Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 21 (27.5.1898)
- Article
- London / J. de H.
- Date
- 1898-05-27
- Page
- 12 (sequence 1)
- Language
- German
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Seite 12 j>i?3&Wdtr Nr 21. London. Der Special-Bericht des „Jewish World" aus Köln, über den Stand der Bewegung hat hier den besten Eindruck gemacht. Das Conferenz-Comiw hat seine Arbeir bereits vollendet und die Föderation dürfte bald zu Stande kommen. In Manchester und Liverpool wurden jüngst zionistische Versammlungen abgehalten und hier wird am nächsten Sonntag in der „Bnei Zion Association", deren Präsident R. M aper über seine Reise nach Palästina Bericht erstatten. Chief Rabbi Dr. Ga st er wird den Vorsitz führen. J. de H. Alexandrien. Ueber Initiative des Chief Rabbi H a z a n ist hier ein zionistischer Verein gegründet worden. Potchcfstroom (Transvaal), 22. April. Als wir vom vorjährigen Baseler Congress Kenntnis erhielten, beschlossen wir sofort, in unserer Stadt einen Chowewe Zionverein zu gründen. Dieser Beschluss wurde auch ausgeführt, und wurde im Sinne der Baseler Beschlüsse die Schekelsammlung allsogleich eingeleitet. Wir bitten Sie, unsere Vereinigung als zur allgemeinen zionistischen Organisation zugehörig zu betrachten. I. Buch mann. Correspliildenzeu. Oesterreich-Ungar». Wien. Der Rechnungsabschluss für das Jahr 1897, der auf der Tagesordnung der letzten Cultusvorstandssitzung stand, hat im Gegensätze zu den früheren Jahren schon einen kkeberschuss zu verzeichnen. Dieser Umschwung im Gemeindehaushalt ist sehr leicht erklärlich. Die Cultussteuer hat Dank der zeitgemäßen Reform im letzten Jahre 343.529 Gulden ergeben; ein Jahr früher verschaffte sie der Gemeinde kaum ein Einkommen von 19Y.813 Gulden. Allein auch jenes erhöhte Einkommen genüge noch nicht, meinte der Referent, Cultnsvorsteher H i r s ch, um den immer größeren Anforderungen, die an die Gemeinde gestellt werden, entsprechen zu können und man werde daher an neue Einkommensquellen denken müssen. Er vergaß eben, dass es schon die höchste Zeit ist, dass die Cultnsgemeinde angesichts der allgemeinen Steuerreform und insbesondere mit Rücksicht aus die staatliche progressive Einkommensteuer auch ihre Steuer etwas modernisiere. Wir finden fast überall im Anslande, dass die Cultuc-stcuer nicht in einem absoluten Betrage, der erst von eigenen Schätzungscommissionen bestimmt wird, sondern in einem Percentsatz der allgemeinen Einkommensteuer besteht. Die Sache ist dann gerechter und viel einfacher. Aus der Tagesordnung stand auch eine der wichtigsten Fragen, die in das Bereich eines Cnltusvorstandes gehörte. Es handelt sich um neue Lehrbücher für jüdische Geschichte und Bibel. In den Mittelschulen stehen bisher in Verwendung C a s s e l's Lehrbuch für jüdische Geschichte und A u e r b a ch's Schulbibel. Das Unterrichtsministerium drängt nun seit Jahren auf Einführung anderer Bücher au Stelle dieser unzeitgemäßen. Wohlgemrrkr: das llnterrichtsministcrium muss den Cultusvorstand erst dazu drängen! Im Jahre 1887 hatte der Vorstand einige Preise für Lehrbücher ausgeschrieben, aber es hat sich niemand gemeldet. Wie Cultnsvorsteher Dr. Berger meinte, habe man seitdem gewartet, bis ein Buch vom Himmel fallen wurde, cs sei aber doch nicht hernutergcfalleu. Referent Dr. Gustav Koh n beantragte die Wahl einer Commi ssion, die für die Ausarbeitung neuer Lehrbücher Directiven sestsetzen würde. Dr. Berger und Dr. Spitzer kritisierten die bisherige Lässigkeit des Cnltusvorstandes sehr scharf und letzterer wies besonders darauf hin, dass die heutige Generation in Wien, U'cnu sic zur Thora aufgerufen wird, nicht einmal mehr fähig sei, den Segen zu sprechen.... Der Antrag des Referenten wurde sohin angenommen. Zu verzeichnen wäre noch, dass in der Frage der Armcnpflegereform, über die bereits eine Enquete stattgefundcn hat, jetzt Wiederum mit einzelnen Experten in der II I. Section „Berathungen" stattsindcu sollen. Inzwischen sind schon fünf Monate ins Land gegangen. Und es wird noch einmal Wintec werden und noch einmal Frühling, ein ganzes Jahr, die Sache hat ja keine Eile .... L. Brün». Das Pressbureau der „deutschen