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Die Welt · 1898-04-22 · 16 (22.4.1898) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
16 (22.4.1898)
Article
Eduard Drumont in Algier
Date
1898-04-22
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Seite 8 Nr 16 innehat. Drumont wurde bei seiner Ankunft im Hgfen von der Bevölkerung mit ungeheuerem Enthusiasmus empfangen. Trotz des schlechten Wetters betheiligten sich über 50,000 Menschen an der Demonstration. Mit Palmen. Oriflammen und Blumensträußen wurde Drumont' begrüßt, sein Wagen wurde mit Blumen und Palmen überschüttet, die Menge schwenkte die Taschentücher und Hüte, srenetische Rufe erschollen, „Hoch Drumont", „Hoch Max Rögis", „Nieder mit den Juden". Die Studenten sangen die Marseillaise, die Menge fiel ein. Eine dreifarbige Fahne wurde Drumont in den Wagen geworfen, er ergriff sie und hielt sie unter dem ungeheueren Jubel der Menge hoch. Abends war die Stadt festlich erleuchtet, cs wurden dem Antisemitensührer Huldigungen dargebracht, wie man sie sonst nur gekrönten Häuptern zntheil werden lässt. Eine große Truppenmacht war aufgeboten, die wiederholt einschreiten musste. Nach diesen Kundgebungen kann man wohl nicht zweifeln, dass Drumont in der nächsten Kammer als Deputierter von Algier sitzen wird. Regis erhielt im Gefängnisse den Besuch des Pariser Gesinnungsgenoffen. Die Lage der Juden in Algier ist derzeit eine durchaus nicht beneidenswerte. Rögis' Organ, vL'Antijuif-1, hetzt mit Vorliebe gegen jüdische Arbeiter, Angestellte und selbst Dienstfrauen; die katholischen Unternehmer werden zur Entlassung der jüdischen Proletarier anfgefordert. Bei dem seit den Jänner-Krawallen in Algier herrschenden Terrorismus ist die Aufforderung eines Regis ein Befehl, der nicht ungestraft misachtet werden darf. Es steht übrigens fest, dass die Nachricht vom Urtheil des Caffationshofes irr Sachen Zola nicht wenig zur Entfachung der antisemitischen Regungen beigetragen hat. lieber die nationale Jugenderziehnng in den Colonien schreibt der „Hazewi" in Jerusalem: Die nationale Erziehung macht überraschende Fortschritte. Die hebräische Sprache ist hier zu einer lebendigen geworden, die fast in jedem Hanse gesprochen wird, alle Colonisten bestreben sich, sie zu ihrer Umgangssprache zu machen. In den Schulen erringt sich die hebräische Sprache immer mehr die Rolle einer Vortragssprache, so dass wir unsere Zeit als eine neue Blüteperiode unserer nationalen Sprache betrachten können. Leider ist nicht in allen Schulen hinreichend für hebräische Lehrkräfte gesorgt, so in der Schule in Jaffa, wo es noch für zwei Lehrer Platz gäbe und in der Schule der ''Allianz in S a f e t, wo der Mangel eines hebräischen Lehrers stark empfunden wird. In „Risch on l'Zion" fanden unlängst die Prüfungen statt; der Erfolg war ein glänzender. Gegen Zwcidrittel der 110 Schüler wurden für ihre Leistung ausgezeichnet und mit prachtvoll ausgestatteten Büchern aus der im Verlage „Tuschijah" erscheinenden Jugendbibliothek beschenkt. Dasselbe Resultat der Prüfung ergab sich in Jaffa. In der Colonie „Rechoboth" wurde am Purimabend das zionistische Schauspiel Lilien bl u m's „ Serubabel" in hebräischer Uebersetznng aufgeführt. Auch diese Aufführung wird als Triumph für die anfblühende hebräische Sprache bezeichnet. —b— Die Inden in Daza. Wie einem englischen Blatte gemeldet wird, ist Taza, das nun zu einer traurigen Berühmtheit gelangt ist, ein Hauptknotenpunkt für den Handel in Marokko. Es liegt zwischen Fez und Tlcmcen und hatte einmal die beste Aussicht, die Hauptstadt des Landes 31t werden — einzig und allein den räuberischen Ueberfällen der Ghaiüta und anderer Stämme ist es zuzuschreiben, dass dies nicht geschehen ist. Die Juden in Taza leben, trotzdem viele von ihnen verhältnismäßig reich genannt werden können, überaus elend und gedrückt. Die Häuser des engen, schmutzigen Ghettos sind verfallen, die Bewohner derselben können allein nicht die kleinste Reise unternehmen, sie müssen sich für eine solche den Schutz eines Berbers sichern, der dann natürlich ihr Herr wird. Bis vor 100 Jahren wurden die Truppen in der Weise bezahlt, dass ihnen die Plünderung der Judenviertel im ganzen Reiche gestattet wurde; vor 250 Jahren hat sich Mülüi Rashced nur dadurch auf