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Die Welt · 1898-05-06 · 18 (6.5.1898) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
18 (6.5.1898)
Article
Eine der schwierigsten und größten technischen Leistungen
Date
1898-05-06
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 18 Seite 9 und doch die Bahn unter ihr hinzuführen. Es ist zweifelhaft, ob^-das zu. Er fügte bei, dass die Juden noch aus einem b eschon jemals ein technisches Werk, das mit gleichen Schwierigkeiten, s c> nderen Grunde begierig seien, Amerika im Kriege zu verbunden war, ausqefuhrt worden nt. Dre alten Grundmauern ' , . 2..,' - . u h i j i unterstützen, „denn jcber Jude suhlt rn fernem Herzen euren ftrllen, verbunden war, ausgeführt worden ist. Die alten Grundmauern der Kirche mussten zum größten Theil entfernt und neue Unterstützungen für das Bauwerk hergestellt werden. Die Südwand desselben erhielt in der ganzen Länge, die Nordwand wenigstens zum Theil stählerne Wandbalken. Eine neue Gründung war auch für die zwölf das Mittelschiff abschließenden Säulen nöthig. Alle diese Veränderungen mussten ausgeführt werden, ohne dass sich die Kirche nur um Haaresbreite senkte. Der Mittelbau hat ein Gewicht von 10.000, das Ganze ein Gewicht von 28.000 Centnern. Ein Spielzeug. Als man den ersten Spatenstich an den Kaiser Wilhelmscanal setzte, um die Ostsee mit der Nordsee zu verbinden, lächelte man über dies Unternehmen und nannte es ein Spielzeug gewisser Herren. Die Zeit hat aber dieses Spielzeug glänzend rehabilitiert. Laut des letzten Ausweises bewegt sich der Verkehr durch den Eanal in stark aüfsteigender Linie. Wahrend des Vierteljahres vom 1. Jänner bis 31. März 1808 haben 343/ Schiffe (gegen 2233 Schiffe in demselben Vierteljahr 1807) mit einem Nctto-Raumgehalt von 432.7,03 Register-Tons (1807: 308.557 Register-Tons) den Canal benutzt und, nach Abzug des auf die Canalabgabe in Anrechnung zu bringenden Elblootsgeldes, an Gebühren 232.7,00 Mark (1H07 : 1« 1.414 Mark^ entrichtet. Davon entfielen ans den Monat März 1622 schiffe ,1807: 1001 Schiffe) von 172.743 Register-Tons (1807 : 153:211 Register-Tons) und 02.030 Mark (1807 : 80.275 Mark) Gebühren. Tcltowcr Canal. Von den modernen Anschauungen, die man in Deutschland allen technischen Fragen entgegenbringt, zeugt das Project des Tcltowcr Canals. Tie Kosten des Canals, der von Klein-Glienicke bei Potsdam über das südliche Vororlsgebiet nach Köpenick beziehungsweise Niederschönweide führen und eine Länge von 21 Kilometern erhalten soll, sind auf 22 Millionen Mark veranschlagt. Trotz dieser hohen Baukostensumme ist eine Verzinsung des Anlagecapitals in Höhe von 3 Percent zu erwarten. Auf der ganzen Strecke ist nur eine einzige Schleuste, in Groß-Machnow bei Teltow, erforderlich. Das Project wird demnächst den Teltower Kreistag officiell beschäftigen und dann der Regierung eingereicht werden. Das Geschenk Edisons an seine kriegführende» Landsleute. Edison, der verhältnismäßig lange nichts von sich hören ließ, scheint sich jetzt wieder zu rühren, da er die Verpflichtung fühlt, seinen kriegführenden Landsleuten mit irgend einer außerordentlichen Erfindung zu Hilfe zu kommen. Wie aus Amerika becichtet'wird, hat er der amerikanischen Marine Lichtbomben zur Verfügung gestellt, die sich entzünden, wenn sie in's Wasser geworfen werden und ein starkes Licht um sich her verbreiten. Edison rechnet darauf, dass durch