Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 20 (20.5.1898)
- Article
- Durch elektrisches Licht hervorgerufene Vegetation [Nachricht]
- Date
- 1898-05-20
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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nicht vorhanden war, und auch in dem Theile der Hohle sich nicht findet, der zwischen der bezeichneten Stelle und dem Eingänge selbst liegt. Amerikanische Verkehrsmittel. Ein amerikanischer Eapitain Adrieve will eine Seereise zu Fuß unternehmen. Er beabsichtigt den atlantischen Ocean aus Schuhen von Holz und Leder, die mit beweglichen Schaufeln versehen sind, zu überschreiten. Er hat sein System schon versucht, indem er von New-fhork nach Albany auf dem Hudson gieng. Jetzt will er von Boston in 105 bis 110 Tagen nach Frankreich gelangen, auch wenn das Meer aufgeregt wäre. Er wird von Capilain Andrew in einem kleinen Segelboot begleitet sein. Die Gelehrten beschäftigen sich, amerikanischen Blättern zufolge, bereits angelegentlich mit dem System des Capitains. ^bstüberwintcrung in Schlachthäusern. Die großen Vieh- und Schlachthäuser von Chicago haben für ihre im Winter selten ausgcnützten Kühlräume eine neue und jedenfalls ganz einträgliche Benutzung ausfindig gemacht, indem in den Räumen, das für 20 000 geschlachtete Rinder hinreicht, Obst eingelagert wird. Die meisten Obstsorten bedürfen nur einer gleichmäßigen, wenig über Null betragenden Temperatur und frischer Lust, um sich den ganzen Winter frisch zu erhalten. Zwei Dampfmaschinen von je 'joo Pferdekraft erhalten durch Ammoniakverdunstung einen beständigen Strom von eiskaltem Salzwasser in allen Rohrleitungen des Hauses, wodurch die Temperatur selbst im heißen Sommer auf null erhalten werden kann. Daneben wird eine so nachdrückliche Ventilation unterhalten, dass tue Luft stets gleich frisch und geruchlos bleibt, ob Aepfel, Fleisch oder sonst für Gegenstände den Kühlräumen anvertraut werden. Eine neue Banmwollpflanze. Nach einer Mittheilung des „Gardners Ehronicle" ist im Gebiete Centralafrikas eine ganz neue Baumwollpflanze entdeckt worden, welche eine ungewöhnliche Aufmerksamkeit erregt. Wie weit diese Pflanze von der bekannten Baumwollstaude sich unterscheidet, ist noch nicht festgestellt. Vor etwa fünf Jahren sah der Engländer Adolph Kyle, der sich im .Kongogebiet befand, 1,600 Kilometer vom Ufer und 30 Kilometer südlich vom Aequator entfernt, von seinem Schiffe aus eine Gruppe gewaltig hoher Baumwollstauden, die eine Höhe von sechs Metern und noch mehr zeigten. In üppiger Fülle hiengen die Baunnvollbüschel, während die Schäfte glatt waren und keine Zweige besaßen. Die Samenkapsel befand sich am Ansatz der aroßen und breiten Blätter, die denjenigen des Feigenbaumes ähnlich sahen. Die Eingeborenen beachten die merkwürdige Pflanze nicht und machen gar keinen Gebrauch von ihr. Adolph Kyle sammelte die Samenkapseln und übergab sie einem amerikanischen Farmer, der sie zur Saat auf seinem Felde benutzte. Jetzt bringt dieser Farmer die Nachricht, dass die Pflanze von wunderbarer Schönheit sei, und dass er noch nie ein so herrliches Baumwollfeld gesehen habe, als das mit dem afrikanischen Samen besäete. Die Pflanze sei ganz abweichend von der amerikanischen Baumwollstaude und mache mehr den Eindruck eines baumwollverwandten Gewächses Der Rohrhalm ist dick und gerade, die Rinde mit groben Fasern bedeckt. Die Blüte hat eine cylinderartige Form und öffnet sich nur nachts, schwer dringt nur der Regen in sie hinein. Die Ernte dieser Baumwolle vollzieht sich ungemein leicht und bequem. Die Erfahrungen des amerikanischen Farmers lehren, dass die Cultur dieser Baumwolle eine so unvergleichlich ausgiebige ist, dass ein um -10 Proccnt kleineres Feld eine reichere Ernte liefert als ein gewöhnliches Baumwollfeld. K lllfltdirnmk. Die Juden in den amerikanischen Jrcirvilligen- Scharen. Der Appell Mc. Kinley's an die amerikanische Bevölkerung, freiwillig in den Krieg gegen Spanien zu ziehen, hat besonders in den Kreisen der russischen und polnischen Juden einen begeisterten Wiederhall gefunden. Jüdische Comites haben Werbe-Bureaus errichtet, die jüdischen Blätter, besonders die mit hebräischen Lettern, veröffentlichen begeisternde Aufrufe, die Logen und Wohlthättgkeits-Vereine wetteifern darin, ihren Mitgliedern, die in den Krieg ziehen, die weitgehendsten Beneficien, zumal die Versorgung ihrer Hinterbliebenen zu garantieren. Das Freiwilligen-Regiment von Bowery (Judenviertel in New-Ivrk) besteht zumeist aus Juden. Dort steht das „Hebrew