dem Thron zu behaupten gewusst, dass er einem steinreichen Juden all sein Hab und Gut wegnahm und es ist wahrlich nicht der Menschenfreundlichkeit der Mohamedaner zuzuschreiben, wenn solche Plünderungen im großen Stile jetzt nicht Vorkommen. Die Znrückweisnng jüdischer Mädchen von verschiedenen höheren Töchterschulen in Berlin W., bildete kürzlich in einer Sitzung des „Centralvereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" den Gegenstand lebhafter Klagen. Es wurde im Lause der Debatte festgestellt, dass einzelne dieser Lehranstalten überhaupt die Aufnahme von Jüdinnen ablehnen, andere lediglich einen gewiffen Procentsatz jüdischer Mädchen zulaffen und diesen ängstlich einzuhalten bemüht sind; in einer Privattöchterschule soll die Vorsteherin dem sich zur Aufnahme meldenden jüdischen Mädchen die Frage vorgelegt haben: „Sind Sie denn immer noch Jüdin?" Große Erregung verursachte die Mittheilung, dass neuerdings auch in einer königlichen Töchterschule bezw. in dem au sie angeschlossenen Lehrecinnenseminar keine Jüdinnen mehr ausgenommen werden. Allgemein wurde empfohlen, die jüdischen Mädchen in keine Schule zu schicken, in der sie nur in beschränkter Anzahl Aufnahme finden. Einzelne der von den Zurückweisungen betroffenen Eltern haben sich Beschwerde führend an die städttsche Schulverwaltung gewandt. Eine allgemeine Versammlung der jüdischen Bewohner des Westens wird demnächst über die weiteren Maßnahmen in dieser Frage berathen. Die nächsten Parlamentswahlen in Frankreich werden zweifellos auf der Plattform der Judenfrage vor sich gehen. Als concretes Schlagwort dürfte in erster Linie die Stellungnahme zur Aufhebung des Judenemancipattons-, Decretes Cremieux für Algier gelten. Paul L e r 0 y" Beaulieu, der Bruder Anatole's und selbst National-Oekonom, sowie Mr. G r i m a u x, Sohn des wegen seiner Stellungnahme für Zola gemaßregelten Professors der Ecole Polytechnique wollen sich um ein Mandat bewerben, um für das Decret Cremieux einzutteten. Alfred Naquet beabsichttgt nicht mehr zu candidieren: Josef Rein ach hat jedoch die gleiche Nachricht bezüglich seiner Person dementtrt. Er möchte also noch einmal ins Palais Bourbon zurückkehren, allein das Misstrauensvotum eines großen Theiles seiner Wähler wegen seiner Haltung in der Affaire Dreyfus lässt dieses Resultat sehr zweifelhaft erscheinen. Zwangsarbeit als Strafe für den Uebertritt zum Judenthnm. In A k m 0 l i n s k, Hauptstadt des gleichnamigen Gebietes in Russisch-Asien, fand am 8. März eine in der Praxis russischer Gerichte seltene Verhandlung gegen ein Ehepaar D u r 0 w wegen des Uebertrittes zum jüdischen Glauben statt. Rach dem russischen Gesetze wird sogar der Uebertritt aus der griechisch-orthodoxen zu einer anderen christlichen Confession sttenge bestraft. Ter Uebertritt aber zu einem nichtchristlichen Bekenntnisse wird mit lebenslänglichem Verluste aller Rechte und Deportation in die Bergwerke geahndet. Das Gericht verurtheilte auch den Mann zu dieser höchsten Strafe, die Frau wurde aller bürgerlichen Rechte für verlustig erklärt. Die jüdischen Drofchkenkntfcher von Katta- Knrgan und die Samstagrnhe. In dieser gesegneten Stadt scheinen alle Droschkenbesitzer Juden zu sein, denn, wie dem „Woschod" gemeldet wird, wurde gegen dieselben vor dem Kreisgerichte zu Samarkand, Rnffisch-Turkestan, die Verhandlung durchgeführt wegen des Nichterscheinens auf den Standplätzen an Samstagen, weswegen in der Stadt an diesem Tage der Woche keine Droschke aufzutreiben ist. Der Vertheidiger machte auf Grund der Vorschriften Mosis, Teuteronom, Cap. V, 12. 13, 14 (Heilige den Sabbathtag rc.) geltend, dass die jüdischen Droschkenbesitzer ihre christlichen Arbeiter wie ihre Pferde am Sabbath feiern laffen müffen. Das Gericht schloss sich dieser Ansicht an, und in Katta-Kurgau müssen sich die russischen Tschinowniks an Samstagen in gewiffen Augenblicken den Judenstaat als gekommen denken. Nenerliche Jndenansweifnngen ans Kiew. Vierzehn Familien, mehrere darunter 5—7 Personen stark, wurden Ende März aus Kiew ansgewiesen, weil es sich herausgestellt hat, dass sie kein im Gesetze begründetes Aufenthaltsrecht in Kiew besessen hätten. Und doch, wie der vssicielle Bericht zu gibt

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