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Die Welt · 1898-05-13 · 19 (13.5.1898) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
19 (13.5.1898)
Article
Paris / C. P.
Date
1898-05-13
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Nr IS. Seite 13 Ä^WdC Drumont aus dem Kampfe mit Samary siegreich hrrvorgegangerr, inAngouleme ist Derou lebe mit großer Majorität gewählt worden. Re in ach ist in seinem Wahlbezirke geradezu kläglich unterlegen. Es ist zweifellos, dass Mölme und seine Partisane einen großen Sieg davongetragen haben und dass sie sich den Monarchisten und Clericalen werden dankbar erweisen muffen. Vielleicht war es eine Anticipandozahlung, dass der Präsident der Republik, Herr F a u r e, was allgemein behauptet wird und bisher unwidersprochen blieb, dem Monarchisten Cochiu seine Stimme gab, der auch in seinem Wahlbezirke — einem Pariser Arrondissement — mit großer Majorität gewählt wurde. C. P. Vereinsmchrichtkll. Wie». Der Bildungs- und Unterstützungsverein der jüdischen Arbeiter und Privatangestellten „Achwa h" hält Samstag, den 14. Mai 1898 um 8 Uhr abends im Restaurant „zum goldenen W i d d e r", II. T a b o r st r a ß e 36, eine öffentliche Vereinsversammlung ab. In derselben wird der Präsident des Vereines, Herr Dr. S. R. Landau über „Zionismus und Socialismus" referieren. Kanitz Ferialverbindung „A st r a". Bei den Neuwahlen wurden gewählt: med. Otto Weich, Präses; jur. Rudolf Fruch t, Vicepräses; jar. Alfred Pollak, Schriftführer. Olmiitz. In der sechsten Monatsversammlung des „Z i o n" bewies Herr Rabbiner Dr. Oppenheim in glänzender Rede die hohe Humanität des alten Testamentes, die nicht nur die anderen Völker, sondern auch wir noch zu erreichen haben. Diese Humanität mache es jedem Juden zur Pflicht, dem Zionismus anzuhangen. Nachdem Herr Dr. Werner und jar. Birnstein Kongress und Schekel besprochen, sang Herr Obercantor S ch l e- FeuU Iudsra*) von Ferdinand v. Saar. In fernes Land, meerüber, laß Dich senden. Zerstreutes Stammvolk mit den scharfen Zügen Dort magst Du kräftig Dich zusammenfügen. Um Deines Schicksals dunklen Fluch zu wenden. Dann wirst Du wieder mit entwöhnten Händen Der Patriarchen alten Boden pflügen. Wirst — das entsank bei ihren Wanderflügen, Ein Schwert Dir gürten um erstarkte Lenden. Hinwandeln wirst Du unter schlanken Palmen Wie einst, da Rahel ward zu Jacobs Lohne, Und dem Jehovah Deine Opfer qualmen. Und wieder singt ein König auf dem Throne Zur gold'nen Harfe tief durchglühte Psalmen Und zeugt der Nachwelt weise Salomone. Brief eines Unentschlossenen. Sie werden vielleicht keinen besonderen Wert daraus legen, — aber ich stehe Ihrer Bewegung wirklich sympathisch gegenüber. , Es ist das Einfachste, was man thun kann. Deswegen muss ich doch dann nicht gleich mit, wenn's einmal Ernst wird? Lassen Sie mich also gegenüberstehen — sympathisch gegenüberstehen. Das ist mir das Liebste. Es ist nickst hübsch, dass Sie darüber lächeln. Vielleicht werde ich doch noch ein ganzer Zionist. Nun, schließlich bin ich ja ein Jude. Aber bei dem heutigen Antisemitismus ist es doch nicht nöthig, diesen Umstand besonders zu betonen. *) Dieses Gedicht, welches Ferdinand v. Saar uns freundlich zur Verfügung stellt, ist im Jahre 1859 geschrieben worden. s i n g e r rührende Zionsweisen. Die Gründung einer Sängerriege wird durchgesührt. & Mschrifteurundschau. Jüdische Folkloristik. Zum Erwachen des jüdisch-nationalen Gefühles beginnt sich auch das Streben hinzuzugesellen, das Volk näher kennen zu lernen, seine Lieder, Sagen, Sprichwörter. Denn darin kommt ja der Geist und das Gemüth des Volkes in der