Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 19 (13.5.1898)
- Article
- Der erste Europäer
- Date
- 1898-05-13
- Page
- 10 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 10 Nr. 19 1000 Menschen befunden, dass er von diesen feierlich empfangen worden sei, und dass er bei ihnen eine besondere Gewohnheit wahrgenommen habe, welche darin bestand, dass sie Feuer in der Hand hielten, durch welches eine Rolle mit Kräutern — sie nannten diese tab co — in Brand gehalten wurde, und dass sie diese brennerde Rolle von Zeit zu Zeit in den Mund nahmen. Man kann demnach auch behaupten, dass Louis de Torres der erste Europäer war, welcher die Sitte des Tabakranchens seinen Landsleuten bekannt machte. Als Columbus später mit seinen Schiffen weitersegeltc, blieb de Torres in Cuba zurück, und ließ sich dort nieder. Der Gründer des rothen Kreuzes, Heinrich Dunant, der zugleich ein eifriger Philozionist ist, feierte am 8. Mai seinrn 70. Geburtstag. Der Wohnsitz des hochverdienten Jubilars ist Heiden, Canton Appenzell. Ein neuer Erwerbszweig für unsere Vrüder in Palästina. In der Nummer 2860 der Jttustr. Leipziger Zeitung vom 21. e. ist unter culturgeschichtlichen Nachrichten zu lesen: Unter den Auspicicn des Papstes bildete sich nach einer Meldung ans Paris ein internationales Comite, das die Katholiken der ganzen Welt einladet, eine Wallfahrt nach Palästina zu unternehmen. Es ist zu hoffen, dass Palästina auf diese Art eine zweite Schweiz werden könnte und die Fremden-Jndustrie (Verkehr), dort auf diese Weise blühen könnte. Anton Rnbinfteiu und der Zionismus. Unter den oft skeptisch nüchternen Gedanken, die Anton Rubiustein in seinem unlängst, kurz nach seinem Tode veröffentlichten „Gedankenkvrb" niedergelegt, lesen wir Seite 39 Folgendes: „Bei der jetzt herrschenden allgemeinen antisemitischen Bewegung, wo die Juden aus einem Lande vertrieben, in einem anderen Lande nicht ausgenommen werden u. A. m. ist es mir unklar, warum Europa sich nicht bemüht, ihnen ihr Jerusalem wieder zu gewinnen, die Türkei mit einem anderen Ländergebiet entschädigend, und sie dort nach ihrem Belieben schalten und walten lässt; können sie doch von dort ebensogut ihre geldlichen Beziehungen zu Europa behalten wie in Europa selbst. Die unleidliche Hetze gegen ein kleines, winziges Volk, das ja eigentlich nichts verbrochen hat, als dass es seine finanzielle Ueberlegenheit vor anderen Völkern thatsächlich bekundet, ist des neunzehnten Jahrhunderts so absolut unwürdig! Hat doch Euopa die Griechen, Rumänen, Belgier, Holländer, Serben, Bulgaren u. s. w. eingerichtet, warum denn nicht auch die Juden". Eine goldene Kriegsmedaille für jüdische Soldaten, die sich im Kriege mit Spanien anszeichnen würden, hat die „Zion-Association" in Chicago gestiftet. In demselben Meeting wurde auch folgende Resolution gefasst: „Diese „Assvciation" bedauert es sehr, dass in der Resolution des amerikanischen Senates die Phrase „christliche Civilisation" gebraucht wurde, da auch das jüdische Volk der Vereinigten Staaten dasselbe Banner der Humanität und Civilisation trägt." Das Vermögen einer Cultnsgemeinde unter dem Hammer. In dem ungarischen Amtsblatte vom 30. April ist eine Kundmachung enthalten, in welcher bekannt gegeben wird, dass die Mobilien und Jnmvbilien der Körösmezöer israelitischen Cultusgemeinde, die Synagoge mit. inbegriffen, wegen einer Schuld von 700 fl. am 30. Juni Vormittags 9 Uhr versteigert werden soll. Die Licitation wurde von einer Budapester Firma — Kann und Heller — verlangt. Eine Comitatsfeier in der Synagoge. Ein nicht gewöhnlicher Vorfall ereignete sich, wie man dem „Pesti Hirlap" meldet in Alft-Kubin. Das Comitat Arvar wollte nämlich die 50. Jahreswende der Sauctionierung der achtundvierziger Gesetze festlich begehen und batte auch die Veranstaltung eines Festgottesdienstes in sein Programm aufgenommen. Als dann die Frage aufgeworfen wurde, in welchem Gotteshanse der kirchliche Theil des Festes abgehalten werden sollte, stellte sich heraus, dass nnr der jüdische Tempel sich zu diesem Zwecke eigne. Die Feier gieng dann auch in Anwesenheit des Obergespans und der Honoratioren