Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 23 (10.6.1898)
- Article
- [Nachricht]
- Date
- 1898-06-10
- Page
- 5 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr.23 Sette 5 Zur Subscription der Shares melden sich kleine wie große Capitalisten. So liegt in dieser Woche eine Zeichnung vor von einem der angesehensten Finanzmänner Russlands, der jedoch die Publication seines Namens nicht wünscht. Dieser Herr hat dreitausend Shares bereits gezeichnet und die Zeichnung von weiteren siebzehntausend Shares schriftlich zugesichert; letzteres für den Zeitpunkt, wo der definitive Prospect mit Nennung des Emissionsconsortiums erschienen sein wird. Diese Subscription beträgt also tatsächlich zwanzigtausend Shares, da die gestellte Bedingung eine selbstverständlich zu erfüllende ist. Auf verschiedene Anfragen wird hier mitgetheilt, dass die zehnpercentige Anzahlung vorläufig überall an dem Orte der S u b s c r i p t i o n an einer ficheren Depötstelle verbleiben kann. Es steht aber auch jedem Subscribenten frei, seine Anmeldung nebst Anzahlung direct nach Köln zu senden. Die centrale Depotstelle ist bekanntlich der A. S ch a a i f h a u s e n'sche Bankverein in Köln a. Rh. Sehr charakteristisch für die beginnende Popularität der jüdischen Bank ist es, dass schon jetzt finanzielle Aufträge aus entfernten Gegenden an das Bankcomite kommen. Selbstverständlich kann diesen jetzt noch nicht entsprochen werden, und die Einsender werden darüber belehrt. Aber diese Vorzeichen deuten schon auf die kommende Entwicklung dieser Bank hin. Vorzügliche Nachrichten über den Fortgang der Sharesubscription lagen bis 5. Jnni vor aus: London, Warschau, Wien, Pinsk, Riga, Galatz, Homel, Tur n-S e v e r i n, Lodz. An letzterem Ort allein erwartet man eine Subscription von fünszigtausend Shares. Anmeldungen sind ferner gekommen aus Leipzig, C z 6 st o ch a u, S e b a st o p o l, Jassy, rc. rc. Wien. Für Oesterreich-Ungarn ertheilt alle Auskünfte in Sachen der jüdischen Colonialbank der Hof- und Gerichtsadvocat Herr Dr. Leopold Kahn, Wien, II. Obere Donaustraße 47. Alle Drucksorten, Subscriptionsscheine, Bekanntmachungen des Bankcomites werden von Herrn Dr. L. Kahn ausgefolgt. Galatz, 3. Juni 1898. Auch hier in Galatz, dem Sitze des C entral-Comites der zionistischen Bewegung Rumäniens, machte sich die Nothwendigkeit geltend, alle jene Elemente, die von den grundlegenden Ideen des Baseler Congresses durchdrungen find, unter eine Fahne zu scharen und durch Schaffung eines geselligen Brennpunktes die Beisteuer der materiellen Mittel für die Förderung der Zionszwecke zu animieren. Was manchem eine separatistische Bewegung schien, ist von dem ewigjungen Vorkämpfer des Zionismus in Rumänien, Herrn P i n e l e s sofort als das erwachte Bewusstsein des vorwärts drängenden Eifers erkannt worden. Die Initiative der Herren Leopold S a m u e l y, Paul Schäfer, M. W e i ß m a n n, Leonidas G o l d st e i n, Leon Solomonowicz und anderer Herren wurde mit voller Genugthuung seitens des Herrn Pineles gutgeheißen; die nunmehr flott functionierende zionistische Section „Theodor H e r z l" erfüllt die Aufgabe, die sie sich gestellt, mit sehr ermuthigendem Erfolge. In erster Reihe nimmt die Zeichnung der „Jewish Colonial-Bank" -Actien einen erfreulichen Gang. Wir suchen die populäre Idee des Schekels auf die Colonialbank übertragen zu sehen und achten daher vielmehr auf die Zahl der Zeichner, als auf die der gezeichneten Shares. Unsere Section weist bis nun die stattliche Summe von mehr als 4500 Shares innerhalb 14 Tagen auf; wenn wir die Zeichnungen von über