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Die Welt · 1898-05-27 · 21 (27.5.1898) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
21 (27.5.1898)
Article
Drumonts Wahlkosten [Nachricht]
Date
1898-05-27
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 21 Seite 11 jedenfalls seine Hintermänner zur Verfügung gestellt. Drumout selbst ist nämlich außerordentlich sparsam. In der Redaction der „ Libre Parole" wird er darum von seinen Mitarbeitern hinterrücks „lejuif“ genannt, was ja im.Munde dieser Herren keine Schmeichelei bedeuten will. Ein Ehrenalbum für Zola. Ein jüngst begründetes Comite, dem für Frankreich Madame Süvörine, Clemeuceau, Octave Mirbeau, Senator Rauc, und für Belgien die Deputierten Denis und L o r a n d, die Senatoren Maet e r l i n k und Berhaeren angehören, hat sich zur Aufgabe gemacht, ein Ehrenalbum mit den Beiträgen der größten Staatsmänner, Journalisten und Dichter, mit den Verhandlungsprotocvllen beider Processe, den wichtigsten Artikeln und auswärtigen Pressstimmeu über dieselben zu überreichen. Eine jüdische Bibliothek für 40 Rubel; Die berühmte und wertvolle Bibliothek der Rabbinerschule in Wilna, die im Jahre 1872 behördlich geschloffen wurde, ist jüngst in aller Stille um 40 Rubel verkauft worden. Vom Schwurgerichtshofe in Stanislan wurde dieser Tage der achzigjährige Bauer Franz Wisniewski wegen doppelten Raubmordes zum Tode verurtheilt. Die Morde wurden an der Jüdin Mariem Halbrecht im Jahre 1878 und an der aus sechs Personen bestehenden jüdischen Familie Leiser Tannenhauser im Jahre 1884 verübt, sind aber in letzter Zeit durch einen Complicen auf dem Todteubette verrathen worden. Der alte Verbrecher ließ sich während der Verkündung des Urtheils eine Prise Schnupftabak gut schmecken. Die christlichen Mitglieder des Lemberger Gemeind er ath es beschlossen, einen eigenen Club mit Ausschluss der Juden zu bilden, welcher den Namen „Bürgerclub" führen wird, und sich zur Aufgabe gestellt hat, die „christlichen" Grundsätze im öffentlichen Leben, vorwiegend aber in der Verwaltung der Hauptstadt Galiziens zur Geltung zu bringen. Ueber die Lebensdauer der Juden sprach jüngst Dr. Grußenberg in einem Petersburger Verein. Er wies nach, dass das Durchschnittsalter bei den Inden 22'13 Jahre beträgt, womit sie gegenüber den anderen vier Gruppen (Orthodoxe, Lutheraner, Katholiken, Mahomedaner) eine Mittelstellung einnehmen. Allein anders stellt sich das Verhältnis, wenn wir die Personen im Alter über 6 Jahre in Rechnung ziehen. Dann beträgt das Durchschnittsalter bei den Lutheranern 47 Jahre, bei den Orthodoxen und Katholiken 44 Jahre, aber bei den Juden 40 bis 41 Jahre. Das beweist somit, dass bei den Juden die Sterblichkeitsziffer der Kinder infolge der sorgfältigen Pflege eine sehr geringe ist, die Ziffer jedoch der Erwachsenen infolge dec Noth und des Massenelends die aller anderen Völker weit übersteigt. Personalnachrichten. Freitag, 27. Mai, 4 Uhr Nachmittags, begehen Herr Richard Wolf a. H. a. H. der akademischen Verbindung „Kadimah", und Herr Leopold Läufer, a. H. a. H. der akademischen Verbindung „Unitas".iui Festsaale der Universität ihre Promotion zu Toctoren der gesammten Heilkunde. Me Mi-ische Bewegung. Spende» für zionistische Zwecke find an Herrn Dr. O. Kokcsch, Hofnnd Gerichts-Advocate« in Wien. 1-, Singer straße 25, zu sende«. Sämmtliche Theilnehmer der Vorconferenzen (mit Ausnahme des Actionscomites) haben folgendes Schreiben an die Redaction des „Jewish Chronicle" gerichtet; -sehr geehrter Herr Redacteur! In einer der letzten Nummern Ihres geschätzten Blattes befindet sich ein Bericht über die Wiener Vorconferenz von Dr. A. K a m i n k a, den die gefertigten Theilnehmer an der genannten Conserenz nicht unerwidert lassen können. Vor allem müssen wir unsere Verwunderung darüber aussprechen, dass Herr Dr. Kaminka die in der ersten Sitzung der Konferenz «der er ebenfalls beigewohnt hat) von den Theilnehmern ehrenwörtlich übernommene Verpflichtung, von den Verhandlungen der Konferenz nichts zu verlautbaren, so ganz außer Acht gelassen hat. „Seine Mittheilungen hätte sich Herr Dr. Kaminka umso eher ersparen können, als er ja nicht in der Lage war, aus eigener Anschauung u berichten, da er ja den meisten Sitzungen fern geblieben ist; dem entsprechend enthält auch sein Bericht viele Unrichtigkeiten. Ob es von Dr. Kaminka loyal und gut zionistisch war zu einer Zeit, wo der Zionismus eine seiner wichtigsten Actionen zu unternehmen im Begriffe steht, diese als „sehr phantastisch und problematisch" zu bezeichnen, das zu beurtheilen überlassen wir jedem nüchtern denkenden Menschen. Gegenüber den durchaus unbegründeten Angriffen des Herrn Dr. Kaminka halten wir uns verpflichtet, zu