergeführt werden kann. Bisher hat der Wasserstoff, dieser Grundstoff im System der Elemente, allen Versuchen der Verflüssigung widerstanden und eine große Zahl von Theorien über diese merkwürdige Eigenschaft ist aufgestellt worden, die nun mit einem Male über den Haufen geworfen werden. Die Folgen dieser Entdeckung für die physikalische Chemie sowohl wie für die etwaige Erzeugung noch tieferer Temperaturen, als man sie bisher mit flüssiger Luft, flüffigem Sauerstoff re. erhalten konnte, laffen sich noch gar nicht absehen. Zu gleicher Zeit ist es Dewar aber auch gelungen, das Helium zu verflüssigen, und zwar mit der Temperatur von flüssigem Wasserslop. Dieser Doppelerfolg ist ein Ereignis von seltener Bedeutung an dem an Entdeckungen so reichen Schluffe unseres Jahrhunderts, denn auch das Helium ließ sich bisher durch keines der bekannten Verfahren in flüssigen Zustand bringen, trotzdem die bedeutendsten Forscher (Ranesay, Moisson, Dewar, Aszewski) beinahe seit so langer Zeit daran arbeiteten, wie das Helium überhaupt auf der Erde bekannt ist. Flüssiger Wasserstoff und flüssiges Helium wird nun den Physikern ein neues Mittel zu noch großartigeren Experimenten an die Hand geben, als.sie sich mit flüssigem Sauerstoff, flüssiger Luft und flüffigem Feuer durchführen ließen. Aethcrischc Oele. Schon seit Jahresfrist versucht man, die in Palästina so arg vernachläffigte Oel- und Seifenindustrie zu heben, um der durch jeden industriellen und comerciellen Stillstand zum Hungertod vernrtheilten jüdischen Bevölkerung Jerusalems Arbeitsgelegenheit zu bieten. Und in der That verspricht gerade diese Industrie ein Haupterwerb vornehmlich der jüdischen Colonisten, zu werden. Im Jahre 1805 betrug der l^-port an Seife 555.000 Fr., im Jahre 1807 schon allein im zweiten Quartale <!00.000 Fr. Alljährlich werden Tausende von Esrogim als unbenützbar weggeworfen, weil sie ceremoniell unbrauchbar geworden. Diese unbrauchbaren Esrogim können zur Erzeugung von Citrnsölen benützt werden. Der „Zeitschrift für Kosmetik" entnehmen wir Folgendes: Die wichtigsten Oele, wie Eitronen-, Orangen-, Bergamottöl, werden durch Pressen gewonnen. In Sicilicn werden diese Oele aus den Schalen der Früchte mit der Hand ausgepresst. Der sicilianische Arbeiter nimmt von den Schalen soviel, als er in einer Hand halten kann und reibt dieselben mit starkem Druck an einem Schwamme. Hiedurch platzen die Oelbehälter der Schalen und ihr Inhalt wird'von dem Schwamme aufgesogen. Das auf diese Weise gewonnene Oel gilt als das feinste Product, doch ist natürlich die Ausbeute sehr gering. In Südfrankreich wird ein eigenartiges Zinngefäß zum Auspressen benützt. Am Boden dieses Gefäßes von geringer Tiefe sind unzählige kleine Messingnägel befestigt und dasseloe geht in einen verschließbaren Trichter über. Ter Arbeiter reibt nun die Schalen der Früchte auf den Nägeln, wodurch das enthaltene Oel in den trichterförmigen Theil des Gesäßes hinuntertropft, aus welchem es dann zeitweilig abgelaffen wird. Außerdem pflegt man die erwähnten drei Oele durch Pressen mit hydraulischem Drucke zu gewinnen. Die meisten der im Handel vorkommenden ätherischen Oele werden indes nach dem zweiten Verfahren, nämlich durch Destillation erzeugt. Das frischgesammelte Rohmaterial wird in einem Destillierapparate mit Wasser verrührt und zumeist im Wasserbade überdestilliert. Dieses Verfahren erfordert große Aufmerksamkeit und Uebnng. Das Rohmaterial muss fortwährend nmgerührt werden, damit kein Anbrennen eintritt. Das Destillat besteht aus zwei Schichten, einer Oelfchichte und einer trüben, wässerigen Flüssigkeit. Das Oel wird von dem Wasser getrennt und getrocknet, d. h. die etwa noch in demselben befindlichen Wassertheile entfernt. Die verbliebene wässerige Flüssigkeit wird entweder nochmals der Destillation unterworfen oder als aromatisches Wasser in den Handel gebracht. *