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Die Welt · 1898-04-29 · 17 (29.4.1898) · p. 14

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
17 (29.4.1898)
Article
Der Antigoyismus in Zion
Date
1898-04-29
Page
14 (sequence 2)
Language
German
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Seite 14 »kr. 17 dieses Processes, die der Appellation an den Cassationshof und noch außerdem eine Geldbuße eintragen. Die Anklage des Ritualmordes ist aber eine so abscheuliche, dass sie, wenn ihr nicht jedesmal bei ihrer Erwähnung das Dementi sofort auf dem Fuße folgt, ebenso für den Verleumder als auch für sein Opfer das größte Unglück hervorbringeu kann. Es ist das ein historisches Gesetz, dessen Kosten ich heute, wie ich ausdrücklich wiederhole, selbst tragen werde. Verth eidiger Starrkopf: Nach den Erklärungen, die unser allgeliebter Präsident soeben voll tiefer Empfindung abgegeben hat, ziehe ich meine Anträge zurück. Viermond: Wie auch die Sitten der Christen in Palästina sein mögen, so bleibt es nichts deftoweniger wahr, dass diese Fremden in ihrem Lande all den Lastern stöhnen, welche wir in unserer Heimat verabscheuen und dass eine persönliche oder ideelle Gemeinschaft mit ihnen den Verfall unseres Vaterlandes nach sich ziehen muss, ganz nach dem Beispiel des Verfalles, der an manchen Nationen fraß, die heute von der Karte Europas verschwunden sind. Bertheidiger Starrkopf: Ich bitte, unseren Bruder, den Hauptmann Eliezer Ben Awak-Aesch einzuvernehmen. Der Hauptmann Eliezer erscheint in Civilkleidnng. Der Präsident: Wollen Sie den Zeugen befragen? Starrkopf: Ist es unserem Bruder bekannt, dass Herr von Heiligenstätten eines Tages in einem der Bureaux des Generalstabes einen Check dem Admiral San Torpedo übergab mit den Worten: „Nun, die Staasbauten ziehen Ihnen wohl etwas anderes als Sorgen zu?" Der Präsident: Die Frage wird zulässig sein. Ben -Awak-Aesch: Ich bin durch das Amtsgeheimnis gebunden. Der Präsident: Ich kann eine solche Ausflucht nicht zulassen. Bor der Gerechtigkeit gibt es kein Amtsgeheimnis. Nur Gott hat Amtsgeheimnisse und er ist es gerade, der es uns erlaubt, ja uns dazu einladet, so tief in diese einzudringen, als wir nur können. Es gibt keine Möglichkeit der Gerechtigkeit ohne die ganze Wahrheit. Wir haben nicht die religiöse Geheimnisthuerei unterdrückt, um ihr die Geheimnisse der Marine zu substituieren. Wollen Sie also Ihre Aussage abgeben oder der Gerichtshof wird bei dem Parlamente vorstellig werden und Ihre Absetzung und gerichtliche Verfolgung wegen Wahrheitsverweigerung verlangen. Ben-Awak-Aesch: Wenn die Sache so steht — Nun! Wohlan! *) Ich sage aus, dass der Sachverhalt wahr ist. Der Präsident: So ist's recht. So liebe ich die Militärs. Man ruft hierauf den Kläger, den Admiral San Torpedo vor, der ebenfalls in Civilkleidnng erscheint. Starrkopf: Herr Admiral, anerkennen Sie die Echtheit des Checks, dessen Photographie hier vorliegr? — Das ist nämlich das durch die verschleierte Dame herbeigeschaffte Beweisstück. San Torpedo: Ja, ich anerkenne sie; wo ist da aber die Corruption? - Starrkopf: Das werden wir in unserem Rechtsstreit feststellen. Der Graf von Heiligenstätten gibt eine Anssage ab, die der des Admirals analog ist. Man ruft einen weiteren Zeugen vor, den die Bertheidigung führt. Die Aufklärung des Geheimnisses. Ter Zeuge ist Herr Tobias D e s c o g s - Z i o n, der Bevollmächtigte der Bau- und Transportbank, ein Mischling, wie schon sein Name verräth. Der Präsident: Was wissen Sie von dieser Angelegenheit? Der Zeuge: Fast alles. Alle Streitthe'le haben hiebei Recht, mit dem Unterschiede, dass sich der Angeklagte bei dem *) Anmerkung der Redaction: Anspielung auf das berühmt gewordene Allons-y! des Generals Pellieux im