Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 15 (15.4.1898)
- Article
- Der Antigoyismus in Zion
- Date
- 1898-04-15
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr 15. Seite 13 krophonwände abgeschlossen, die telephonisch mit einem nicht zum Gerichtssaale gehörigen Raume verbunden sind, in welchem die Drähte zusammenlausen. Sowie in einer oder mehreren Logen Kundgebungen oder Lärmscenen stattfinden, wird auf einer Anzeigetafel die betreffende Nummer ersichtlich, und der Vorgesetzte Beamte hat, ohne zu wiffen, um was es sich handelt, die Aufgabe, auf einen Taster zu drücken, der mit dieser Loge in Berbindung steht. Dieser Vorgang lässt die Brüstung der aufrührerischen Loge sich emporheben, eine Art Eisenschirm, der zunächst die Aussicht in den Saal absperrt und allmählich, je nach der Heftigkeit des Lärmes, den Logeninsaffen jede Verbindung mit dem Verhandlungssaal abschneidet. Dadurch wird die Loge eine finstere Zelle, die ohne alles Zuthun von selbst leer wird. Diese einfache Anordnung sichert die Ruhe der Zuschauer, die selbst bei den leidenschaftlichsten Verhandlungen still bleiben wie — französische Geschworne. Das Verhör. Nachdem Viermond seine Generalien abgegeben hatte, wurde er aufgefvrdert, seine verleumderischen Anwürfe gegen den Grafen von Heiligenstätten und den Admiral San-Torpedo zu rechtfertigen. Ohne jede Verwirrung erzählt nun der Angeklagte, dass die beiden von ihm Beschuldigten bereits seit langer Zeit in freundschaftlichem Verkehre stünden, sodann, dass ein Vorfahre Heiligenstättens nach einer alten Chronik aus dem 15. Jahrhundert auf einem öffentlichen Platze Toledos einen Ahnen San-Torpedos habe verbrennen lassen. „Als guter jüdischer Patriot"', fügte der Angeklagte bei, „hatte ich das Recht und die Aufgabe, den Ursachen einer Allianz nachzuforschen, deren Unnatürlichkeit meinen historischen und sociologischen Ueberzengnngeu widerstritt. Ich besprach mich daher mit einen! Tiener einer jeden dieser beiden' Personen, der regelmäßig kam, um mir über die von ihnen geführten Gespräche Mittheiluug zu machen. Ich erfuhr, dass zwischen diesen beiden Herren häufige Geschäftsverbindungen bestanden, was zu Fondsverschiebungen Beranlaffung gab, besonders von Checks, die von Heiligenstätten an San-Torpedo abgegeben wurden. Seit dem Ztapellauf der Panzerschiffe Horebberg, Sinai und der Kreuzer : I o s u a, Juda M a k k a b i, der Corvetten : D eb v r a h, Judith, E st h e r und Helene von Adiabene, sowie der Torpedos vom Todten Meer: P i n ch a s, U r i, und der Hvchseetorpedos: Serubabel, Jonathan und anderer, ebenso wie des Unterseeschiffes Jona, vermehrt die Bau- und Transportgesellschaft von Jerusalem ihr Capital und die Beziehungen zwischen dem Admiral San-Torpedo und Herrn von Heiligenstätten wurden noch lebhafter. Es vergieng keine Woche, ohne dass der Financier im Marine-Ministerium am Prophetenplatz Besuche machte. Auch der Minister war ein ständiger Gast seines Freundes. Ihre Intimität war eine so große, dass sie — ein Gräuel im Volke Israel — sich beide für ein und dasselbe Weib interessierten." Der Präsident: Wollen Sie sagen, dass sie eine und dieselbe Maitreffe hatten? Sie wiffen doch, dass solche Personen weder in Jerusalem noch in der Provinz existieren. Biermond: Ich bestteite es nicht. Nichtsdestoweniger ist es doch wahr, dass vor beiläufig einem Monat der Graf von Heiligenstätten beim Verlassen seines Bureaus dem Admiral fteundschaftlich auf