Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 19 (13.5.1898)
- Article
- London / J. de H.
- Date
- 1898-05-13
- Page
- 11 (sequence 1)
- Language
- German
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JPktfWdt Sette 11 Nr. 19 Thema: „Wie ist der Zionismus zu verstehen?" Seine Ausführungen, in denen er besonders dafür eintrat, dass der Zionismus vom Antisemitismus losgelöst und der jüdische Geist in den Massen erweckt werden müsse, fanden viel Beifall. Die Versammlung war von über 500 Personen besucht. London. Eolonel Conder veröffentlichte in der Mainummer des „B l a ck w o o d s Magazine" einen Artikel „Zionist^, in dem er die Zionisten in ihrer Arbeit ermuntert. Der Zionismus ist ihm ein sehr wichtiger Factor in der modernen Politik, er glaubt jedoch, dass die Zionist.n in erster Reihe sich an den Sultan zu halten hätten, um die europäischen Staaten vor ein l'ait a<-.<-r>mpli zu stellen. Im „11 niversity Magazine" kommt Mr. Mc.- Eabe in einem Aufsatze über „die Juden als Wucherer" auf den Baseler (Kongress zurück, indem er im Zionismus den Versuch, das ethische Niveau der Juden zu heben, sieht. — Mr. N. Mayer ist von seiner Palästinareise bereits zurückgekehrt und wird darüber einen Bericht veröffentlichen. J. de H. Boston. Am 17. April fand hier eine Eonferenz statt, die von der „H e b r e w National Association" zum Zewcke der Schaffung einer Landesorganisation, für die Vereine Nerv- Englands, einberufen wurde. 19 Vereine, deren Mitgliederzahl gegen 3000 beträgt, waren durch 35 Delegierte vertreten. Es zeigt sich hier wie überall, dass das Volk im Allgemeinen der zionistischen Idee zugänglich ist, und dass es nur gehörig über dieselbe aufgeklärt werden muss. Die Eonferenz bot ein wahrhaft erfreuliches Bild. Leute aus verschiedenen gegnerischen Kreisen die sich bis nun als Feinde gegenübergestanden, saßen hier beisammen und beriethen über ein gemeinsames Ziel, die gemeinsame Arbeit für ihr Volk. Die Begeisterung war so groß, dass eine junge Dame in ihrer Rede über den Zionismus ausrief: „Zion oder Sterben!" Das Ergebnis der Eonferenz wird laut Beschluss dem Wiener A ctions c omite des Congresses mitgetheilt werden. 4L S. Waldstein. Johannesburg. Die außerordentliche Begeisterung, die für die zionistische Bewegung in den weitesten .Kreisen der hiesigen Judenschaft herrscht, fand ihren Ausdruck in der vor kurzem hier abgehaltenen Massenversammlung. Dieselbe wurde im jüdischen Schulgebäude in der Plan Street abgehalten. Alle Kreise der jüdischen Bevölkerung waren vertreten, hoch und nieder, insbesondere die Vorstände unseres Bethausvereines, und deren Prediger, sowie die hier zahlreich wohnenden polnischen und russischen Juden. Es freut mich auch. Ihnen mittheilen zu können, dass die Herausgeber der beiden Morgenblätter, und der zweite Redacteur des Mittag- und Abendblattes Juden sind, und der zionistischen Sache nahe stehen. Den Vorsitz führte Mr. Hyman Morris, Präsident der hiesigen „Hebrew Eongregation": zum Secretär war Mr. L o e w e berufen. Es waren auch die Reverends Harris, Wasserzug uud Jsaacs anwesend. Ter Vorsitzende sprach seine grope Freude über den außerordentlich zahlreichen Besuch dieser Versammlung aus, und skizzierte kurz die Geschichte der Juden von dem Auszug aus Egypten bis zu dem neuesten Project Dr. Herzl's. „Die Juden von Johannesburg", erklärte er, „müssen dem an die gesammle Judenschaft gerichteten Rufe Folge leisten, und ihrer Sympathie mit dem Zionismus in praktischer Form Ausdruck geben." In gleichem Sinne sprach auch Mr. Abrahams. Rev. Isaaks erklärte, dass es sich hier um eine Bewegung der ganzen Judenschaft handle. Die Baron Hirsch'schen Colonien in Argentinien mussten Fiasco machen, weil sie weder von nationaler Begeisterung noch von der jüdisch-nationalen Idee getragen waren, die Colonien in Palästina müssten gedeihen, weil sie beiden gerecht werden. Palästina zu erwerben müsse die Aufgabe aller sein. Redner beantragte sohin eine Resolution, die, von Rev. W a s s e r z u g unterstützt, angenommen wurde : „Diese Versammlung ist der Ansicht, dass für die Juden von Johannesburg und Transvaal die Zeit gekommen ist, in Verbindung mit den Vereinen Europas die zionistischen Bestrebungen zu fördern." Mr. Aaron und Mr. G u t m a n n beantragten eine weitere Resolution, die gleichfalls angenommen wurde: „Es sei ein Comitö mit dem Rechte der Cooptation einzu- Es folgten dann die Wahlen eines 30gliederigcn Comites und hierauf eine weitere Discussion. Eine Reihe von großen Volksversammlungen folgt in der nächsten Zeit. Corrcholldeujeil. O esterreich-ULgaru. Wien. Wie wir erfahren, ist die Verschiebung der constituierenden Versammlung des „Allg. jüd. Bundes" in Wirklichkeit darauf zurückzuführen, dass zu derselben nur die größeren Gemeinden eingeladen waren. Es wurde aber schließlich auch der Anspruch der kleineren Gemeinden auf Zuziehung zu diesen Berathungen betont und befürwortet, zu welchem Zwecke daun die Constituierung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wurde. L. Wien. 25 Jahre „Israelitischer Allianz" und diese Jubiläums - Generalversammlung! 