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Die Welt · 1898-05-13 · 19 (13.5.1898) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
19 (13.5.1898)
Article
Könnte man die Bundeslade wiederfinden?
Date
1898-05-13
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 19 Seite 6 Thopheth nach seiner Meinung absolut der einzige sichere Ort, so sind ja nicht viele Orte vorhanden, an deren einem er sie verborgen haben könnte. Es gibt vielmehr nur einen und dieser eine ist T h o p h e t h. Haben wir aber demnach sestgestellt, dass die Bundeslade ihre Ruhestätte in Thopheth gefunden haben muss, wo liegt dann diese bereits von altersher bereitete Stätte, dieses Tempelgrab Israels, welcher Ort ja noch besonders von König Iosias bestellt wurde, denn zur selben Zeit, als die Bundeslade verborgen wurde, entheiligte Iosias diesen Platz? Ich will jetzt versuchen, diese Frage zu beantworten. V. Hakeldama. Aus einem Vorsprung des traditionellen Hinnomsthales südlich von Jerusalem liegt an dem südlichen Bergabhang, wo das Thal sich zu einem beinahe wüsten Gebirgspass verengt, der den Zugang zu dem traditionellen Josaphatsthale bildet, eine „Totenkammer" und von dort aus erstreckt sich in der Richtung gegen das letzterwähnte Thal zu ein großes Gräberfeld, das aus dicht nebeneinander ausgehauenen Grabkammern besteht, deren pechschwarze Oeffnungen unfern Blick bereits aus weiter Ferne auf sich lenken. Die Araber nennen diesen Ort Hakk ed Dumm, und unter den Bibeltopographen herrscht die Meinung, dieser Ort sei identisch mit dem Hakeldama des neuen Testamentes oder mit andern Worten mit dem Töpferacker, der kür Judas' Blutgeld, die 30 Silberlinge, um welche er Jesum verrieth, eingelöst wurde. Im Jahre 18 81 besuchte ich diesen Ort und fand tief unten in der Totenkammer, die durch eine gewaltige überhängende Felsengrotte gebildet wird, eine große Ansammlung von Totengebeinen, bei deren Anblick ich unwillkürlich an das Gehenna denken musste, von dem ich geredet habe und unbedingt in eben diese Totenkammer in der That identisch mit dem Gehenna oder Thopheth, wo die Israeliten ihre Kinder die Feuerprobe bestehen ließen, der Ort, der durch Iosias unrein gemacht wurde. Dass diese Meinung die richtige ist, bestätigen nämlich in erster Linie die angesammelten Gebeine, die über manneshoch ausgeschichtet, den ganzen Boden der Totenkammer, d. h. eine Fläche von etwa 3600 Quadrat-Fuß bedecken, denn in dem oberen Theil derselben fand ich ein irdenes Gefäß, welches der Aegyptolog Professor Flinders Petrie für aller Wahrscheinlichkeit nach der römisch-christlichen Periode angehvrig hält, und ist diese Vermutung richtig, so sind natürlich die unteren Schichten noch älter und die unterste Schichte muss dann bis weit in das jüdische Zeitalter zurückreichen. Es fanden sich dort auch verbrannte Gebeine, und dies weckte in mir den Gedanken, dieser Borrath sei aufgeschichtet, als ftöitig Iosias Thopheth entweihte; denn gieng er in Thopheth in derselben Weise vor, wie aus dem Altar in Bethel, so verbrannte er Gebeine auf dem Altar in Thopheth und füllte den Raum ringsumher mit aus den umliegenden Gräbern gesammelten Gebeinen (2 Kön. 23 :14—16, 19—29; 2 Chron. 34:5. Vgl. 3 Mos. 26:30). Dass in Thopheth Gebeine angesammelt wurden, wird ferner in Jesaias 66 bestätigt, welches Capitel nicht von Jesaias, sondern lange nach ihm verfasst worden ist, hier heißt es nämlich (v. 24), man werde in der mesiianischen Zeit dahin wallfahrten, um die Leichen derer zu sehen, die abtrünnig gewesen waren und ferner dadurch, dass Jeremias das Hinnomsthal, in welchem Thopheth lag (2 Kön. 23:10), das Leichentbal (Jerem. 