fünf Stück in Abrechnung bringen, so ergibt dies eine Summe von etwa 500 Zeichnern: ein Beweis dafür, dass wir es an Aufklärung der breiteren Volksschichten nicht fehlen lasten und so die Gesammtheit unserer Brüder dem vorgesteckten Ziele zuführen. Unsere Section hat in einem warmen Appell, alle jene, die Juden sind, eingeladen, sich in unserem Locale zur Zeichnung von Shares einznfinden und Aufklärungen über unser Wirken zu verlangen und zu erhalten. Parallel mit den Zeichnungen geht der Erlag der 10 Percent, die in sehr zuvorkommender Weise von Herrn Eduard T b e n e n, Bruder des Wiener Banquiers S. T h e n e n, quittiert und ihrem Zwecke zugeführt wertzen. Unsere capitalskräftigen Glaubensgenossen haben wir bis nun zur Zeichnung noch nicht eingeladen, glauben es erst dann thun zu sollen, wenn wir die schwierige Abwickelung der immerfort wachsenden Zeichnungen von je ein und zwei Shares hinter uns haben. Auf einen Wettlauf mit den anderen Vereinen des Landes lasten wir uns nicht ein; wir wollen unsere Pflicht ganz und voll erfüllen. Dafür kommen wir aber auf, dass in keiner Stadt Rumäniens das Wesen und der Begriff der Zeichnung so populär geworden, wie in Galatz. Der Druck der Bvlksmeinung auf die indifferenten Kreise, deren es leider überall gibt, wird nicht ansbleiben. Was der äußere Schein nicht auferlegt, werden die still aber desto intensiver wirkenden kleinen Berhältniste im Verkehre Hervorrufen. Unser Bericht ist nicht rosig angehaucht; wir geben präcise Ziffern wieder. Zu einer ausführlichen Berichterstattung werden wir wohl erst am Sonntag den 5. d. M. Veranlassung finden, wenn der Pilgerzng der Zeichner, die sich für diesen Tag avisieren, unser Locale aufsucht. Wir zählen au solchen Tagen die Zeichner und nicht die Shares. Wir werden uns erlauben. Ihnen von Zeit zu Zeit über unser Thun und Lassen Bericht zugehen zu lasten und danken Ihnen jetzt schon für die Aufnahme dieser Zeilen. Mit Zionsgrüßen der mit der Berichterstattung beauftragte Bicepräfident Leonidas Goldstein. Tie Section „Theodor Herzl" wird von einem 15gliedrigen Comitö geleitet, das aus eigener Tasche die laufenden Spesen bestreitet, um die Schekelgelder voll abführen zu können. Der A. Schaaffhausen'sche Bankverein inKölu. Vom Bahnhof in Köln gelangt man an dem massigen Bau der Reichspost vorüber in die Straße Unter Sachsen- Hausen, wo sich eine Bankanstalt an die andere reiht. Gegenüber dem neuen Reichsbankgebäude erhebt sich in edlem griechischen Baustil der Palast des A. Schaaffhausen'schen Bankvereins, der vorläufigen Depotstelle der jüdischen Colonialbank. Zwei Karyatiden flankieren das nichtige Portal, welches mit symbolischen Schnitzereien verziert ist. Das Gesims ruht auf sechs korinthischen Säulen und zwei Pfeilern. Das ganze Gebäude erweckt den Eindruck soliden Reichthums, und das ist auch das hervorragendste Gepräge dieser vornehmsten Bank Westdeutschlands. Der Gründer der Bank war der Geheimrath Abraham Schaaffhansen, der dieselbe zu einer solchen Bedeutung brachte, dass sie im Jahre 1848 in eine Actiengesellschaft umgewandelt werden musste. Das Capital betrug damals etwa die Hälfte des jetzigen Grundcapitals von 75 Millionen Mark. An der Spitze stehen hervorragende Berwaltungsbeamte wie der Ober-Regierungsrath a. D. Heinrich Schröder, ein Geh. Finanzrath a. D., ein Landrath und mehrere Directoren von hervorragender kaufmännischer Bedeutung. Der Aufsichtsrath ist aus den bedeutendsten Industriellen der Rheinprovinz zusammengesetzt. Vorsitzender ist der geh. Commercienrath Gustav Michels und juristischer Beirath geh. Justizrath Esse r.