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Die Welt · 1898-04-22 · 16 (22.4.1898) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
16 (22.4.1898)
Article
New-York [Nachricht]
Date
1898-04-22
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 16 Seite 11 wollen, bis die dem Verbände angehörenden Vereine ihre Beiträge bezahlt haben werden. Herr Josef Burger, ein tüchtiger Kaufmann der Ostseite, hat seine Verdienste dem Verbände ebenfalls zur Verfügung gestellt. Neue Vereine haben sich gebildet und dem Verbände angeschlossen: in New-Z)ork „Har Zion", in Paukers, in Scranton, in Wilkesbarrc und in Dallas im Staate Texas. Ter Verein „Iehuda H a l e v i" veranstaltet am!>. Mai in New-Jrving Hall eine Jehuda Halevi- und Bar Kochba-Feier, als Festredner werden fungieren Rabbiner Tr. Philipp Klein und Tr. Michael Singer. Den Festreden werden Concert und Tanz folgen. Ter Verband gibt unter dem Titel „Zion Weekly News" ein Wochenblättchen heraus, das abwechselnd in deutsch und Jargon erscheint. Heute hat die zweite Nummer die Presse verlassen. Chicago. Ein neues vorzüglich bewährtes Mittel für die zionistische Massenagitation hat die hiesige „Zion Association" in Anwendung gebracht. Ein über ihre Anregung verfasstes zionistisches Theaterstück „Tie Farmer von Zion" oder „Ter erste Feiertag" wurde in der Parkhalle aufgeführt und fand bei über 1 < M>0 Zuhörern begeisterte Aufnahme. Alle zionistischen Vereine waren mit ihren Fahnen erschienen und als sie nach Schluss der Vorstellung aufmarschierten, erregten sie in der Stadt großes 'Aufsehen. Das Stück, das das Leben der von Europa vertriebenen und in Palästina ansässig gewordenen Coloniften schildert, hat trotz seiner dramatischen Mängel viel nationales Empfinden und wirkte geradezu hinreißend auf die Gemürher. Ein solcher Abend — sagt der „Chicago Weekly"— bedeutet mehr als Dutzende von Agitations-Versammlungen. Chicago. Die Gründung des neuen zionistischen Verbandes „Westliche Zion-Allianz" ist das erfreuliche Ereignis der letzten Tage. Alle Vereine vom amerikanischen Far-Weft (bisher zwölf» haben sich ihr angeschlossen. Die Centrale, an deren Spitze Advocat Zolotkoff steht, hat ihren Sitz hier. Jeder Verein ist im Allianz-Comite durch einen Delegierten vertreten. Randfontei« (District Krugersdorp L>. A. R.i. Im fernen Südafrika hat der Zionismus bekanntlich ebenfalls treue Anhänger gefunden. Wir haben schon vor einiger Zeit einen Bericht aus Johannesburg gebracht. Nunmehr liegen uns die Statuten der „Lemaan Zion Association" von Randfontein vor nebst einem Berichte über die Thätigkeit des Vereines. An der Spitze desselben stehen: I. S. I a s e, Z. H. C h e n, I. I a f e, Z. H. Jase, Goldblatt, D. B. Fase, I. Judas, D. Z. B e r m a n, I. B l i e d e n, M. Judas und S. H o l z b e r g. Ter Verein erklärt ausdrücklich auf dem Boden des Baseler Programmes zu stehen und sich der zionistischen Organisation bedingungslos anzuschlreßen. Wir erhalten folgende Zuschrift: Löbliche Redaction der „Welt"! In der kurzen Zeit ihres Bestehens hat die „Welt" sich unzweifelhaft die Position eines Organes der Zionisten aller Länder errungen und es wäre zu bedauern, sollte stricte Unparteilichkeit nicht die Richtschnur ihres Programmes sein. Ihr Bericht über die Zionisten-Conferenz in England war sicherlich kein Muster der Unparteilichkeit. Ob die Schuld in London oder in Wien zu suchen ist, darüber zu entscheiden sind wir außer Stande, aber jeder unparteiische Leser bedauerte es. Wenn wir solange gewartet haben mir dieser Berichtigung, ist es einzig und allein, weil wir den betreffenden Personen die Gelegenheit geben wollten, das Unterlassene selbst gutzumachen. Ta dies bis jetzt nicht geschah, fühlen wir uns verpstichlet, im Interesse der Wahrheit und im Interesse unseres Parteiorganes, cs selbst zu thun. Die in Nummer in der „Welt" erschienene Resolution: ..Die heutige Conferenz ersucht alle zionistischen Vereine, sich „unter der Leitung" des vom Baseler Congress gewählten Central- Comitös zu vereinigen. :c." ist kaum in ihrer Form richtig, aber die plötzliche Unterbrechung, das Weglassen der Gegenpropositionen und der Schlusssatz: „die ganze Versammlung erhob sich :c." ist dazu angethan, dem Leser eine falsche Vorstellung der Resultate zu geben. Diese Resolution ist in der Form nie zur Abstimmung gekommen und natürlicherweise nie