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Die Welt · 1898-05-27 · 21 (27.5.1898) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
21 (27.5.1898)
Article
Was thun die Juden?
Date
1898-05-27
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Die Großjuden finden, dass alles in Ordnung sei, da fie ja mit den Mächtigsten verbündet sind. Ihre einzige Furcht wäre, sich in einer Affaire zu compromittieren, bei welcher sie nach ihrer Schätzung einen zu großen Einsatz wagen müssten. Andere lassen sich aus Respect vor ihrem eigenen Denken in den Kampf für Recht und Gerechtigkeit ein, ebenso wie cs viele Christen und Ungläubige thun. Die große Menge aber wird, vielleicht mehr noch als die Mafien bei einem anderen Volke, abwarten, bis die Schlacht gewonnen ist und dann erst den Siegern zn Hilfe kommen. Der weitaus größte Theil hüllt sich in Schweigen oder schreibt — anonym — ermuthigende Briefe. Dass ist allerdings besser, als zum Feinde überzugehen wie Arthur Meye r, welcher den Juden mit einem allgemeinen Massacre droht, wenn sie es zugeben werden, dass man weiter gegen eine Ungerechtigkeit protestiere, durch welche einer der Ihrigen dem Tode preisgegeben ist. Trotzdem wollen wir nicht allzu streng mit Arthur Meyer ins Gericht gehen. Er besitzt einen cynischen Freimuth, der bei ihm die Tugend vertritt. Wenn man einmal die Juden auf dem Gre-veplatz verbrennen wird, so wird er natürlich den Scheiterhaufen schüren. Was. aber soll man zu jenen demokratischen Juden sagen, welche die großen revolutionären Principien für sich in Anspruch nehmen und dabei, um sich über die Menge zu erheben, das jüdische Opfer eines religiösen Pharisäismus mit Füßeu treten? Das thut beispielsweise Herr L.-L. Klotz, der Deputierte von Montidier, der die Stimmen seiner Mitbürger durch ein Bekenntnis erlangte, in dem ich folgende Sätze lese: „als Patriot vor allem anderen habeich von der er sten Stunde an die hässliche Campagne gegen die Armee der Republik gebrandmarkt, und wie ich es immer gesagt habe, so verpflichte ich mich auch jetzt formell, gegen die Revision des D re y f us pro c es s es zu st i m m e n." Das ist ein Radicaler, der so spricht, ein Freund des Herrn Bourgeois, die Hoffnung der parlamentarischen Demokratie. Er weiß sehr gut, dass es keineswegs die Armee angreifen heißt, wenn man behauptet, dass militärische Richter ebenso irren können wie Civilrichter; aber er glaubt verpflichtet zu sein, weil er Jude ist, sich als größeren Patrioten zeigen 511 müssen als ein anderer, und sein jüdischer Patriotismus gipfelt in dem Versprechen, sich einer Revision des Dreyfusprocesses selb st dann zu widersetzen, wenn der Beweis der Unschuld des Dreyfus erbracht sein würde. Herr Georges Berry hatte dasselbe gesagt, nur weniger prahlerisch als Klotz. Da stimmt schließlich der Jude und der Christ überein. Auf so noble Weise hat man um Stimmen gebettelt und sie erhalten; aber der Tag wird kommen, an dem Wähler und Gewählte zu ihrem eigenen Schaden erkennen werden, wie eine solche schimpfliche Schwäche sich rächt. Rückkehr jüdischer Colonisten aus Argentinien. Ein Telegramm des Correspondenz-Bureau aus Cherson meldete am 21. d. die Rückkehr von 136 Juden ans der Colonie des Baron Hirsch in Argentinien in ihre Heimat. Dieser Zug der Heimkehrenden passierte am 18. d. Warschau, und ein Berichterstatter des „Kurjer Warszawski" halte Gelegenheit, mit den Colonisten am Bahnhofe in Warschau zn sprechen und sie über die Ursache ihrer Heimkehr nach Russland zu befragen. Die Colonisten erzählten, dass vor fünf Jahren eine große Anzahl von wohlhabender Juden aus dem Gouvernement Cherson sich entschlossen hat. nach Argentinien ausznwandern und in der Colonie des Baron Hirsch sich anzusiedeln, um sich ausschließlich der Landwirtschaft