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Die Welt · 1898-05-27 · 21 (27.5.1898) · p. 14

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
21 (27.5.1898)
Article
[Kommentar]
Date
1898-05-27
Page
14 (sequence 2)
Language
German
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-^wrennr 'jacoawtr Nr. 21 uns durch jene beirren zu lassen, die das Gefühl der Zusammengehörigkeit irn Judenthum ersticken wollen, welche die auf dem zionistischen Congress mit der edelsten Absicht versammelten Männer ohne jeden Grund als Vaterlands - Berräther verschrieen und im besten Falle als Schwärmer bezeichnet haben, die den guten Ruf der patriotischen Judenheit gefährden. Das auf welche Art immer sich kund gebende Mitgefühl für unsere Brüder darf nicht zur Frage des Patriotismus gemacht werden, und das Streben nach Realisierung der seit Jahrtausenden genährten Hoffnungen ist keine leere Schwärmerei, sondern ein edles, ernstes Ziel, welches mit der Hilfe Gottes und durch die Begeisterung des Judenthums auch erreicht werden kann." Ueremsmchnlhtk«. Wien. Der Einzelverein „Landstraße" des „Zion" hält Samstag, den 27. Mai um */,8 Uhr Abends in Hatscheks Restaurant (U., Praterstraße 11) eine öffentliche Veremsversammlung ab. Das Referat „Zionismus und zionistische Bewegung" wird Dr. Werner führen. FknU Das eine Wort. Von R. A. Brandes. Noch nie in meinem Leben war ich auf mich so stolz, noch nie so voller Selbstbewusstsein, noch nie so gehobener, feierlicher Stimmung, als in jener Nacht. Natürlich. Es ist auch keine Kleinigkeit, eine uneingeschränkte Macht zu besitzen, Herr zu sein einer geheimnisvollen Kraft, die alles zu schaffen vermag, wie nur noch der berühmteste Wunderrabbi. Und mir schien, dass auch die ganze Natur noch nie auf ihre Pracht so stolz war, als in jener Nacht. Sie machte gute Miene zu meinem Spiel. Der Himmel war von seltener Bläue, keine Wolkenspur war weit und breit zu sehen, die irgendwo seine Reinheit befleckte. Und über meinem Scheitel der silberne Mond, ebenfalls stolz einherschreitend unter der zahllosen Sternenmenge, wie ein Gebieter inmitten der Schar seiner Unterthanen. Und unten auf der Erde leuchtete und blinkte jeder Grashalm, jede Feldblume, jedes Blatt — und ich stand in der Mitte, die Augen gen Himmel gerichtet, in meine Gedanken vertieft und voller-Selbstzufriedenheit. Die jüdischen Bewohner des Städtchens saßen in den „Klausen", in den Bethäusern oder zuhause und „sagten" andächtig den „Tikun". Ich allein stahl mich aus den Mauern hinaus ins Freie, um aufmerksam den Himmel zu betrachten. Wusste ich doch ganz gut, was die Schwuothnacht zu bedeuten hat, und von was für Folgen sie für das ganze Menschenleben sein kann. Schon lange wartete ich auf diese Nacht, sehnsuchtsvoll auf die Minute, in der sich der Himmel plötzlich spaltet und jeder Wunsch, während der Dauer dieser göttlichen Erscheinung ausgesprochen, ohne Weiteres ist Erfüllung geht.*) Ach, ist das eine herrliche Minute! Ich brauche nur zu sagen, und es geschieht, zu befehlen, und es wird vollstreckt, zu beten, und es wird erhört .. . Ich bin ein Gott auf der Erde. . . Mir wohnt die allgewaltige Kraft inne, über die ganze Welt zu verfügen. . . Ich bin der König aller Könige, und sei es nur eine einzige Minute! Ja, es dauert aber nicht eine Minute! Der Himmel spaltet und schließt sich — und das ist ja das Werk einer einzigen Secunde. Die Zeit ist ja so kurz! Was kann ich in einer Secunde befehlen oder beten? Die Zeit reicht aus für ein einziges Wort. Nur ein Wort werde ich aussprechen können. Freilich, dieses Wort geht in Erfüllung, es wird ohne Weiteres zur That, aber es ist doch nur ein einziges Wort! Lemberg. In den Ausschuss der „Z i o n i st i s ch e n Academischen