Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 19 (13.5.1898)
- Article
- Billige Eisenbahnen
- Date
- 1898-05-13
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
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Jk&Hc" Seite 9 5 Ofsicieren, 15 Unterofficieren und 106 Mann in 37 Tagen fertiggestellt und dem Betriebe übergeben. Allerdings sind hier die Bruckenbauten nicht inbegriffen und war der -Oberbau den Vorräthen der Brigade entnommen worden, so dass nur die leichr zu bewerlstelligende Verbindung der einzelnen Joche nothwendig war. Diese militärische Feldeisenbahn wurde mit kleinen Locomotiven betrieben und beförderte vom 11. Mai bis 30. September 1896 nicht weniger als 10.000 Personen und 17.000 Tonnen Güter, gewiss eine respectable Leistung, ohne Unfall oder größere Störung. Der Frachtsatz betrug zehn Pfennig für einen Centner, wodurch die Betriebs- und theilweise auch die Baukosten gedeckt wurden. Nach Vollendung der Bauten in Brotterode wurde die Feldbahn wieder abgetragen, um nächstens bei den großen Manövern an anderer Stelle wieder verwendet zu werden. Welche Dienste eine solche Feldeisenbahn leisten kann, wenn es sich um die Durchführung der Colonisation im Großen handelt, braucht nicht erst nachgewiesen zu werden. Die Geleisejoche und Betriebsmittel bilden heute schon einen Handelsartikel des Weltmarktes. Wenn ferner darauf hingewiesen wird, dass Palästina keine Kohle hat, so genügt es zu constatieren, dass die Großmacht Italien in derselben Lage ist und den ganzen Kohlenbedarf für ihr ausgedehntes Bahnnetz aus dem Auslande bezieht. J. L. Errr Goldland. Die mit großer Bestimmtheit auftretenden- Gerüchte, dass Gold in abbauwürdiger Menge auf Kaiser Wilhelmsland vorkommt, wofür nebenbei bemerkt auch große geologische Wahrscheinlichkeit ist, sind bereits jetzt von großem Einfluss auf die Verhandlungen zwischen dem Reiche und der Neu-Guinea-Compagnie gewesen. Durch die Expedition Lauterbach ist seinerzeit nachgewiesen, dass der Ramu bis in die Nähe des Bismarck-Gebirges schiffbar ist, das aller Wahrscheinlichkeit nach aus alt-krystallinischem Gestein, dem Grundstock von Kaiser Wilhelmsland, besteht. Denn von der Insel Südost zieht sich in nordwestlicher Richtung goldführendes Gebirge durch das englische Gebiet, welches dort, wo der englische Digger hingelangen kann, ausgebeutet wird. Nach den letzten Nachrichten gewann die Südostcompagny ll/s Unzen Gold auf die Tonne Quarz. Doch ist die Gewinnung in dem Klima und bei der Schwierigkeit der Arbeiterverhältnisse — die 2Irbeiter sind Chinesen — sicher nicht zu unterschätzen. Auf dem englischen Gebiet von Neu-Guinea liegen die Goldfelder am Mambare-Fluss, der dicht an der deutschen Grenze mündet, aber tief im englischen Gebiet entspringt. Die Miners bearbeiten hier die Alluvialfelder mit gutem Erfolge, wie die australischen Zeitungen melden, obwohl die Eingeborenen gelegentlich feindlich sind. Nach dem „Sydney Mornina Herold"" soll an manchen Stellen der tägliche durchschnittliche Gewinn eines Goldgräbers V!., Unzen Gold sein, aber cs wird darauf hingewiesen, dass die Ausrüstung an Geräthen und Lebensmitteln mindestens 2000 Mark beträgt. Das ganze Gebiet kann aber erst dann ordentlich in Angriff genommen werden, wenn die englische Regierung den Weg von Port Moresby ausbaut, welcher der beste Zugangsh'afen ist. Ganz neu ist aber, dass nun auch die Salomon-Jnseln, von denen mehrere deutsch sind, von australischen Diggers bald heimgesucht werden dürften. Eine Gesellschaft war vor einiger Zeit von San Franzisko aufgebrochen und hat einige der Salomon-Jnseln sowohl mit Bezug auf etwaigen Mineralreichthum, als auch auf die Möglichkeit der Siedelung untersuchen lassen. Eapitän Sorenson, einer der Theilnehmer der Expedition, hat nun nach Sidney Proben von Schwefel, Silber, Zinn und Gold mitgebracht und seine Ansicht dahin ausgesprochen, dass die Inseln sehr reich an Mineralien wären. Der Name der Inseln wird allerdings nicht genannt, aber dies ist sehr leicht zu begreifen, da eine neue Expedition ausgerüstet wird, die das Werk der Erschließung der Inseln ernsthast in 2lngriff nehmen will. Neue Kabel. Ostasiatischen Zeitungen zufolge wendet die englische Regierung der projectierten Kabelverbindung durch den Großen Ocean von Eanada nach Japan zur Zeit erhöhte Aufmerksamkeit zu. Das ist begreiflich. Wenn während der jüngsten Entwickelung der Dinge in Ostasten in deutschen Blättern zu lesen war, die Engländer hätten durch den Besitz des nach China führenden Kabels einen bedeutenden Vortheil, so ist dem gegenüber hervorzuheben, dass dieser Vortheil nicht so groß ist, wie er auf den ersten Blick zu sein scheint. Man hat nämlich berechnet, dass die von Indien, China und Australien in Singapore zusammentreffenden Kabel in der Umgegend von Java sowie im südwestlichen Theile des südchinesischen Meeres in einer Länge von etwa 3500 Seemeilen in Wasser von weniger als