diese Bomben die Annäherung feindlicher Torpedoboote verhindert werden kann. Vorausgesetzt, dass die von der „Deutschen Zeitschrift, für Elektrotechnik" wiedergegebene Nachricht sich überhaupt bewahrheitet, sind noch Bedenken vorhanden, ob das Licht der Bomben einerseits weit genug reicht, damit ein herannahendes Torpedoboot vor Schussweite entdeckt werden kann, und ob, wenn dies der Fall ist, eine so bedeutende Lichtentwickelung nicht die Mannschaft des eigenen Schiffes blenden würde. — Jedenfalls kann sich Edison schon veranlasst fühlen, sich seinen Landsleuten erkenntlich zu erweisen. Erst jetzt wieder zeigt sich durch ein Geschehnis in New-Pork, welch' unerhörte Wertschätzung die Amerikaner ihrem großen Erfinder entgegenbringen. Die „Elektricity" berichtet, dass ein früherer Angestellter der dortigen Edifon-Elektrisch-Licht-Gesellschaft in ein Irrenhaus gebracht werden musste, aus folgendem Grunde: Der 2<>jährige Mann hatte sich so übereifrig dem Studium der Elektricität ergeben, dass sein Verstand darunter litt. Dies äußerte sich darin, dass er behauptete, er wäre größer als Edison und könnte an dessen Erfindungen Verbesserungen anbringen. Dies genügte den Amerikanern, ihn für das Irrenhaus reif zu erklären. Wenn der junge Mann weiter nichts verbrochen hat, als dass er an Edison'schen Erfindungen Verbesserungen vornehmen zu können glaubt, so sollten die Irrenärzte lieber die ins Tollhaus stecken, die ihn deshalb für verrückt erklären. rr MküchrM. Die Juden und der spanisch-amerikanische 5trieg. Ueber dieses Thema interviewte jüngst ein Berichterstatter des „Jewish World" einen mit militärischen Aufträgen aus Nordamerika nach London eingelangten hohen jüdischen Marine-Osficier. Derselbe erklärte, dass die Juden Nordamerikas, als Anhänger des Mittelstandes und seiner Politik durchaus keinen Enthusiasmus fiir den Krieg empfunden hätten: die „gelbe" Presse und der „Jingoismus" beeinflussen sie gar nicht. Allein, wenn es zum Kriege kommen sollte, würden die Juden als amerikanische Patrioten bei ihrem Vaterlands stehen und mitkämpfen. Der Interviewer bemerkte, dass unter den Juden ein Kriegssieber herrschen sott. Ter Officier gab mehr passiven als activen Hass gegen Spanien wegen der seinen Ahnen zugefügten Feindseligkeiten." Dann kam die Sprache auf den Antisemitismus in Amerika. Ter Officier erklärte, man müsse „unterscheiden". Es gebe wohl einen gesellschaftlichen Oftrazismns", allein ein Buch wie das von Senator Wolf, „Der amerikanische Jude als Bürger, Soldat und Patriot" sei ein Beweis gegen den Antisemitismus. Tann zählte er die jüdischen Officiere auf, die in amerikanischen Diensten standen oder noch stehen: Lieutenant-Commander M a r x, der Borsitzende des Untersuchungsgerichtes in der „Maine"-Catastrophe, der Commandant des ersten Panzerschiffes, des „Monitor", Capitän H arbry und Commodore L e v y, der in den Sechzigerjahren an der Spitze der Marine stand n. s. w. Im Bürgerkriege kämpften über 8000 Juden. Einer der besten Schützen in Amerika sei ein Jude: der Redacreur einer Zeitung in San Francisco. Sv wie im Bürgerkriege ganze Familien, Väter mit ihren Söhnen, in den Krieg zogen, so würde es auch jetzt geschehen. Zar und polnischer Jude. In den Briefen, welche der deutsche Prinz Emil von Sayn-Wittgenstein-Berleburg während des türkisch-russischen Feldzuges 1877—78, den er mit Erlaubnis Alexanders li. im russischen