Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 20 (20.5.1898)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1898-05-20
- Page
- 7 (sequence 2)
- Language
- German
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„Kreuzzeitung" athmet aus. Lewi — Lewi — Lewi — welch süßer Klang in zwei Silben, — ein Jude als Urheber alles Unglücks. Jetzt kamen die Leitartikel. Ein paar Tage darauf brachte die „Bossische Zeitung" folgende Notiz: „Einige Leute, die zwar keinen Unterschied zwischen christlichen nnd jüdischen, arischen und semitischen Jobbern und Wucherern machen, aber neugierig waren, ob Herr Lewi Joseph Leiter wirklich der ist, wofür ihn die Agrarier ausgeben, haben sich die Mühe nicht verdrießen lassen, in Amerika bei Personen, die es wissen können, nachzufragen, wie es um die Abstammung des Chikagoer Speculanten steht. Und siehe da, heute ist die Kabelantwort gekommen: Garantieren Vollblutarier von reinstem Wasser". — Der Lewi ist nämlich ein Lewis (Louis) und dieser Verwechslung verdanken die Juden einige schmeichelhafte Leitartikel, die voraussichtlich das entsprechende Echo in den gläubigen Lesern geweckt haben. Es ist übrigens kein Wunder, wenn der Antisemitismus in steter Zunahme begriffen ist. Es ist unerhört, was diese Juden alles treiben. Da hat dieser Tage eine jüdische Firma — ein antisemitisches Blatt betont, dass es eine jüdische Firma war — zu Reclamezwecken Plakate drucken lassen, auf denen „Wiener Typen" abgebildet waren. Darunter befand sich auch ein Sicherheitswachmann, dessen Nase eine auffallende Blaufärbung zeigte. Das Vorgehen der jüdischen — wir betonen : der jüdischen Firma — illustriert so recht die verhängnisvolle, dämonische Rolle, die Israel unter den Nationen spielt. Umsturz, nichts als Uulsturz. Die Autorität wird verlacht, die jüdische Frivolität macht selbst vor dem Heiligsten nicht Halt, ja sie färbt es sogar unter Umständen blau. So wird es begreiflich, dass man die Juden allgemein dorthin wünscht, wo der Pfeffer wächst. Erst in den letzten Tagen ist wieder in Deutschland die deutsch-sociale Reformpartei mit einem Wahlaufruf hervorgetreten, in dem für die Juden das Einwanderungsverbot in Aussicht gestellt wird. Es gibt Einfuhrverbote für Reisende, die aus den von der Pest heimgesuchten Gegenden kommen, für verseuchte Thiere, für Obst, das mit San-Josö-Schildlaus behaftet sein könnte und — für Juden. Pest, Seuche. Schildlaus, Judenthum — die Begriffe leben in den Köpfen der modernen Politiker hart neben einander. V* Me jüdische Colomalbank. (Mittheilungen des Bankcomitvs.) Der Vorsitzende des Bankcomites Herr D. Wolffsohn war vor einigen Tagen in Berlin. Alle Anfragen sind an Herrn D. Wolffsohn nach Köln zu adressieren. Diejenigen Snbscriptionen, welche bis 15. Juli d. I. dem Baukcomit^ in Köln zugegangen sind, werden nach Möglichkeit voll berücksichtigt. Hat schon bis zu diesem Zeitpunkt eine Ueberzeichnung des Grundcapitals stattgefunden, so werden in erster Linie die Zeichner .von einzelnen Shares berücksichtigt, dann erhalten die Zeichner kleinerer Beträge den Vorzug vor den größeren. Die Repartition wird unter der Aufsicht der vom Congress hiezu bestimmten Bertrauenspersonen erfolgen. Subscriptionen können auch direct an das Bankcomitö in Köln gerichtet werden. Der Zeichner hat in diesem Falle einen Schein folgenden Inhaltes an Herrn D. Wolffsohn zu schicken: „Ich verpflichte mich, .... Stück Shares (Actien) ä 1 Pfd. Stg. der binnen Jahresfrist zu gründenden jüdischen Colonialbank zu subscribieren und den entsprechenden Betrag nach erfolgter Gründung der Bank bei der mir von Herrn D. Wolffsohn zu bezeichnenden Stelle in den kundzumachenden Fristen zu erlegen. Als Anzahlung werde ich beim Bankhause .in ... den Betrag von . .. (10 % des gezeichneten Betrages) erlegen, welcher bei Nichteinhaltung meiner Bervflichtung zugunsten der jüdischen Colonialbank verfällt. (Name und Adresse). .... den ... . 