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Die Welt · 1898-04-22 · 16 (22.4.1898) · p. 4

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
16 (22.4.1898)
Article
Könnte man die Bundeslade wiederfinden?
Date
1898-04-22
Page
4 (sequence 2)
Language
German
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Seite 4 denthron mit der Bundeslade), die beiden Gesetzestafeln, das heilige Priestcrgewand, das Räucherfass und die 4-8 kostbaren Steine, mit welchen die Priester geschmückt werden; und er sprach mit lauter Stimme: Erde, Erde, Erde, höre das Wort des starken Gottes und nimm auß was ich dir verleihe, und bewahre es bis auf die spätesten Zeiten, und wie dir einmal befohlen worden ist, sollst du cs wiedergeben, damit es nicht die Boshaften an sich reißen mögen, denn die Zeit ist gekommen, dass es verwahrt werde bis auf die Zeit, da es der Ewigkeit zurückerstattet werden soll und die Erde wird ihren Mund öffnen und es verschlingen. (Apocal. Baruchi VI. — O. F. Fritzsche, L i b r i A p o c r y p li i 1871). Im Zusammenhang hiermit sei auch eine Ueberlieferung erwähnt, die von dem Verbergen der Schriften handelt, welche ihren Platz neben der Bundeslade hatten und vermuthlich mit dieser zusammen verborgen wurden. Moses sprach nämlich zu Josua nach dem -Himmelfahrtsbuche, welches spätestens im Jahre 138 n. CH. geschrieben wurde: „sDuj aber nimm hin diese Schrift zur Versicherung der Bewahrung der Bücher, welche ich dir übergeben werde. Sie sollst du ordnen und balsamieren und hinterlegen in irdenen Gefäßen — an eine Stelle, die er gemacht hat von Anfang der Weltschöpfung, dass sdaselbsts sein Name angerufen werde — bis zum Tage der Buße, mit Rücksicht darauf, dass der Herr bei der Vollendung des Ausganges der Tage ihrer gedenke". (Handbuch der Einleitung in die Apokryphen von Dr. G. Volkmar, Mose Prophetiae und Himmelfahrt: Das Geheimbuch Moses übersetzt und erklärt). Hier ist die Rede von einem Orte, der für die Schriften und also auch für die Bundeslade besonders hergerichtet war, nnv damit stimmt gleichfalls eine Aussage des Maimonides (1135 n. Ch.) überein, denn „als Salomo das Haus baute und wusste, dass es zerstört werden würde, ordnete er darin", sagt Maimonides, „einen Ort an, an welchem die Bundeslade verborgen werden sollte tief in der Erde, in tiefen und in Winkeln laufenden Verwahrungsorten (infra per loca abdita et tortuosa)". Und König Josias befahl ihnen, die Bundeslade an dem Orte zu verbergen, den Salomo erbaute, wie es heißt: Und er sprach zu den Leviten: Thut die heilige Lade in das Haus, das Salomo gebauet hat. Ihr sollt sie nicht aui den Schultern tragen. Und mit der Bundeslade wurde der Stab Aarons, das Mannagefäß und das Salbungsöl verborgen, und alles dieses wurde in dem zweiten Tempel nicht wieder anfgestellt (Beth Habbechereh IV: 1, I. Pal. Expl. Fund L. S. 1885 Jan. Pag, 50). Diese Ueberlieferungen scheinen mir besonders bemerkenswert, wenn man sie mit den Worten vergleicht, die mit A n - s p i e l u n g auf den Cyrus der Weltgeschichte —■ nicht an diesen König — sondern an den Wiederhersteller von Israel in der dem Propheten fernen messianischen Zeit gerichtet wurden: „Ich will dir geben die heimlichen Schätze und die verborgenen Kleinode, auf dass du erkennest, dass ich, der Herr, der Gott Israels, dich bei deinem Namen gebrannt habe". Diese Worte finden sich in Jesaias 45: 1 —3, welche Stelle aus der Zeit nach dem Auftreten des Cyrus stammt, und sie finden ihre Erklärung in der Offenbarung 11:10, wo die Rede von der Wiedererscheinung der Arche mit der Vorstellung verknüpft worden ist, wie die Reiche dieser Welt sollen unterthan werden „dem Gesalbten", das ist dem Cyrus der messianischen