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Die Welt · 1898-04-15 · 15 (15.4.1898) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
15 (15.4.1898)
Article
New-York / M. S.
Date
1898-04-15
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 15 j*#war Seite 11 sind dies mehr als vorüberziehende Wolken an dem Freiheits- Himmel der Bereinigten Staaten. Noch ist der Jude in Amerika im Vollbesitze seiner polirischen Rechte. Wollte er doch diesen Besitz zu seinen Gunsten miwenden und seine Nationalität mit Nachdruck betonen, insolange er dies ohne besondere Gesahr thun dars. Soeben gelangt die Nachricht herüber, dass in dem Process Zola das Appellationsgericht das Urtheil bestätigt, die Strase jedoch suspendiert hat. Eine hiesige Zeitung begleitet die Nachricht mit solgender Bemerkung: „Tas Urtheil des Appell- Hofes macht ganz den Eindruck, als ob es von der Regierung bestellt ist und trägt jedenfalls nicht dazu bei. die Achtung vor der französischen Justiz, welche in der Dreyfiis-Zola-Affaire einen solch' argen Stofs erlitten hat, wieder zu heben. Die Regierung getraut sich nicht, Zola zum Märtyrer zu machen und sie getraut sich auch nicht, den Process noch einmal zur Verhandlung zu bringen. Jedenfalls muss die Nichtbestrafung Zola's den Glauben an die Unschuld des Ex-Eapitäns Treysus erst recht stärken." .>1. d>. Cineinriati. 'Allen Anzeichen nach ist Cincinnati in der amerikanisch-zionistischen Bewegung jener Punkt, wo die Extreme sich berühren. Hier haben wir zwei starke, mit Begeisterung und System arbeitende Zionisten-Berbände, aber auch die Een trale der rapid schwächer werdenden Antizionisten unter Commando des Rabbi Jsaac M. Wise, welcher die Juden als Missionäre proclamiert und ihnen amerikanisch-nationale Existenzberechtigung zu-, dagegen jüdisch-nationale abgesprochen hat. Wir Zionisten dagegen behaupten hartnäckig, dass die Judenschast mit 8,000.000 gleichgearteten Seelen, ihrer mosaischen Original-Moral, ihrer eigenen civilisierten Sprache, ihrem viertausendjährigen Stammbaum, ihrer so bedeutsamen Geschichte, ihrer reichen Literatur, ihrem von Gott beschworenen ewigen Besitzrecht auf Palästina und ihrem vorzüglichen Menschenmaterial alle Rechte und alle Erfordernisse einer 'Nation besitzt. Es wäre ein Glück für uns und für 'Asien, auch ein unberechenbarer Vortheil für die civilisierte Welt, wenn das israelitische Culturvolk wieder Fnß im Morgenlande fasste. Wohl ist es wahr, dass das so oft verwüstete Palästina nicht mehr so ertragreich ist, wie es vor 2500 Jahren war, aber der Boden Englands ist sogar noch ärmer, und doch sind die Engländer die freiesten Menschen und die reichste 'Nation der Welt, einfach deshalb, weil Intelligenz regiert und Gerechtigkeit daselbst herrscht. Wenn wir dem lobenswerten Beispiele folgen und Beutepolitiker fern halten, wird Prosperität sich sehr rasch einstellen und mit uns dauernd weilen. Daun werden auch unsere jetzt schmollenden Gegner, welche zumeist nur Erfolganbeter sind, sicherlich sich an uns heranschmeicheln und wenigstens die Quantität unserer Nation vergrößern. Hier in Cincinnati werden die 'Antheilscheine der „Colonialba n k" willige 'Abnehmer finden. Wir alle empfinden Heimweh nach unserer historischen Heimat, wenn es uns auch in 'Amerika viel besser geht, als unseren Gesinnungsgenossen in Europa, Asien und Afrika, tzoä bless our Imme1. S. H. Dkremsmchnchttit. Wien. Donnerstag, am zweiten „Leder"-'Abend fanden sich die Verbindungen „I v r i a" und „Uni tas" im Restaurant G n t h zusammen, um unter Leitung des Herrn Lector F r i e dm a n n, den „Leder" zu begehen. Ter Leder, der bis nach Mitternacht dauerte, gestaltete sich zu einer imposanten Feierlichkeit. Ter greise Lector trug in seiner gewohnten Weise die „Agava" vor, erläuterte und erklärte dieselbe mittelst des ihm zur Verfügung stehenden Lchatzes der talmudischen und midraschischcn Geschichte und Tradition. Taran knüpften sich die Reden des Herrn Tr. Deutsch, des .Herrn Religionsprosessors Dr. Weiß und des Vicepräsidcnten des Wiener „Zion" Tr. Urahn, welcher letztere die Stellung der zionistischen zu den anderen Parteien im Judenthum in trefflichen Worten schilderte. Tie „Arba Causolh" <4 Becher) waren mit den vortrefflichen Weinen des „K arme l", aus den jüdischen Colonien in Palästina, gefüllt, und trugen dazu bei, dass die Stimmung die eines echt nationalen Festes war. Brünn. Hier hat sich ein Leseverein jüdischer Mädchen „I e h u d i t h" gegründet. Präsidentin Frl. Olga A b e l e s, Schriftführerin Frl. F a n n y S k u l e z k p ZTrakau. Zu Ehren