Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 19 (13.5.1898)
- Date
- 1898-05-13
- Page
- None (sequence 1)
- Language
- German
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Di? f; Welt Krdariion und Administration: Wie» IX., Türkenstraße 9. Telephon Nr. 8805. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration: Wien, IX., Türkenstraße 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte nicht zurückgesendet. u-:-m Preise der Anzeigen: Die viermal gespaltene Petitzeile 10 kr. Einzelne Nummern 15 kr. ei-m Uftltftllltf Ptif* * Oesterreich-Ungarn; halbjährig 3 fl. — 6 Kr., ganzjährig 6 fl. 12 Kr.: Für das Ausland: Deutschland * .ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 Shg., Rußland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50 Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Egypten ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Ets., Amerika ganzjährig 3 Doll. 40. Nr. 19. Wien» 13. Mar 1898. 2. Jahrgang. Der Zionismus und seine Gegner. Von Dr. Max Nordau. (Vortrag, gehalten in Berlin.) Die Männer, deren Namen man mit dem neuen Abschnitt der zionistischen Bewegung zu verknüpfen gewohnt ist, wurden durch die Noth ihres Stammes zum Zionismus bekehrt. Sie alle hatten persönlich kaum unter dieser Noth zu leiden. Sie hatten sich durch ihre Geistesarbeit einen europäischen, theilweise sogar einen Weltruf errungen, der ihrem Ehrgeiz genügen konnte. Sie hatten durch ihr Eintreten für ihre verfolgten Stammgenossen viel zu verlieren und nichts zu gewinnen. Obschon sie sich bewusst waren, dass sie niemand zuleide, nur den Juden zum Heile arbeiten wollten, machten sie sich natürlich dennoch auf Kämpfe gefasst. Aber sie glaubten, sie würden nur zu kämpfen haben gegen die Reibungswiderstände, die stder. Gedanke bei seiner Verkörperung in der Welt des Stofflichen erfährt, gegen die schiefen Urtheile der ungenügend Unterrichteten, die besser unterrichtet werden können, und allenfalls gegen die Bosheiten der blind Hassenden und sich deshalb gegen jedes Verständnis absichtlich verschließenden Judenfeinde. Es war nun eine ihrer großen Überraschungen, dass ihnen bisher grimmig verzerrte Feindesantlitze nur aus der Mitte des Judenthums entgegengrinsten, dass sie bisher nur von jüdischer Seite Angriffe erfuhren, und zwar Angriffe so schmachvoll niedriger Art, mit solchen Banditenwaffen der persönlichen Beschimpfung, Verleumdung und Angeberei, dass sie mitunter buchstäblich fassungslos wurden und sich die zahlreichen Beispiele selbstloser Begeisterung und edlen Idealismus in ihren eigenen Reihen vorrechnen mussten, um nicht zur antisemitischen Lehre von der Erbärmlichkeit und Gemeinheit der jüdischen Rasse bekehrt zu werden. ... Wir wissen jetzt, aus welchen Hinterhalten uns Uebersälle drohen. Wir wissen jetzt, wer unsere einzigen Feinde jrnd, wo sie lauern, und wessen wir uns von ihnen zu veffehen haben. Kenntnis der Gefahr ist halbe Abwehr. 'Wrr werden mit den Elenden, die uns in den Rücken gefallen sind und weitere feige Anschläge gegen uns im führen, zur rechten Zeit abrechnen. Heute und hier möchte ich mich nur mit jenen Gegnern der zionistischen Bewegung auseinandersetzen, die nicht verleumden und verdächtigen, sondern Gründe anführen, hie guten Glaubens ]mb, und mit denen ein anständiger und ernster Mensch sich in eme Erörterung einlassen kann, ohne sich etwas zu vergeben. Ich schicke eine Bemerkung voraus. In der christlichen Welt hat der Zionismus bis jetzt keinen Widersacher gefunden. Es gibt viele Christen, die den Gedanken einer Wiedervereinigung der heimatlosen Juden im Lande ihrer Väter für sehr schwer, manche, die ihn für gar nicht ausführbar halten; aber es gibt keinen, der den Gedanken an sich für falsch und verwerflich erklärt hätte. Sollte jemand so unvorsichtig sein, mir entgegenzuhalten: „Kein Wunder! Die christliche Welt möchte uns natürlich gern loswerden!" so würde ich sofort erwidern: „Wenn wirklich die ganze christliche Welt nur den einen Wunsch hat, uns abziehen zu sehen, und nur daran zweifelt, dass sich ihr Wunsch verwirklichen lasse, so ist dies der stärkste Grund, der sich für die Berechtigung und Nothwendigkeit des Zionismus anführen lässt." Ich wiederhole es: grundsätzliche Gegner hat der zionistische Gedanke bisher nur unter den Juden gefunden und wir haben ihn nur gegen jüdische Angriffe zu vertheidigen. Die Juden theilen sich heute in zwei Lager; die Einen wollen Juden bleiben, die Anderen wollen dies nicht. Mit diesen Juden, die ihres Judenthums überdrüssig sind und nur die eine Sehnsucht haben, spurlos, unkenntlich unter ihren christlichen Volksgenossen zu verschwinden, können wir rasch fertig werden. Wir geben ihnen nämlich ohne Weiteres zu, dass sie von ihrem Standpunkte aus vollständig Recht haben, den Zionismus abzulehnen. Sie sind folgerichtig. Sie wollen den Tod des Judenthums; sie müssen also ihren natürlichen Feind im Zionismus erkennen, der dem Judenthum ein neues Leben verbürgt. Aber nachdem wir in dieser Weise ihren Standpunkt anerkannt haben, sagen wir ihnen: „Ihr habt kein Recht, in zionistischen Fragen mitzureden. Der Zionismus wendet sich nichts an euch, die ihr keine Juden bleiben wollt, sondern an diejenigen, die Juden bleiben wollen. Er ist unsere innere Angelegenheit, die euch nichts angeht. Aus der Anschauungsweise des „homo sum, humani nihil a nie alienum puto;i heraus möget ihr euch für unsere Bewegung wie für irgend eine andere geschichtliche Erscheinung interessieren, etwa wie für den norwegischschwedischen Verfassungsstreit oder für die irische home rule, ihr mögt sie beobachten, zu verstehen suchen, ihr mögt sie studieren und kritisieren, aber immer nur als Außenstehende; euch in unsere Bewegung einzumischen steht euch nicht zu. Uns zu bekämpfen habt ihr so wenig ein sittliches Recht wie etwa der home mle in thätiger