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Die Welt · 1898-04-22 · 16 (22.4.1898) · p. 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
16 (22.4.1898)
Article
Neuerliche Judenausweisungen aus Kiew [Nachricht]
Date
1898-04-22
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Nr. lfi Seite 9 Lüctteu sich dieselben in Kiew bereits seit zwei Jahren auf. Tie Unglückseligen wurden per Schub in die berrefsenden Heimarsgemcinden befördert. Wie sich das Leben dieser „Verbrecher" während dieser zwei Jahre gestaltet haben mag, kann man ans dem Befehle des Kiewer Polizeimeisters ersehen, der den Commissär des betreffenden Ranons aufforderr, seine Temiffion zu geben. Es ist kaum anzunehmen, dass diese Nachsicht der puren Snmvarbie für die verfolgten Juden eniwrang . . . Aber es half nichts, die „strafende Gerechtigkeit" ereilte die Juden, und die „.Dinner der ruffischen Städte" entkam neuerlich der Gefahr einer Fremdeninvasion, wie schon so oft während ihrer GeschiÄre. <£ttt kostspieliger Glaubenswechsel. In einer der lernen Sitzungen der israelitischen Culrusgemeinde in Wien, machte der Borsitzende folgende Mittheilnng: Ter englische Finanzmann S. H. Goldsmith ließ ein Erbe von circa 44 Millionen Gulden zurück, in welches sich seine Verwandten zu rbeilen harten. Unter den im Testamente Bedachten erschien auch ein Fräulein Henrierre Wiener von Welten, der ein Zweinndzwanzigsiel des Nachlasses zugedackr war. Im Laufe der bat dieses Fräulein gleich ihren Geschwistern den Glauben gewechselt. Als dieser Vorfall Herrir Goldsmith bekannt wurde, verfügte er in eurem Codizrll zu seinem Testamente. dass Fräulem Wiener von Welten die Hälne ihrer Erbschaft, eine volle Million Gulden, an die israelitische Cultnsgemeinde zu wohlthärigen Zwecken abzurrcren habe. Vor Kurzem ichied Herr Goldimith aus dem Leben, und im Sinne seiner testamentarischen Beüimmnng wird Fräulein Wiener von Welten ans eine Million zu Gunsten der Wiener Cultnsgemeinde verzichten muffen. Wiederum eine „Rituulmord"-Geschichre 2 In der Heimat Oer Tstsza-Eszlaer-Affaire. im „freisinnigen" Ungarn, har iich nach dem Berichte des „Pestr Hirlap" in den letzte:: Tagen Folgendes zugerragen: „Tas stille Städtchen Alrsohl bene die'er Tage ein senrationelles Ereignis. Tas dreieinhalb Jahre alte Söhnchen eines hiesigen Ehepaares gieng, nachdem es aus dem Kindergarten nachhause gekommen, zur alten Burg svielen und war seither verschwunden. Man suchte das Kind in der ganzen Stadt, doch vergebens. Am nächsten Morgen rorrere sich eine große Volksn.ienge vor dem am Fuße des Berges besindlichen Wirrsban'-e -niammen, um von dem Wirr Leopold Friedinanu die Herausgabe de; Kindes zu fordern. Es meldeten sich Zeugen, dce gesehen haben wollten, dass Friedmann und Frau das Kind in den Keller gerührt haben, wo es „geschlachtet" werden ioll. Tie Haltung des Volkes wurde immer gefährlicher. Endlich erschien der Sradrbauvrmann mit seinem Kanzlisten und einem Gendarm, begab stch at die Wohnung Fried mann's und svra-.n zu chm: „Im Namen des Gesetzes! Anrworren Sie aus meine Frage: Wohin haben Sie das Kind gegeben?" Friedmann konure natürlich keine Auskunft geben. Als der pflichteifrige Hüter der Srdnung im Keller seines Amtes walrere und der Aufruhr gefährliche T imenstonen anzunehmen annng, wurde das Kind in einem Garrenbrunnen noch lebend aurgefnuden. Junge Burschen, welche im - Burzgarren Knochen rammelten, hörten ein Dimmern, giengen der Stimme nach und fanden das Kind stehend im Brunnen, wo es 30 Stunden ohne Nabrung zngebra-chr harre. Tie Freude Friedmanu's war unbeschreiblich. Ter H.nwrmann rbar nichts, um ihn gegen das außtebetzre Volk u: schützen." Tier zionistische Bürgermeister. „Ter Antisemitismus wird feine vüse Form verlieren, wenn die Judenfrage üch in die Ziousiruge umgewandelr bar." — Einen iehr inrereffa wen Beitrag zu diesem Thema liefert die Bürgermeisterwahl in der galizischen Lradr Usrrznki. Tie Bevölkerung besteht -um grüßten Tberle ans „Antisemiten" und