Zolaprocess). Borgehen, betreffs seiner Nachforschungen noch immer gleich geblieben ist. Es existieren in der That zwischen beiden Klägern Baude des Interesses, aber diese haben nichts Verbrecherisches an sich. Der Admiral ist der Vormund seiner Nichte, der Urenkelin Nathan Birnbaums, des großen zionistischen Cucyclopädisten. San Torpedo hat mir die Mitgift seines Mündels, des Fräuleins Rachel Birnbaum, anvertraut, habe die Summe in den Unternehmungen der Ban- und Transportbank fruchtbringend angelegt. Das ist die kleine Freundin, welche diese Herren mit einer wahrhaft väterlichen Liebe umgeben, was das Fräulein durch seine Anmuth, seine Intelligenz und Anspruchslosigkeit, ein Vermächtnis ihres Ahnen an uns, auch verdient. Jedermann weiß, dass gelegentlich der internationalen Ausstellung in Jerusalem, welche zur Feier des 100. Jahrestages des ersten Baseler Congresses Veranstalter wird, Herrn von Heiligenstätten große Centralpaläste des Töpferfeldes zuerkannt worven sind. Diese Bauten waren von ganz außerordentlichem Ertrag für das Comptoir und im Besonderen für Fräulein Birnbaunc, deren Fonds ich alle in dem Syndicat angelegt hatte. Indem er von Staatsbauten sprach, hat Herr von Heiligenstätten ein unschuldiges Wortspiel angewendet, dass ein jeder jetzt begreift und wenn er eine 'An spielung auf die Sorgen gemacht hat, welche die Schiffsbauten dem Admiral di San Torpedo verursachen, so wollte er diese Sorgen nicht den Gewinnsten entgegenhalten, — das wäre ein hinkender Vergleich — sondern der Freude, welche bei einem Vormund begreiflich ist, der ganz von den Interessen seines Mündels eingenommen ist. Der Präsident zu Starrkopf: Ist, nach Ihnen, die Sache klar? Starrkopf: Ja, Herr Präsident. Dann wurde der Schluss der Vernehmungen Verkünder, nachdem noch jeder der Richter seine Frage gestellt hatte. (Fortsetzung folgt.) Mendele Lohengrin. Tie Geschichte eines Musikanten. Von H. Bork-Ttciuer. (Fortsetzung.) Endlich war er in Wien. Seine erste Frage gal: dem „Stücke", das in der Oper aufgeführt wurde. Man gab „Lohengrin". Er fragte dann jeden Menschen, der ihm Rede stand, ob es ein gutes Stück sei, dieses „Lohcngrin", und jedem erzählte er, dass er als armer Teufel zum erstenmale im Leben nach Wien komme, daher für seine sechzig Kreuzer etwas Gutes haben möchte. Von 3 Hinnachmittags an war er an dem Thore gestanden, um einen guten Platz zu bekommen. Alle Welt hatte das Stück gelobt, so dass er um sechs Uhr leichten Herzens die sechzig Kreuzer hinlegte, er schaute aber empor zu dem würdigen Herrn an der Cafsa, der ihm ein Stückchen Papier dafür anbot, und fragte zitternd: „Nicht wahr, lieber Herr, „Lohengrin" ist wirklich e gutes Stück? Ich bin nämlich zum erstenmale in Wien und möcht' . . ." Aber da stieß ihn auch schon sein Hintermann, der ungeduldig des Augenblickes harrte, um auf die Galerie zu stürmen. Er beendete seine Rede abseits vom Schalter. An ihm stürmten die jungen Leute, die sich mir angestellt hatten, vorbei, um oben den günstigsten Platz zu finden. Er irrte lange im Hause umher, geblendet von den vielen herrlichen Bildern und glänzenden Statuen. Endlich war er in der letzten Gallerie angelangt und suchte nach einem Plätzchen, von dem aus er hinunterschauen konnte. Das Haus war voll und kein Raum für ihn. Da stand er ungeduldig und harrte der Dinge, die jetzt kommen sollten. Die stimmten unten ihre Instrumente. Die Clarinette gab das A an, die Violine zog ihre Saiten darnach, dann kamen die Celli, die Contrabässe, inzwischen übte der Flötist einige Läufe, und der Tonfall vieler Instrumente, die Mendele gar nie im Leben gehört hatte, klang wirr in seine Ohren. Dann wurde es stiller, ganz still, das Vorspiel begann.

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