Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 16 (22.4.1898)
- Article
- Aufruf!
- Date
- 1898-04-22
- Page
- 7 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 16 Seite 7 Hebräische grammatikalisch richtig auszusprechen sich angervöhnen würden. Warum soll der wohllautendste der semitischen Dialecte durch eine nachlässige, unrichtige Aussprache, wie sie bei den deutschen und polnischen Juden üblich ist, derart verunstaltet werden? Ich ersuche Sie höflichst, diese Zeilen in Ihrem geschätzten Blatte veröffentlichen zu wollen, um die Anregung'zu dieser Reform zu geben. Wer sich über die richtige Aussprache informieren will, dem sei die von Prof. Kautzsch herausgegebene hebräische Grammatik von Geseuius, 26. Auflage, Leipzig 1896, empfohlen. Ein Freund der hebräischen Sprache. & populär-wiffeuschaftliche Rundschau. Ein brennender Berg. Im Saarkohlengebiete, unweit der preußisch-pfälzischen Grenze befindet fich schon seit hundert Jahren der sogenannte brennende Berg, ein Hügel, in dessen Innerem ein Steinkohlenflötz, vielleicht durch einen Blitzstrahl oder ein Hirtenfeuer in Brand gerathen ist. Die unter der Erde weiterfressende Glut, die bis letzt allen angestellten energischen Löschversuchen gespottet hat, gibt sich auch durch aus dem Boden dringende Rauchsäulen und die hohe Bodentemperatur äußerlich zu erkennen. Eine neu entstandene Insel. Tie jüngste Insel der Erde hat sich an der Nordküste der Insel Borneo aus dem Meere einporgehoben. Das kleine Eiland ist an 200 Meter lang und 150 Meter breit. Es besteht aus Lehm und Felsen. Aus zahlreichen Riffen strömen Dämpfe aus. Die Insel ist entstanden nach einem heftigen Erdbeben, das Nordborneo erschüttert hat. Wau» wurde die Steinkohle entdeckt »ud zuerst nutzbar gemacht? Ueber den Zeitpunkt, an dem dies geschah, herrschten bis vor kurzem sehr verschiedene Ansichten. Nach den eingehenden Durchforschungen der Archive in den an Steinkohlen sehr reichen belgischen Provinzen Lüttich und Hennegau geschah dies dort gegen Ende des 12. Jahrhunderts. Im Jahre 1329 wurde in Frankreich zum erstenmale die Steinkohle bergmännisch gewonnen. Viel später begann dagegen in Norddeutschland der regelmäßige Steinkohlenbergbau, erst um 1500 herum. Naphtaboote. In neuerer Zeit sind sogenannte Naphtaboote bekannt geworden, die sich sehr rasch eingeführt haben. Dank ihrer leichten und gefälligen, dabei aber zuverläffigen Bauart, ihrer Fahrgeschwindigkeit und Sicherheit im Betriebe haben sie sich nicht nur als Bergnügungsboote einen Platz erobert, sondern sind auch als Bleiboote für große Schiffe und Arbeitsboote für Hafenbehörden, Fischer, Lotsen mit Erfolg in den praktischen Dienst getreten. Der Hauptbestandteil ihrer Ausrüstung und zugleich das Eharacteristicum ist der Naphtamotor. Er unterscheidet sich von dem mit Benzin oder gewöhnlichem Petroleum oder Acetylengas getriebenen Motor, dass hier keme Explosion erfolgt, die auf den Kolben wirkt, sondern dass der Petroldampf nur drückt wie bei einer gewöhnlichen, einfachen Dampfmaschine. Immunisierende Wirkung des Bienengiftes gegen Schlangengift« Man hat jüngst das Bienengift auf seine phyfiologische Wirkung hin untersucht und es ergab sich eine große Aehnlichkeit mit der Wirkung des Schlangengiftes. Dies brachte auf die Vermuthung, dass das stärker wirkende Gift der Hornisse eine immunisierende Kraft gegen Schlangengift besitzen könnte. Versuche haben diese Vermuthung bestätigt. Meerschweinchen wurden durch Einimpfen von Horniyengift gegen Schlangengift immun gemacht. Degeneration der Neger. Nach dem übereinstimmenden Gutachten zahlreicher nordamerikanischer Aerzte befindet sich die Rasfenftage, welche zu den schwierigsten Problemen in den Südstaaten der nordamerllanischen Union gehört, auf dem Wege, eine natürliche Lösung zu finden, und zwar besteht diese darin, dass die ganze Negerraffe infolge ihrer Ausschweifungen und der Nichtbeachtung aller hygienischen Principien einer Entartung entgegengeht und nach und nach aussterben wird. Auf Grund statistischer Erhebungen hat sich ergeben, dass nicht bloß die Sterblichkeit unter den Negern bedeutend größer ist als unter den Weißen derselben Orte, sondern auch die Geburtsrate der Neger bleibt hinter der ihrer weißen Mitbürger weit zurück. Ferner ist constatiert worden, dass die kräftigen Gestalten unter den Negern immer mehr dahinfchwinden und die jüngere Generation dieser Raffe, so weit die physischen Eigenschaften in Betracht kommen, mst ihren Großvätern und Großmüttern keinen Vergleich mehr aushält. Auf dem Madrider internationale« mediciuischcn Congrcffe führte Professor Finkler (Bonn) eine epochemachende Erfindung vor. Dem Gelehrten war es gelungen, chemisch reines