Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 17 (29.4.1898)
- Article
- Wien und anderswo
- Date
- 1898-04-29
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr 17. .Pk#wcr Seite 13 Begebenheit. In derWienerOper stehen Polizisten Wache und müsten Jeden, der sich zu Beisallsbezeugnngen Hinreißen läßt, arretieren. Ein armer Detective gelangte ans diese Weise zum erstenmal ins Opernhaus, und war durch die Macht des Gesanges so er.-- griffen, dass er wie rasend applaudierte. Sosvrt aber besann er sich aus seine Pflicht, arretierte sich wegen Uebertretung der neuen Begeisterungsverordnung, verhielt sich zur Ausweisleistung, und folgte sich willig aus die nächste Wachstube, wo das von Rcuethränen überströmende Auge des Gesetzes sich selbst dem Eommissär zur Amtshandlung übergab. Gespräch. Ich bitte, der Herr Isaak Mayer hat seinen Vornan,eu ändern wollen, und ist abgewiesen worden. Run, und —? Man hat gesagt, die Abänderung von Tausnamen sei gesetzlich unstatthaft. Ganz richtig. Ja. aber in der weiteren Begründung heißt es, man luitre allerdings das Judenpatent von 1789 heranziehen können, nach welchem die Juden nur deutsche Vornamen haben Aber hören Sie auf! Das Judenvatent von 1789 besteht doch gar nicht mehr. Wir haben doch unsere Staatsgrundgesetze es gibt doch keine Namensvorschristen mehr, wie es keine gelben Fleckerl mehr gibt. Ja, wenn der Isaak Mayer sich aber doch schämt, dass er Isaak heißt, und sich selber aus das Judenpatent beruft? Sie sehen doch, man hat ihn abgewieseu. Wir schreiben doch nicht 1789 — — Oh nein, nicht deshalb — — Warum denn? Weil Isaak als deutscher Name anzusehcn ist. Wenn er aber anders geheißen halte -? Daun würde ihm das Judenpatent geholfen haben — Sie glauben, dass sich ein anständiger Mensch nach den alten Ghettodisciplinen behandeln lässt -? Wenn er sich dann Ottokar oder Wilhelm nennen darf, statt Isaak, was lässt sich da Einer nicht alles gefallen. L o h e n g r i n. Es gibt noch immer genug Juden, die sich trotz der schweren Zeiten behaglich genug fühlen und stets zu munteren Scherzen aufgelegt sind. Allen voran amüsiert sich der fröhliche Finanzmann, der bei einem seiner Feste kürzlich als Lohengrin auftrat. Ter Witz war gut, denn er symbolisiert eine ganze Schaar von Rittern, die über ihre Herkunft gerne einen geheimnisvoll verschämten Schleier breiten möchten, und die frei nach Lohen grin zu verlangen scheinen: „Nie sollst du mich befragen - 'Roch Wissens Sorge tragen Woher ich's nahm zur Fahrt, Noch wess' mein Stamm' und 'Art . . ." K. S. 11 u il 1 f 10 n. Der Antigoyisnms in Zion. Von Jacqucck Bahar. Brief des Specialcorrespondenten der „Algier Colonial Times." (Fortsetzung *). Die verschleierte Dame. Uebrigens habe ich dem Dossier, das mein geehrter Herr Verrheidiger, der Advocat Starrkopf (ein Christ), verwahrt, ein entscheidendes Document, das ich vor einigen Tagen von einer verschleierten Dame . . . Der Präsident: „Eine verschleierte Dame?" Einen Augenblick. Ich erinnere mich einmal eine ähnliche Geschichte gelesen zu haben. Richtig! Ist Ihnen das .Document von dieser Dame nicht hinter dem Gitterwerk des heiligen Grabes gegeben worden? B i e r m o n d : Ja wohl. Ter Präsident: Nun weiß ich, woran ich bin. Es handelt sich da um die Wiederholung eines sonderbaren Spieles, das von den Franzosen herrührt. Doch setzen Sie fort. V i c r m o n d : Nun denn, dieses