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Die Welt · 1898-06-03 · 22 (3.6.1898) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
22 (3.6.1898)
Article
Antike Blitzableiter
Date
1898-06-03
Page
7 (sequence 1)
Language
German
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Zone vorangeht, indem es in schneckenförmigen Windungen auf dem ganzen Felde umhergeht. In dem Maste, wie sie durch die Gramme angegriffen werden, gleiten die Halme in die Zwischenräume, welche die Zähne trennen, bis zu dem Augenblick, wo ihre Aehre, zu dick, um diese Zwischenräume zu passieren, sich ihres Kornes entledigt oder sich selbst loslöst und in den Behälter fällt; unmittelbar nachher werden diese geernteten Producte in einen grosten, hinter und unterhalb des Schöpsrades befindlichen Behälter geworfen. Die für diese Arbeit erforderliche Zugkraft ist weniger grost, als man geneigt ist anzunehmen, denn da die Halme nicht alle von gleicher Länge sind, so findet das Abstreifen der Aehren, obgleich sehr schnell, dennoch in verschiedener Höhe und nicht gleichzeitig statt. Neben dem Sitz des Erntearbeiters ist ein Handgriff angebracht, welcher gestattet, schnell das "Angriffsniveau höher oder niedriger zu stellen. Ebenso hat dieser Arbeiter den Handgriff eines Hebels in seinem Bereich, der dazu dient, eine Ein- und Ausrückvorrichtung in Bewegung zu setzen, vermittelst deren man nach Belieben die Welle der Greisrechen ausschalten kann. Der ganze Apparat dieser genannten Vorrichtung wird durch ein fest auf Rahmen gespanntes Leinen geschützt. Das stehengebliebene Stroh kann nach dem Abstreifen der Aehre abgemäht werden, und zwar mit um so größerer Leichtigkeit, als die Halme (selbst die durch das Unwetter niedergelegten und in Verwirrung gebrachten) durch die Kämme aufgerichtet und geordnet werden. Namentlich bei der Haferernte soll ferner durch Herumwersen der Hafer geworfelt und einestheils der Spreu entkleidet werden. Zur Bedienung genügt ein Lenker und zwei Burschen, welche die Entleerung des großen Behälters vorzunehmen haben. Antike Blitzableiter. Die nachweisbar ältesten, bis auf das 15. Jahrhundert v. Ehr. zurückzuführenden Blitzableiteranlagen sind nach den Forschungen B r u g s ch - P a s ch ä s die an den altägyptischen Tempeln in Edsu und Dendera. Hohe, mit Kupfer beschlagene Mastbäume, sowie Obelisken, an ihrer Spitze mit .Kupfer bekleidet, dienten nach den Vorgefundenen Inschriften bei diesen Heiligkhümern dazu, „das Ungewittcr an der Himmelshöhe zu schneiden." Ein anderes, allerdings von der Erdoberfläche vollständig verschwundenes, aber allbekanntes Heiligthum, der jüdische Tempel in Jerusalem, scheint, wie das „Archiv f. Post und Tel." den auf uns gekommenen Schilderungen entnimmt, eine für den gleichen Zweck bestimmte, jedoch wesentlich vollkommenere Einrichtung besessen zu haben. Der jüdischeGeschichtsschreiber Flavius Josephus berichtet, dass die obere Terrasse des Tempels starrte von eisernen oben vergoldeten und zugespitztcn Stäben. Josephus schildert den herodianischen, durch Titus im Jahre 70 n. Eh. zerstörten Tempel. Es wird jedoch^nicht zu bezweifeln sein, dass auch der ursprüngliche salomonische Tempel gegen die Bitzgesahr geschützt war. Verwendete doch Salomo nach dem 2. Buch der Chronik zum Tempelbau Gold in reichlicher Menge und überzog u. a. damit