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Die Welt · 1898-05-20 · 20 (20.5.1898) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
20 (20.5.1898)
Article
Ein Gruß
Date
1898-05-20
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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pflichtet, zu Opfern, wie wir sie nie zuvor gebracht haben. Es ist mir ein leichtes, mein Hab und Gut, auch mein Leben für mein Volk zu opfern. Biel schwerer fällt es mir, meine Ueberzeugung zu opfern, meine persönlichen Anschauungen über das Leben dieses meines Volkes, trotzdem ich es von ganzem Herzen liebe. Wenn ich aber gewahre, dass meine persönliche Ueberzeugung dem Einigungswerke meines heißgeliebten Volkes im Wege stehe, dann Pflege ich meine Hände gen Himmel zu erheben und zu gestehen: „Allmächtiger! Du allein weißt es, dass mir das Wohl deines Volkes am Herzen liegt. Meine Ueberzeugung ist eine andere als die der Mehrheit dieses Volkes; diese Ueberzeugung soll ich nun aufgeben. Du hast mir sie gegeben und ich soll sie nun deinem Volke opfern; die Wohlfahrt deines Volkes erheischt es. So geschehe es denn; Du aber lass unser Werk gelingen!" Und nun, meine lieben Brüder, Ihr seid doch von einander so verschieden, durch Abkunst, Erziehung, Bildung und Berns. Es gibt unter euch Alte und Junge, Aschkenasim und Sephardim, Talmudisten und Moderne, Schriftkundige und Gewerbetreibende, Kaufleute und Ackerbauer, die aus den verschiedensten Weltgegenden hingekommen sind und sich von einander in vielen Beziehungen, so sehr unterscheiden. Es ist begreiflich, wenn bei euch auch Meinungsverschiedenheiten herrschen. Bedenket aber, dass es doch eine gemeinsame Sache gibt, die euch alle einigt die euch allen in gleichem Maße heilig sein soll: Die Hoffnung nämlich, unser Bolksthum, unsere Lehre und unsere Sprache zu verjüngen und neu zu beleben. Diese Hoffnung kann nur dann besteben und auf Erfolg rechnen, wenn der Einzelne sich der Gesammtheit unterorduet. Es möge nun bei jedem Eiuzelnen die Unterordnung seiner gersönlichen Meinung unter der der Gesammtheit der erste Schritt sein zu dem großen Ziele, welches wir erreichen wollen, zu der Wiederbelebung, Einigung und Stärkung unseres Volkes. Liebe Brüder! Morgen abends werde:; wir im festlichen Kreise unserer Familien unseren Kindern die Leidensgeschichte Israels erzählen. Tausende und Abertausende unserer Brüder werden in diesem Jahre zu den Wundern, die unsere Vorfahren in alten Zeiten erlebt, die Wunder, die in unserer Zeit, vor unseren Augen geschehen hinzufügen. Und wir alle werden inbrünstig beten, dass Gottdas Werk unserer Führer gelingen und gedeihen laffe. Friede sei bei euch, die ihr unsere Rückkehr in das Ahnenland erwartet, Friede bei den in allen Wettenden Zerstreuten, die des tausendjährigen Harrens und Sehnens nicht müde sind und die alljährlich einander den trostvollen Gruß zurufen: "JD'Sstth n*an rwsh„ Dr. Hermann Schapira. & Könnte man dir Vnndeslade iviederftnden?*) Bon Henning Melander (Stockholm). (Schluss.) Das Aussehen und die Lage der Todtenkammer harmonieren gleichfalls mit allen anderen Hinweisen auf Thopheth, die mir bekannt sind. Die Klippe, auf der sie liegt, ist, wie erwähnt, ein weit vorspringender Ort. Bon dort aus übersieht man das ganze traditionelle Josaphatsthal hin nach Scopus, über den Oelberg und den Berg des Aergernisses hinaus bis gegen das todte Meer und die Berge in Moab und „an einem ausgezeichneten Ort" nach Jalkut Schimoni (Salonichi 1521) zu Jerem. 7:31.