Hauptquartier rnilrnachen durfte, an seine Gemahlin gerichtet hat, sinder sich solgende Episode aus der Belagerung Plewnas: „Endlich beginnt die Belagerungsarbeit, Todleben übernimmt die Leitung, die Garde trifft ein. Es ist aber auch die höchste Zeit. Ter Zar ist mit seinen Kräften fast zu Ende, die Spitäler überfüllt. Ter Zar, ein Bild menschlichen Mitgefühls, hat drei Verwundete am Wege aufgelesen: wir haben den einen auf dem Bocke, die beiden anderen siuf den Wagentritren untergebracht, indem wir sie sich an unsere Beine lehnen ließen. Der auf meiner Seite war ein polnischer Jude, ein junger und hübscher Bursche, der wohl nie geträumt hatte, einmal mir dem Kaiser zu fahren. Der Kaiser hat unseren drei Begleitern das Georgskreuz gegeben, um sie an ihre Fahrt mit ihm zu erinnern". Tiefe Teeoralion ist die höchste militärische Auszeichnung in Russland und wird nur für besondere militärische Bravour verliehen. Der erste Jude, der sich in Waitzen ansicdeln durfte, ist daselbst vor einigen Tagen gestorben. Er hieß David Deutsch und erreichte ein Alter von hundert Jahren. Seit seiner Mederlassung in Waitzen wohnte er in einem und demselben Hanse bis zu seinem Ableben. Vor oo Jahren hatte er geheiräther und seine ihn überlebende Gattin steht im Alter von 86 Jahren. Seinem Tode gieng keine Erkrankung voraus, er schlief saust ins Jenseits hinüber. „17. Wodi?t." Gegen die Herren und Juden ziehen jetzt die Socialisten in Heves los. Von dort wurde der Behörde in Erlau dieser Tage Nachstehendes telegraphiert: „Revoltierende Socialisren durchziehen in Massen die' öffentlichen Plätze mit dem Ruse: „Tod den Herren und den Juden!" Sie stoßen die Drohung ans, die Stadt in Brand zu stecken. Es steht das Schlimmste zu befürchten. Sofortige ausgiebige Hiffe dringend nothwendig". — Es wurden denn auch ungesäumt Schutzmaßregeln getroffen. „17. WodisL" Die Judengcsctze in Russland sind wiederholt durch die Entscheidungen des Senates interpretiert worden. Das Eigenartige bei diesen — wir möchten nach österreichischem Muster sagen — oberstgerichtlichen Entscheidungen ist, dass sie nur für den concreten Rechtsfall gelten, und dass es den Behörden frei- »>eht, dasselbe Gesetz in einem anderen Falle entgegengesetzt auszulegen. So wurde beispielsweise die Entscheidung des Gouverneurs von Minsk, der einen Juden als Handelskammerrath nicht bestätigen nullte, vom Senate ausgehoben. Allein das hinderte nicht, dass ,^r Gouverneur von Berditschew wiederum dieselbe Wahl nicht bestätigen wollte. Es ist daher eine erfreuliche Botschaft, dass der Justizminister einen seiner höheren Beamten mit der Sammlung und Herausgabe der seit 25 Jahren erflossenen Entscheidungen betraut hat, die hoffentlich zu einer einheitlichen und gerechteren Jurisdiction führen wird. Moderne Placate. Der Kohlenhändler Joseph Titsira aus Nnsle bei Prag ließ über dem Eingang in seinen Holzgarien drei Anfschriften anbringen, in welchen er unter Beschimpfung des Judenthums das Publicum warnte, bei Juden zu kaufen, und Juden den Eintritt in sein Geschäft verbot. Die Polizei confiscierte diese Aufschriften und erstattete gegen Titöra die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft.' Die antisemitischen Wenzelssöhne. In den Kgl. Weinbergen in Prag fand jüngst im „Närodni düm“ eine öffentliche Versammlung der Weinberger Steuerträger siarr.

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