des hier weilenden bekannten hebräischen Tichters David Frisch mann wurde im Hotel London vom literarischen Vereine „Sfas E m e s", von dem Zionsvereine „E h o w e w e E r c z I s r a e l" und dem „P r z e d > m i t" ein Eommers abgehalten. Als Vorsitzender fungierte unser Rabbiner und Prediger Tr. Thon, und als Tischpräses 'Advocat Tr. o r n h ä u s e r. Es sprachen Tr. Thon, Toctor Holzer, Dr. Löbel, S ch v n w e t t e r , Toctorand R o t hb l u rn , B. S p i r a , I. K r a s u ck i, Tr. G ü n z i g und Toctorand Lehrfreund. Rzcszow. Sonntag, am 3. April <•. fand mit Schluss des ersten Semesters in der hebräischen Schule hier die erste öffentliche Prüfung statt, die sich zu einer erhebenden Feier gestaltete. llcberraschcnd waren die Resultate, die die Schule während ihrer kurzen Wirkungsdauer unter der bewährten Leitung unserer Gesinnungsgenossen, der Herren A. Apfelbau m, I. Gittler und N. Glücksmann zu Tage förderte. Die Schüler derselben, im 'Alter von ii—lL Jahren stehend, überraschten durch die präcise 'Antwort und durch eine klare und verständnisvolle Ausdrucksweise, mit welcher sie die schwierigsten Fragen wie hebräische Grammatik, Bibelauslegung, jüdische Geschieh lskundc, hebräische Sprachübungen, zu beantworten wussten. Memel. Am 1». Mär; hat der hiesige „Gemilluth-Ehassodim"- Verein zu Ehren des Herrn Tr. Rülf anlässlich seines Scheidens von hier und seiner Uebersiedlung nach Bonn eine Abschiedsfeicr veranstaltet, an welcher fast' sämmtliche Mitglieder dieses größten hiesigen Vereines theilgenommen haben. Der Vorsitzende des Vorstandes, Gerson Millner, betonte in seiner längeren 'Ansprache an Herrn Dr. Rülf, dass er als Mitbegründer des Zionismus auch ein großes Werk der „Gmilus Ehesed" hat schaffen helfen, indem gleichviel, wie man über den Zionismus sonst denken mag, darüber doch alle einig sind, dass er die heterogensten Elemente des Judenthums in ,,'Ahawa Waachiwah" in Liebe und Brudersinn vereinigt hat. Zkilschnstkumudschau. Unter dem Titel „A l l g e meine Heiterkeit" betrachtet Parteigenosse Tr. David Malz in der .,Przysziosc" die Behandlung der zionistischen Frage seitens des Herrn T a s z p n s k i im Parlamente. Die Bemerkung im stenographischen Protokoll bei diesem Passus der Rede „Allgemeine Heiterkeit" veranlasst Dr. Mal; zu folgenden 'Ausführungen: „Ist das nicht lustig? Nicht wirtlich luftig und erzkomisch? Tic Juden gravitieren nach Palästina! Lachen wir beim Glas Bier und bei einer guten Mahlzeit! Es lachen die Völker Oesterreichs, Legionen der Proletarier, cs lachen die Propheten der kommenden Zeiten!" Ter Verfasser führt dann eine ganze Serie von Erfindungen und Entdeckungen aus der Weltgeschichte auf, die auch verspottet und verlacht wurden von kleinlichen, beschränkten, fa selbst „großen" Männern ihrer Zeit, so das Auftreten Eolumbus', Luthers, des Ingenieurs Fulron u. s. f., die man für Narren erklärte. Ter 'Artikel schließt: „Hört, Ihr Brüder, die Ihr nach schweren, moralischen Qualen und phpsischen Entbehrungen in der zionistischen Idee einen Rettungsanker gefunden habt — das österreichische Parlament lacht. 'Allgemeine Heiterkeit! „Hört, Ihr obdachlosen Bettler, die Ihr nach einer Heimat strebt — das österreichische Parlament lacht! . . . „'Allein ich will Euch zu Eurem Tröste sagen, dass es noch keine große Idee gegeben hat, die nicht die Lachmuskeln der stach köpfigen Philister gereizt hätte. Eine große Idee vermag ein Gelächter nicht zu ersticken. Juden, die Ihr nach Palästina gravitieret, frisch an's Werk, Eure Sache steht gut — die Philister lachen..." „U Lori-iere Isrselitioo', das in italienischer Sprache erscheinende jüdische Organ, welches auch der zionistischen Bewegung eine stets wachsende Sympathie beweist, har auch in seiner letzten Nummer eine Reihe trefflicher Artikel und interessanter Notizen. Außer den unter dem Titel „Zionistische Bewegung" gebrachten Mittheilungen dürfte die 'Aufmerksamkeit unserer Gesinnungsgenossen besonders die Arbeit des Professor G u g l i e l m o Lattes „l)el Sionismoerwecken. Im Hefte des" „Oo-'-rmre Israelitico“ vom 31. März ist zwar erst der Anfang dieser Arbeit veröffentlicht, aber schon die Einleitung lässt erwarten, dass der Verfasser den Zionismus seinem ganzen Inhalte nach zu würdigen imstande sein wird. — Es ist erfreulich, dass auch unter unseren italienisch sprechenden Brüdern so viel Interesse und Begeisterung für unsere Idee zu finden ist, nsie sie in der von A. d i S. E u r i e l trefflich redigierten Monatsschrift zutage tritt.

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