American Bolunteer Bureau", das von Zionisten geleitet wird. Am 3. Mai fand unter dem Vorsitze von Mr. Nathan Strauß ein Massen- Meeting statt, in dem nach den Reden des Vorsitzenden, des Dr. Radin, Advocat Weinberg und Richter Gold- Vogel folgender Beschluss gefasst wurde: „Gouverneur Black (von New-Jork) ist telegraphisch zu verständigen, dass von den heute hier versammelten Juden 5000 bereit sind, im Dienste der Bereinigten Staaten ihr Blut zu opfern". Für die enthusiastischen Maffenmeldnngen jüdischer Freiwilliger ist folgende Mittheilung des Dr. Miles im „Evening Journal" characteristisch: „Ich habe mich erkundigt, erzählte er, in welchem Verhältnisse die Angehörigen der verschiedenen Nattonen dem Aufrufe Mc. Kinleys Folge leisten. Darauf informierte man mich: Vorerst melden sich die Amerikaner, dann die Deutschen, Jude n, Irländer, Italiener und schließlich Franzosen. Tie Inden stehen also der Reihe nach hinter den Deutschen, deren Bevölkerung sechsfach ihnen überlegen ist, aber sie stehen vor den Irländern, die in Amerika viermal soviel und vor den Italienern, die zweimal soviel zählen. In Chicago sind einige Compagnien russischer Juden in Bildung begriffen, in Woodbine (New-Jersey) haben alle jüdischen Colvnisten dem Gouverneur ihre Dienste angeboten. Aus den Aufrufen der jüdischen Blätter klingt eine Sprache voll Muth, Kriegslust und erfüllt vom zuversichtlichen Stolz auf Bar-Kochba und die Maccabäer. Dass diese heldenmüthigen Männer zumeist Zionisten sind, beweist am besten, wie sich die Liebe zu seinem eigenen Volke und die Sehnsucht nach einer eigenen Heimat mit der Vaterlandsliebe vereinbaren lassen. Der „Chicago Weekly" bemerkt auch zu diesem Punkte: „Die nattonale Begeisterung der Polen, Griechen, Italiener und Andere, die für die amerikanische Fahne kämpfen, mag die Gegner des Zionismus am besten von der Unstichhältigkeit ihrer Argumente überzeugen. Sie beweist am besten, dass das nationale Bewusstsein niemanden in seinem Patriotismus stören darf. Gerade umgekehrt ist der Fall: Die Deutschen, Italiener, Griechen setzen ja ihre Ehre darein, ihren Nationen durch ihre Heldenthaten im Dienste des neuen Vaterlandes Ehre zu machen. Das Regiment der jungen Zionisten wird am besten die gegnerischen Verleumdungen widerlegen, als ob die Zionisten nicht patriotisch wären." I>. Eine jüdische Gemeindebibliothek soll in Berlin rrich tet werden. Das Repräsentantencollegium der Berliner jüdischen Gemeinde beschloss den Vorstand zu beauftragen, eine diesbezügliche Vorlage auszuarbeiten. Es soll dadurch eine Centralstelle für die Wiffenschaft des Judenthums und die jüdische Geschichte geschaffen werden, welcher es auch nicht an Mitteln fehlt, sich nach dem Borbilde ähnlicher Institute in anderen Ländern auszugestalten und das zu leisten, was den bisher allein bestehenden jüdischen Vereins- und Privätbibliotheken unmöglich war. Diese Bibliotheken sollen, soweit sie von jüdischen Bereinigungen gegründet und der Allgemeinheit zugänglich gemacht sind, wie die Bibliothek des deutsch-israelitischen Gemeindebundes, die des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur u. f. w. bestehen bleiben, jedoch durch einen organischen Wechselverkehr der neu zu gründenden Gemeindebibliothek angegliedert werden. Einführung des obligatorischen Religionsunterrichtes in Preuhen. Das „Berl. Tgbl." schreibt: Es gewinnt immer mehr den Anschein, als wollte die preußische Negierung Ernst machen mit der Einführung des obligatorischen Religionsunterrichtes für die schulpflichtigen jüdischen Kinder. Ter Regierungspräsident in Gumbinnen yat nämlich einen Nachweis über die in jenem Bezirk vorhandenen jüdischen Schulkinder eingefordert, und gemäß dieser Verfügung hat der Landrath von den Guts- und Gemeindevorständen die Beanttvortung folgender Fragen verlangt: 1. Wieviel jüdische Kinder befinden sich an dem betreffenden Orte? 2. Wie groß ist die schulpflichtige Jugend? und 3. Wieviele jüdische Kinder besuchen christliche Schulen? Nun wäre es vor allem wünschenswert, zu erfahren, ob eine gleiche oder ähnliche Verfügung auch von den übrigen Bezirksregierungen erlassen worden ist. Ohne zu dieser principiell wichtigen Frage, dem obligatorischen Religionsunterricht in den Schulen betteffend, irgendwie Stellung nehmen zu wollen, erschien es uns doch von einer gewiffen symptomatischen Bedeutung, von dieser Thatsache den Lesern Kenntnis zu geben. Vielleicht entschließt sich Herr v. d. Recke oder Herr Bosse dazu, den undurchdringlichen Schleier ein wenig zu lüften.