die Balken, die Wände und die Thüren: vor dem Tempel stellte er zwei eherne, 35 Ellen hohe Säulen auf. Diese Einrichtung fordert unwillkürlich zum Vergleich mir den oben erwähnten ägyptischen Mastbäumen und Obelisken aus. Bei den vielen Beziehungen, die Salomo mit "Aegypten unterhielt, ist anzunehmen, dass von dort her die Kenntnis von der blitzableitenden Wirkung metallener Gegenstände nach Palästina gelangt und bei dem Bau des Heiligthums, das seiner Lage wegen der Blitzgefahr besonders ausgesetzt schien, auch verwerthet worden ist. Der berühmte Physiker Arago spricht sich darüber, indem er einer gleichen Anschauung des Physikers Lichtenberg beitritt, wie folgt aus: „Ter Tempel der Juden eristierte einen Zeitraum von 10»*o Jahren und war durch seine Lage den sehr starken und häufigen Gewittern Palästinas ganz besonders ausgesetzt. Nichtsdestoweniger haben weder die Bibel noch Josephus uns berichtet, dass der Blitz jemals in denselben eingeschlagen habe. Die Ursache davon ist sehr einfach. Durch besondere Einrichtungen war der Tempel von Jerryalein mit Blitzableitern versehen, die unfern heutigen ganz nahe kamen. Das Dach des Tempels, mit stark vergoldetem Cedernholze bekleidet, war von dem einen Ende bis dem andern mit langen eisernen oder stählernen und oben vergoldeten Lanzen besetzt. Die Frontwände des Gebäudes waren gleichfalls in ihrer ganzen Ausdehnung mit stark vergoldetem Holze bedeckt. Unter dem Vorhofe des Tempels endlich befanden sich Cisterneu, in welche das von den Dächern lausende Wasser durch metallene Röhren abfloss. Wir finden hier die Schafte von Blitzableitern und eine solche Menge von Eonductoren, dass Lichtenberg Recht hatte, wenn er behauptete, der zehnte Thcil unserer heutigen derartigen Vorrichtungen sei weit entfernt, in seiner Eonstruction eine solche Vereinigung von genügenden Umständen darzubieten". Erwähnt sei noch, dass nach den Angaben des lange Zeit in Jerusalem thätig gewesenen Arztes Dr. B. "Reumann, dessen Werke über die heilige Stadt und deren Bewohner zum Theil auch die obigen Ausführungen entnommen sind, die an der Stelle des alten Tempels auf dem Berge Moriah stehende Omarrnoschee im Jahre 1815 von einem Blitzschläge getroffen wurde. Ausnutzung der Wellcnkraft. Versuche, die in den Meereswellen thätige Kraft auszunutzen, sind schon zahlreich angestellr worden und zwar ohne Erfolg. Kürzlich sind aber Messungen an dem Wright'schen Wettenmotor ausgeführt, welche entschiedene Beachtung verdienen. Sein Princip besteht in der "Anwendung von Schwimmern, welche durch die Wellen gehoben und gesenkt werden und dabei Luft in ein Truckgefäst pumpert, in dem auch Wasser vorhanden ist. Dieses letztere wird von der gepressten Luft herausgedrückt und zwar durch Düsen und treibt Peltonräder. Tie Luft dient also als elastisches Kissen, als Puffer für die naturgemäß sehr ungleichmäßige Kraft, welche auf die Schwimmer wirkt. Die Anlage befindet sich bei Los-Angelos in Kalifornien und liefert pro Schwimmer durchschnittlich drei Pferdekräfte. Sie soll nunmehr auf eine Leistungsfähigkeit von 200 Pferdekräften vergrößert werden. Tccwasscr zum Fcuerlöschen. In amerikanischen Seestädten geht man mit dem Plane um, der Ersparnis halber Meerwasser zu Feuerlöschzwecken zu benutzen. Es würde dies auch den Vortheil haben, dass das Salz in demselben, da es