32 Anwesende inclusive Vereinsbeamte, Diener und Berichterstatter Herr Dr. Bloch durfte getrost den Antrag stellen, von der Vorlesung des 33 Seiten starken Vereinsberichtes abzusehen. Diese Theilnahme zeigt deutlicher als alles, welche Bedeutung sich dieser Verein in der jüdischen Gesellscha't erworben hat und wie man sich in den Kreisen der jüdischen Bevölkerung für ihn interessiert. Der Bericht beruft sich darauf, duss der Verein im Laufe seiner Existenz „500 der Volksbildung und Aufklärung gewidmete Arbeiten", darunter „so manches gediegene Werk^ gefördert hat. Es war seinem Verfasser unmöglich, auch nur ein einziges namhaft zu machen, irud .deshalb schien es ihm wohl bequemer, sich hinter Llllgemeinheiten zu verschanzen. Wir wollen jedoch speciell constatieren, dass die „Israel. Allianz" trotz der ausdrücklichen Statutenbestimmunz (§ 2, II a) kein einziges „historisches oder statistisches Werk" herausgegeben hat, sintemal die Judenstatistik in Oesterrei« noch nicht einmal die primitivsten Arbeiten aufzuweiseu ha^/ Nachdem die Versammlung vo» Herrn David von Gntm a n n eröffnet worden war, ergriff Herr Sigmund Mayer zu einer scharfen Kritik das Wort. Er macht der „Allianz" zum Vorwurfe, dass sie auf ihrem wichtigsten Gebiete, dem der Bolkserziehung, nichts leiste. Die paar Schulen, die sie in Galizien gegründet hatten, wurden von der Baron Hirsch'schen Stiftung übernommen und seitdem geschehe nichts. Redner beklagt die mangelnde Solidarität der Wiener Juden und ihren Jndifferentismus gegenüber dem Judenthum. Als bestes Mittel dagegen empfiehlt er — wer hätte das von Herrn Mayer noch vor einigen Jahren erwartet — die Gründung eines jüdischen B e r e i n s h a u s e s, in dem alle jüdischen Vereine und neuzugründeuden jüdischen Clubs ihren Sitz hätten. Dieser Antrag lässt die 32 Anwesenden ganz kalt. Herr von Gut mann ist dagegen, wer wagt noch dafür zu sein? Er meint: „Wir dürfen nicht den Reigen eröffnen. Wir dürfen uns nicht znrückziehen. Wir müssen alles auwenden, um mit den Christen zu verkehren, so lange es geht." Dann ergriff Dr. S. R. L a n d a u als Gast das Wort, um den Vorsitzenden zu fragen, was die „Allianz", die Hunderte von Mitgliedern in Galizien zählt und die ja überall die Juden, die als solche zu leiden haben, zu unterstützen die Aufgabe hat, für die zahlreichen jüdischen infolge der Excesse von Chodoröw, Schodnica, PrzenuMany n. dergl. ruinierten Familien gethan habe, uud wenn nicht, aus welchen Gründen? Darauf meinte der Vorsitzende, dass dem Vereine über die Exceffe gar keine Mittheilungen zukamen (die Herren lesen wohl keine Zeitungen!) und dass mau sich von Galizien nur nach Paris wende: eine Behauptung, bei der er sich wohl selbst als Präsident der Baron Hirsch'schen Stiftung Lügen strafen musste. Diese Affaire ist umso charakteristischer, als trotz dieser vollständigen Vernachlässigung Galiziens der Bericht mit erstaunlicher Naivität erklärt: „Besonders bedauerlich ist es, dass zu jener abfallenden Tendenz gerade Galizien in erster Reihe beiträgt. Es giengen ein: die Filialen Borysiaw, Wolanka, Stryj, Tarw'w. Die in Tarnopol ist in Auslösung begriffen. Im Jahre 1890 zählten wir in Tarnow 92 Mitglieder, heute nur noch zwei!" Nach der Wahl der Functionäre übernahm Herr Dr. Bloch die traditionelle Pflicht, dem Vorsitzenden für seine „Verdienste" zu danken uud ihn zu beglückwünschen.... und dann war's aus. Ein Mitglied des Cultusvorstandes meinte beim Fortgehen; „Das ist die von unseren Feinden so gehasste und gesürchtete Allianz!" Conunentar überflüssig. I.. Wien, Dienstag, den 10. Mai bcgieng der Tempelbanverein des X. Wiener Gemeindebezirkes, Favoriten, in festlicher Weise die Schlnsssteinlegung des von dem Architekten Gärtner und Baumeister Zimm ermann errichteten neuen Tempels. Damit ist ein langgehegter Wunsch