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Die Welt · 1898-06-03 · 22 (3.6.1898) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
22 (3.6.1898)
Article
Craiova [Nachricht]
Date
1898-06-03
Page
10 (sequence 1)
Language
German
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Seite 10 Craiova. Sonntag den 7. Mai fand im hiesigen Tempel Beth-Ehl eine zionistische Volksversammlung statt. Leider genügte der Raum nicht, und als die Zuhörerzahl 400 überschritt, musste der weitere Einlass sistiert werden. Der allgemeine Unwille richtete sich gegen den Vorstand des großen Tempels, der denselben nicht zur Verfügung stellen wollte. Herr I. Psalter referierte als Delegierter von der Galatzer Zionistenconferenz. Die Entscheidung über strittige Fragen wurden dem Baseler Congress überlassen. Allgemeine Zustimmung fand auch der Vertreter der Jugend Dr. Stern, der die Grüße der jüdischen Studentenschaft überbrachte. Sofia Einige Damen hatten eine Versammlung jüdischer Frauen einberufen. Der Einladung folgten viele Frauen. Die Eröffnungsrede hielt Frau Melanie H e r b st. Sie schilderte die Leiden unseres Volkes und appellierte an das Herz der jüdischen Frau, sich nicht dem Kanrpfe, den das jüdische Volk gegenwärtig kämpft, zu entziehen. Sie schloss mit den Worten: „Wir wollen unsere Männer anspornen, für das Wohl des jüdischen Volkes zu leben und zu sterben, wir wollen unseren Stolz darein setzen, dem jüdischen Volke jüdische Söhne zu erziehen." Hierauf sprach Frau EharlMargulies, welche die Anwesenden mit zu Herzen gehenden Worten zur Antheilnahme an der zionistischen Arbeit aufforderte. Resultat der Versammlung war die Gründung eines Zionisten - Frauenvereines „Bnoth-Zion", unter der Leitung des Centralvereines Zion in Sofia. Der Verein stellt sich den populären Unterricht im Sprechen des Hebräischen, sowohl für die Mütter als für die Kinder, und populäre Vorträge über die Geschichte und Leiden unseres Volkes, zur besonderen Aufgabe. In den Ausschuss wurden gewählt: die Damen M. Herb st, Ch. MarZulies, Eisenschreiber, Radbil. Feuerstein. Kupferwasser, Laura Kohn. Greensburg (Amerika). Am 17. April versammelten sich eine große Anzahl hiesiger Juden im Bethaus „Bnei Israel", wo sie nach einer Rede des Rabbiners Jecheskiel Loewendorf den Verein „Bnei Zion" gründeten. Gleichzeitig wurde auch der Vereinsausschuss gewählt. New-Iork. Ein provisorisches Comite bestehend aus den hervorragensten Juden und insbesondere Rabbinern orthodoxen Ritus, hat unter dem Vorsitz des Rev. Dr. Pereira M e n d e s für den 1. und 2. Juni eine Conferenz der orthodoxen Juden nach New-Iork einberusen. Auf der Tagesordnung befindet sich als Punkt 3: Der Zionismus. New-York. Aus den „Z i o n W e e k l r, N e w s", dem officiellen Organ des Verbandes der Zionistenvereine in den Vereinigten Staaten, ersehen wir, welch' energische Agitation unsere Gesinnungsgenopen in New-Iork in den letzten Wochen eingeleitet haben. Am 27. April hatte Präsident Moses As zu d vom Verein „Degel Zion" nach der Pitt Str.-Schule eine Mayen-Versammlung einberufen. Die Versammlung wurde von Rev. B a l o g h mit einem weihevollen Tempelgesang eröffnet, worauf Rabbiner Dr. Philipp Klein eine großangelegte, mit Eitaten aus dem Talmud reichlich gewürzte Rede hielt. Ihm folgte Rabbiner Dr. Wechsler, der bislang dem Zionismus ziemlich kühl gegenüberstand, nun aber mit Wärme für unsere Bewegung einzutreten versprach. Die eigentliche Agitationsrede hielt Dr. Michael Singer. Die Versammlung hatte einen tiefergrejscuden Verlauf und führte dem Vereine neue Mitglieder zu. Die „Brooklyner Ehowcwe Zion" hielt den 0. Mai in ihrem Persammlungslocale, 51 Ewen Str., eine große Agitations-Versammlung ab. Ansprachen hielten: Joshua Stampfer aus Palästina, Rev. M. Philipp, S. Weinig und Dr. Michael Singer. Am 9. Mai veranstaltete der rührige Verein „Jehuda Halevi" in Nerv Irving Hall ein jüdisches Volksfest. Am 26. April wurden die neuen Beamten des jungen, aber schon recht kräftigen Vereines „Har Zion" durch die Executive des Verbandes der Zionistenvereine feierlich installiert. Johannesburg (Transvaal). Ich bin in der glücklichen Lage, Ihnen berichten zu können, dass die zionistische Bewegung mit jedem Tage in Transvaal wächst. Wir erwarten für die nächste Zukunft wieder die Einberufung eines General-Meetings, das ohne Zweifel sich für den Zionismus aussprechen wird. Ich hege die bestimmte Hoffnung, dass auch die Transvaaler Judenschaft dem Zionismus eine kräftige Stütze sein wird. H. Lurie. A