Lesehalle" in Lemberg wurden auf die Dauer des laufenden zweiten Semesters gewählt: Dr. S. S ch o r, Präses; ciiem. Sztencel, Vicepräses; jur. Krebs, Schriftführer; ju>'. Löwenherz, Bibliothekar; jur. Koch, Cassier. Frumosa. In dem von Herrn L. Druckmann freundlich zur Verfügung gestellten Bethause fand am 9. Mai das Lag- Boaumersest unseres Zionsvereines statt. Die Feier gestaltete sich zu einem wahren Familienfeste und verlief in äußerst animierrer Stimmung. Es sprach Herr R e i n h o l d. Die Damen Pep i und Rosa Druckmann trugen zionistische Lieder vor. Der Abend führte dem Verein 24 neue Mitglieder zu. Kimpolung. Der Verein „Zion" veranstaltete anlässlich des Todestages des berühmten Gelehrten Rabbi Bar I o ch u i am 9. Mai in der hiesigen Synagoge einen Festgottesdienst. Nach der Begrüßung durch den Obmann Dr. Zaloscer hielt W. R u d n e r die Festrede, welcher die Bedeutung des Lag-Boaumerfestes schilderte und den Zionismus mit Aussprüchen des berühmten Rabbis bewies. Dr. Zaloscer richtete hierauf einen Appell an die Anwesenden, den Zionismus nach besten Kräften zu fördern. Mit der Absingung der zum Andenken des Gelehrten gedichteten Gesänge durch den Cantor W. Schächter schloss die Feier. l e t o«. Und was soll das für ein Wort sein? Was kann ich mir in einem Worte wünschen? Es muss doch ein großes Wort sein, ein bedeutendes Wort, das eine Welt von Wünschen enthalten soll, ein Wort, das all mein Verlangen erfüllen, alle meine Wünsche befriedigen soll. Was soll das für ein Wort sein? „Reichthum!" Ach nein, im Reichthum liegt doch nicht das ganze Glück. Reich sein! Ist denn das alles, was der Mensch sich wünschen soll? Ist das der Gipfel aller Wünsche? Ach, wieviel reiche Leute gibt es in der Welt, die so gründlich unglücklich sind! Bei vielen Menschen ist ja der Reichthum zur Krankheit geworden, durch die sie ihre besten Eigenschaften einbüßen. Viele verlieren das Herz, wenn sie das Geld finden. Ein Herz um Reichthum einzutauschen — pfui, das ist hässlich. Ich will ein Mensch bleiben, ich will nicht reich sein. „Glück!" Das ist ja ein vergebliches Gebet. Gibts denn Glück in dieser Welt? Frommer Wunsch! Grafen und Fürsten sind nicht glücklich, die größten Männer haben zu leiden — es ist ja eine ausgemachte Sache, es gibt keinen Glücklichen aus diesem Stern. Ich weiß ja auch von jener schönen Geschichte zu erzählen. Da suchte man einst für einen kranken Herrscher das Hemd eines glücklichen Mensuchte lange und fand ihn nicht Als man ihn endlich nach langer Mühe gefunden, ach, da besaß der Glückliche kein Hemd . . . „Langes Leben!" Ja, das könnte mir noch fehlen! Wie oft überkommt mich nicht ein Ekel vor dem Leben, wenn ich so zusehe, was hier alles getrieben wird. . . Halt! Da kam mir plötzlich ein Gedanke. Ist das nicht ein unerhörtes Unrecht, so eine Secunde für mich selbst auszunützen? Ist das nicht ein sündhafter Egoismus? .. . So ein heiliges Wort, so eine theure Secunde — ich muss sie meinem Volke opfern. Man soll nicht von mir sagen, dass ich in einem entscheidenden Momente, wo ich der ganzen Leidensgeschichte meines armen Volkes mit einem Worte ein Ende machen konnte, nur an meine Person gedacht habe .. . Mein armes Volk! Wie wirst Du unterdrückt, wie sehr bedarfst Du des Erbarmens und der Hilfe! Nein, ich für meine Person will nichts mehr, ich will für mich nicht wünschen und nicht verlangen . .. mein Volk ist bedroht und ich will für dasselbe um Hilfe flehen! Aber um was soll ich für mein Volk in einem Worte erbitten? Unsere Pein ist ja unsäglich, unsere Leiden grenzenlos, und wie soll dem mit einem Worte abgeholsen werden? Unsere Lage unter den Völkern ist ja so grund- *) Eine Volkssage.

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