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Die Welt · 1898-05-27 · 21 (27.5.1898) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
21 (27.5.1898)
Article
Paris
Date
1898-05-27
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 21 J&OWdC Seite 13 competent. Daraufhin erklärte Labori, dass er die Nichtigkeitsbeschwerde an den obersten Gerichtshof erheben werde. Ta infolge dieser Erklärung die Verhandlung suspendiert werden wusste, so wird erst nach Erledigung der Nichtigkeitsbeschwerde wieder das Verfahren gegen Zola eingeleitet werden können. Die angesammelte Menge demonstrierte in der bereits von früher her bekannten Weise gegen Zola und Picqnart. Paris. Die Lage des Ministeriums ist durch die Wahlen empfindlich verschlimmert worden. Die Radicalen und Socialisten haben zwar in Paris selbst keine Erfolge zu verzeichnen. Um so größeres Erstaunen rufen ihre Erfolge in der Provinz bei den Regierungsblättern hervor. Auch die Mvuarchisten haben einige Erfolge zu verzeichnen; man schätzt ihre Zahl auf 50. Ter Marineminister L e b o n und der Unterstaatsfecretär D c lp e u ch, die bei den Wahlen unterlegen find, haben demissioniert. Im großen und ganzen ist das Bild der Kammer wenig verändert. Bon dieser Kammer, in der die Reactionäre und Antisemiten vielleicht die ausschlaggebende Rolle spielen werden, hat weder Zola noch der unglückliche Treyfus etwas zu erwarten. Russland. Kischinew. Der bekannte Zionistenführcr Dr. Bern st e i n- K ohan in Kischinew, der in unrichtigen Korrespondenzen des „Jewish Ehronicle", als der Opposttiousmacher der Borconferenzcn hingestellt wurde, richtet an dieses Blatt eine längere Erwiderung, der wir die folgenden markantesten Stellen entnehmen: „Diese Corrcspondenz, in der die Unwahrheit mit der offenkundigen Böswilligkeit harmonisch gepaart find, will ich als Theilnehmer der Borconferenzen hier näher beleuchten. Erstens dauerten die Berathungeu nicht :)'/«, sondern volle vier Tage, mit zwei und sogar drei Sitzungen täglich, die Eommissionssitzungen ausgenommen. Es war keinesfalls eine kleine Berathung, da derselben bis 30 Personen beiwohnten, und jede gestellte Frage ganz ernst und sehr detailliert behandelt wurde. Während der Consercnz wurde Tr. Nordau von keinem der Anwesenden, auch nicht von Dr. Mintz in irgend welcher Weise angegriffen. Was das „Rügen der russischen Zionisten" anbelangt, so war überhaupt davon keine Rede, cs war nur eine Bitte an das Wiener Bureau um Aufklärung der Sachlage. Ich kann es im Namen aller drei russischen Eoinitmnitglieder aufrichtig erklären, dass die gegebene Aufklärung uns Muth cingeflößt hat. Wir haben die sichere Ueberzeugung gewonnen, dass wir mit vollem Recht und Vertrauen . die vom Volk so gern gebrachten Opfer annehmen können, dass wir auf dem rechten Weg zum Heile der Station schreiten. Unsere Bemühungen an der Borconferenz waren dahin gerichtet, alle Mittel in Anwendung zu bringen, um alle Kräfte für unsere Sache zu gewinnen, jeden Zwist und jede Missstimmung am zweiten Eongress zu vermeiden und alle Parteien zu vereinigen. Jedenfalls lag es uns ganz fern, der jüdischen Welt irgend einen Beweis unserer Uneinigkeit vorzuführen, wie es die Ausführungen der benannten Corrcspondenz nach Kräften thun. Bulgarien. Sofia. Der Club Serubabel befasste sich bereits in seiner letzten Sitzung mit dem Programm des zlveiten Congresses in Basel und beschloss, in nächster Zeit eine größere Versammlung abznhalten und die Programmpnukte zur Discufsivn zir stellen, wie auch über die Wahl des Delegierten schlüssig zu werden. In derselben Sitzung besprach der Vorsitzende die niisslichen Schnlverhältnifie bei den deutschen (Aschkenasi) Inden und die Erfolglosigkeit der von ihm bei der All.-Jsrael.-Universelle und der Frau Baronin Hirsch gemachten Vorstellungen. Es wurde beschlvffen, diese Angelegenheit nicht außer Acht zn laffen und energisch für ihre günstige Erledigung einzntretcn. Wer da weiß, mit wie vielen tausenden Kronen die A.-J.