Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 20 (20.5.1898)
- Article
- Der zweite Baseler Congreß
- Date
- 1898-05-20
- Page
- 6 (sequence 2)
- Language
- German
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die als Delegierte nach Basel kommen wollen, zur rechtzeitigen Herstellung der Schekellisten nach Kräften beizntragen. Die Schekellisten werden bekanntlich die Namen aller stimmberechtigten Wähler enthalten. Nur derjenige kann an der Wahl zum zweiten Congreffe theilnehmen, der einen jährlichen freiwilligen Beitrag von einem Schekel leistet. In Nummer 12 der „Welt" waren die auf die Delegiertenwahlen bezüglichen Beschlüsse des ersten Congresses veröffentlicht, auf welche hiemit nochmals nachdrücklich aufmerksam gemacht wird. An dem Congreffe können nur die von den Hundertschaften der Schekelzahler gewählten Delegierten als st i m m berechtigte Mitglieder theilnehmen. Um auch Nichtdelegierten den Zutritt zu den Berathungen zu ermöglichen, wird das Actionscomitä Gastkarten ausgeben. Die Anmeldungen müssen längstens bis 1. August d. I. an das Congressbureau erfolgen. Nach Maßgabe des vorhandenen Raumes und der Zahl der nichtdelegierten Gesinnungsgenossen, welche ebenfalls am Congresse theilnehmen wollen, wird das Congressbureau anfangs August die Gastkarten vertheilen. Wenn eine Hundertschaft aus irgend welchem Grunde nicht in der Lage ist, aus ihrer Mitte einen Delegierten zu entsenden, aber doch am Congreffe vertreten sein will, so kann sie auch einen anderen Gesinnungsgenoffen zu ihrem Delegierten erwählen. Ueber Wunsch sendet das Congressbureau den Reflectanten eine Liste derjenigen Gesinnungsgenoffen ein, welche ein Mandat zum Congreffe übernehmen. Die Petitionen, Resolutionen, Wünsche oder Beschwerden, welche dem Congreffe vorgelegt werden sollen, mögen so zeitlich als möglich dem Congressbureau zugestellt werden, damit dieselben bereits geordnet der Petitions- und Resolutions-Commis - sion übergeben werden können. Ueber die Einbringung von Anträgen, namentlich von Initiativanträgen am Congreffe selbst, gibt die demnächst zur Veröffentlichung gelangende Geschäftsordnung Auskunft. Die Action, welche die Cooperation sämmtlicher Colonisationsvereine bezweckt, ist vom Actionscomitö bereits in Angriff genommen worden. Der Congress wird vom Actionscomitä, wie über alles, auch hierüber einen actemnäßigen Beleg erhalten. Ueber die Juden Palästinas, die Lage der Colonien, ihre Beziehungen zu ihren Protectoreu, über die türkischen Gcsctzverordnungen für Palästina und die Rückwirkung derselben auf die bereits eingewanverten Juden wird ein Abgesandter des Comites, der persönlich an Ort und Stelle das nöthige authentische Material sammelt, dem Congreffe Bericht erstatten. Auch hiedurch wird das Comite manche Unterstellung und Böswilligkeit auf ihren wahren Wert zurückzuführen vermögen. Damit wird den geschäftigen Verbreitern solcher falscher Nachrichten auf die beste Weise das Handwerk gelegt werden — bei allen anständigen Menschen wenigstens. Wien, 20. Mai 1898. Wenn man ein beschauliches Leben innerhalb der vier stillen Stubenwände sichren will, so kann man dieses Ideal am besten verwirklichen, wenn man unter die jüdischen Hausierer geht. Diese Berufsart ist die Vorstufe zu einem ruhigen Leben. Die Methode ist sehr einfach. Man schafft sich einen Hausierkasten an und wandert in den Wiener Gasthäusern umher. Wenn man dabei die nöthige jüdische Physiognomie und auf dieser die nöthigen