Document, das ich, wann Tic es wünschen, vorlegen werde, beweist auf die unwiderleglichste Art, dass Herr von Heiligenstätten einen Check Herrn von San-Torpedo übergeben hat. Das ist der thatsüchliche Beweis. Ich wünsche nur noch eine kleine Bemerkung über meine antigvyistische Campagne hinzuzufügeit. Ich bin Jude, ein Eingeborener Palästinas, und stamme von einem jüdischen Vater \mb einer jüdischen Mutter. Ich bin dem reinsten canaanitischen Boden entsprossen, aus der berühmten Stadt Hebron, wo unser verehrter Patriarch, Abraham, der Freund Gottes, seine Ruhestätte hat. Ich hänge daher viel imciger an unserem Lande, als diese Cosmopoliten, diese christlichen Speculanten, die nur zu uns kommen, um unsere Sitten zu verderben, ohne unsere Begeisterung zu theilen, noch mit unserer Rasse zu verschmelzen, die ihnen augenscheinlich überlegen ist. Diese Menschen verursachen einen Geruch von todten Ratten, von gebratenen Kröten ... _ D er Präsident: Pardon! Haben Sie denn schon den Tust todter Ratten und gebratener Kröten empfunden? Biermvnd: Ich selbst allerdings nicht. Aber im tz. Jahrhundert.... *) Vide Skr. 13, 14 und 15 der „Welt". T e r P r ü s i d e n t: Das genügt. Wollen Sie sortsetzen. V i e r m o n d: Sie trinken geistige Getränke, was in Israel ganz unbekannt ist, außer in pharmaceutischen Tosen und über Anordnung des 'Arztes, sic berauschen sich daran, verfallen in Säuferwahnsinn und zeugen Epileptiker, die infolge der häufigen Mischehen unsere Rasse zu verkrüppeln beginnen. Sie verschlingen unreine Speisen, deren Toxine ihre Hirnzellen schädigen, namentlich Schnepfen, welche sie nur im vorgeschrittensten Fäulnisstadium verzehren, und welche sie auf ihren Lotterbetten in Gesellschaft von Gänsen verspeisen. Sie geben sich der Wollust bin, begehen den ' Ehebruch als durchaus statthafte Sache, sie sind denk- und arbeitsfanl und sie allein figurieren in der Statistik der gewaltsamen Verbrechen. Ihre Bräuche sind niederträchtig, und wenn sie dieselben auch in unserer.heiligen Ration nicht ansüben, so ist es doch offenbar, dass sic in anderen Ländern kleine Kinder für das sogenannte Mysterium der Eucharistie abschlachten. Ein Mnsterium ist das allerdings nur für den, der die Fabricarion der Oblaten nicht kennt. (?in Zwischenfall während der Verhandlung. Der Präsident: Es ist mir unmöglich. Sie in dieser Weise weiter svrrsprechcn zu lassen. Sie bringen da eine ungeheuerliche Verleumdung vor, die im Munde eines Juden dreifach verabschennngswürdig ist, denn es ist dieselbe, welche in den verflossenen Jahrhunderten, deren finsterstes das neunzehnte Jahrhundert war, unser Volk Ströme Blutes gekostet hat. 'Angesichts der ganzen Judenheit verkünde ich hier feierlich, dass es grundfalsch ist, dass die Christen an Kindern Ritual morde begehen, was auch immer die lateinischen und chinesischen Schriftsteller darüber vorgebracht haben mögen. Herr S t a r r k o p s: Ich bringe Anträge ein, welche den hier vorliegenden Berusnngsgrund festlegen sollen, in 'Anbetracht dessen, dass der Präsident nicht das Recht hat, den Angeklagten zu unterbrechen. Der Präsident: Herr Starrkops: Sie mögen ja im Rechte sein, ihre 'Anträge dürften nach dem Buchstaben des Gesetzes Erfolg haben. Es geschieht dies aber von mir im vollen Bewusstsein der Maßregelung, der ich mich aussetze, denn meine Unterbrechung wird mir persönlich alle die Kosten