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Die Welt · 1898-05-27 · 21 (27.5.1898) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
21 (27.5.1898)
Article
Orden der Zionstöchter (Chebra Benoth Zion)
Date
1898-05-27
Page
9 (sequence 1)
Language
German
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Nr 21 Seite 9 JHtOWdC Entwurf. Orden der Zionsiöchter. (Chebra Benoth Zion) 8 1. Der Orden der Zionstöchter ist eine Verbindung jüdischer Mädchen und grauen, welche sich gänzlich ober zeitweise der rationellen Ausübung der Armen-, Kranken- und Kinderpflege widmen und in erster Linie die Armenpflege und den Hospitalsdienst in Jerusalem und den jüdischen Colonien in Palästina, sodann aber in allen jüdischen Gemeinden der Welt, unter der Aufsicht der betreffenden Behörden und Gemeindeverwaltungen organisieren und versehen. § 2. Sitz des Ordens ist Jerusalem, wo die Ordens- Oberin an der Spitze des Armenpflegedienstes zu stehen, und unter Mitwirkung der dortigen Comitüs und der Behörden das Almosenwesen nach den Anforderungen der volkswirtschaftlichen, sanitären und humanitären Interessen zu leiten und anstatt der bisher üblichen Geldvertheilung, die Naturalverpflegung — bei entsprechender Elassificierung der Hilfsbedürftigen — einzuführen hat. 8 3. Die zum Dienste im heiligen Lande sich meldenden Schwestern haben eine der Armenpflege entsprechende körperliche Gesundheit, praktische Erfahrung im Haushaltungswesen, ein vollkommen tadelloses Vorleben und die erforderliche sociale Bildung nachzuweisen. Die eintretende n-chwester wird auf kosten des Ordens nach dem heiligen Lande befördert und beginn: ihre Thätigkeit in Jerusalem, wo sie unter der Leitung der Ordens-Oberin in ihrem Dienste ausgebildet und sodann entsprechend verwendet wird. Lj 4. Die Schwestern beziehen vom Tage ihres Eintreffens in Jerusalem eine standesgemäße Natural-Berpflegung, ein entsprechendes Taschengeld, für den Fall der Invalidität eine lebenslängliche Versorgung, nach 2ojähriger Dienstzeit aber eine Altersversorgung von 1500 Francs )ährlich, welche sie auch außerhalb Palästinas genießen können. S 5. Im Dienste haben sämmtliche Schwestern, auch die außerhalb Palästinas thätigen, eine Dienstkleidung zu tragen, deren Stoff, Schnitt und Form den klimatischen Verhältnissen entsprechend bestimmt und von der Ordens-Oberin bekannt gegeben wird. S f>. Das Abzeichen des Ordens ist ein silbernes „Mögen David" im blauen Felde, mit dem Worte: in der Mitte. Dieses Abzeichen wird von den Schwestern als Broche oder Medaillon, von den Aufsichtsräthen und Aerzten des Ordens als Busennadel oder Cocarde getragen. tj 7. Jede «chwester hat vor Antritt ihres Dienstes folgendes Gelübde abzulegen: „Ich gelobe bei Gott dem Allmächtigen, dem Gotte meiner Väter Abraham, Jsac und Jakob, bei meiner persönlichen Ehre und bei Allem was mir heilig ist, dass ich treu und redlich die Satzungen meiner Religion befolgen, die Armen und Elenden aller Völker ohne Ansehung der Religion und Herkunft mit Rath und That unterstützen, zur Milderung des socialen Elends nach meinem besten Wissen und Gewissen Vorschläge erstatten und die Regeln meines Ordens ausführen werde. Die Landesgesctze werde ich überall Hochhalten und befolgen und jederzeit eine treue Tochter meines Stammes und meines Ordens sowie eine gute Unterthanin desjenigen Landes sein, auf dessen Gebiet ich wirken werde. So wahr mir Gott helfe!" 