zum Bürgermeister wurde Herr Moies Frankel gewühlt, der —; :on:st st. Gn braver (rrriiusvorsrand. Ein junger Aroeuer Verlegenheit und musste in Rzeszow umsteigen. Ick traf ihn im Couvst, weinend, das Gesicht mir den Händen bedeckend, sitzend, ohne sich mit jemandem verständigen zu können. Nachdem ich ihn in mehreren Sprachen angeiprochen, fragte ich ibn endlich englisch, was ihm fehle. Ta schilderte er mir seine Lage. Es fehlten ihm fl. 1'02, sage Ein Gulden 2 kr. nach Jasto. Ich verschaffte chm 48 kr. — ich Hane nämlich zufällig selbst keinen Gulden — und da ich sonst nichts aufzubringen vermochte, führte ich ihn in die israelitische Culrusgemeinde, die, wie ich hoffte, ihn mit 60 kr. unterstützen würde. Tie Cultusgemeinde schickte uns zu ihrem Cultusvorstande, Herrn kaii'erl. Rarh Holzer, da sie ohne ihn nichts rhun könne. Herr Holzer ließ stch die Lage des armen Teufels bis zu Ende erzählen und schickte mich mir den Dorten: „Ich karnr ohne ($nltu£$eme:nbe nicfyt* machen", fort. „Tie.Eulrusgemeinde eben schickt mich zu ihrem Culmsvorstande", erwiderte ich. Wir mussten ohne die 60 kr. ab ziehen. Eine Stunde später verschaffte ein Zionist aus Rzeszow dem armen Teufel das Reisegeld. S. T. Tre Anzahl der Juden in den Vereinigten Staaten wird in der Zeitschrift Oer amerikanischen Gesellschaft für jüdische Geschichte besprochen. Bor 20 Jahren versuchte man zuui ersten Male, bestimmte statistische Angaben über die jüdische Bevölkerung zu erhalten unrer Mirhilie der Union amerikanischer Israeliten. 188" zählte man in den Bereinigten Staaten bei einer Gesammibevölkerung von über 50 Millionen 230,25,7 Juden. Seit 1880 sind etwas mehr als 485,000 Juden eingewanderr. Rechner man dazu die Zunahme durch Uebersch uis an Geburten, so lässt sich die üeurige Zahl der Juden in den Bereinigten Staaten auf 938,000 schätzen, während sich dre gesammre Bevölkerung aus enva 75 Millionen beläuft. Tie Sradr New-Bork zählt 350,000 Inden. Pennnstvanien, Illinois und Californien ie 85,0« <0, Sb io 5",ü"ö, Mervland 35,0<J", Missouri und New-Berst".) je 25,000. Louisiana und Maffachn- K Die nomliWe Sfiarpntj. spenden für zionistische Zwecke ffud an Herrn Tr. C. Ko k e sct», Hof- und Gcrichrs-Advocatcu in Wien, l., Singer srraße Ä.r, zu senden. Tolina. Ter Verein „Buei Zion" veranstaltete am l'X Avril eine Volksversammlung, der S. Turrelrauli prändierre. Tas Reierar über den gegenwärtigen Stand des Zionismus erstattete der Lemberger Telegrerre Herr T. Tieg e r. Tie Verstummung wurde nur der Annahme einer zionistischen Resolution gesastoffeu. Lancul Galizien. Fm Sinne des Baseler Congreisorvarammes bat stch auch hier eine Zionsgruvve zumeist aus älteren Kausteuren bestellend > mit denn öl amen „'Abawarh Zion" eonst-.- tuierr. Tie Staturen und bereits von der b. Statthaltern genehmigt. In das Präsidium wurden die Herren: T. Tannenbäum als Präsident. tDst Perlmutter als Vicevräüdenr berufen. Tie Zahl der Mitglieder beläuft stch bereits auf i--',. Tw Schekelsammlung wurde sofort eingeleuer. Turn Severin. Unsere Sradr zählt nun zwei zionistische Vereine, trotzdem es seit Jahren schon bei uns zionistische Versammlungen und Feste gegeben bar. Freitag, den '■>. illvril fein5 eine jüdische Mädchenversammlung starr. Herr--rast. iur. R. Fruet-: sprach über den Zweck einer zu gründenden ölstoeiarion. Seine 'Anregungen stelen auf 'rusttbaren Boden. Es wurde ein V.rc".:: .,A st r a" gearüuder. Vorstandsmitglieder die Tarnen : I. Wi l l n c c. A. Voll ä st R. tDi a r c u s. Für den io lg enden Samstag wurde in dem 'östlich bel.w.stleien Tempel der deuistst.-.sraelituchen Eultusgerneide eine Versammlung eiuberusen. der 2er größte Tb eil beider Gemeinden an.- wobnte. öiach der Begrüßungsrede des Aeltesten. Herrn Tirecwr Pollak ergriff Herr •!. nur. R. Zr u ch t das Work zur Ten. > .-h tJ e . i d .n". d.'- , . st' > >1 1 , stcm' ich de - r ' i . :Vi. a : a . a n. -^g. W a ' ' e r m a Berlin.

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