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Die Welt · 1898-05-06 · 18 (6.5.1898) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
18 (6.5.1898)
Article
Paris
Date
1898-05-06
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 12 jät2£W<r Nr 18. Bon den Aussichten des Generalsekretärs Meyersoh n, der jetzt Russland bereist, erfahren wir nichts. PariO. (Orig.-Corr.) Die Aufmerksamkeit des Landes wird jetzt fast vollständig durch die Wahlen des Mai absorbiert. Die Ministeriellen und ihre Freunde aus dem clericalen Lager machen alle Anstrengungen, um ihre Candidaten durchzndrückcn. Sehr intensiv gestaltet sich auch die Agitation der offenen und verschämten Royalisten, welche ihre Zeit gekommen glauben Einiges Interesse verdient der Wahlaufruf des Grafen von S a b r a n, der feine royalistische Candidatur für das neunzehnte Arrondissement aufstellt. Er erklärt den Wählern, dass Frankreich von dem Verräthersyndicat bedroht werde. Es fei Pflicht der Wähler, den Kosmopoliten und Iudentrechten entgegenzutreten, die Frankreich zu einem Ausbeutungsobject ffir die Fremden machen möchten. Nach einer kleinen Anpreisung des alten Satzes: „Nur Einer soll Herrscher sein", schließt er mit dem Schlachtruf: „Gallien den Galliern, Frankreich den Franzosen, und die Franzosen Frankreich!" Paris Dem „Soir" zufolge, lud Zola unter feinen Zeugen auch einen Arzt aus Havre, einen $ntimu§ Felix Faures, den Dr. Gibert, vor. Diesem gegenüber äußerte Felix Faure anfangs 1895, als Marineminister, unmittelbar nach dem Dreystls-Process vor mehreren Zeugen: „Dreyfus habe kein Geständnis abgelegt, weil er unschuldig sei. Dreyfus sei das Opfer nicht eines Rechtsirrthums, sondern einer Infamie." Gibert wird dies vor Gericht bekräftigen. & Derkiusllluhrichten. Wien. Der Einzelnerem „Favoriten" des „Z i o n" veranstaltete am 27. April eine Vollversammlung. Ter Obmann Herr Dr. Rosenthal gab einen Bericht über die bisherige Vereinsthätigkeit, über das erfreuliche Anwachsen des Zionismus im Bezirke. Gegenüber der Schwierigkeit der Propaganda des Zionismus in Wiener Kreisen, habe der Verein seine Aufgabe im Dienste des Zionismus im ersten Jahre seiner Thätigkeit vollauf zu erfüllen gewusst. Herr Dr. Kahn sprach über das Thema: „DerZionismus als sociale Frage in nationaler Beleuchtung". Mit formvollendeter Beredsamkeit erörterte er die Entwicklung der socialen Frage, erklärte den Zionismus sowohl als Lösung der socialen Frage der einzelnen Juden, als auch des Gesammtjudentums in der Nationalitäten-Gemeinschasl. Der lebhafte Beifall der zahlreich erschienenen Mitglieder gab Zeugnis von dem Interesse, das die Ausführungen des Redners gefunden hatten. Wie«. Am letzten Samstag fand im Restaurant Breuer die constituierende Versammlung des „Bildung?- und Unterstützungs-Vereines jüdischer Arbeiter und Privatangestellter Achwah" statt. Die zahlreich besuchte Versammlung wurde von Dr. S. R. Landau im Namen der Proponenten eröffnet. Derselbe begrüßte die Anwesenden, insbesondere die Vertreter der Verbindungen „U n i t a s" und „Jordania" und erklärte in einer längeren Rede die Bedeutung und den Zweck des neuen Vereines. Es handle sich um die Befriedigung eines seit langem in den betreffenden Kreisen empfundenen Bedürfnisses nach einem geselligen Heim und einem geistigen Centrum. Ein großer Theil der jüdischen Arbeiter und Angestellten sei noch gar nicht organisiert und selbst diejenigen, die zu einer wirtschaftlichen Organisation gehören, sehnen sich nach einem Sammelpunkte, wo sie die geistigen Güter des eigenen Volkes pflegen und sich zusammenschließen könnten. Nach Paragraph 2 der Statuten bezweckt der Verein: ->) die Hebung des Bildungs-Niveaus in Bezug auf allgemeines und jüdisches Wissen: b) die materielle Unterstützung seiner Mitglieder. Nach Paragraph 3 werde dieser Zweck angestrebt durch: ->) Vorträge, Discussionen und Lehrcurse über allgemeine und j 5ld i sch - w i ss en sch a ftl i ch e Themen : b) Errichtung einer Bibliothek und Anschaffung resp. Herausgabe zweckdienlicher Zeitschriften: ‘) Gesellige Zus ammenkünfte: 6) Eröffnung einer jüdischen Volkslesehalle: e) Rechtsbelehrung und Arbeitsvermittlung; t) Gewährung von Geldunterstützungen an arbeitslose Mitglieder. „Das sind, setzte Dr. Landau seine Rede fort, die Aufgaben des Vereines, -licht ein Kampfverein gegen Socialdemocrätie oder Socialdemocraten, sondern eine positiv das geistige und materielle Wohl ihrer Mitglieder fördernde Institution soll die „Achwah" sein". Nach diesen mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen wurde der Wahlact vorgenommen. Die vom Herrn Zobel beantragte Eandidatenliste wurde mit Acclamation angenommen. Es wurden gewählt: Präses: Dr. S. R. Landau; Vicepräses: Nathan Groß, Adv.