Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 22 (3.6.1898)
- Article
- Über das Einwanderungsverbot in England
- Date
- 1898-06-03
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
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- Odesa 1× ep/1000834
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Nr 22 Seite 9 Im Jahre 1891 - - erklärt der Redner — während der Volkszählung wohnten in den Districten Whitechapel, St. Georg'sin-the-East und Mil-end 22.000 Polen und Russen. Seitdem hat sich, wie die Polizeiberichte lauten, die Zahl der fremden Juden in London bedeutend vermehrt." Lord Salisbury, der die ganze Frage lediglich vom Standpunkte der Verminderung der Armeulasten besprach, führte zur Begründung an, dass von den im Jahre 1897 im Disiricte St. Georgos-in-the-East unterstützen 980 Personen 908 Juden waren. Die Bill wurde mit 81 gegen 19 Stimmen angenommen. Tie Liberalen, Lord H e r s ch e l l und Earl of K i m b e r l e y, verlangten, dass man die Gesetzesvorlage wenigstens zuerst einer Commission zuweise, aber auch dies wurde von der Majorität abgelehnt. L. Die jüdischen Aerzte in Odessa sind durch eine neue Maßregel hart betroffen worden. Nach dem Gesetze müssen Aerzte, nachdem sie ihr Diplom erhalten haben, noch mindestens zwei Jahre in Spitälern practicieren, um die Praxis ausüben zu können. In jüngster Zeit erließ die Regierung für Odessa eine Vorschrift, dass nur auf sechs Christen ein Jude ausgenommen werden dürfe. Da die Zahl der christlichen Aerzte in Odessa überhaupt sehr gering ist, so wird den meisten jungen Aerzten jede Existenz unmöglich gemacht. In Warschau ist der berüchtigte einstige Ober-Polizeimeister von Petersburg, Gresser, gestorben: Mit ihm verschwindet einer der rücksichtslosesten Beamten der Regierungszeit Alexanders IN. Bei den Judenausweisungen spielte Gresser eine unheilvolle Rolle. Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunst- Denkmäler. Nunmehr hat sich auch in Frankfurt eine Gesellschaft gebildet, welche die jüdischen Kunst-Denkmäler erforschen — und wie anznnchmen ist — auch erhalten nill. Es ist ein erfreuliches Zeichen, dass überall das Interesse für das Judenthum und seine Culturschätze von Neuem erwacht. Das ist der Anfang zur Würdigung des Judenthums und zu dem Streben, es zu erhalten und fortzuentwickeln. Vergnügungsanzeiger und Kirchcnzettel. In einer der letzten Repräsentantenversammlungen der jüdischen Gemeinde in Berlin führte der Stadtrath Dr. Weigert Beschwerde über die Art, wie die betreffenden Tageszeitungen die Anzeigen über die jüdischen Gottesdienste placieren, vor oder hinter den Vcrgnügnngsanzeigen. Ter Vorstand möge sich mit den betreffenden Zeitungen in Verbindung setzen. Tie Veröffentlichungen könnten etwa in den Kirchenzettel hineinkonimen. Darauf erklärte Justizrath Meyer, der Kirchenzettel könne dafür nicht in Betracht gezogen werden, da er erst am Sonnabend erscheine. Ein schrecklicher Mord wurde, wie der „Racion" in Buenos-Ayres von ihrem Specialcorrespondenten in Parana berichtet wird, in der Baron Hirsch'schen Colonie „Rachel" an zwei Kindern des Colonisten N e n m a n n verübt. Zwei Gauchos, Alexandro Barretto und Ramon Telgado, die am Tage, unter der Vorspiegelung, Arbeit zu suchen, die Wohnung besichtigt batten, drangen am 20. März bei Nacht in dieselbe ein, beraubten sie, und als zwei Kinder, ein zwölfjähriges Mädchen itub ein vierzehnjähriger Knabe, erwachten und Lärm machen wollten, fielen die Gauchos über sie her und schnitten ihnen die Kehlen durch. Das Mädchen starb sofort, der Knabe erst am 11. April im Spital. Diese Morde kommen übrigens nicht zum ersten Mal vor, wenn man auch sehr wenig von ihnen in Europa zu hören bekommt. Zwei jüdische Advoeatinnen zählen jetzt die Vereinigten Staaten von Nordamerika. Die eine heißt Diana H i r s ch l e r aus Philadelphia, die andere Rosalie L o e r aus New-L)ork. Die letztere, kaum 25 Jahre alt, liest bereits über gerichtliche Medicin am New-Porker College. Die erste Apothekerin in Russland ist eine Jüdin, Fräulein L e v i t i n e. Dieselbe erhielt ihr Diplom in Moskau. Die jüdische Bevölkerung in Bayern geht in ihrer Zahl zurück. Wie wir der Zeitschrift des bayrischen statistischen Amtes entnehmen, wurden geboren: Im Jahre 1895 : 918 Juden: 1894: 1037.