zu widmen. Jeder der Ausgewanderten verfilzte über einige Tausend Rubel eigenes Bernrögen. In Argentinien angelangt, kauften sie für ihr Geld Grundstücke, erbauten Häuser und begannen mit Fleiß dem Ackerbaue obzuliegen. Tie Zustände in der Baron Hirsch'schen Colonie sind aber trostlos, lvozu nicht wenig die Zerstörung der Saaten und Ernten durch allerlei Jnsecten beiträgt. In einigen Jahren gieng fast ihr ganzes Capital zu Grunde, mit dem Reste kehren sie nun nach Russland zurück und zwar als Bettler. Auf Befragen des Berichterstatters des „Kurjer Warszawski", warum in den Zeitungen über die Baron Hirsch'schen Colonien in Argentinien das allerbeste geschrieben wird, antwortete einer der unglücklichen Auswanderer: Die günstigen Berichte werden in den Bureaus der Baron Hirsch'schen Stiftung von den Beamten derselben fabriciert, diesen Bureau-Angestellten geht es gut, sie sind mit den Colonien zufrieden, die Colonisten aber, die gehen zu Grunde. — Das Signal, dass der Zug bald den Warschauer Bahnhof verlafien werde, unterbrach die interefiante Unterredung des Journalisten mit den jüdischen Colonisten der Baron Hirsch'schen Stiftung. Dr. Josef Zipser. & «Nach Schluss ins Klattrs.) Dir jüdische Colonialbank. Köln. (Telegramm). Diese Woche brachte viele Anfragen und Zeichnungen aus Amerika, Russland, England, Rumänien, Bulgarien, Holland, Deutschland, aus allen Theilen Oesterreichs und Ungarns. Hauptsächlich sind es Vereine, die um Information bitten, viele Wünsche und Vorschläge kommen aus allen Welttheilen, das Jnterefie wächst täglich, und wenn überall erst organisiert sein wird, sind Massenzeichnungen zu erwarten. Eine Bekanntmachung haben wir unseren Vertrauensmännern geschickt, die Informationen enthält. Unsere Hauptarbeit war, ein Abkommen mit einer großen Bank zu treffen, welche die Depotgelder verwalten soll. Es sind dabei viele juristische und technische Schwierigkeiten zu überwinden, die aber durch das außerordentliche Entgegenkommen einer großen deutschen Bank bald gelöst werden wird. Der A. Schaaffhausensche Bankverein in Köln, eine der größten Banken Deutschlands, erklärt sich bereit, Anzahlungen für die projectierte jüdische Colonialbank in Beträgen von nicht unter fünftausend Mark entgegenzunehmen. Ein Modus, in welcher Weise die Depots zu hinterlegen, wie dieselben zu verwalten sind rc., wird gemeinsam mit dem Bankverein ausgegearbeitet und demnächst bekanntgegeben. Für die überaus herzliche Theilnahme, die mir bei dem jähen Hinscheiden meines geliebten Mannes in so reichem Maste von Gesinnungsgenossen erwiesen wurde, spreche ich hiermit meinen innigsten Dank aus. Mit Zionsgrust Clara Schapira, geb. Blank. Heidelberg, im Mai 180S. Sehr geehrter H err Redacteur! f Anbei erlaube ich mir. Ihnen einen Statutenentwurf des -Ordens der Zionstöchter vorzulegen. Ich bitte Sie zu publicieren, dass jüdische Mädchen, Frauen und Männer, welche das Unternehmen financiell und moralisch fördern wollen, ihre Erklärungen bis 15. Juli d. I. an das Congressbureau in Wien zu Händen des Herrn Dr O. K 0 k e s ch, einsenden mögen. Zum Schwesterdienst sollen sich nur Mädchen und kinderlose Witwen unter 3.1 Jahren melden. Die Meldungen, welche mit Hilfe des beiliegenden Fragebogens in der von der Petentin gesprochenen Sprache 51t geschehen haben, nimmt bis Ende Juni Fräulein Rachelle Flerner, Budapest, Vl, Szondygasse Nr. W entgegen. Bei dem eminent wohlthätigen Zwecke, den der Orden verfolgt, glauben wir auf eine große Theilname rechnen zu dürfen. Ihre ergebene J. W.*) '*) Name und Adresse der hochgeschätzten Einsenderin, deren Anregung wir nachdrücklich unterstützen und deren Unternehmen wir mit allen Kräften fördern werden, sind uns bekannt. Die Redaction.

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