-U., die Anglo-Jewish-Association und Baron Hirsch die spaniolische Sofiaer Gemeinde jährlich unterstützt — und wie sehr die armen aschkenasischen Juden von allen diesen Cvrporationen so arg vernachlässigt werden, wird gleich uns wünschen, dass die maßgebenden jüdischen Kreise endlich auch diesem Theile der Juden die so nöthige Hilfe angedeihen lasse. Sofia. Der neugewählte Cultnsvorstand der spagnolischen Gemeinde ließ eine Commifiion znsammentrcten. welcher die Angelegenheit der Blutbefchuldignng zum Gegenstände der Berathung vorgelegt wurde. Wie wir vernehtnen. hat diese Commission eine Aufforderung an das Blättchen „Otzuw" (Echo) gerichtet, die lügenhaften Ausstreuungen über die Blrtaffaire (?) in Jamboli, gemäß dem Pressgesetze zn dementieren. Da aber die Redaction sich an die gerechten Forderungen der Tschifater Juden nicht kehrt, wurde gegen sie ein Pressprocess seitens des Synagogenvorstandes anhängig gemacht. Wie wenig dieser Schritt Aussicht auf Erfolg hat, beweist die Nummer 381, welche von Jnvectiven gegen Inden und Jndenthum strotzt. Der Mahnruf, welchen der ehemalige Minister Radvslawvw, welcher auch Ministerpräsidcrt in spe ist — an die Journalistik in Bulgarien gerichtet, sich nicht durch den Antisemitismus zu beflecken und das Einvernehmen zwischen den israelitischen und bulgarischen Bürgern des conftitutionellen Bulgariens nicht zu trüben, war erfolglos. Vergebens scheint auch die Abfertigung, welche der Blutrummel und seine Hintermänner seitens des Regierungsorganes „Myr" erhielt. Tie Juden Bulgariens, welche zu den anspruchslosesten unter unseren Brüdern gehören, werden nun unausgesetzter und ärger als je zuvor den Antisemitismus am eigenen Leibe zu kosten bekommen. Haben doch die 30.000 bis 40.000 Inden fast gar keinen 'Antheil an der Staatsverwaltung, keinen einzigen Vertreter in der Kammer — hingegen genug in jenem Stande, in welchen! man sein Leben einsetzt — und dafür einen Franc per Monat erhält. Bedenkt man, dass die spagniolischen Inden ihre Söhne durch die Präsenzzeit mit den nöthigen Lebensmitteln versehen, damit diese nicht trese essen, dass diese ferner fast gar keine Chargen bekleiden — so muss man die Selbstlosigkeit bewundern, mit welcher die Juden ihre Militärpflicht erfüllen. England. London. Der Tod G l a d st 0 n e s lässt alle Ereignisse znrücktrctcn. In Wahrheit geht auch sonst vom jüdischen Gesichtspunkte Wichtiges nicht vor. G l a d st o n c hat einen großen Antheil an der Emancipativn der Inden und an der Zurückweisung des Judeneinwanderungs-Berbotes. Er wird in der Geschichte als das Ideal eines englischen Freiheitskämpfers gelten. Die demagogische Seite seines Charakters brachte ihn in Berührung mit allen Classen der Bevölkerung, aber er beschäftigte sich mehr mit dem Judenthum als mit den Inden. G l a d st o n e wird noch lange in aller Andenken leben, aber nicht so lange wie sein großer jüdischer Gegner D'Jsraeli. Im Leben hatten sie nichts miteinander gemein, und nach dem Tode werden sie stets auscinaudergehalterr werden. .7. de H. & Mslliriftklmmdschllll. Unter dem Titel „Der jüdische Geist" erscheint in Jassy seit jüngster Zeit dreimal wöchentlich eine neue jüdisch-deutsche Zeitschrift. Dieselbe bringt auch Jlluftratkonen und ist im zionistischen Sinne geleitet. Herr Rabbiner Dr. B. Singer aus Topolcza veröffentlicht in der jüngsten Stummer der Zeitschrift „A Jövö" einen trefflichen Artikel unter dem Titel „A le^-johi» üi" („Der beste Weg"). Er weist darin aus die traurige Lage unserer Brüder in Russland und Rumänien hin, berührt die Eolonisationsidec des verstorbenen Barons Hirsch und fährt dann fort: „Die übrigen Theile des Jndenthums jedoch haben sich zur sträflichsten Unthätigkeit vermtheilt; die Rabbiner, orthodoxe und fortschrittliche, haben Trauerreden über Baron Hirsch gehalten, seine Idee verherrlicht, wenn man aber die Verwirklichung derselben auf andere Weise plant, protestieren sie dagegen heldenmüthig .... Solange man uns nicht zurückstößt, nähren wir uns von den Berschmelzuugstheorien, und während die Zionisten in ihren Zielen jedenfalls großartigere Bewegungen cinacleitet haben, erblickte der Kortesch-Patriotismus darin überall Paterlandsverrath. Als ob der Selbsterhaltungstrieb der Race eben nur aus uns vertilgt worden wäre, so wird die Unthätigkeir als heilbringender Zweck und die Gleichgiltigkeit als einzig gestattetes Mcktel betrachtet. Ein Heim denjenigen, in denen ihr Vaterland Stieftinder erblickt, ein Heim denjenigen, an welche in ihrem gegenwärtigen Vaterlande die Cultur nicht hinanreicheu kann, weil man sie ihnen absperrt, das ist die einzige Art, wie wir die europäische Jndcnsrage lösen können. Werden die Umstände günstig sein, dann wird der geheiligte Boden Palästinas seine verbannten Kinder wieder anfnehmcn; wenn unüberwindliche Schwierigkeiten dies verhindern, so werden wir für sie ein anderes Terrain suchen. Zu diesem Zwecke müssen wir Vereine gründen und das groß anaeleate Unternelunen mit unseren §;nenve„ „nto,-,ni«»»

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