Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 20 (20.5.1898)
- Article
- Paris [Nachricht]
- Date
- 1898-05-20
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Competenz des Zuchtpolizeigerichtes in der Verleumdungsklage der Schreibsachverständige gegen Zola' anerkannt wird, znrückgewiesen. Algier. D r u m o n t erhielt bei seiner Wahl in Algier 11.557 Stimmen, während der bisherige Abgeordnete Samary nur 232 Stimmen erhielt. Der Jubel in Algier über den Sieg Drumonts war unbeschreiblich. Als das Resultat verkündet wurde, brachen 10.000 Personen in die Rufe aus: Es lebe Drumont! Es lebe Regis! Nieder mit Lepine! Nieder mit den Inden!" Die Lage scheint ziemlich bedenklich gewesen zu sein, sonst wären nicht alle Viertel militärisch besetzt gewesen. SS Dminsullchrichtkn. Wie«. Dienstag den 10. d. M. veranstaltete der Einzelverein „W i e n" des „Z i o n" im Restaurant „zum schwarzen Bare n", Prater (nächst dem zweiten Kafseehause) einen feierlichen Abend, anläßlich des 5"1? bei welchem die Herren Dr. Kaufmann, Rabbiner in Birovitica, über die „Bedeutung des Tages" und R. A. B r a u d e s, über den „Kampf Bar-Cochbas" glänzende Reden hielten. Die Vereinsabende werden von D i e n st a g, 24. Mai ab, bei schönem Weiter jeden Dienstag im obgenannten Restaurant stattfinden, wovon die Freunde des Vereines hiermit verständigt werden. Constantinopel. Die Wohlthätigkeitsgefellschaft „Seror A h a i m", die im Jahre 1886 gegründet wurde, gibt ihren Jahresbericht über das Jahr 1806—1897 heraus. Dem reichhaltigen Rechenschaftsbericht ist zu entnehmen, dass der Verein durch Errichtung von Schulen, Unterstützungen von Schülern an den Normalschulen und höheren Lehranstalten, durch belehrende Vorträge in seinem Locale, durch Unterstützung und Beherbergung durchreisender armer Juden, durch Krankenpflege und sonstige Wohlthätigkeitsacte ein wichtiger Factor in dem Leben der Constantinopler Juden, besonders im Q.uartier Hasskeuy ist. Dank der Unterstützung der Baronin Hirsch kann der Verein auch zahlreiche arme Juden mit kleinen Eapitalien unterstützen, welche ohne Interessen und gegen Rückzahlung von 5 bis 10 Piaster per Woche den Leuten geliehen werden. Hoffentlich wird der Verein sein wohlthätiges Werk auch in Zukunft mit immer steigendem Erfolge durchführen können. An der Spitze des Vereines steht als Präsident Dr. Jsate Eskenazi und als Generalsecretär Herr Bonjour Franco s. K Icltslhnstenmndschall. Mit dem Maihefte dieses Jahres beginnt die von Dr. Adolf Kurrein in Teplitz redigierte „Jüdische Chronik" ihren fünften Jahrgang. Das Monatsheft bringt eine neue Rubrik „Jüdische Weltchronik" und eine Anzahl sehr beachtenswerter Artikel, von denen wir besonders hervorheben möchten: „Der wunderschöne Monat Mai — Trauerzeit", „Lauter Weise und kein Weiser", von Dr. Kurrein, „Jüdische Geschichte und Literatur im Religionsunterricht von Mittelschulen", von Dr. A. Biach re. Bemerkenswert ist auch der Programmartikel der „Jüdischen Chronik" aus dem wir Einzelnes hervorheben wollen. Der Autor desselber sagt unter anderem: „Nicht das Judenthum, nur die Judenheit ist zu reformieren. Reformiert werden müssen die Ideen, Grundsätze und Anschauungen, die unsere Gemeinden und unser Gemeindeleben, das Schaffen und Wirken in den Gemeinden beherrschen und bestimmen. Es möge doch endlich einmal die bloße Thätigkeit und Wirksamkeit für die Außenwelt, für das äußere, scheinbare oder Schein-Judenthum auf den gebürenden Umfang bestimmt, beschränkt und eingeengt werden und der Verinnerlichung und Vergeistigung des Judenthums mehr Aufmerksamkeit, mehr Interesse und ein größerer Spielraum ein geräumt werden". Nachdem er sodann über den Jugendunterrichr und das Armenwesen in den jüdischen Gemeinden gesprochen unv auf manche wunde Stelle hingewiesen, und sodann den Lesern das literarische, ethische und politische Programm der „Jüdischen Chronik" entworfen hat, verspricht er auch dem Berichte über die zionistische Bewegung einen größeren Raum anweisen zu wollen, denn „Zion muss ja für jedes jüdische Herz unter allen Umständen einen Klang haben, der da seine volle sympathische Resonanz findet, ob er religiös oder politisch oder beides zugleich angeschlagen wird". Hoffentlich wird die „Chronik" dieses große Programm glücklich bewältigen können. Im „Journal de Geneve" veröffentlichte Herr Jlia Grünberg am 0. Mai einen Artikel unter dem Titel „Le Sionni.