-Canzlist: Caffier: Oscar Friedr. Back, Privatbeamter: I. Schriftführer: Julius Zobel, Fabriksbeamter; II. Schriftführer: Felix Müller, Zahntechniker-Gehilfe. Ausschussmirglieder: Dr. 'Severin Landesberger, Ädv.-Eonc.; Gustav Hirschfeld, Eomptoirist: Emil R o s e n z w e i g, Handlungsgehilfe; David H asterlik, Buchbindergehilfe. Ersatzmitglieder: Jsaac B r a i n i n, Thonbildhauergehilfe; Jacob L u st, Handlungsgehilfe. Dr. Landau dankte im -kamen des Ausschusses für die Wahl und erklärte, die auf ihn gefallene Wahl nur provisorisch bis über die ersten mit der Gründung des Vereines verbundenen Vorarbeiten hinaus anzunehmen. Zum Punkte „Eventualia" sprachen die Parteigenossen Hausner, Dr. Landesberg, Groß u. Ä. Bis auf Werteres finden die Zusammenkünfte der Bereinsmitglieder jeden Samstag Abends im Restaurant Breuer, II., Kl. Schiffgasse 8, statt. Dort werden auch Beitrittserklärungen angenommen. Brünn. Am 24. v. M. sprach Herr Prof. Dr. Grünfeld im Einzelvereine „Zion" vor einem'zahlreichen Publicum über „Juden und Griechen", welches Thema er in ebenso feffelnder als geistreicher Weise behandelte. Stürmischer Beifall bezeugte dem beliebten Vortragenden den Dank seiner Zuhörerschaft, und wurde die Ankündigung eines zweiten Vortrages über dasselbe Thema lebhaft acclamiert. Olmütz. In der Monatsversammlung des „Z i o n" gab Herr Dr. I. Wern er einige Bilder aus der Blütezeit unseres Volkes in Spanien. Nachdem Herr Rabbiner Dr. Oppenheim zum unverzagten Kampf gegen Heuchelei und Jndifferentismus aufgefordert, wurde die Gründung einer Vereinsbibliothek beschlossen. Storocynctz. Vorigen Samstag fand im Verein „Zion" bei Zahlreicher Betheiligung der dritte Discuffionsabend statt. Dr. K o m m e r referierte über Herzl's „I u d e n st a a t". Die Debatte war eine sehr lebhafte und zollte man dem Referenten ungetheilten Beifall. Samstag den 30. d. M. findet der vierte Discuffionsabend statt. Dr. K o m m e r wird über das Thema „Die Rabbiner und der Zionismus" referieren. - - Für nächsten Sonntag ist die erste Wanderpredigt in C z u d i n anberaumt. Czernowitz. Die zweite ordentliche Plenarversammlung des acad. Vereines „Z e p h i r a h" bot ein außerordentlich befriedigendes Bild von der Thätigkeit des Vereines im vergangenen Vereinssemefter. In aufeinanderfolgenden Samstagabenden wurde vor geladenen Gästen über die jüdische Geschichte von der Urzeit bis zur Zerstörung des ersten Tempels, ferner über: „Grän und seine Bedeutung", „Die Philosophie der jüdischen Geschichte", „Können die Juden untergehen?" vorgetragen. Allgemein Zugänglich waren die Vorträge: „Zionsfehnsucht", „Zionsbewegungen seit der Zerstörung des zweiten Tempels bis auf Mendelssohn". In den „Leseabenden" wurde aus Dr. C. Lippes Werken und Dr. H. Kiesler's Broschüre: „Judenthum und Zionismus" gelesen und erläutert. An jeden Leseabend schloss sich eine Dis cupion. Die Neuwahlen ergaben: stud. iur. M. Diamant Präses; sind. pbil- T. Kern, Vicepräses; slud. iur. L. Presser Schriftführer. Sofia. Im Vereine „Serubabel" fanden Neuwahler statt. Als gewählt erscheinen folgende Herren: Zum Präsidenten Herr Dr. R. B i e r e r, für die übrigen Functionen Herr Ädvoca Dr. S. I. F e u e r st e i n, Ingenieur Kanna Neger, I. I w i o L u d m e r, Jeschua K a l e b, bulgar. Advocat. Zu Ersatzmänner: Herr C o n f i e v und I. W. L 5 w i n g e r. Transvaal. In Prätoria constituierte sich ein „Vereii jüdischer Frauen und Mädche n". In Bulowajo habe: sich die zwei bisher bestandenen Gemeindetheile unter dem Name: „Bulow ajoUnited Hebrew Congregation" vereinigt & MschMenrilndschau. In der „Neuen Zeit" widmet Herr Ed. B e r n st e i n dc jüngst verstorbenen Tochter Earl Marx", Eleanor einen seh warmen Nachruf, in dem er auch die Stellung dieser hervo: ragenden socialistischen Agitatorin und Schriftstellerin, den Jude gegenüber, eingehend bespricht. Ein bemerkenswerter Eharakterzu von Eleanor Marx — erzählt Bernstein — war ihre st a r k Sympathie mit den Juden. Bei jeder Gelegenhe betonteste mit gewissem Trotz ihre Abstammung. „I am a Jewess — wie oft habe ich sie das mit Stolz von der Tribüne herab d< Menge zurufen hören, sie, die weder jüdisch-religiös war, no mit den officiellen Vertretern des Judentums in irgendwelche Verkehre stand. Mit umso größerer Sympathie fühlte sie sich : den jüdischen Proletariern des East-End hingezogen. Wo d Jude als Jude unterdrückt war, da ließ sie sich nicht dur das tief in ihrer Seele ausgeprägte proletarische Classengesü beirren, da erwärmte sie sich für den Unterdrückten ohne R ü sicht aus Elassenstelluna. So beim Process Dreyf: bezw. Zola. Üeber das mutige Auftreten Zolas drückte sie si

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