ComspondkUM. Oesterreich-Ungarn. Wien. Am 1. Juni wurde das Parlament wieder eröffnet. Eine ganze Anzahl von Dringlichkeitsanträgen ist von deutschen Abgeordneten vorbereitet, welche namentlich durch die Grazer Vorgänge die Deutschen als schwer bedroht betrachten. Dagegen ist bis jetzt noch nicht von einem einzigen Dringlichkcitsantrag wegen der Vorgänge in Przemysl, Kalwarya und anderen Orten die Rede. Wir sind das von unseren jüdischen Abgeordneten schon gewohnt; aber wir wollen darauf Hinweisen, damit die Herren später nicht die Ausrede haben, dass sie nicht daran erinnert worden seien. Die jüdischen Wähler werden daraus die Consequenzen zu ziehen wissen. Auch die bisherigen Wahlkünste werden bei den nächsten Wahlen diese braven Vertreter vor dem Hinauswurf nicht bewahren, den sie so ehrlich verdient haben. Wien. Die Arbeiter- und Bauernexcesse gegen die Juden, deren Schauplatz vorige Woche die Garnisonsstadt Przemysl und der Wahlfahrtsort Kalwarya waren, sind insofern charakteristisch, als selbst die Antisemiten und sonstigen Bertheidiger der Excedenten gar keine Erklärungsgründe für diese versuchten und nur durch das Einschreiten der Gendarmerie verhinderten Judenmassacres herauszuklügeln im Stande sind. Während der Unruhen von Schodnica und Chvdrow im vorigen Jahre bemühten sich die Antisemiten und Socialdemokraten zu beweisen, dass die Arbeiter von den Juden ausgebeutet wurden. Heuer haben sie nicht einmal den Schein für sich. Da sie nun die Thatsache nicht erklären können, so suchen sic. sie zu leugnen. In Przemysl haben nach amtlichen Berichten Hunderte von Arbeitern um ü Uhr früh den Inden Isaak Neuhaus, der Brot auf einem Wagen führte,, beraubt und ihn sowie mehrere andere Juden misshandelt; sie haben nachmittags das Judenviertel überfallen und die Juden geplündert. Das „Deutsche Volksblatt" erklärt aber, die Juden haben Komödie gespielt, um sich gegenüber dem gerade dort anwesenden Statthalter auf die Verfolgten herauszuspielen: der Berichterstatter der „Arbeiter-Zeitung" weiß auch nichts von den Plünderungen und Mißhandlungen der Inden. Nach seiner Darstellung wurden die unschuldigen Arbeiter von den Polizisten gegen die Juden haranguiert und diese feigen Menschen „schlugen großen Lärm, .Gewalt, Raub, Rettet" obwohl niemand etwas raubte". Mau sieht leider, wie verblendete Parteileidenschaft der Wahrheit ans dem Wege zu gehen weiß. Dass gerade in Przemysl, wo die meisten socialdemokratischen Agitatoren Juden sind, die „classenbewussten" Arbeiter zuerst die Juden für die Brottheuerung und ihre Arbeitslosigkeit verantwortlich machten, ist wohl betrübend für die jüdischen „Genoffen", die aller Welt einreden möchten, dass das Claffenbewusstsein die Raffeninstincte und besonders den Judenhass beseitige. In Kalwarya. wo von der Gendarmerie zwei excedierende Bauern erschossen wurden, tragen die Unruhen ihren reinsten Charakter: den Judenhass der Bauernbevölkerung. Man wird aber vielleicht nicht fehl gehen, den Anlass zu diesen Ansbrüchen in einer Gegend, wo 1'. Stojalowski seine ergebensten Anhänger hat, auf die bevorstehende Reichsrathswahl in der V. Curie (Wahlkreis Jaslo-Sanok) zurückzuführen. .In diesem Wahlkreis, der 40.000 Inden zählt, stehen sich ein Candidat Stojalowski's und einer der Bolkspartei gegenüber. Beide bewerben sich nm die jüdischen Stimmen, obwohl sie beide Antisemiten sind, und die Juden am besten thäten, sich zu absentieren. Tie zarten Winke in Wieliczka und Kalwarya sollen aber den Inden beweisen, was für sie der Schutz Stojalowski's wert ist. Das sind auch die neuesten Errungenschaften unserer „Gleichberechtigung". L. Krakau Der Hamagid bringt in seiner letzten Nummer folgende Erklärung: „In den letzten Wochen wagten es einige jüdische Blätter, meinen Namen unter den Gegnern des Zionismus zu nennen und ihre Gegnerschaft auf meine v e r m e i n t l i ch e Gegnerschaft zu stützen, so dass ihre Leser glauben mochten, dass ich die Gesinnung jener Leure theile. Ich erachte es daher als meine heiligste Pflicht offen zu erklären, dass die Art der Bekämpfung des Zionismus von seiten dieser Blätter (besonders der „Oesterr. Wochenschrift") in mir nach wie vor Ekel erregt. Ich erhebe Protest gegen Jedermann, der mich in Bezug auf Zionismus in eine Reihe mit diesem Redacteur stellen wollte. Der Zionsgedanke ist seit seinem Erwachen in neuester Zeit, mein heiligstes Ideal, dem ich mein Leben laug meine Kraft und mein Vermögen zu widmen bereit bin; nichts in der Welt kann mich bewegen.

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