Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1898-05-20 · 20 (20.5.1898) · p. 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
20 (20.5.1898)
Article
Reichsdeutscher Antisemitismus
Date
1898-05-20
Page
12 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3315709-3315742-3315763--05951-3359755
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Reichsdeutscher Antisemitismus. Die „Hamburger Nachrichten", schreiben: Es steht schon jetzt fest und wird von den Betheiligten zugegeben, dass die Herren, welche von Berlin aus den Bund der Landwirte leiten, mit den Antisemiten einen Vertrag auf gegenseitige Garantie des Besitzstandes geschloffen haben. Demzufolge wird die Berliner Leitung des Bundes der Landwirte in denjenigen Wahlkreisen, wo ein Mitglied des Bundes der Landwirte kandidiert und der bisherige Abgeordnete ein Antisemit ist, nicht die Wahl des Bundesmitgliedes sondern die Wahl des Antisemiten unterstützen imd empfohlen. Cin jüdisches Frauengenesungsheim ist seitens der Berliner jüdischen Gemeinde in nächster Nähe der Reichs- Hauptstadt in Briese bei Birkenwerder eröffnet worden. Es gewährt Reconvalescentinnen und sonstigen der Heilung und- Stärkung bedürftigen Personen Aufnahme. Neue Judenausweisung in Baku. Wie die russischen Blätter melden, sollen laut der Verfügung des Polizeidirectors aus Baku, der Hauptstadt des Naphtagebietes, im Südosten Russlands, alle Juden, auch die nach Baku zuständigen dieser Stadt, auf Grund eines Erlöstes des Chefs der Civilverwaltung des KaukasusBaku Verlusten. Die der Ausweisung verfallenen Familien wendeten sich an den General Frese, den Chefstellvertreter des Kaukasus mit der Bitte, die Verfügung aufzuheben, da sie sich bereits vollständig eingerichtet haben und außer ihrer jüdischen Abstammung gegen sie gar nichts vorliegt. Aus Odessa meldet der Standart, dort sei das Gerücht verbreitet, dass 150 Goldsucher, hauptsächlich Juden, die im vorigen Herbste nach Klondyke ansgewandert sind, bis auf vier Personen dem Hunger und den Strapazen in Alaska erlegen seien. Ins französische Parlament sind zwei jüdische Abgeordnete u. zw. M. B i s ch o f f s h e i m und M. Meyer gewählt worden. Achille F o u l d und Leon Cohn sind unterlegen. Jüdische Urkunde. Am 12. Mai wurde in Pest int .. Gebäude des Ministeriums des Innern, in welchem das Landes^' archiv nntergebracht ist, eine Ausstellung von Urkunden er/ öffnet. Darunter befindet sich eine Urkunde aus dem Jahra^ 1520, worin Borsteher Jakob Mandel und die ungarischen Juden sich verpflichten, dem Palatin Stephan Büthori jährlich 400 fl. für den ihnen gewährten Schutz gegen Verfolgungen, zu zahlen. Dieses Document ist unterzeichnet von David, dem Sohne Rabbi Abrahams und Ahron, dem Sohne Rabbi Gamaliels — „dessen Blut der Herr rächen möge", — Diener der Ofener heiligen Gemeinde, — „welche Gott behten möge". Cinbruch in eine Synagoge. Wie der „Pester Lloyd" berichtet, wurde in der Rosenauer Synagoge ein Einbruchsdiebstahl verübt. Die Sammelbüchsen wurden gesprengt und ausgeraubt. Die zionistische Krmgnng. Spenden für zionistische Zwecke find an Herrn Dr. O. Ko k e s ch, Hof- und Gerichts-Advoeate» in Wie«. I., Singer straffe 25, zu senden. Wien. Das Congressbureau versendet folgendes Circular: Sehr geehrter Herr Gesinnungsgenosse! In Ihrem Besitze befinden sich.Schekelblocks, welche wir Ihnen seinerzeit mit der Bitte zusandten, für das Jncaffo des Schekels in Ihrem Bekanntenkreise thätig zu sein. Wir hoffen nun, dass Sie bereits die meisten in den Blocks enthaltenen Quittungen ausgegeben haben, und ersuchen Sie hösiichst, uns die zugehörigen Jurten und Gelder baldigst zuzusenden. Ebenso bitten wir Sie aber auch, mit allem Nachdrucke und größter Beschleunigung alle Ihnen noch zugänglichen Schekelzahler zu gewinnen. Hiefür stehen Ihnen, insofern die noch bei Ihnen vorhandenen unausgegebenen Quittungen nicht ausreichen sollten, weitere Schekelbüchel von Seiten des Bureaus auf Verlangen zur Verfügung. Die Eile, die wir Ihnen ans Herz legen, ist deshalb unumgänglich nothwendig, weil nach der "Ihnen bereits neulich Angegangenen Instruction für die Delegiertenwahlen die für den diesjährigen Congress abgeschlossenen Schekellisten schon am 15. Juni 18V>8 bei dem Eogressbureau in Basel angelangt sein müssen. Es ist also im Interesse nicht nur einer geordneten Vorbereitung des Eongrefses, sondern auch im Interesse des Wahlrechtes der Ihnen nahestehenden Gesinnungsgenossen gelegen, dass Sie ohne