fünfzig Faden Tiefe liegen. Ein großer Theil davon liegt sogar nur zwanzig bis dreißig Faden tief. Jeder Seedampfer von mittlerer Größe führt aber wenigstens fünfzig Faden oder dreihundert Fuß lange Ankerketten mit sich. Hieraus ergibt sich also von selbst, wie gefährdet die Kabel im Falle eines Krieges sein würden. Ganz anders liegen die Verhältnisse zwischen Canada und Japan. Dort ist überall sehr tiefes Wasser, so dass nur die Endpunkte eines Kabels vor den Ankern feindlicher Schiffe zu schützen wären, was die Engländer unschwer erreichen könnten. Vermuthlich werden sie sich daher bald daran machen, diese telegraphische Verbindung herzustellen. Die Russen haben schon seit 1869 einen Ueberlandtelegraphen nach Wladiwostok. Weltchronik. Marens Antokolski. In der Wiener Jubiläums-Kunstausstellung kann man jetzt zwei Schöpfungen eines unserer größten und berühmtesten Künstler sehen. Es sind dies: Mephistopheles und ein Christuskopf, von dem Bildhauer Marcus Antokolski. Er gibt uns ein Beispiel, zu welcher Höhe sich der jüdische Bolksgeist bei mäßiger Freiheit schon emporzuschwingen vermag. Antokolski wurde in Wilno im Jahre 1842 geboren. Er erhielt die damals übliche Erziehung im Cheder und Bet-Hamidrasch, schnitzte „von sich" — wie der oft gebrauchte Ausdruck des Ghetto lautete — Kruzifixe, Heiligenstatuetten für die katholische Bevölkerung, bald auch ein später von der Akademie gekröntes Werk aus Holz, einen Schneider darstellend, der sich abmüht, den Faden ins Nadelöhr hineinzubringen. Solcher „Bonsich "-Künstler, Wunderkinder gab es im Ghetto eine Menge. Die Schriftsteller des Ghetto wiffen davon zu erzählen, wie viele darunter verkümmerten und wie wenigen es nur gelang, ihre Fähigkeiten auszubilden und zu verwerten. In einer vor Jahren im „Wiestnik Jewropy“ veröffentlichten Autobiographie schildert uns Antokolski die mannigfachen Kämpfe und bitteren Enttäuschungen in den ersten Jahren seines Künstlerlebens. Seine Herkunft, seine Selbständigkeit, die von aller Tradition sich losmachte, machten ihn fast zum Märtyrer. Sein eigenes Martyrium, vielleicht auch das Martyrium seines Volkes waren von nicht geringem Einfluffe auf sein Kunstschaffen. „Iwan der Grausame", das erste bedeutende Werk, das ihm die Gunst des Czaren und der Fürsten eintrug, wird von ihm als „Marterer und Märchrer" aufgesasst. Zu seiner Vorliebe fiir das Marchrium gesellt sich eine Vorliebe für die Poesie des Todes, die fiir Antokolski, wie er in seiner oberwähnten Autobiographie erwähnt, immer ettvas Reizvolles gehabt habe. So entstehen der „sterbende Socrates", „Spinozas letzte Tage", der „Todesseufzer Christi" und die „christliche Märtyrerin". Neben dem Geistigen, Speculattven, weiß er auch den Thatendrang großer Eroberer zu gestalten, so „Peter der Große". In all seinen Werken spielt die Idee die Haupttolle; oft wird ihr Alles andere geopfert. Der Ausdruck im Antlitze z. B. des Mephistopheles, das von Hass und Hohn, und Spott und Verachtung erzählt, bannt jeden Zuschauer und wirkt auf ihn fascinierend. Seit 1880 ist Antokolski Profeffor der Petersburger Kunstakademie, seit 1897 Staatsrath mit dem Prädicat Excellenz. Alle ruffischen Blätter feierten ihn im vorigen Jahre zu seinem 2.5jährigen Küustlerjnbiläum als einen großen „russischen" Künstler. Antokolski ist Jude durch und durch. Dies zeigt sich vor allem in der Betonung der Idee, in der Vorliebe für das Geistige. Man erzählt sich, dass er auf seinen Werken die hebräischen Initialen seines Namens anbringe, dass in seinem Atelier am Sabbath nicht gearbeitet wird re. Er hängt an seinem Volke und seiner Geschichte mit allen Fasern seines Herzens. Von seinen Werken jüdischen Inhalts sind hervorznheben: „Marranen in Spanien" „Disputierende Juden", „Spinoza", „Br. M. Günzburg". Ferner „Johannes der Täufer" und Christusstatuen. j. b Der erste Europäer, welcher sich auf Cuba, der Perle der Antillen, die jetzt der Zankavfel zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten bildet, dauernd niedergelassen hat, war, was nur wenig bekannt sein dürfte, ein spanischer Jude. Es war dies der Marrane Louis de Torres, welcher Columbus auf seiner ersten Entdeckungsreise begleitete und ihm durch seine Sprachenkenntnisse wichtige Dienste leistete. Als Columbus am 28. October 1492 die Insel Guanahani entdeckt hatte und nunmehr das sagenhafte, schätzereiche Cipango aufsuchte, wurde ihm gemeldet, dass in der Nähe ein großes Land wäre, das wie er meinte, zu Asien gehörte und unter der Herrschaft des Großkhans stand. Er schickte daher eine Gesandtschaft, an deren Spitze der sprachgewandte de Torres stand, dorthin —' es war dies die Insel Cuba — und gab ihr bestimmte Anordnungen, u. a. auch einen Verttag zwischen dem Großkhan und der Krone von Kastilien abzuschließen. Nach vier Tagen kehrte de Torres zu Columbus zurück und erzählte, dass er eine Ortschaft angettoffen habe, in welcher sich ettva fünfzig Häuser und gegen