8 8. Die zur Aufrechterhaltung des Ordens nöthigen Mittel werden von einem internationalenComitö gesammelt' und verwaltet, dessen Mitglieder und Sitz vom nächsten zionistischen Congresse in Basel vorläufig aus ein Jahr gewählt werden. 8 Unterstützendes Mitglied des Ordens kann jede ehrbare Person werden, welche als Jahresbeitrag mindestens einen Trane oder als Gründungsbeitrag ein für allemal mindestens eine Stiftung von hundert Francs an die Ordcnscasse absiihrt. § 10. Behufs Ausbildung der Schwestern und der Schülerinnen in sämmtlichen Zweigen der werkthätigen Menschenliebe, werden die Schwestern die Leitung des Pflegedienstes und des Haushaltes an sämmtlichen jüdischen humanitären Anstalten Jerusalems und eventuell auch an anderen stärker bevölkerten Orten Palästinas übernehmen. Außerdem wird in Jerusalem eine Musteranstalt für Kleinkinderpflege, verbunden mit Kinderhospital, eine Central-Armenpflegcstation mit Ausspeisehallen nnd Armenpflege- Erposituren in den einzelnen Stadttheilen und den Colonien errichtet. An allen diesen Anstalten werden Töchter der dortigen indischen Einwohnerschaft in den Arbeiten des Haushaltes und der Kinderpflege sowie auch in allen Handarbeiten von den Schwestern praktisch unterrichtet und auch dem Pflegedienste beigezogen. Fragebogen zum Eintrit als Schwester in den „Orden der Zionstöchter". 1. Name und derzeitige Wohnung? 2. Alter und Geburtsort? 3. Wo haben Sie Ihren Schulunterricht genossen und in welcher Anstalt? 4. Sind sie gesund und kräftig? 5. Womit haben sie sich bisher beschäftigt? t>. Sind sie schon in Stellung gewesen, wo und als was? 7. Besitzen Sie ein Lehrbefähigungs-Zeugnis u. zw. was für eines (Lehrerin, Kindergärtnerin, Jndustrielehrerin n. s. w.) 8. Welche Sprachkenntnisse besitzen Sie J j” ‘-1 9. Name, Adresse und Stand Ihres Vaters, oder falls derselbe verstorben, Ihrer lebenden nächsten Anverwandten? __ 10. Sind Ihnen die Ordensstatuten bekannt, und finö sie mit denselben einverstanden? Ich bescheinige, dass obige Fragen von mir selbst der Wahrheit gemäß beantwortet sind. Datum. Eigenhändige Unterschrift. & Populär-mffenschilMche Rundschau. Die gröhtcn Summe» für Bahnhossanlagen werden in Deutschland ausgegebcn. So kostete der Bahnhof in Wiesbaden 21- Millionen Mark, die Kosten des Dresdener Bahnhofes sind auf 84 Millionen Mark veranschlagt. Ter Frankfurter kostete 87», der Kölner 21, der in Hannover 20, in Mainz is Millionen Mark und der Düsseldorfer und Münchener Bahnhof je l<> Millionen Mark. Die gegenwärtigen Bauausführungen auf den preußischen Bahnen belaufen sich auf H-o Millionen Mark. Der erste sibirische Sondcrschncllzug gieug den I. April abends 0 Uhr aus St. Peterburg ab und traf am ,. April 5 Uhr nachmittags in Tomsk ein. Ter Zug verkehrt zweimal im Monat zwischen St. Petersburg und Tomsk. Es gibt nur Wagen 1. und II. Elasse, die alle erdenklichen Bcguemlichkeiten gewähren. Der Zug hat elektrische Beleuchtung und Wasserheizung, er besitzt ein Buffet,' eine Bibliothek, die alles enthält, was in den letzten Jahren über Sibirien erschienen ist. Tie Bibliothek, ein Piano, Schachtisch, Rauchzubehör stehen im Salonwagen, der gleichzeitig auch als Speisesaal dient und vorzüglich ventiliert ist. Die arötzten Güterwagen. Das Eentralblatt