Fortschrittspartei" versandte dieser Tage an die von ihm versorgten Blätter einen Aufsatz, welcher die Grazer Verhältnisse zum Thema hat. Der Aufsatz beginnt mit den Worten: „Vorläufig ist es nur eine press hebräische Faust, welche den Deutschen in Graz gezeigt wird. . . ." Da es bisher nicht Gepflogenheit war, bei ofsiciösen Händen, von denen eine sich zur Faust geballt hat, nach Geburt oder Abstammung zu fragen, muss man annehmen, dass auch die „Deutsche Fortschrittspartei" ihren Anhängern durch den Mund ihrer Parteikanzlei kund und zu wissen thuu will, dass sie für die nette Mode der antisemitischen Größen ein faible hat. Das kann weiter nicht verwundern; Frau Mode hat auch die „stärksten Geister" schon zu ihren Füßen niedergezwungen. Es bleibt nur abzuwarten, ob jene Mitglieder der Fortschrittspartei, welche bisher der eifrigen Arbeit „presshcbräifcher" Hände ihre Mandate verdanken, von dieser Classisicierung des Parteibureaus große Freude haben werden. . . . Lemberg, 25. Mai. Dem Dziennik Polski wird aus P r z e m y s l berichtet: Gestern Abends haben die Arbeiter- Excesse sich nicht nur erneut, sondern sogar viel bedenklichere Formen als am Vormittag angenommen. Johlend und schreiend stürzte sich die Menge neuerdings ans d ie Standplätze der Händler im Judenviertel u nd v e r n i ch t e t e alles, w a s i h r i n d e n Wurf k a m. Die Rotte hielt sich nirgends auf, sondern sie durchquerte eilends die Straßen, überall eine starke Panique verbreitend. Es wurden mehrere Kaufläden geplündert und zahlreiche Fensterscheiben in Judenhäusern zertrümmert. Polizei- Organe und Militär-Patrouillen verfolgten im raschen Schritt die Excedenteu. Ungefähr sechzig Individuen wurden festgenommen, darunter auch ein Universitätshörer namens Boryslalvski. Die Verhafteten benahmen sich überaus renitent. Von den excedierenden Arbeitern wurde einer arg zugerichtet und milsste ins Spital gebracht lverden. Die jüdische Bevölkerung befindet sich in großer Augst. „N. Fr. Pr. Rzeszow. In der Nummer 19 vom 13. Mai 1898 brachte eine Wiener jüdische Wochenschrift, welche von den Cnltusvorständen subventioniert wird, eine Correspondenz aus Rzeszow, in welcher unter anderem mitgethcilt wird, dass die Finanzen der Rzeszower Cnltusgemeiirde sich gegenwärtig ganz irn Gegensatz zu früher in der rosigsten Lage befinden. Nachdem zuerst von der Gründung eines jüdischen Spitals als Kaiserjnbiläums-Stiftung und der neuen Cultnswahl, die am 1. Juni l. I. stattsiudet, berichtet wurde, kommt gleich hinterher der bestellte Pauegyrist zicm Vorschein. Er lässt zuerst dem Präses und kaiserlichen Rath Herrn I. Holzer den wärmsten Dank für dessen bisherige ersprießliche Thätigkeit und musterhafte Leitung einstimmig votieren, um nebenher den Commentar dazil nachhinkcn zu lasten. Herr I. Holzer habe angeblich die Gemeinde-Agenden zu einer Zeit übernommen, wo die Passiven die Actwcn um fl. 13.000 überstiegen, während heute die Gemeinde ein Barcapital von fl. 6000 aufzuweisen habe. Die Absicht des Lvbredners ist zu durchsichtig, als dass sie jemanden täuschen köimte. Thatsache ist, dass zur Spitalsgründung ein Legat von fl. 2000 entgegen den Intentionen des Erblassers verwendet werden musste. Thatsache ist ferner, dass die Gemeinde mit fünf Raten einer Hypothekarschuld im Betrage von fl. 1500 im Rückstände ist; Thatsache ist, dass neben anderen vielen kleineren Schulden die beiden hiesigen Apotheken fl. 1200 zu bekommen haben; Thatsache ist ferner, dass keine Barschaft aufzuweisen ist, vielmehr kommt das gegenwärtige Deficit dem der Vorgänger des Herrn I. Holzer sehr nahe. Was das jetzige Regime für sich allerdings in Anspruch nehmen kann, ist einzig und allein der reactivnäre Geist einer unnatürlichen Allianz, welche die extremsten Parteien, Assimilanten undPseudoconservative zum Schaden der Allgemeinheit eingegangen sind. Intimus. Frankreich. Paris. Am 23. Mai begann der Versailler Process Zok a's- Er dauerte zwei Sttmdcn und endete mit der Suspendierung der Gerichtsverhandlung. Zola's Vertheidiger, Maitte L a b v r i hatte die Einwendung der Compete nz erhoben. Der Gerichtshof unterdem Präsidium Pöriviers erklärte sich trotz der Einwendung