Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 19 (13.5.1898)
- Article
- Der westöstliche Krieg
- Date
- 1898-05-13
- Page
- 5 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 19 Seite 5 militärisch nicht interessant, und wenn seine Folgen, die territorialen und moralischen, escomptiert werden können, noch bevor sie eintreten, so gewährt er auch dem Politiker sterile Ausbeute. Höchstens die Marineverwaltungen können von den neuen Erfahrungen mit den Schlachtschiffen, den Panzerkreuzern, den Torpedobooten und Torpedozerstörern profitieren, und dies mag, da voraussichtlich die nächsten Kriege nicht auf der Terra firma. sondern zur See stattfinden werden, immerhin lehrreich sein; nur kommt auch hier die Einschränkung in Betracht, dass die beiden kriegführenden Marinen nicht ersten Ranges sind, und dass, was soeben der amerikanische Dewey vor Manila fertig brachte, Nelson schon vor bald einem Jahrhundert viel großartiger vollführte. Beschäftigen wir uns also mit der geschichtsphilosophischen Bedeutung dieses westöstlichen Krieges; aus dem Gesichtspunkte, aus dem wir an unserer Stelle die Geschehnisse zu betrachten haben, ist dies jedenfalls fruchtbarer, als wenn wir die endlose Fülle militärischer, marinetechnischer, politischer Erörterungen, die anderwärts angestellt werden, um eine weitere vermehren würden. y?£j Vor allem — dieser Krieg ist ein historisches Novum- Es sind jetzt fünfundsiebzig Jahre her, da verkündete James Monroe, der damalige Präsident der Vereinigten Staaten, die berühmte Doctrin, die seinen Namen führt. Sie bezweckte, von dem amerikanischen Eontinent europäische Einmischungen in innere amerikanische Angelegenheiten abzuwehren. Und es lag damals einiger Grund vor, solche zu befürchten. Die heilige Allianz hatte nicht übel Lust, die südamerikanischen Republiken, die sich von europäischer Herrschaft losgerissen hatten, in Kleinstaaten zu verwandeln und an deren Spitze vacierende b ourbonische Vrinzen zu setzen. Man besorgte in den Vereinigten Staaten die ansteckende Kraft solcher reactionärer Nachbarfchaften. Diese Gefahr, zum Theil mit Englands Hilfe abgewendet, existiert schon längst nicht mehr. Dafür ist jetzt die Tendenz der Monroe-Doctrin umgekehrt; was noch europäisches Besitzthum in Amerika ist, soll allmählich amerikanisch werden. Amerika den Amerikanern, lautet die Parole. Spanien ist unter den europäischen Staaten mit amerikanischen Colonien der schwächste, mit ihm wird angefangen. So ist dieser Krieg der erste, den die Vereinigten Staaten mit einer europäischen Macht führen. Amerika steht gegen Europa. Dies wäre an sich schon ein ungeheures historischpsychologisches Problem, das einen grandiosen Ausblick in die Zukunft der Welt eröffnet. Aber es kommt noch anderes hinzu. Während die neue Welt sich gegen die alte Welt aufrichtet, sucht die alte Welt sich zu verjüngen, indem sie nach der älteren und ältesten Welt ihre Herrschaft ausdehnt,-die chinesische Mauer wird zerbröckelt, das Reich der Mitte soll europäisiert werden. Russland, Deutschland, England, Frankreich greifen zu, sie sitzen schon in Port Arthur, Kiaotschou, Weihawei, Kwangtsu, und well jede dieser Mächte sich den besten Posten zu sichern sucht, so sind sie alle gegeneinander sehr misstrauisch, wie Erben eines gewaltigen Vermögens, die einander gern den größten Antheil wegfchnappen möchten. Da aber heutzutage durch Verkehr, Handel und Schifffahrt die Welttheile sich so nahegerückt sind, dass sie nicht mehr abgeschlossene Welten fürsichbilden, sondernnurdie Gliedereines einzigen ungeheuren Ganzen sind, so lassen sich die einzelnen großen Probleme nicht mehr wie früher von einander trennen, eines greift in das andere hinüber, das ostasiatische ist unlösbar mit dem amerikanischen Problem verknüpft. DerTheil ist mehr als das Ganze, sagte schon der alte Hesiod; heute ist es das dominierende Princip