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Die Welt · 1898-04-29 · 17 (29.4.1898) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
17 (29.4.1898)
Article
Der Delegiertentag in Galatz
Date
1898-04-29
Page
6 (sequence 1)
Language
German
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Seite 6 jpitsnwr Nr. 17 Drr Delegiertentag in Galatz am 5. und 6. April (17. und 18.) "Am zionistischen Delegiertentage von Galatz waren von -16 Vereinen Delegierte erschienen, im vorigen Jahre waren es kaum halb so viel, die die Sache des Zionismus mir Eifer und Feuer vertraten, und an der Art, wie die Unterhandlungen geführt wurden, konnte man sehen, dass neuer Lebensodem uns belebte; es war ein Programm festgestellt, wonach vorgegangen wurde. Wir konnten mit dem Resultate zufrieden sein. Sonntag nachmittag um 3 Uhr, versammelten wir uns im Handwerkertempel. Die Sitzung dauerte ungefähr vier Stunden; die Delegierten der Vereine gaben die Berichte über ihre Vereine. Eine gewisse Eintönigkeit konnte nicht ausbleiben, die peinliche Rechnungsablegung von 46 Vereinen wurde vorgebrachi, und die Mittheilungen über das Wirken der Vereine in moralischer Hinsicht waren sehr erfreulich von den Bnei und Bnoth Zion-Vereinen, die sämmtlich nach dem Congress von Basel gegründet waren und deren Thatkraft und Thätigkeit erstaunliche Früchte zutage sördern. Man konnte sehen, wie begeistert die jungen Leute für die hohe Idee waren, wie sie ihnen bereits in Fleisch und Blut übergegangen war. Schon an diesem Tage konnte man einen gewissen Gegensatz in den Meinungen feststellen, der am folgenden Tage noch schärfer hervorrrat. Von früherer Zeit bestehen hier schon Vereine „Ehowewe Zion", die wie alle Vereine dieses Namens vor dem Baseler Congress durch Besiedelungen in Palästina das Los einzelner Familien, deren Noth hier den höchsten Grad erreicht hatte, menschenwürdig gestalten wollten. Nachdem im Baseler Eongress im vorigen Jahre beschlossen war, dass diese Einzelbesiedlungen als in ihrem Endzweck verfehlt, eingestellt werden sollten, natürlich von all denen, die auf den neuen Standpunkt des Baseler Programmes sich stellen wollten, nachdem die rumänischen Vereine „Chowewe Zion" sich dem Baseler Programm angeschlossen hatten, musste man erwarten, dass sie die weitere Eolonisation aus eigene Faust einstellen würden; aber dies war bis jetzt nicht geschehen, sondern die Sammlungen für diesen Zweck wurden fortgesetzt; zwar befanden sich die rumänischen „Ehowewe Zion" in misslicher Lage; vor einigen Jahren waren von ihnen zwei Güter in Palästina gekauft worden, das Geld dafür ist bis jetzt zum größten Theile nicht bezahlt; naturgemäß musste man sehen, so schnell wie möglich die Zahlungen zu Ende zu bringen; aber die restierende Summe war zu groß, und wollte man energisch dasür sammeln, so würde, da ja bekanntlich unsere reichen Glaubensbrüder — Gott sei es geklagt — sich dieser Bewegung nicht anschließen wollen, so würde einmal das Resultat dieser Sammlungen für absehbare Zeit keineswegs ein zufriedenstellendes sein, und, was die Hauptsache, die Schekelsammlungen würden derart beeinträchtigt werden, dass wir vor dem nächsten Eongresse in Basel, der in vier Monaten stattsinden wird, mit leeren Händen erscheinen müssten. Trotz alledem, wenn nur das eine verlangt worden wäre, dass für diese beiden Güter gesammelt werden sollte, weil es ein Engagement der rumänischen Juden verlange, die