erklären, dass die Zionisten die Bank als ein gesundes und vielverheißendes Unternehmen mit Freuden begrüßen und Dr. Herzl, sowie dem vom Baseler (Kongresse eingesetzten Actionsconntö nach wie vor das vollste Vertrauen entgegenbringen. Möge jeder seine Pflicht ehrlich erfüllen, dann wird der Erfolg nicht ausbleiben. Krakau. Am 16. d. M. referierte Rechtsanwalt Dr. Kornhäuser im Locale des Vereines „Przedswit" vor einer zahlreichen Versammlung zionistischer Jugend über die Stellungnahme derselben gegenüber dem Artikel des Dr. Kaminka in Nr. 17 der hiesigen Wochenschrift „Hamagid". Das Referat stützte sich auf ein umfangreiches Material und wurde dasselbe sehr beifällig ausgenommen. Schließlich wurde auf Antrag des i-tuä. iur. Michael Lehrfrennd eine Resolution angenommen, in der dem Dr. Kaminka die tieffte Entrüstung, dem Wiener Actionscomite das vollste Vertrauen und dem Herausgeber des „Hamagid" die Missbilligung ausgesprochen wurde. Die Resolution ist unterzeichnet: Im Namen der Versammlung: Doctor G. Ries er, E. Rattler, M. Lehrfreund, I. Zimmermann, H. Hilf st ein, L. Mirtenbaum, H. Loebel, A. S p i r a, S, H o ch st i m. Vom russischen Comite in Bialystok, vom Centralcomite der „Chowewe Zion" in Rumänien, vom Centralcomite der zionistischen Vereine Deutschlands, von den Wiener Vereinen, von zahlreichen Vereinen Galiziens sind ähnliche Protestkundgebungen und Resolutionen, welche dem Actionscomitö das Vertrauen aussprechen, eingelaufen. Das gesammte Actenmaterial ist dem Archiv des Congressbureaus übermittelt worden und wird den Congressdelegierten vorgelegt werden. Neumarkt. Unter dem Namen „Bnei Zion" constituierte sich eine zionistische Ortsgruppe, der auch die jüdischen Frauen sich angeschlossen haben. In den Vorstand wurden die Herren S. Hammerschlag, I. Steisberg, I. Riegelhaupt, I. S y r u p, H. R u m e l d, H. T e i ch n e r, D. S t a t t e r, M. Mendler und B. K o l b e r berufen. Bottnscha«. Vor vier Jahren wurde hier ein Chowewei- Zion Verein gegründet, der schon seit zwei Jahren kein Lebenszeichen von sich gab. Als aber vor Kurzem Herr L. M. Landau als Obcrrabbiner hieher berufen wurde, galt schon sein erster Vortrag dem Zionismus, er ruhete nicht, ließ keine Gelegenheit unbenutzt um das Volk zu belehren, wie nothwendig es sei, der Ziosidee zu huldigen und seinen Bemühungen gelang es, am 18. April d. I. eine Versammlung in die alte Synagoge zu berufen. Das Gotteshaus war zum Erdrücken voll, auch die Galerien waren überfüllt, mehr als 1500 Personen harrten voller Spannung der Redner. Schlag drei bestieg Herr H. K a h a n e die Kanzel, begrüßte die Anwesenden mit Wärme. 'Der Greis verließ unter großem Beifall die Kanzel und nun bestieg Herr -Oberrabbiner Landau dieselbe. Sr. Ehrwürden sprach zwei "volle Stunden, rollte die ganze Leidensgeschichte Israels auf, schilderte mir lebhaften Farben die Wirkung des stattgehabten ersten Baseler Congresses, und bewies, dass nur Zion ein Rettungsmittel für Israel sei. Stürmischer Beifall zeigte dem ehrwürdigen Redner, dass seine Worte die richtige Wirkung nicht verfehlten: es sprach auch Herr L. Goldschlager ebenfalls unter großem Beifall. Die Wirkung zeigte sich schnell, das Voll drängte sich zum Verein als Mitglieder, ein Comit« von 23 Mitgliedern wurde constituiert, worunter die Herren aufzuzählen sind: Sr. Ehrw. Her Oberrabbiner L. M. Landau, Ehrenpräsident; Director H. K a h a n e, Präsident; L. Golds chläger, Bicepräsident; M. Bau ch, Schriftführer und Eh. Aneelovici Eassier. Das constituierte Comit« hat einstimmig die Beschlüsse des ersten Baseler Congresses zur Basis des neucreierten Vereines acceptiert und auch das Vertrauen zu dem zweiten in Basel staltfindenden Eongreffe zum Ausdrucke gebracht. Satanow. Dank der Anregung des Delegierten des Odessaer Comites, Herrn N. L emberg, wurde in unserer Stadt ein Zionsverein gegründet. Lausanne. Hier ist durch die Thätigkeit des Herrn Marcou- Baruch eine zionistische Ortsgruppe organisiert worden. Ander Spitze des Agitationscomitäs steht Herr A. Lehmann. Köln. Soeben ist die Correspondenz Nr. 8 der zionistischen Vereinigung für Deutschland erschienen. Man kennt die vortreffliche Art der Darstellung dieser Eorrespondenzblätter. Mit musterhafter Deutlichkeit sind die zionistischen Ereignisse der letzten Zeit zusammengefassl. Die einzelnen Rubriken: Vereinswesen, der zweite Eongress, Presse, Literatur, die jüdische Colonialbank geben ein Bild des Fortschreilens unserer Bewegung. Ferner finden wir einen tiefgefühlten Necrolog für Schapira, Anzeigen des Congressbildes, des jüdischen Vollskalenders, der Pilgerfahrt für Palästina und der neu erschienenen Flugblätter.

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