‘ me". Der Autor entwirft eine kurze Skizze des Zionismus bis zum Baseler Eongress, den er in kurzer aber vollkommen richtiger Weise schildert. Er geht auch auf die überaus wichtigen Consequenzen der zionistischen Bewegung sowohl für die Juden als auch für die anderen Völker ein und erklärt den Zionismus als ein Ideal, über dessen Realisierbarkeit wohl erst die Zukunft entscheiden wird, das aber bereits jetzt für die Juden von besten Folgen wäre. Der Artikel zeigt von großer Sachkenntnis und Obj'ectivität. Im „Qdeßky Listok" theilt eine Frau I o h n st o n ihre Beobachtungen über die amerikanischen Juden mit. „Wem es hier gut ergeht, ist ficher der jüdische Stamm, ich meine es sicher nicht im Sinne der Erreichung irgend welcher Ehrenstellen oder Erwerbung von Eapitalien. Nein, ich will einfach auf jene Thatsache Hinweisen, dass der in Amerika geborene Jude in jeder Hinsicht höher steht, als sein Stammesgenosse in Warschau, Budapest oder Lemberg. Die negativen Seiten werden unsichtbar und gleichen sich aus: die guten aber entfalten sich zur vollen Blüthe. Dem hiesigen Juden, auch dem ärmsten, fehlen die servile Unterwürfigkeit und der Hang zum scruppellosen Verdienen, die vielleicht für einen Volkssanger oder Humoristen einen dankbaren Stoff liefern, aber sicher ein schlechtes Zeugnis für das Gefühl eigener Würde in den jüdischen Bolksmassen abgeben". Wir Zionisten glauben nicht, wie Frau Johnston, dass Amerika das Eldorado der Juden in alle Ewigkeit bleiben wird. Die judenreinen Hotels, Seebäder und Pensionatc, die an Zahl fortwährend zunehmen, sprechen eine Sprache, die auch den amerikanischen Juden bald in den Ohren klingen wird. Aber umso erfreulicher ist diese vorurtheilsfreie Aeußerung eines nichtjüdischen Beobachters über den Einfluss einer wirklich freien Entwicklung des Juden, der durch geschriebene und ungeschriebene Gesetze nicht verhindert ist, sein Menschenthum zu entfalten. FeuiUktou. Dir Gowschilds. Roman aus dem Ende des 19. Jahrhunderts Friedrich Fürst Wrede. (Fortsetzung.) Der Mediciner blieb stehen und blickte überrascht auf den Träumenden, der sein Nahen gar nicht gewahrte. Ja — als ersterer ihn mit den Worten „Raphael! Bist Du es wirklich!" anrief, sprang der Blonde gleich einem Nachtwandler, den man aus dem Schlafe geweckt, ganz verwirrt auf. „Du kennst mich wohl nicht mehr?" fuhr der Student lächelnd fort. Aber Raphael hatte sich inzwischen gesammelt und blickte dem Sprecher scharf prüfend ins Gesicht. „O doch!" rief er dann freudig aus und streckte ihm die Hand entgegen. „Du bist mein Vetter David! Welch' freundliche Ueberraschung! Warum hast Du mich nicht von Deiner Ankunft verständigt?" „Wußte ich denn, dass Du hier seiest?" entgeguete der Student mit leisem Tadel. „Dein letzter Brief war aus Krakau datiert!" Raphael nickte. „Sechszehn volle Monate war ich dort! In Salomon Spacierer's Comptoir! Dann aber haben sie mich zuruckgeschickt! Ich sei unbrauchbar — behaupten sie!" Um Davids scharfgeschnittene Mundwinkel zuckte ein gutmüthiger Spott. Er glaubte es dem Geschäftsfreunde auf das erste Wort, dass seines Oheims Sohn nicht dazu tauge, kluge Berechnungen aufzustellen oder günstige kaufmännische Conjunkturen zu erspähen. Hatte der Blonde doch schon als Kind die Zielscheibe aller Witze der Gespielen abgeben müsien. So träumerisch und unbeholfen war er gewesen! Daraus folgt indessen nicht, dass Raphael geistig schlecht veranlagt war. Das Gegentheil war vielmehr der Fall. In der Schule, insbesonders beim schwierigen Studium des Talmuds that es ihm nicht leicht einer gleich. Nur für