— Jüdische Ehen wurden geschlossen 1895: 345; 1894: 380. — Tie Volkszählung der Juden in Bayern ergab 1895: 53750; 1890: 53885. — In München selbst wohnten 1895: 7167 Juden; 1890: 6109. && Me Mistische Bewegung. Spende» für zionistische Zwecke find an Herrn Dr. O. Kokesch, Hof- und Gerichts-Advocatcn in Wien, I., Singer straße 25, zu senden. Wien. Der Verband „Zion" der österreichischen Vereine für Colonisation Palästinas und Syriens, hielt am 30. Mai seine Delegiertenversammlung ab. Nachdem die Vereinsleitung den Rechenschaftsbericht erstattet und das Absolutorium erhalten hatte, wurde in die Berathung über die Statutenänderung eingetreten, die in einer zweiten Sitzung zu Ende geführt wurde. Die wichtigsten Aenderungcn betrafen die Artikel ll. VII. VIII, XV. XVII und XXI des bisherigen Verbandsstatutes. Durch die vorgenommenen Aenderungen soll den Fortschritten der zionistischen Bewegung in den letzten Jahren Rechnung getragen werden. In die neue Verbandsleitung wurden gewählt: Dr. O. K o k e s ch, Dr. S. Werner, Dr. M. Rosenthal, E. Bringer, N. Rappaport. Als Ersatzmänner: Dr. K ach n, Ingenieur Fried, Dr. G. Stern. Dem bisherigen Präsidenten Doctor S ch n i r e r, welcher erklärt hatre, eine Wiederwahl nicht annehmen zu können, wurde der Dank der Delegiertenversammlung für seine Thätigkeit votiert. Die neue Verbandsleitung wurde von der Delegiertenversammlung ermächtigt, vorläufig 30 Shares der Colonialbank zu subscribieren. Die nächste Delegiertenversammlung wurde für den Herbst 1808 in Brünn festgesetzt. Krakau. Am 15. Mai fand die Generalversammlung des Vereines „Chowewe Erez Israel" statt. Dem abtretenden Ausschüsse wurde das Absolutorium ertheilt, woraus die Neuwahlen vorgenommen wurden. Es wurden gewählt die Herren : M. Fränk e l, I. S ch ö n w e t t er, A. M arku s, I. K r ä s u ck i, M. H o r ow i tz, B. Spira, M. Blankstein, I. Landau, S. Kurzmann, S. Markus, I. R o s e n zw e ig. Ein Antrag, dem Aclionscomit« mit Hinficht ays die letzten böswilligen Angriffe eine Vertrauenskundgebung zu übermitteln, wurde mit Acclamation angenommen. CzortkoN». Die Statuten des Vereines „Bnei Zion" ynd bewilligt worden. Am 11. April sprach Herr L. Taubes in einer Volksversammlung über den politischen Zionismus und die Aolhwcndigkeir des Schekels. An der darauf folgenden Debatte detheiligten sich die Herren A. B i k e l, A. Schwarz und H. H a u s n e r. Der Verein fußt auf dem Baseler Programm. Dolina. Mitte April fand eine große, jüdische _ Volksversammlung behufs Stellungnahme zum Zionismus statt. Der Referent,' Herr L. L i t w a k, sprach über die heutige Lage der Juden. Der Vortrag wurde mit Beifall ausgenommen. Die Versammlung nahm folgende Resolution an: „Der „Bnei Zion" sympatifiert mit den Bestrebungen des Wiener ActionscomiGs und erklärt sich bereit, die Bewegung nach besten Kräften zu unterstützen". Die Schekelsammlung ist im vollen Gange. Stanislau. Sonntag, den 22. Mai fand im Locale des Vereines „Erez Israel" eine allgemein zugängliche Versammlung statt. Herr H e r s ch e r hielt dem verstorbenen Professor Tr. Schapira einen tief empfundenen Nachruf. Dr. Schur sprach über „Wahrheit und Dichtung im Zionismus". Er erwähnte im besonderen die Colonialbank, deren Gründung er als eine weitere Etappe des politischen Zionismus bezeichnete. Auf den lebhaft acclamierten Vortrag folgte eine äußerst interessante Discussion, an der die Herren Dr. K o h n, P. K a m p e r und H. H e r sch e r theilnahmenl Lomza (Russ.-Pol.). Vor kurzem veranstaltete die hiesige jüdische Jugend einen literarischen Abend, dessen Programmpunkte ausschließlich zionistischen Inhaltes waren. Mit Freude konnten die anwesenden Gäste conftatieren, dass unsere Jugend ihre Unterhaltungsabende dazu benützt, um über das höchste Ziel ihrer Nation zu discutieren. Herr cand. j>hil. Goldlust referierte über den Stand des Zionismus. Berlin. Die Berliner zionistische Vereinigung veranstaltete vorige Woche eine Trauerfeier für Professor Schapira. Doctor Warschauer hielt die Gedächtnisrede. Redner skizzierte in kurzen Umrissen das Leben Schapiras. Unvergesslich sei allen des greisen Mannes Rede in Berlin, die in ein ergreifendes Klagelied ausklang. Ter gotterfüllte Mann kam aus dem großen Russland, wo der Leu Judas in Verbannung lebt, und wo die Juden leben, die berufen sind, die alte Heimat wieder zu gewinnen. Redner schloss mit dem Hinweis auf die wahrhaft patriotische Art der zionistischen Gesinnung Schapiras.