die Schulter klopfte und ihm einen Check übergab mit folgenden Worten: „Run denn, das wird zur Beruhigung dienen für unsere kleine Freundin!" Das Wort ist gesagt worden. Ein andermal, als er sich im Ministerium befand, gab er ihm in Anwesenheit eines Ordonnanzofficiers, des Hauptmannes der Marineartillerie C l i e z e r b e n A w a k - A e s ch (er ist von jüdisch-tunesischer Abstammung) einen Check, indem er zu ihm mit halblauter Stimme sagre: „Wahrhaftig, diese Staatsbanten machen Ihnen nur sorgen". Als Zeugen für diese Aeußerung bitte ich den ebrenwerthen Officier vorladen zu wollen. (Fortsetzung folgt.) P Das neue Ghetto. Schauspiel in 4 Acten von Theodor Herzl. Illustrationen von I. M. O k i n. (Schluss.) Vierter Aet. (Dekoration des zweiten Actes. 3 Uhr nachmittags.) 1. Srenv. Wabi, Wafferstein. Wasser stein (gefolgt von Wabi aus der Mitte). Ist der Herr Doctor zuhause? Wabi. Nein, er hell heunt gar net z'haus' g'esfen. W a s s e r st e i n. Also sagen Sie der gnä' Frau, dass ich da bin. Mein Name ist Wasserstein. Wabi (bli.lt ihn genauer an). Jessas, i Hab' Jhner gar net derkennt. W a s s e r st e i n (sieht sie auch an). Ich Ihnen auch nicht . . . Ich kenn' Ihnen noch immer nicht. Wabi. I war früherStubenmadl bei der Frau von Hellmann, wie die Fräul'n Hermin' noch z'haus' g'west is. W affe r st e i n. Meiner Seel'! Ich erinner' mich. Sie waren die misstrauische Stubenkatz, was mich nicht hat zulasten wollen zum Silber. Wabi. Viel größer schau'n S'jetzt aus, wia früher. Wasserstein. Weil ich gewachsen bin, liebes Kind . . . (Klopft sich auf die Brusttasche) . . . besonders innerlich . . . (stimmt aus der Westentasche einen Knäuel Banknoten, sucht einen Fünfer, gibt ihn Wabi). Nehmen Sie. Wabi (hält die Banknote zwischen zwei Fingern, misstrauisch). Soll i was holen? Wasserstein. Nein, schenken thu ich Ihnen den Fünfer. Wabi (wirft das Geld auf den Tisch). Da gengan S' zu einerer andern ... I bin an urndliches Madel! W a s s e r st e i n. Was ereifern Sie sich? Das is ein einfaches Geschenk. .Ich verlang' nichts dafür -nicht einmal Jhnere Liebe. Wabi. Is wahr? Wafferstein. Wie es mir schlecht gegangen is, waren Sie gegen mich fein, zuvorkommend — da is jetzt der Lohn. Wabi. Kist' die Hand! (Nimmt das Geld). W a s s e r st e i n (für sich). So rächt sich Emanuel Wafferstein . . . (Zu Wabi). Melden Sie mich an! Wabi. I geh' schon, Herr von Wasserstein. (Rechts ab). W a s s e r st e i n (blickt ihr nach). 'Diu — soll man nicht um jeden Preis Geld haben? 2. Srene Wanerftein, Hermine. H e r m i n e (von rechts). Herr Wasserstein! W a s s e r st e i n. Ich küss' die Hand, Frau Doctorin! Der Herr Gemal ist nicht zu Hause? H e r m i n e (gedankenvoll). Sie haben ihm etwas zu sagen? W a s s e r st e i n. Nichts von Bedeutung — nur meine Hochachtung Hab' ich ihm ausdrücken wollen. H e r m i n e (halb für sich). Er ist fortgegangen — wohin? (Setzt sich). Wasser st ein. Woher soll ich das wissen? Hermin e. Ich weiß nicht, ich habe eine Unruhe in mir. Wasserstein. Sind Sie immer so, wenn er weggeht, Frau Doctorin? Ich mochte darauf schwören, er is ein solider Mann — keine Seitensprünge. H e r m i n e. Ach, Sie scherzen . . . Ich kann die Augst nicht los werden, seit die beiden Officiere da waren! Wasserstein (setzt sich). Was für Officiere? Hermine. Gestern kamen sie — als ich im Vorzimmer die Säbel klirren hörte . . . Wasser st ein. snnd Sie erschrocken? 9hi ja . . . Was haben die wollen?