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Die Welt · 1898-06-03 · 22 (3.6.1898) · p. 3

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
22 (3.6.1898)
Article
Der zweite Baseler Congreß
Date
1898-06-03
Page
3 (sequence 2)
Language
German
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Nr 22 Seite 3 Bis nun ist bereits eine große Anzahl von Juxten der Schekelquittungen eingclaufcu, eine Anzahl von Schekelblvckinhabern hat aber noch keine Juxten eingesendet. Diese Juxten sind bis spätestens am 15. Juni an das Congressbureau nach Basel einzusenden; denn nach dem Beschlüße des vorjährigen Kongresses sind nur die Schekelzahler zur Wahl von Delegierten berechtigt. Nach den Listen der Schekelzahler werden vom Congressbureau die Wahllisten zusammengestellt. Es ist deshalb im Interesse der Schekelzahler nothwendig. dass die Juxten rechtzeitig eingesendet werden. Zionistische Vereine als solche haben nur dann Wahlrecht, wenn der Schekel für ihre Mitglieder gezahlt und beim Congressbureau ausgewiesen wurde. Auch für sie gilt die Bestimmung, dass die Wahl der Delegierten durch Hundertschaften zu erfolgen hat. Uebersteigt die Mitgliederzahl 100, so kann für jedes weitere 100 oder einen Bruchtheil von 100 noch ein Delegierter gewählt werden. Beträgt die Mitgliederzahl weniger als 100, so haben sich die Schekelzahler des Vereines nebst anderen Schekelzahlern des betreffenden Ortes zur Delegiertenwahl zu vereinigen, oder haben, wenn solche nicht vorhanden sind, allein das Recht, einen Delegierten zu wählen. Das Congressbureau wird an jeden Schekelzahler die Schekelliste des betreffenden Ortes versenden und die Verständigung von der stattfindenden Wahl allen rechtzeitig bekauntgeben. Die nach der Instruction zu bestimmenden Vertrauensmänner werden die Wahl zu leiten und für ihren bestimmungsgerechten Verlauf zu sorgen haben. Alle Anfragen, welche sich auf die Delegiertenwahlen beziehen, sind an das Actionscomitö in Wien zu richten. Die Schriftstücke haben an ihrem Kopfe den Vermerk zu tragen: „Delegiertenwahl". In solchen Schriftstücken sollen andere Mittheilungen nicht erstattet werden. In Darkau in Schlesien hat am 29. Mai eine Bertranensmännerversammlung der schlesischen Zionisten stattgefunden, welche über die Agitation für den II. Congress Beschlüße fasste. Die Agitation, die anlässlich des nahen 1l. Congreßes wieder lebhafter eingesetzt hat und unseren Fremrden Gelegenheit bietet, auch in sachlicher Weise Missverständnissen und Unwahrheiten über den Zionismus entgegenzutreten, soll allerorts planmäßig geleitet werden. Petitionen, Wünsche oder Beschwerden sollen registriert und dem Congressbureau baldigst einoesendet werden. Zur Bereinigung sämmtlicher Colonisationsvercine hat das Cvmite bekanntlich schon vor längerer Zeit Anregungen gegeben. Der Verband „Zion der österreichischen Vereine zur Kolonisation Palästinas und Syriens" hat in seiner am 30. Mai obgehaltenen Delegiertenversammlung durch eine entsprechende Statutenänderung dazu freundlich Stellung genommen und wird auch weitere Schritte in der vom Actionscomite empfohlenen Richtung thun. Die Anträge und Gutachten über die Cooperation der Colonisationsvercine werden vom Comit6 dem Congresfe in rinem ausführlichen Referat vorgelegt werden. & pf Woche. Wien, 3. Juni ISUS. Die jüngste Zeit hat uns wieder einige Judenexceße beschieden. Es liegt eine traurige Eintönigkeit in diesen Hiobspvsten. Der Ort ist verschieden, die Zeit, die sogenannte Ursache, sonst ist es das gleiche Lied. Tie Zeitungen thäien gut, wenn sie fertige Notizen bereit hielten, um dann im Bedarfsfälle nur immer Datum, Ort rc. ausfüllen