wahrsten, unverfälschten Form zum Ausdrucke. Allein es bleibt noch eine Aufgabe: sie alle zu sammeln. Ihr unterziehen sich Herr G in z bürg (Petersburg, Prospect Angielski Nr. 12) und Herr Marek (Moskau, Nikolska 57), die sich an die Oeffentlichkeit mit der Bitte um Unterstützung durch Zusendung von Material jüdisch-deutscher Lieder aus vermiedenen Anlässen, Sprichwörter und dgl. wenden. Die Namen der Einsender sollen in der Sammlung genannt werden. „Jl Corriere Jsraclitico", das zionsfreundliche Blatt in Triest entwickelt von einer Nummer zur anderen immer mehr Vorzüge. Das Blatt ist enrschieden interessanter geworden als es früher war. Aus dem Inhalt des letzten Heftes heben wir hervor: „Ehaiben Mekitz", Ueber den Zionismus von Prof. Guglielmo L a t t e s, „Der Meffianismus", und den Artikel über die Feier des fünfzigsten Jahrestages der Emancipation der italienischen Juden. Der Bericht über die zionistische Bewegung ist auch diesmal ziemlich gut und den Thatsachen entsprechend. Ein etwas größerer Raum, speciell für diese Rubrik, würde nicht schaden, da die Bewegung so coloffale Fortschritte macht, dass es gewiss auch für die italienisch sprechenden Juden interessant sein wird, wenigstens über den Umfang der Bewegung genauer instruiert zu sein. Der Notizentheil ist sehr gut gehalten. Die italienisch sprechenden Juden können mit dieser Monatsschrift sehr zufrieden sein. Die „Contemporary Review" bringt einen Artikel von Josef P rag aus London, über die „jüdischen Colonien in Palästina". I r t o ii. Man schadet sich nur! Nein, wahrhaftig, man schadet sich. Und nicht bloß in der christlichen Gesellschaft. Die Gesellschaft geht eben mit der Mode. Und heutzutage ist das Jüdische nicht modern, nicht chic, nicht elegant. Schauen Sie nur einmal unsere jungen Mädchen an. Glauben Sie, dass diese zarten Wesen, die zu Cavallerie- Picknicks gehen, zum Rennen fahren, lebende Bilder arrangieren, wo die Germania. der Lohengrin oder der Wilhelm Tell Vorkommen, gerne von den Juden sprechen hören? Ich war selbst einmal dabei, wie ein alter Herr ganz ahnungslos seine Nichte auf einer Soiree ansprach. Sie war gerade in einer Conversation mit einem Husaren- Oberlieutenant begriffen, und der ungeschickte Onkel fragte: „Weißt Du nicht, mein Kind, wann wir Purim haben?" Ich sage Ihnen, es war ein peinlicher Moment. Glücklicherweise kommt so etwas nicht oft vor. Denn auch die ältere Generation ist daraus eingerichtet, das Jüdische discret zu verbergen. Im Interesse der Geselligkeit. Sie wollen doch nicht die Geselligkeit stören? Jetzt, wo es infolge der herrschenden Strömung ohnehin so ungemüthlich ist. Manchmal, wissen Sie, wenn so alarmierende Berichte von Judenmassacres in den Zeitungen stehen, wie damals aus Algier, oder aus Rumänien, oder wie so oft aus Polen, da könnte einem schon die Geduld reißen. Aber wenn man dann so recht behaglich beisammensitzt, beim Pokerspielen, oder es trägt irgend ein Künstler etwas vor, dann will man sich natürlich nach den Mühen des Tages ein wenig erholen. Das finden Sie doch begreiflich? Man kann eben nicht immer an das Unglück und das Elend in der Welt denken, da gäb's ja keine Unterhaltung mehr. Und helfen, ja, das ist doch auch nicht so leicht. Warum soll man sich also in seinem Vergnügen stören? Habe ich nicht Recht? Ich will gerne zugeben, dass die armen Juden, namentlich die in Algier, in Rumänien oder sonstwo, nicht derartige gesellschaftliche Mittel haben, sich zu trösten. Denn es scheint mir ganz begreiflich, dass man keine Soireen geben kann, wenn einem die Fenster eingeschlagen

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