1898. Mit dem Erläge der zehnpercentigen Anzahlung bei dem genannten Bankhause ist sodann die Subscription perfect. Sehr interessant sind die Zuschriften, welche an das Bankcomite kommen. Aus allen Ländern, allen Kreisen melden sich Leute. Ein kleiner Handwerkerverein in Cork (Irland) schickt 10 Pfd. Stg. als Vollzahlung für 10 Shares. In Braila (Rumänien) wurde gleich bei Beginn der Subscription eine solche Ueberzeichnung in der ganzen Welt angenommen, dass die Subscriptionsresultate um vier Percent höher gekauft wurden. Man zahlte 26 Francs für die zu erwartende Actie. In Braila allein wurden in den ersten zwei Tagen der Subscription fünftausend Shares gezeichnet und zehn Percent Anzahlung deponiert. Das ist nur eine Stadt in Rumänien. Die Mitglieder des Actionscomites haben sämmtlich subscribiert. Ferner sind bereits Anmeldungen vieler hervorragender Gesinnungsgenossen in Frankreich, England, Russland rc. eingetroffen. Sobald eine geordnete Ueb erficht der Anmeldungen möglich ist, wird von Zeit zu Zeit an dieser Stelle die Publication der Ziffern erfolgen. In Galatz veröffentlicht das von unserem wackeren Gesinnungsgenossen Samuel Pineles geleitete rumänische Zionistencomite einen vortrefflichen Aufruf, der die Juden Rumäniens über die Modalitäten der Subscription für die jüdische Colonialbank aufklärt. Voll Präcision nnd Deutlichkeit weist dieser Aufruf auf die große Tragweite und das hoffnungsvolle Wachsthum der Bankaction hin. In schlichter und überzeugender Weise erklärt das Comitö die sicheren Grundlagen des Unternehmens und die Bortheile, welche aus seiner Realisierung nicht nur den Zionisten, sondern allen Juden erwachsen werden. Die Snbscription ist bereits in vollem Gange. Warschau. Die Subscription auf die Actien der Colonialbank hat schon bei uns angefangen und macht uns Hoffnung auf guten Erfolg. & Prof. Dr. Hermann Schapira. Ueber den Tod des Prof. Dr. Hermann Schapira ist den Lesern der „Welt" schon kurz berichtet worden. In ihm hat das jüdische Volk einen seiner edelsten Söhne, der Zionismus einen feiner begeistertsten und uneigennützigsten Verfechter verloren. Auf seinen Leichenstein darf man die Goethesschen Worte setzen: „Dieser ist ein Mensch gewesen, und das heißt ein Kämpfer fein!" Unsagbar harte Kämpfe hat es ihn gekostet, bis es ihm gelang, den nöthigen Raum für die Entfaltung seiner Individualität zu erringen, aber nie ist seine Seele egoistischen Regungen verfallen; weit höher als fein eigenes Wohl stand ihm das Heil feines Volkes, und als diesem in dem zionistischen Gedanken ein neues Ideal aufgieng, da hat Schapira nicht gezögert, sich auch an diesem Kampfe als einer der vornehmsten Rufer im Streite zu betheiligen. Schapira ist 1840 in einer kleinen Stadt des russischen Lithauens geboren. Er machte den traditionellen Bildungsgang aller russischen Juden jener Zeit durch, zeigte aber so ungewöhnliche Begabung, dass er schon mit L4 Jahren ein Rabbinat bekleiden konnte. Und nun tritt die Krisis seines Lebens ein: den jungen Mann erfasst ein unbezähmbarer Drang zur europäischen Bildung: wohlverstanden, zur Bildung, und nicht zur Freigeisterei, denn bis an sein Lebensende hat er scrupulös alle Vorschriften des Judenthums beobachtet, und ein inniger Gottesglaube bildete die Basis seiner moralischen Ueberzeugungen, wie seiner wissenschaftlichen Anschauungen. Unter unsäglichen