Güter zu bezahlen, so hätten wir vielleicht nachgegeben, allerdings nur bis zum Baseler Eongress, wo an höherer Stelle darüber hätte entschieden werden können. Aber von tonangebender Seite hier wurde klar und deutlich erklärt, dass die alten „Chowewe Zion" mit ihrem früheren Ziele: Eolonisation auf eigene Faust, weiterbestehen bleiben sollten, jedoch mit Voranstellung des Baseler Programmes. Diese zweideutige Stellung musste ein für allemal aufgehoben werden, und trotz langen Slräubens gelang es schließlich doch, den Beschluss durchzusetzen: dass die alten „Ehowewe Zion" sich wie die neugegründeten zionistischen Vereine vollständig in allen Punkten dem Baseler Programm anschließen. Für die beiden Güter sollte nicht etwa von den regelmäßigen Vereinseinkünften gezahlt werden, sondern was außerordentlich von Hochzeiten, Festen :c. Spenden einkomme; vom Baseler Congress sollte dann endgiltig entschieden werden, auf welche Weise am besten mir der "Abzahlung der beiden Güter verfahren werden könne. Durch diesen Beschluss, der alle befriedigte, war eine große Gefahr vom Zionismus in Rumänien abgewandt worden; eine Spaltung drohte einzutreten, Spaltung, wo nur Einigkeit wirken kann; und vereinigtem Wirken gelang es, die Gefahr zu beseitigen, hoffentlich für immer! Ein zweiter Hauptpunkt, der auch nicht klar und deutlich auf dem Programm zum Ausdruck gebracht war, wurde endgiltig erledigt: die Organisation. Wie bisher Galatz die Centrale für die alten „Chowewe Zion" war, so sollte es auch als Centrale für sämmtliche zionistischen Vereine Rumäniens weiter bestehen; sechs Mitglieder des Centraleomitcs wurden wiedergewählr, nur noch vier neue Mitglieder dazu, um ihnen die "Arbeit zu erleichtern; es wurde bestimmt, dass ein besoldeter Sccretär gewählt werden sollte, der die jetzt complicierrer gewordenen "Arbeiten des Centralcomit^s gewissenhaft vollführen könnte. Es wurde das Budget festgeftellt und man kam darin überein, dass das Centralcomitä von allen einlaufenden Schekelgeldern einen bestimmten Theil zu diesem Zwecke nehmen sollte — diese Erlaubnis hatte unser Präsident, Herr P i n e I e s, vom CentralcomiUin Wien erhalten —; da möglicherweise dieser Theil nicht ausreichen könnte, sollte jeder Delegierte einen Betrag zeichnen, den sein Verein dem Centralcomitö beisteuern wolle; die Zeichnungen betrugen ungefähr 3000 fl. — Hauptaufgabe des Centralcomit^s ist für die schriftliche und mündliche Propaganda für alle zionistischen Vereine zu sorgen, für Lesevereine, Bibliotheken, Verbreitung von zionistischen Zeitschriften; für den Unterricht der Bnei- und Benoth- Zion in hebräischer Sprache, in jüdischer Geschichte und Wissenschaft, möglicherweise Einrichtung zionistischer Schulen :c. Die anderen Berathungen, die folgten, waren secundärer Natur. — Wir verließen alle den Congress in gehobener Stimmung. Wir sind überzeugt, dass er für die zionistische Bewegung einen großen Fortschritt bedeuten wird. Albert Nacht. & IsMer Brief. Wenn man kurz von der Lage in Fasst) sprechen will, die der Judenhass in den letzten Jahren dort geschaffen, so muss man sich nur folgende Ziffern vor Augen halten. Vor etwa fünf Jahren zählte die «ladt noch oo,ooo Einwohner, heute nur mehr etwas über 70,ooo. Es sind fast ausnahmslos Juden, die gezwungen waren, zum Wanderstab zu greifen. Kein Wunder, wenn da der Zionismus die Massen im Sturme gewonnen. Er war ihnen eigentlich nicht fremd, aber