Zeit (Vgl. Talmud Megilla XII: a), denn in diesem Zusammenhang wird gesagt: „Und der Tempel Gottes ward aufgethan im Himmel, und die Arche seines Testaments ward in seinem Tempel gesehen". Hier wird so deutlich wie möglich von dem Wiedererscheinen der Arche oder der Bundeslade geredet, und dieser Vorstellung muss unbedingt der Gedanke zugrunde gelegen haben — nicht dass die Bundeslade vernichtet oder in Babel zurückgelassen sei, sondern dass dieselbe an irgend einem Orte im Tempel Gottes verborgen sei, wie wir dies in der Ueberlieserung erwähnen hörten, u«d dass sie daselbst dereinst wieder gefunden werden sollte. (Fortsetzung folgt.) St* Unter jüdischen Proletariern. Von Tr. T. R. Landau. VI. Warschau. -Nach New-chork ist Warschau die zweitgrößte Judengemeinde der Welt. Sie zählt 200.000 Seelen oder noch mehr. Genau lässt sich wohl die Zahl nicht bestimmen. Die statistische Wissenschaft genießt in Russland erst seit der jüngsten Zeit eine ihrer gegenwärtigen Bedeutung entsprechende Pflege, und die erste allgemeine Volksconscription fand dort erst vor einem Jahre statt. Ihre Resultate sind noch nicht einmal gesichtet, geschweige denn veröffentlicht. Wer sich daher mit der Judenstatistik Russlands beschäftigt. der bleibt lediglich auf die Berichte der Centralstatistischen Commission in St. Petersburg und des stastatistischen Comirös in Warschau angewiesen. In beiden fällt Eines besonders aus: der ungeheure Zuwachs der jüdischen Bevölkerung. In ganz Russland (mit Einschluss von Polen) entfallen nach dem Durchschnitt vom Jahre 188:; bis 1802 auf 100 Todesfälle: Unter Griechisch-Orthodoxen . . . 138 Geburten „ Protestanten.147 „ Katholiken.150 „ ,. Juden.171 Diesen Ueberschufs pflegt man bei den Juden ihrer größeren Fruchtbarkeit zuzuschreiben. Die Statistik beweist aber, dass diese Anschauung falsch ist. Auf Eine Ehe entfallen in Russland: Unter Griechisch-Orthodoxen . . . . -V7 Kinder „ Katholiken.4*8 „ Juden.4*0 „ Protestanten.4 5 Somit ist die Ursache der Vermehrung anderweitig zu suchen: in der geringeren Sterblichkeitsziffer der jüdischen .Kinder. Von 1000 Kindern sterben durchschnittlich: Unter Griechisch-Orthodoxen. 407 1 „ Protestanten.282 „ Juden. „ Katholiken.210 Die jüdischen Ehen sind also weniger fruchtbar, aber dafür bleiben Dank der zärtlichen Pflege und sorgfältigeren Erziehung mehr Kinder am Leben. Mit ius Gewicht fällt auch der äußerst geringe Percentsatz unehelicher Kinder bei den Juden: Unter Griechisch-Orthodoxen . . . . . 20*3°/() „ Katholiken. 34-00/,, „ Protestanten..:;s*ö°/0 Juden.2*9°/0 In Warschau gelangen wir nun zu folgenden Resultaten : Auf 1000 Christen Geburten Todesfälle Zuwachs kommen jährlich 45 30 15 Auf 1000 Juden kommen jährlich 55 25 3,0 Die Juden in Warschau vermehren sich daher doppell so zahlreich wie die Christen. Da sie zu einander im Verhältnis wie 1:2 stehen, so entfällt aus jeden der beiden Theile ein gleicher Jahreszuwachs von 0000 Menschen. Eine confessionelle Berufsstatistik fehlt in Russland überhaupt. Rur von Fall zu Fall werden aus actuellen Anlassen einige Stichproben vorgenommen. Vor mehreren Jahren unternahm der Warschauer „Eisenbahnkonig". wirklicher Staatsrath B l o ch, ein getaufter, aber seinen früheren Glaubensgenossen noch immer wohlgesinnter Jude, nach einer Ansicht, um die osficiellen Daten zu widerlegen, nach einer anderen, um den Wünschen eines Großfürsten entgegenzukommen, den Versuch, selbst eine genaue Berufsstatistik der Juden in Polen zusammenzustellen. Ein großer Apparat wurde in Bewegung gesetzt, allerhand fachmännische und der Sache ergebene Männer wurden - nachdem man den Zweck ihrer Reise in der jüdischen

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