im israelitischen Tempel vor sich. Professor: Dr. Hermann Schapira. Dr. Hermann Schapira, Professor der Mathematik ander Universität zu Heidelberg, ist Sonntag, den 8. Mai, in Köln aus dem Leben geschieden. Es kann nicht der Zweck dieser Zeilen sein, die Verdienste des Dahingeschiedenen vollauf zu würdigen. Wir kannten ihn schon lange, den Mann mit der rastlosen Energie und dem unermüdlichen Arbeitseifer. Er diente nur seiner Wissenschaft und seinem Volke. Die Rücksicht auf die eigene Person war ihm fremd. Willig folgte er den vielen Aufforderungen in verschiedenen Städten zu sprechen und ebenso selbstlos war er immer dort zu finden, wo die Gegensätze hart aneinander stießen, um zur Milde und zur Einigkeit zu mahnen. Schon vordem Congresse veröffentlichte er in unserem Blatte einen Vorschlag über die Gründung eines Nationalfonds. Mit diesem Artikel, der die allgemeine Aufmerksamkeit erregte, hatte er die Debatte über eine Frage von größter Bedeutung eröffnet. In Basel sahen wir ihn. Eine schmächtige, kleine Gestalt mit einem so anheimelnden Gesicht. Weiße Locken, nach rückwärts gescheitelt, umrahmten ein hageres, kleines Gesicht, das vor? einer mächtigen Stirne gekrönt war. Aber die freundlichen Augen unter den buschigen Augenbrauen, die so treuherzig durch die Brillengläser hinaussahen, gaben der ganzen Gestalt etwas patriarchalisches. Wir hörten ihn sprechen. Er sprach schnell und leidenschaftlich. Was er einmal für gut angenommen, das galt ihm heilig, und er klammerte sich mit ganzer Seele daran. Und doch verzichtete er auf seine Lieblingswünsche, wenn es galt, der Allgemeinheit sich anzuschließen. Er unterordnete seine Individualität unter das große Ganze. Professor Dr. Schapira ist als Kämpfer gestorben. Er kam nach Köln, wohin ihn die deutschen Vertrauensmänner zu einer Conserenz eingeladen hatten. Sonntag 101/2 Uhr nachts verschied er. An seiner Bahre trauert ein schwer geprüftes Weib. Mit ihr das jüdische Volk. Die Biographie bringen wir in der nächsten Nummer. Leb. K We siomstischk KewtMg. Spenden für zionistische Zwecke sind an Herrn Dr. O. Koresch, Hof- «nd Gerichts-Advocaten in Wien, 1., Singer straffe 25, za senden. Wir erhalten folgende Zuschrift aus Krakau: Löbliche Redaction Am 8. Mai. l. I. hat eine zahlreich besuchte Versammlung hiesiger Zionisten stattgefunden, bei welcher Herr Ahron Markus über" die verschiedenen Strömungen im Zionismus einen Vorlrag hielt, der mit großem Beifall aufgenommen wurde. Nachher wurde auf Antrag des Rechtsanwaltes Dr. Korn- Häuser folgende Resolution einstimmig zum Beschlüsse erhoben: „Die vom Vereine „Ehoveve Erez Israel" in Krakau für den 8. Mai 1898 einberufene Versammlung drückt ihr lebhaftes Bedauern aus über die gehässigen, persönlichen Angriffe, die in der hiesigen Wochenschrift „Hamagid" Nummer 17 von Dr. Kaminka, Rabbiner in Esseg, gegen Dr. Theodor Herzl und das ganze Actionscomite gerichtet wurden. Wir perhorrescieren jede Verdächtigung und Beschuldigung, deren einzige erkennbare Quelle sicherlich nur verletzte Eitelkeit, oder sonstige kleinliche Ambition ist. Wir legen auch feierlich Protest ein gegen die Einberufung eines besonderen Eongreffes außer dem Baseler. In diesem Bestreben sehen wir die Gefahr einer Spaltung der zionistischen Partei und einer Begünstigung ambitiöser Streber. Wir begreifen eine ernste und sachliche, ehrliche und ruhige Kritik der Thätigkeit unserer Führer, aber wir verabscheuen den rüden Ton, den Herr Dr. Kaminka in seiner erwähnten Zuschrift an den „Hamagid" anzuschlagen beliebt hat. Von dieser Resolution ist das Actionscomite in Wien osficiell in Kenntnis zu setzen mit dem Ansuchen, dieselbe in der „Well" zu veröffentlichen." Außerdem gaben die Versammelten ihrer Entrüstung wegen Aufnahme des oberwähnten Pamphlets gegen den Redacteur des „Hamagid" Ausdruck. Im Aufträge der Versammlung: Julius Schönwetter m. p. Dr. Abraham Kornhäuser m. p. Ahron Mackus m. p. Samuel Landau m. p. Benjamin Spira m. >>. Heinrich Loebel, m. p. M. Blankstein m. p. Paris. In der Generalversammlung der „Dorschei Zion" am 21. d. M. sprach Parteigenosse Jacques Bahar über das