angenommen worden. Der Berichterstatter, wie es scheint, fühlte selbst die Unrichtigkeit dieser Darstellung und in seinem ausführlichen Berichte in der nächsten Nummer (1l) bemerken wir einen Versuch, der Sache etwas mehr gerecht zu werden. Da wird schon des Amendements der „East London-Gruppe" gedacht. Aber auch hier tritt eine Entstellung zutage, die kein unparteiischer Berichterstatter sich zuschulden kommen lassen darf. Es heißt: Dieser Antrag (East London-Gruppe) wurde nach einer sehr lebhaften Debatte ab- Önt. Das ist selbstredend nicht der Fäll gewesen. Der Antrag e nicht abgelehnt werden, weil er zur Abstimmung nicht gelangt war. Der Berichterstatter weiß wohl, dass die East London- Gruppe eingewilligt hat, ihr Amendernent zurückzuziehen, nachdem die Resolution derart geändert worden ist, so dass die „London Chowewi Zion" unbeschadet ihres Anschlusses an das Wiener Central Comit^ ihre Thätigkeit für die Kolonisation Palästinas gemeinschaftlich mit anderen Organisationen fortsctzcn kann. Sie werden die Zuverlässigkeit dieser Berichtigung aus der Beilage der „Jewish World" (Moseh II) genau ersehen können, wie auch aus dem officiellen Report über die Conferenz der demnächst erscheinen wird. Im Aufträge des Comitös des East London Tent der „Chovewi Zion" E. W. Rabbinowicz E. Goldman Commander. Secretary. London, Chol Hamoed Peßach. €omfp0ttJicnp. Oesterreich-Ungarn. Wien (Orig.-Corr.) In den letzten Tagen wurden von der n.-ö. Statthalrerei die Statuten des „Bildungs- und Unterstützungsvereines der jüdischen Arbeiter und Privatangestellten Achwah" genehmigt, nachdem sie dieselben bereits zweimal aus verschiedenen formellen Gründen zurückgewiesen hatte. Wir begrüßen diesen ersten zionistischen Arbeiterverein in Wien aufs herzlichste und hoffen, dass er, ans einem in den betheiligten Kreisen lebhaft empfuildenen Bedürfnisse hervorgegangen, zu einem nützlichen Gliede der zionistischen Organisation werden wird. (Nach der in den nächsten Tagen stattfindenden Constituierung und Wahl des Ausschußes wird der Verein seine Thätigkeit aufnehmen.) Krakau. (Orig.-Corr.) Am 16. d. fand hier die Verhandlung über den Einspruch des k. k. Gymnasialkatecheten Mathias I e /. gegen die Consiscation der zweiten Auflage seiner Broschüre „Die Geheimniffe der Juden" statt. Ter Einspruchswerber, der seine Broschüre nur mit Chiffren „M. I." herausgegeben hat, erschien persönlich. Er hielt ein langes Plaidoyer gegen den „Semitismus", worin er erklärte: „Ter Semitismus drückt unser ganzes nationales, sociales und politisches Leben nieder. Diese Frage lässt sich weder durch Confiscationen beseitigen, noch mit Schweigen übergehen; man muss sie auf legalem Wege regeln, wie dies schon in Wien zum größten Theil (!) geschehen ist." Redner erklärt, dass die Consiscarion ungerecht sei, denn die Staatsanwaltschaft habe die erste Auflage von 5000 Exemplaren nicht beanständet und die zweite erst n e u n Tage nach dem Empfange des Pflichtexemplars beschlagnahmt. Er beruft sich zum Schlüsse auf Pfarrer T e ck e r t, M e r u n o w i c z u. A., deren Schriften er dem Gerichtshof überreicht. Darauf entgegnete Staatsanwalt Dr. Czyszczan, dass die vorliegende Broschüre von der ersten bis zur letzten Zeile die Tendenz habe, gegen die Juden aufzuhetzen und sie als Plage der Menschheit darzustellen, die wir mit Schwefel und Feuer vernichten mit s s e u. Darauf zog sich der Gerichtshof zur Berathung zurück. Tann verkündete er den Beschluss, dass die Consiscation, soweit sie sich ans die ganze Broschüre bezieht, aufgehoben und nur bezüglich einiger Stellen anfrechrerhalten wird. Demgemäß sollen nur die wenigen Stellen beseitigt und die ganze Auflage dem Verfasser znrückgcstellr werden. Zur Begründung führte der Vorsitzende — wie der „Czas" berichtet - ans, dass im vorliegenden Buche nur zu antisemitischer Gesinnung und zur legalen Vertheidigung gegen den „Semitismus" aufgefordert würde: das sei nicht strafbar, Nur einige Stellen könnten die weniger gebildete Bevölkerung zu antisemitischen Thaten aufreizen, und diese sollen cvnsiscierr bleiben. Beide Theile meldeten die Berufimg an. Tuchvw. Unter dem hiesigen Bauernvolke cursiert seit zwei Wochen ein Blntmärchcn. Tie Geschichte soll sich vor einem Monate, wie die Fanatiker behaupten, folgendermaßen zugetrageu haben:

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