Spuren von Gram und Sorge hat, dann kann es gar nicht fehlen. Man wird dann, ohne dass mau eigentlich allzu angestrengt nach der günstigen Gelegenheil suchen müsste, gelegentlich von einigen antisemitischen Strolchen überfallen und so lange misshandelt, bis man sich ohne weiters auf mehrere Monate in die beschauliche Ruhestätte des Krankenlagers zurückziehen kann. Dort darf man allen möglichen Lieblingsträumen nachhängen, die nur hie und da durch ein tactloses Knurren des Magens unterbrochen werden. Wenn nun so ein jüdischer auf seinem Pfühl ausgestreckter Hausierer das Glück hat, ein treues Weib zu besitzen, so wird er sich auch nicht über Einsamkeit beklagen dürfen. Sein Weib wird den Hausierkasten nehmen, wird damit die Wiener Gasthäuser besuchen, eine launige Tischgesellschaft wird dann irgend einen Hund auf die Jüdin hetzen, und im Handumdrehen wird die treue Gattin dem Hausierer Gesellschaft leisten und die Unannehmlichkeiten der Einsamkeit von ihm abwehren. Aber dieses Stillleben ü Ia Philemon und Baucis bleibt nicht lange ungestört. Es kommt ein Zeitungsmensch und zerrt es an die Oeffentlichkeit. Dann liest man in einem Tagblatt: Ein armes Hausiererpaar, welches u. s. w.-bittet edle Menschenfreunde um milde Gaben zur Linderung u. s. w. In der letzten Sonntagsnummer eines Wiener Blattes war der Auftuf zu lesen. Aber dass ein Jude von solchen Berufskrankheiten heimgesucht wird und den Hunger als ständigen Hausfteund in der dürftigen Kammer beherbergt, das gehört, wie jedes „christliche" Blatt bestätigen wird, zu den seltensten Ausnahmsfällen. £, diese Blätter sind gut informiert. Sie senken ihre kritische Sonde in die verborgensten und entlegensten Taschen des Judenthums und entdecken dort die geheimgehaltenen Millionen. Mag sich auch der jüdische Millionär in den fernsten Erdtheiten zu verstecken suchen, — die antisemitischen Blätter sind unerbittlich hinter ihm her, sie Haschen ihn, fangen ihn, wenden seine Taschen um, und wenn dann die dicken Banknotenbündel im Hellen Lichte der Oeffentlichkeit zur Erde fallen, dann greifen die glücklichen Taschenforscher zur bewährten Feder, und es regnet Leitartikel: „Der Moloch des jüdischen Capitals", „Die goldene Weltherrschaft des Judenthums", Wohin fließt das Geld der Erde?" rc. Ein prächtiges Stücklein auf diesem Gebiete hat am letzten Sonntag ein Wiener Hetzblatt geliefert. Der eigentliche Ruhm gebürt freilich der „Preußischen Kreuzzeitung", aus welcher das Wiener Blatt seine Informationen schöpfte und zu einem mächtigen Leitartikel verarbeitete. Es sollten drei Fliegen auf einen Schlag getroffen werden. Erstens sollte bewiesen werden, dass sich in jüdischen Händen Capitalien befinden, die den ganzen Weltmarkt beherrschen. Zweitens, dass diese Capitalien die Menschheit immer in's Elend stürzen. Drittens, dass das Steigen der Getreidepreise und die verschiedenen Hungerrevolren das kühl berechnete Werk der jüdischen Millionäre sind. Und der Beweis gelang über alles Erwarten. Als nämlich die „Kreuzzeitung" von ihrer antisemitischen Warte aus den Erdball überblickte und nach der dunklen Pforre spähte, von der aus das gewiffe Hungergespenst seinen Weg genommen haben mochte, da entdeckte die „Kreuzzeitung" im fernen Amerika einen Mann, der den ominösen Namen L e w i Joseph Leiter führt. Er hat die Taschen voll Banknotenbündel und beschäftigt sich mit Getreidespeculationen, aus denen das gewiffe Hungergespenst entsproffen zu sein scheint. — Tie