31:40) nennt, auch dadurch, dass er uns, wie wir sahen, verstehen lasst, die Gebeine würden aus allen umliegenden Gräbern herausgeworfen werden, während sie in Thopheth in Ruhe gelassen werden würden. Die betreffende Aussage Jeremias' dürfte auch die Behörden in Jerusalem veranlasst haben, ein förmliches Verbot zu erlaffen gegen die Fortschaffung der Gebeine von diesem Orte, denn im Jahre 1106 n. Ch. berichtet Abbot Daniel, Ulan dürfe von Hakeldama nichts entführen— „on ne pennet de rien [empörter de] ee lieu Saintu — und im Jahre 1558 erwähnt Basil Posniakow, es sei bei Todesstrafe verboten, aus den dortigen Grabkammern irgendwelche Gebeine mitzunehmen — „ordre e»t donne de ne rien prendre de ces chambies, car si un homme prend une partie de ces reliques et qu’il monte ä boi d d’un navire ce navire ne peilt pas partir et les Turcs viennent fouiller les chretiens; s'ils trouvent quelques uns de ces os, ils jettent a la mer l’homme chez lequel ils les ont trouves“ — Es sind auch Nachweise vorhanden, dass auf Hakeldama verwesende Leichen gelegen haben, wie sie sich nach den in unserem Bibelcommentare eingeführten Berichten in Thopheth finden sollen. Nach Hieronymus (390 n. Ch.), welcher sagt, Thopheth liege bei Hakeldama, nach Arculfus (670) und nach Beda Venerabilis (circa 720) lagen Leichen auf Hakeldama und moderten. Sie waren mit Fetzen oder mit Häuten bedeckt, und der Platz ist bis in die letzten Jahrhunderte hinein ein Begräbnisplatz für „geringeres Volk" gewesen, obgleich viele Pilger, und darunter angesehene Personen, es trotzdem für eine Ehre gehalten haben, in den benachbarten Gräbern beigesetzt zu werden. Es dürfte auch keinem Zweifel unterliegen, dass Missethäter auf Hakeldama hingerichtet worden sind, denn dass solche dort ihr Grab fanden, berichtet uns De Bruyn noch im Jahre 1681. Mit dem Ausdruck im Lukas 12:5 „in die Hölle (Gehennah) werfen" wäre vielleicht ein Gerücht zu verbinden, welches sich an die neun Oeffnungen in dem Dache der Tvdtenkammer knüpft, dass nämlich Leichen durch diese „h i n a b geworfen" sein sollen. Dieses Gerücht ist sehr alt und hat sich mit demselben Wortlaut von Jahrhundert zu Jahrhundert vererbt. Ein anderes, oft wiederholtes Gerücht ist, dass die Leichen in der Todtenkammer außerordentlich schnell verwesten und dieses Gerücht hat ohne Zweifel seinen Grund darin, dass die Todtenkammer der erwähnte Berbrennungsor t im Hinnomsthale gewesen Ist. Dies bezeugt auch der äußere Eindruck der Todtenkammer, denn in dem maffiven Felsendache der' gewaltigen Grotte sind nicht weniger als vier große Schachte oder Schornsteine vorhanden, durch welche wohl der Rauch aufgestiegen sein mag, wie im Talmud berichtet wird: „Zwei Palmen stehen im Thale Ben Hinnom und zwischen ihnen steigt Rauch auf.das ist die Pforte der Hölle." (Schluss folgt.) & Pariser Brief. Wer immer das jüdische Volk zum Gegenstände seines Studiums macht, gewöhnt sich rasch daran, in demselben eine ganze Reihe von Gegensätzen verkörpert zu sehen, welche eine Charakteristik fast unmöglich machen. Die Erklärung dieser zweifellosen Erscheinung muss wohl in dem abnormalen Dasein gesucht werden, welches das jüdische Volk feit so vielen Jahrhunderten führt. Wie immer man aber diese- Factum zu rechtfertigen sucht, ist fast gleichgiltig — ir Wahrheit handelt es sich für die Meisten gar nicht um ein« Rechtfertigung, sondern nur um die Fructisicierung diese; Factums zu ihren Gunsten. Unsere Enterbten bilden bi« Armeen der Revoltierten und streiten in den ersten Reihen in Kampfe der bestehenden Gesellschaft; unsere Mastbürger, unser Reichsten sind die festesten Stützen aller jetzt bestehenden Ein richtungen, welche angeblich zum Schutze der „Ordnung" dienesollen. Einestheils gibt es unter uns Juden die starrstei Atheisten, die den Glauben und das Glauben mit ätzende Schärfe in ein Nichts auflösen, anderseits gibt es wieder be uns den verbiffensten Clericalismus, den hartnäckigsten Conser Vatismus. Rationalismus und Mysticismus gehen bei uns nebe einander hin; freies und großes Denken stößt tagtäglich m dem unselbständigsten Geistes- und Gefühlsleben zusammen. Un so kommt es, dass wir der widersprechendsten Vergehen un

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