es war ein Märchen, das die alte Sehnsucht in ihrer Seele wieder aufklingen ließ. Und nun sind sie Zionisten, zielbewusste Zionisten, und sie schaffen eine kräftige Organisation. Ter seit Jahren bestehende Verein „Dorsche Lezion" feierte in den „Chowewe Zion" seine Auferstehung. Ter Verein umfasst einige hundert Mitglieder und veranstaltet jede zweite oder dritte Woche gemeinverständliche Vorträge über den Zweck und die Ziele des Zionismus. Wenn ein solcher Vortrag angekündigt ist, strömen die Leute von allen Seiten herbei, um den Mann zu hören, der ihnen von Erlösung spricht. Und sie horchen mir angestrengter "Aufmerksamkeit und all' die starken Worte von Zion und Freiheit finden einen mächtigen Widerhall in ihren Herzen. Der zweite Verein „Bnei Zion" recrutiert sich durchwegs aus jungen Leuten. Jeden Sonnabend und Sonntag versammeln sie sich in dem Schulhause „Junimea" und suchen in Vorträgen und Discussion, die mangelnde Kenntnis in der Geschichte und Literatur ihres Volkes nachzutragen. Sie haben auch ihren hebräischen Sprachclub mit Dr. I. Nacht als Vorsitzenden. Bezeichnend für den Ernst, mit dem die jungen Leute Vorgehen, ist folgender Vorfall. Ein Philanthrop unserer Stadt halte für die jungen Leute, welche sich in dem Unterrichte, den Herr Dr Niemirover ertheilt, besonders auszeichnen würden, vier Preise ä 50 Fr. ausgesetzt und Herr Dr. Niemirover erbat sich zu erwirken, dass auch die „Bnei Zion" unter den Bewerbern sein dürsten; aber einstimmig wurde dieser Antrag abgelehnt: sie seien Zionisten um des hohen Zieles willen, nicht um Lohn. Außer diesem Verein besteht seit December vorigen Jahres ein Verein „Benoth Zion", der schon 4<>o Mitglieder zählt und eine Vereinigung jüdischer Mädchen „Töchter Zions". Ein zionistischer Leseclub ist im Werden. So wird langsam Schritt für Schritt gethan. In Basel hoffen wir eine kräftige Organisation vertreten zu können. Tribüne. «An dieser Stelle geben wir gerne Zuschriften Raum, die in schicklichem Tone "Angelegenheiten von allgemeinem Interesse oder gerechtfertigte Beschwerden enthalten. Tie Redaclion.) Eine Palästinareisr. Zum erstenmale wird in diesem Jahre eine jüdische Gesellschaftsreise nach dem Heiligen Lande von Deutschland aus stattsinden. Während sich die christlichen Pilgerfahrten nach Jerusalem von Jahr zu Jahr ungeheuer steigern, war es bisher unmöglich, dass sich gesetzestreue Juden einer solchen Fahrt unterziehen konnten, ohne sich die größten Entbehrungen aufzuerlegen. Nachdem nun im vorigen Jahre die „Pilgrimage der Maccabeans" gezeigt hat, wie eine jüdische Gesellschaft unter genauer Jnnehaltung der gesetzlichen Vorschriften mit allen Bequemlichkeiten einer modernen Reise den Trient besuchen kann, wird eine gleiche Tour nach besonderem Programm in diesem Herbste vor sich gehen. Gleich nach dem THirrririEw'' Feste werden sich dre Reisenden in Genua vereinigen und von dort am Mittwoch, den 12. October mit Specialdampfer, der streng rituelle Küche führt, nach Jaffa fahren, wo der Dampfer Montag, den 17. October, früh 6 Uhr cintrifft, von wo man noch am gleichen Tage mit Ertrazug . nach Jerusalem fährt. In der Heiligen Stadt und ihrer Umgegend werden unter kundiger Führung alle welthistorisch und jüdisch-geschichtlich bedeutenden Alrerthümcr, sowie die jüdisch - socialen Institutionen besonders eingehend besucht, wozu ein fünftägiger Auf-

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