der Civilisation, dass das Ganze nicht ohne die Theile gedacht werden kann. Man hat es also auch bei der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten mit einem Universalproblem zu thun, was sich am deutlichsten in der Besorgnis der europäischen Mächte zeigt, die Vereinigten Staaten könnten am Ende die Philippinen-Jnseln für sich behalten wollen und in Ostasien mit der alten Welt in Concurrenz treten. Auf der Teira firma gibt es Grenzen, durch Flüsse oder Gebirge gebildet, durch ethnographische Unterschiede oder farbige Schlagbäume markiert; in den Kriegen zu Lande waren diese Grenzen das Streitobject, man raufte sich um ein größeres oder kleineres Gebietsstück von dies- und jenseits. Das ist jetzt Vergangenheit, die im Nebel liegt; die Flagge ist der Pionier der Zukunft, die Schauplätze des Streites erweitern sich ins Unermessliche. Und die Losung wird bald nur noch die allgemeine Civilisation sein, die ebenso wie das Meer, auf dem gekämpft wird, durch keinen Schlagbaum, durch keinen Flusslauf oder Gebirgskamm begrenzt ist. Sibirische Eisenbahn, ostasiatische Postdampferlinie, norddeutscher Lloyd — denen von der alten Generation schwindelt es fast bei diesen gigantischen Umwandlungen, der jungen Generation hat der deutsche Kaiser die Parole in den Mund gelegt: „Das Jahrhundert steht im Zeichen des Verkehrs." Alles wird solchergestalt zum Universalproblein, was sich mit den neuen Aufgaben berührt. Und auch an unserer Stelle kämpfen wir für ein solches. Der Zionismus ist seiner innersten Natur nach ein Universalproblem und zwar ganz und gar ein civilisatorisches. Es handelt sich um die Niederlegung der Schlagbäume zwischen uns Juden, die wir über die Welt verbreitet sind, um die Aushebung der Unterschiede zwischen deutschen, französischen, russischen, englischen Juden, um die Wiederherstellung der nationalen Gemeinschaft im Geiste des Eintretens Aller für Alle, der Starken für die Schwachen, der Satten für die Mühsamen. Einen Platz an der Sonne wollen Alle und unsere Sonne leuchtet dort, wo unsere Heimat ist. Glicht zwischen alter und neuer Welt stehen wir, nein, wir haben Antheil an beiden, und ihn zu besitzen, können wir nur hoffen, wenn wir ihn als nationales Ganzes zu erwerben befähigt sind. & Könnte man dir Bundeslade wiederfinden?*) Von Henning Melander (Stockholm). (Fortsetzung.) Nein, dort begraben sollte man im Allgemeinen nicht zu jener Zeit. Jeremias betont auch in ganz besonderer Weise (8:2; 14:16—18; 16:4—6, vgl. Pf. 79), dass keinerlei Begräbnis stattfinden sollte, sondern die Leichen nnbeerdigt am Boden liegen bleiben sollten, und daher muss er unbedingt gemeint haben, dass Thopheth wirklich der einzige Ort sei, an welchem begraben werden konnte. Warum aber sollten die Gebeine aus den Gräbern ausgeworfen werden, während sie in Thopheth ruhen durften? Jeremias denkt hier offenbar an Schatzgräber, und wie diese auf der Suche nach verborgenen Schätzen die Totengebeine ausgraben. Man würde nach Schätzen suchen und daher die Gebeine Herauswersen; dagegen würde man in dem unreinen 'Thopheth keine Schätze vermuten und demnach diese Grabstätte in Ruhe lassen. Dahin erklären auch Hieronymus, Keil, Reuß u. A. die Worte Jeremias' wegen Auswerfens der Gebeine, und diese Erklärung muss ja ersichtlich zutreffend sein. > S. Biblischer Commentar über d. Proph. Jeremia v. Keil, pag. 126 und Les Prophetes von Reuß, Tome Premier, pag. 455). Die Worte des Propheten lassen deutlich erkennen, dass er Thopheth für einen geschützten Ort hielt und zwar für den einzigen Ort in der ganzen Umgegend von Jerusalem, der nicht von Schatzgräbern belästigt werden würde. Und verhält es sich nun so, dass Jeremias derjenige ist, der die Bundeslade verbarg, so ist es einleuchtend, dass er sie aller Wahrscheinlichkeit nach gerade dort verborgen hat; denn war *) Bgl. „Die Welt" Nr. 15, 16, 17, 18, 1L Jahrgang.