Eiweiß, Tropon genannt, auf künstlichem Wege herzustellen. Man erivartet von der neuen Erfindung ernen großartigen Umschwung auf dem Gebiete der Ernährung. Aufsehen erregte auch die Mittheilung Behrings über ein neues Heilserum gegen Tuberculose. Merkwürdige Schneefälle. Am 7. März siel an verschiedenen Orten Oesterreichs und Deutschlands gelber und rother Schnee. Jetzt sind über dieses Phänomen viele Beobachtungen an das großherzogliche astrophysikalische Observatorium in Heidelberg gelangt. Es ergab sich, dass die eigentliche Färbung von einem gelben und rothen Staub herrührte, über dessen Ursprung die vergleichende Untersuchung noch Näheres ergeben wird. — Von einem Jnsectenschneefall wird der „Meteorologischen Zeitschrift" jetzt aus Tragöß (Steiermark) berichtet. Nachdem am 16. Februar ein Föhn die Schneedecken im Laufe des Tages fast gänzlich „weggejaukt" hatte, stellte sich in der Nacht Schneefall ein. Am nächsten Morgen bot die Schneedecke einen merkwürdigen Anblick. Sie war von zahlreichen lebenden Jnsecten, vermuthlich un Larvenzustand, besäet. Der Jnsectenfall dauerte am Morgen noch nach. Die Gebilde waren 2 bis 3 Centimeter lang, von kaffeebrauner Farbe, etwa 4 Millimeter stark und von gegliedertem Körperbau. Sie trugen drei Paar Ertreinitärsstuminel und waren mit kräftigen Kauwerkzeugen versehen. Ihre Oberfläche war eigenthümlich sammtähnlich. Ein ähnlicher Jnsectenfall war, wie der „Meteorologischen Zeitschrift" geschrieben wird, mit Schnee vergesellschaftet in Zwischenwäsfern (Krain> beobachtet worden. & Weltchronik. Der Brief Dr. Max Nordau's an die Juden Italiens, den wir in unserer vorigen Nummer publicierten, ist für die Festschrift „XXIX Marzo" geschrieben worden, welche von italienischen Juden, Studenten zur Feier des 50. Jahrestages der Emancipation der Juden Sardiniens herausgegebeu wurde. Auch diese unschuldige Festzeitung hat ihre Geschichte. Nur unter dem Proteste der älteren Asfimilanten, welche mit Entsetzen ihre Theilnahme an dieser Publication ablehnten, kam sie zustande. Einer dringenden Aufforderung des Comitt-s folgend, hat auch unser hochgeschätzter Gesinnungsgenosse, Doctor Nord au, durch seinen Brief an die Juden Italiens an diesem Unternehmen theilgenommen. Der Brief wurde in französischer Sprache publiciert, wir beeilten uns, unseren Lesern die Uebersetzung zu bieten. Ein Satz derselben ist übrigens zu corrigieren. Er soll heißen: „Bis 1848, italienische Juden, wäret Ihr die Juden Italiens; jetzt seid Ihr jüdische Italiener rc." Der Brief hat berechtigtes und sympathisches Aufsehen erregt. Ein afrikanisches Zion. Aethiopien ist gewissermaßen ein heiliges afrikanisches Reich. Es datiert seine Entstehung auf das Königreich Israel zurück, auf seine Glanzzeit unter der Regierung König Salomons. Ein Kind desselben und der Königin von Saba war angeblich der Stammvater der äthiopischen Dynastie. Abessynischen Legenden zufolge bewahrte das alte adumitische Reich die salomonischen Institutionen bis zur Zeit, als das Christenthuni in Aethiopien Eingang fand: aber auch heutzutage noch _ finden sich im Reiche des Negus zahlreiche religiöse und polittfche Ceremonien aus alter Zeit. Die vornehmsten waren die Krönungsceremonien. Wollte ein neuer Kaiser von Aethiopien das heilige Axum, die Krönungsstadt der Abeffynier, betreten, so fand er das Thor von zwei angeketteten Löwen bewacht und je zwei junge Mädchen hielten in drei Abständen ein Seidenband gespannt, womit sie den Weg versperrten. War der Kaiser zur ersten Schranke gekommen, so fragten ihn die Mädchen: „Wer bist Tu'?" — „Ich bin der Kaiser von Aethiopien", lautete die Antwort. — „Der Eintritt ist verboten!" — Alsdann durch schnitt der Herrscher das Band mit seinem Degen und schritt vorbei. Bei dem zweiten Paare angelangt, stieß der Herrscher aus dasselbe Hindernis, und auf die gleiche Frage der Mädchen versetzte er: „Ich bin der König von Israel". Woraus dasselbe Berbot erfolgte und derKaiser wiederum das Band durchschnitt. Bor dem dritten Hindernis angekommen, antwortete er aus die Frage der Mädchen: „Ich bin der König von Zion!" Ta wurde das Band zur Erde gesenkt, damit der Kaiser sich ans den heiligen, thronförmigen Stein mit den vier Säulen setze, wo er gesalbt wurde und die Huldigungen der Großen des Reiches und des Volkes entgegennahm . . . (Nach der „M. A. Z.") Die Judenexcesfe in Algier. Der Arrangeur der antisemittschen Straßenkrawalle in Algier, Max Regis, ist freigesprochen worden, da der Thatbestand der Anklage als nicht genügend aufgeklärt angesehen wurde. Eduard Drnnront in Algier. Der Pariser Antisemitenhänptling befindet sich seit 3. April in Algier, wo er sich um den Abgeordnetensitz bewirbt, den Samary gegenwärtig