**) Auch im Talmud wird die Beth-Thopheth-Ebene erwähnt (Bamidbar rabba 18) und oberhalb der Todtenkammer im Anschluss an ihr Dach breitet sich auch in der That eine Ebene aus. So ist auch in der Bibel (Jesaia 30:33) die Rede von Thopheths Breite und Tiefe, und die Todtenkammer umfasst *) Bgl. „Die Welt" Nr. 15, 16, 17, 18, 19, 11. Jahrgang. **) „Es haben unsere Lehrer gesagt: Obwohl alle Götzentempel sonst in Jerusalem waren, so war doch der Motech außerhalb Jerusalems an einem ausgezeichneten Ort. —" einen Raum von circa 3000 Quadratfnß (15)x(19 Meter und reicht 57 Fnß (17 Meter) tief in den Felsen hinab. Sie bildet einen rechteckigen Ausschnitt aus der Klippe und daraus erklärt sich das Gleichnis in der Offenbarung, wo mit Anspielung auf Thopheth von der großen Weinpreffe des Zornes Gottes die Rede ist, die außerhalb Jerusalems getreten wird (14:19—20). In Hez. 24:3—14 wird gleichfalls mit Anspielung auf Thopheth Jerusalem mit einem mit Fleisch gefüllten Topfe verglichen, in welchem das Fleisch anbrennen sollte, und im Buche Enschs 89 :37 ist von dem Abgrunde zur Rechten oder südlich vom Tempel die Rede und es heißt, dass er voll Feuer war; und dahin wurden die blinden Schafe geleitet, die verurtheilt, in den Abgrund geworfen und verbrannt wurden. Hakeldama oder der Blutort ist eine Bezeichnung, die auch an den Namen „Schlacht oder Todtschlägerthal" erinnert, welchen Namen das vor Thopheth liegende Thal nach der Weissagung Jeremias' erhalten sollte, und dieser Name ist jetzt der einzige von Bedeutung in der ganzen Gegend, wo Thopheth gelegen haben muss, während der Ort Thophet mehr in Bergeffenheit gerathen zu sein scheint; denn heutzutage kennt man, soviel ich in Erfahrung gebracht habe, kein begrenztes Gebiet dem mau diesen Namen beilegen könnte. Und noch weitere Gründe sprechen dafür, dass die Tvdtenkammer auf Hakeldama mit Gehen«« identisch ist und dass demnach dieser Platz für das für Jesum eingezahlte Blutgcld eingelöst wurde, doch scheinen mir die bereits dargelegten zur Genüge zu beweisen, dass ich in der Todtenkammer auf Hakeldama wirklich den Ort gefunden habe, an welchem die Gebeine von Schatzgräbern in Ruhe gelaffen werden sollten, und damit den Ort, welchen der Prophet Jeremias, der die Bundeslade verbarg, als den nach seiner Meinung einzigen sicheren Ort erwähnt hat. Ja, der, der die Bundeslade Verborgen hat, hielt diesen Ort für den einzig gesicherten, den einzigen Ort in der ganzen Umgegend von Jerusalem, an welchem die dort ruhenden Gebeine nicht von Schatzgräbern belästigt werden sollten; und man hat sie auch in Ruhe gelaffeu, denn die Glaubwürdigkeit der Weissagung besiegelnd lagen sie noch an jenem Tage, als ich Jerusalem besuchte, in gleichmäßigen, mehr als mannshohen Schichten, während die umliegenden Gräber mehr oder weniger leer waren. Und ist demnach die Todtenkammer ein Ort, der von Schatzgräbern nicht berührt worden ist und der Ort, den der Mann, der die Bundeslade verborgen hat — und noch dazu zu zwei verschiedenen Malen (Jerem. 7:32 und 19:11) und mit ganz besonder »Nachdruck — als den einzigen, vor Schatzgräbern absolut gesicherten Ort angibt, dann ist es ja nicht unwahrscheinlich, dass daselbst Schätze verborgen sind, und unter diesen auch die Bundeslade dort ihre Ruhestätte gefunden hat. Es wäre nun wünschenswert, wenn man mir die Möglichkeit bieten wollte, dort in der Umgegend der Todtenkammer baldigst systematische Untersuchungen anstelle« zu können, denn solche konnte ich bei meiner Anwesenheit in Jerusalem im Jahre 1881 nicht unternehmen und seit jener Zeit bin ich vergeblich bemüht gewesen, in meinem Baterlande Interesse für meine Sache anzufachen. Mir persönlich standen die nöthigen Mittel nicht zu Gebote. Stockholm, 9. April 1898. * Drrmronks Triumph von Jacques Bahar. Paris, 9. Mai. Ich muss gestehen, dass mir. die Wahl Drumonts eine große Ueberraschung ist, weil sie ganz vornehmlich dem Jntereffe selbst der Antisemiten zuwiderläust, eine Thatsache, welche den so viel bejubelten Triumph weit überragt. Die zur Stunde vorliegenden Nachrichten sind noch viel zu karg, als dass man

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