die getroffenen Gegenstände mit einer .Kruste überzieht, zum Löschen beiträgt. Zugleich muss man aber befürchten, dass in der starken Hitze sich Salzsäure und Chlor dabei entwickeln könnten, welche das Arbeiten außerordentlich erschweren würden. Hohes Alter einer Eisenbahnschiene. Von der merkwürdig langen Dauer einer Eisenbahnschiene berichten amerikanische Blätter. Auf der Strecke der Baltimore-Ohio-Bahn liegt eine Schiene, welche die Jahreszahl 1803 trägt und noch vollkommen gut ist, so dass ihr weitere zehn Jahre mit großer Wahrscheinlichkeit zugebilligt werden können. Sie stammt, wie man noch feststellen konnte, aus England und gehörte zu einer Partie, welche mit 500 Mark per Tonue bezahlt worden war. Der Preis ist seitdem sehr gefallen; in Deutschland kostet die Tonne heute nur etwa 130 Mark, während sie 1800 noch 100—170 Mark kostete. Die schnellsten Züge Europas. Tie beiden schnellsten Züge in Europa sind gegenwärtig der zwischen London und Bristol und der zwischen Paris und Calais verkehrende, beide mit 85 Kilometer Geschwindigkeit auf der ganzen Strecke, die Aufenthalte eingerechnet. W Meltchrmik. Ucber Isaak Beer Levinsohn, den berühmten hebräischen Schriftsteller in Russland, den mau mit Unrecht den russischen Mendelssohn nannte, weil er ja dem nationalen Jndenthnm viel näher stand, und für dasselbe viel mehr leistete, fand jüngst in dem „Verein zur Verbreitung von Bildung unter den Juden" von St. Petersburg ein sehr interessanter Vortrag statt. Levinsohn wurde im Jahre 1788 in Krzemieniez in Wolinien geboren. Schon als Kind zeigte er eine außerordentlich große Befähigung aus dem Gebiete des Bibel- und Talmudstudiums. Er übersiedelte nach Galizien, verweilte in Lemberg und dann in Tarnopol, wo er mit Joses Perl in nahe Beziehungen trat. Dann begab er sich nach Brody, wo die Jünger Mcndelssohn's eine große Enlturthätigkeit betrieben. Im Verkehr mit Männern wie Rachman, Krvchmal, M. Letteris, Salamon, M. Rappaport bildete sich Levinsohn in der hebräischen Literatur ans, und als er dann in seine Heimat znrückkehrte, gab er im Jahre 1828 sein erstes Werk ,.Theiula be Israelheraus. Dann veröffentlichte er sein Buch gegen die Blutbeschuldigung „Efes Damim" und sein Capitalwerk „Beth Jehuda". Interessant ist der Brief, den der Tirector des Liceums von Krzemieniez Tr. Lewicki an Levinsvhn richtete: „Ich theile Ihnen mit", schrieb er, „dass die polnische Uebersetzung Ihrer Werke über das Judenthum von allen Gelehrten des Liceums gelesen wurde. Möge Ihr Ziel, das Sie erstreben, die religiöse, ökonomische und geistige Renaissance der Inden in Erfüllung gehen." Radbincrversamnrlung "Am 16. Mai fand in Mainz die Versammlung der „Vereinigung traditionell gesetzestreuer Rabbiner" statt. Mahregeln gegen die Juden. Wie die Lemberger Blätter erfahren, werden in Russisch-Polen neue Maßregeln gegen die dortige jüdische Bevölkerung ins Werk gesetzt. Tie Regierung erließ ein Circular an alle Gemeindevorsteher, worin sie dieselbe für die genaue Durchführung der Vorschriften, welche den Juden den Aufenthalt in den ländlichen Bezirken verbietet, verantwortlich macht. Zugleich erhielten die in den Gemeinden Mlonica und Prnszkow und an mehreren anderen Orten angesiedelteu jüdischen Familien den Befehl, bis 20. d. ausznwandern.

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