jede Zeitversäumnis unsere oben ausgesprochenen Bitten erfüllen. Indent wir darauf mit Bestimmtheit rechnen, danken wir Ihnen im Voraus für Ihre Mitwirkung auf das herzlichste. Das Bureau des Zionisten-Eongresses. Nachschrift: Natürlich sind auch die definitiv unverwendet bleibenden Quittungen bis zum 15. Juni an das Congressbureau zurückzusenden. Für Geldsendungen belieben Sie nach wie vor die Adresse: Dr. O. Koke sch, Hof- und Gerichtsadvocat, Wien, 1., Singerstraße 25, für die Uebermittlung der Jupten und leeren Quittungen bis zum 1. Juni 1808 die bekannte Wiener Adresse des Bureaus des Zionisten-Eongresses,' II., Rembrandtstraße 11,' nach d ent 1. Juni 1898 aber die Adresse: Bureau des Zionisten-Eongresses, Basel (Schweiz) zu benützen. Wojnilow. Am 17. v. M. hatte ich Gelegenheit, im Stanislauer Zionsverein einen Führer der dortigen jüdischen socialistischen Partei gegen den Zionismus sprechen zu hören. Er wurde von unseren Gesinnungsgenossen S ü ß m a n n und A ppenceller abgeführt. Merkwürdig klang mir nur der Einwand, dass das jüdische Proletariat in Palästina um so schwerer unter der Wucht des Eapitalismus leiden und der arme Jude gewiss nicht mit dem reichen harmonieren werde. Ich brauche nicht hinzuzufügen, dass der Redner mit seiner Behauptung etnen großen Heiterkeitserfolg hatte. M ktr Radom. (Russ.-Polen). Dank der Anregung des Herrn M. A n s ch e r constituierte sich hier unter Leitung des Herrn Adolf Zucker ein Zionsverein, der über 100 Mitglieder zählt. Dem Borstande gehören weiter die Herren R. Beckermann und Banquier W a g a an. Genf. Herr I. Marco u-B a r u ch hielt hier eine Reihe /von Vorträge» über den Zionismus, welche viel Anklang fanden. An einem derselben nahm unter anderen auch Herr Balitzer, der Ehef des Unterrichtswesens in Gens, ein alter Freund Pere; Smolenskys theil. Auch hier dürfte in Kürze eine zionistische Organisation durchgcsührt werden. Leeds, 2. Mai. Seit der Ankunft des Rabbiners Rev. Herzog, hat die zionistische Bewegung einen neuen Aufschwung genommen. Dieser verehrte Rabbiner, der einen sehr großen Einfluss auf alle Schichten unserer Gemeinde ausübt, hat vor zwei Wochen eine große erfolgreiche Versammlung in einer unserer Synagogen arrangiert. Von den Worten des Propheten ausgehend : „Um Zions willen werde ich nicht schweigen", sprach er über I ' s Stunden und forderte jeden Juden ohne Rücksicht aus seine religiösen Anschauungen auf, nach .Möglichkeit die große Bewegung zu unterstützen, die bereits in der ganzen Judenschaft Wurzel gefasst hat. „Das ist, meine Herren", sagte er, „unsere einzige Hoffnung, das ist die wahre Basis unserer Religion seit der Zerstörung unseres eigenen Staates, unserer nationalen Würde, unseres Ruhmes". Diese Worte, von einem begeisterten Manne gesprochen, machten einen großen Eindruck auf die Zuhörerschaft und etn großer Theil des Publicums schloss sich am selben Abend dem Vereine an und bezahlte den Schekel. Es ist zu hoffen, dass alle Mitglieder unserer Gemeinde, die mehr als 12.000 Juden zählt, eine' große zionistische Gemeinschaft bilden werden. Wir haben auch in Leeds eine große jüdische Bibliothek, deren Mitglieder bestrebt sind, die hebrätsche Sprache zu einer lebenden zu machen. Es soll auch noch der Herausgabe des Leeds'er Jargonblattes „Jcwish Erpreß" ertvähnt werden, das sehr oft für den Zionismus eintritt. Johannesburg. Wir berichteten Ihnen bereits über die am 10. April stattgefundcne zionistische Versammlung. Es ist sicher, dass die Juden Transvaals sich an das zionistische Central Eomitä in Wien anschließen werden; denn auch die übrigen jüdischen Gemeinden Süd-Afrikas werden bald dem guten Beispiele der Johannesburger Juden folgen. Das provisorische Co mitö besteht aus den Herren: H. Morris (Präsident der neuen Synagoge», Chairman, Harry Solomon (Vorsteher der Johannesburger Börse) und S. Goldreich (Präsident der alteir Synagoge), Bicepräsidenten: B. L a z a r u s. Hon. Treasurer: S. L. L o ew e, Hon. Secretary; H. H. Morris, Hon. Assistant Secretary. Comitömitglieder: Rev. I s a a c s, Rev. W a s s e r z u g, Rev. Harris, H. Goodman, Kli scher, M. A b r a h m s, I. Kark, Ratzker, S. Goldman, R. Alexander. B. D a n z i g e r, 2l. B e r m a n, I. L. Cohn, I. S ch u l m a n, B. A a r o n, Leopold G r ah m, D. I. K i s ch, A. L e e, B. A l ex an der, Dr. Lewy, S. Bibro, L. Keßler, M. Raphael y, H. Rosenberg, R. Kantor, S. Kuper, Richard

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.