der Bauverwaltung schreibt: Die Pennsylvanische Eisenbahngesellschaft hat soeben bei der Leboen Piessed SLeal Cu. in Pittsburg 100o stählerne Güterwagen für den Betrag von rund 4 Millionen Mark bestell!, die als die größten bezeichnet werden, die überhaupt je in Auftrag gegeben worden sind. Sie haben 10 Fuß englisch ("8.07, Meteri Höhe über Schienenoberkante und eine Tragfähigkeit von rund r>o Tonnen; denn es wird gesagt, dass sie Erze im Gewichte von 110.000 englischen Pfund (40.8 T.) und Kohle bis zu 104.000 Pfund (1-7.1 T.) führen können. Bisher waren die größten Wagen Holzwagen von 80.000 Pfund (80.2 T-) Tragfähigkeit. Ter großen Tragfähigkeit entsprechend, werden die neuen Wagen ungewöhnlich stark gebaut. Ihr Eisengewicht beträgt 88.000 Pfund (17.2 T.). Die Achszapfen haben Abmessungen von 11-0 zu 25-1- Mm. Die Ablieferung der Wagen, mit deren Bau im Juli d. I begonnen wird, soll am 1. October beendet sein: sie werden alsdann aus den Pennsulvanischen Linien zwischen Pittsburg und dem Erie- See verkehren. Gegenwärtig baut vie «choen Gesellschaft 200 Wagen der bezeichneten Art für vie westlich von Pittsburg gelegene Pennsylvanische Linie. Die neue Bibliothek in Washington, die in diesen Tagen eröffnet wurde, hat ein Vermögen von vierzig Millionen gekostet. Das Publicum bekommt keinen der Angestellten zn^Gesicht und wird in der Zeit von wenigen Secunden bedient. Sobald man die Nummer des gewünschten Bandes im Katalog gesunden har, befestigt man den Zettel mit der betreffenden Plummer in einer Büchse, die vermittelst elektrischen Drahtes den Angestellten zugeht, welche wiederum das Buch auf einem anderen elektrischen Draht dem Leser übermitteln. Ein Lesesaal ist für Blinde reserviert, die hier in Reliefschrift gedruckte Werke vorfinden. 1-1.000 Meilen Depesche in 35 Minuten. Die Kabel - depesche aus Manila, welche die Meldung enthielt, dass der Eommandant des amerikanischen Geschwaders, Eommodore Dewey sich anschickte, die im Hasen von Manila liegende spanische Flotte anzugreifen, langte 85 Minuten nach ihrer Aufgabe in Manila in Ncw-Zork an. In dieser kurzen Zeit hatte die Depesche eine Entfernung von mehr als 11.000 englischen Meilen zurückgclegt, trotzdem sie von einem Dutzend oder mehr Telegraphenlinieu ausgenommen und weiter befördert werden musste. Von hohem Interesse ist die Route, welche diese Kabeldepesche von ihrem Ausgabeorre Manila bis zur Ankunftsstation New-2)ork genommen hat. Von Manila nach Hongkong lies dieselbe über das Kabel, welches inzwischen durchschnitten worden ist. Von Hongkong lies die Depesche über das 1-00 Meilen lange unterseeische Kabel nach Saigonn in der französischen .Kolonie Eochinchina. Ein weiteres Kabel von 080 Meilen Länge brachte die Depesche nach Singapore. Von dort nahm das' Telegramm in einer Entfernung von 888 Meilen seinen Weg um die malayische Halbinsel nach Penang und kreuzte dann von Penang bis nach _ Madras in Englisch-Jndien die Bai von Bengalen. Die Distanz von Penang bis nach Madras beträgt 1108 Meilen. In Madras erreichte die Depesche die erste festländische Telcgraphenlinie, welche sich in einer Entfernung von 800 Meilen von Madras nach Bombay erstreckt. Von dort wurde die Depesche durch das im Indischen Ocean gelegte Kabel nach dem 187*0 Meilen entfernten

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