zu müssen. Bei der Reichlichkeit der Bedarfsfälle würde sich gewiss eine solche journalistische Vorsichtsmaßregel als praktisch erweisen. Man könnte übrigens, wenn man einigen Scharfsinn darauf verwenden wollte, auch das Datum des Bedarfsfalles vorherbestimmen. Man könnte eigene Judenexcefskalender „mit kritischen Tagen" erster, zweiter und dritter Ordnung zusammenstellen. Gar so schwierig ist das ja nicht, und die Wahrscheinlichkeitsrechnung würde hier zum mindesten ebenso oft richtige Resultate ergeben, wie das Prophezeien der Witterung und anderer Naturereignisse. Wenn z. B. in irgend einer judenreichen Gegend einige Hundert Taglöhner mit irgend einer Arbeit beschäftigt sind, welche muthmaßlich in einer gewissen Frist erledigt sein wird, so dass die Taglöhner um diese Zeit beschäftigungslos werden, dann kann man, ohne große Combinationsgabe zu besitzen, im Judenexcefskalender einen kritischen Tag, eine kritische Woche anzeichnen. Oder wenn man aus den Ernteberichten und den stattstischen Taten über den Lebensmittelconsum einer Gegend schließen kann, dass zu einer bestimmten Zeit eine Theuerung eintteten wird, dann kann man wieder gettoft in dem Kalender einige krittsche Tage auzeichuen. Wenn man den Berhandlungstag tendenziöser Procefse oder das Datum von Wahlen rc. voraus weiß, dann ist es schon gar leicht, die krittschen Tage zu bestimmen. Tie Osterwoche wird selbstverständlich jedes Jahr roth anzustreichen sein. Der prakttsche Wert eines solchen Kalenders liegt auf der Hand. Tie Juden könnten immer rechtzeitig die nöthigen Vorkehrungen treffen, sie könnten in andere Gegenden flüchten, sichere Verstecke im Keller aufsuchen, Militär requirieren, oder eingedenk ihrer hohen „Mission" sich schon einige Tage vor dem Ausbruch der Excesse in die erforderliche Fassung und Märtyrergeduld, die den Juden bei Blutbädern immer so schön geziert hat, hineinleben. O, die Juden könnten mit einem solchen Judenexcefskalender in der Hand gar Manches zur Verbesserung ihrer Lage thun. Freilich wird es neben diesen, mit ziemlicher Sicherheit bestimmbaren Tagen eine Menge von Excessen geben, die einfach unberechenbar sind; denn es ist eine merkwürdige Eigenthümlichkeit aller Tinge und Vorgänge, dass sie Judenexceße Hervorrufen können. Man kann ohne poetische Hyperbel den Satz aufstellen: Es gibt nichts auf dieser Welt, was nicht zum Anlass eines Judenexcesses werden könnte. Jede Fliege, die dem christlichen Gast bei dem jüdischen Wirt in die Suppe fällt, jeder Bacillus, der eine ansteckende Krankheit in einer Gegend hervorruft, jeder Dachziegel, den der Wind während eines Festzuges von dem Hause eines Juden loslöst, jedes Thier, dessen vermoderte Knochen zur Osterzeit in der Nähe einer jüdischen Wohnung gefunden werden, jeder angefaulte Apfel, jedes verdorbene Ei, jeder rostige Nagel, jede fadenscheinige Hose, die zum Stteit zwischen dem jüdischen Händler und dem nichts jüdischen Käufer führen, kurz alles, alles kann Judenexceße erzeugen. Die Geschichte der Juden beweist das zur Genüge. Es ist eine Art kosmischer Antisemitismus, ein Pan-Antisemitismus. Ta haben wir z. B. die jüngsten Judenexceße in Przemysl. Tort waren Ziegelsteine die „Ursache". Ter Borrath an Ziegeln war erschöpft, daher mussten die Arbeiter die Arbeit einstellen, und daher mussten sie über die Juden hcrsallen. Ter ^Antisemitismus im Ziegelstein. Diese Eigenschaft hat übrigens der Ziegelstein schon früher an den Tag gelegt. Es ist freilich eine kleine Weile her, und damals war es nicht der Verbrauch, sondern die Production der Ziegel, was den Juden Leiden vcr-

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