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Die Welt · 1898-04-15 · 15 (15.4.1898) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
15 (15.4.1898)
Article
Kischineff
Date
1898-04-15
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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jPK#w«r Nr. 15. gerufen. Zugleich aber war er sehr mit dem Schicksal der ersten Pionniere unserer Sache beschäftigt und hat für sie reichlich Spenden gesammelt, um sie nach Jaffa zu senden. Er beschäftigte sich mit dem Projecte einer jüdischen Agrarbank, das seinerzeit vom Baron 'Ginzburg sehr günstig ausgenommen wurde, und dessen Resultat eine Erleichterung der Gründung einer jüdischen Bauerncolonie in Lithauen war, bei deren Einrichtung Dr. Koroltschuk auch sehr thätig war. Nach Erlangung des gelehrten Grades begab sich Dr. Koroltschuk nach Dorpat. Im Jahre 1891 hat er sein Studium absolviert und eine glänzende Dissertation bei Professor Alex. v. Schmidt auch „lieber die Coagulation des Blutes" verfasst. Zn Dorpat war er die ganze Zeit (etwa 5 bis tz Jahre) ein Mitglied des Torpater academischen Vereins für jüdische Geschichte und Literatur und ein Jahr lang dessen Obmann, einer der Gründer des zionistischen Zweigvereines des academischen Vereines und hat durch viele originelle Vorträge die jüdische Studentenschaft für den Zionismus begeistert. Als Arzt in Witebsk war er stets mit der Erleichterung der Lage der jüdischen Arbeiter beschäftigt und hat durch die Presse für ein Project der Errichtung jüdischer Arbeiterverbände Trades-Unions agitiert, das eine gewisse originelle Nachahmung der ruffischen „Artjel's" nach dem Project des Ökonomisten Lewitzky war. Koroltschuk hat ein Manuscript im Jargon über dieses Thema hinterlassen, das zum Zwecke der Propaganda im Volke verbreitet werden sollte. Zum letzten Male sah ich ihn 'am russischen Delegiertentage zu Bialystok im November 1897, wo er als ein eifriger Mitarbeiter theilgenommen hat. Bei Besprechung der Frage einer rnssischen zionistischen Zeitung war er einer von denen, die als künftige Redacteure des Blattes in Aussicht genommen waren. Tie letzte Zeit war er mit der Propaganda unserer Sache sehr beschäftigt und hat fiir den zweiten Baseler Congress einige sehr wichtige und interessante Fragen bearbeitet. Das rauhe Schicksal Hai es anders gefügt und hat uns diesen eifrigen Mitkämpfer im 38. Jahre seines Lebens plötzlich entrissen'. Seine Gedanken aber werden mit uns sortleben und hoffentlich in nicht allzu ferner Zeit realisiert werden. So ist auch er nicht ganz gestorben. Kischineff, 5. April 1898. I)r. med. Jacob Bernstein-Kohau, Türkei. Jerusalem, Ende März. Die von diversen israelitischen Zeitungen gemeldete ^Masernepidemie", welche nebenbei bemerkt, in durchaus gelinder und ungefährlicher Weise ausgetreten war, ist schon längst erloschen. Was die in den Berichten weiters gebrachte Notiz von der „großen Armut" anbelangt, so ist eine solche thatsächlich heute noch vorhanden, aber nicht erst seit Monaten, sondern schon seit Jahren, und wenn derselben in der herkömmlichen Weise entgegenzuarbeiten gesucht wird, so kann wohl hie und da diese Noth aus kurze Zeit (solange das gereichte Almosen anhält) gelindert werden, wird aber dann noch in ärgerer Weise wieder auftreten. Tie Armut und Durstigkeit vieler Juden Jerusalems ist nicht infolge einer plötzlich ausgetretenen Krisis vorhanden, sie ist nicht acut, sondern chronisch und wie zum Gegensatz von einem acuten Leiden, bei welchem durch wenige Gaben des richtigen Heilmittels die Krankheitserscheinungen sofort beseitigt werden können, da diese Heilmittel bei einem chronischen Zustande nicht zu wirken pflegen, so ist auch dem Leiden (der Armut) der hiesigen Inden nicht nur durch Barspenden abzuhelsen, sondern das langwierige, veraltete, tieseingewurzelte Elend kann nur dadurch gelindert und endgilig geheilt werden, wenn der Grund desselben ausgehoben wird — das heißt, wenn eine einschneidende Aenderung in dem Modus der Unterstützung eintritt und vor allem, wenn Gelegenheit zur Arbeit geboten wird. Tie „Welt" hat ja bereits wiederholt aus diesen Umstand hingewiesen. Es scheint, dass man sich an anderen Orten mehr von Bequemlichkeit — um nichts Schlimmeres zu sagen — als von dem Wunsche einer zwar schwierigen aber gründlichen Abhilfe leiten lässt. J. M. Amerika. Nett»-Jork Unter den Städten, in welche jüngst jüdische Einwanderungen stattgefunden haben, befindet sich Lyons im Staate Nevada; in dieser weit abgelegenen Stadt wohnen bereits einige zwanzig jüdische Familien. In Maine haben jüdische Familien verlassene Farms bezogen, und es geht ihnen, wie die dortigen Blätter berichten, sehr gut. In Derby, New- Haver und Bridgeport haben sich bereits jüdische Gemeinden constituiert, in Derby erscheint sogar schon ein jüdisches Blatr. New-Hork. (Orig.-Corr.) Der Jude muss einmal unter allen Umständen geschlagen werden. Was er thut, thur er nicht recht. Das ist hier jetzt wieder einmal mir rechter Deutlichkeit zutage getreten. Die Deutschen feiern hier den Sedantag mit festlichen Umzügen und bekommen dafür einen Fleißzettel ausgestellt; eine handvotl Magyaren veranstaltet in New-Pork magyarische Festlichkeiten, und der Bürgermeister nimmt an denselben theil; Griechen, die das amerikaniscbe Bürgerrecht erworben haben, segelten nachhause, um dem bedrohten Baterlande gegen die Türkei beizustehen und die sonst nativistische Presse feiert die braven Männer als Helden. Ein deutscher Mayer wirbt deutsche Leute gegen Spanien, um den Amerikanern deutsche Treue zu dem Adoptiv-Vaterlande ad oculos zu demonstrieren, und die New -Yorker deutsche Tagespresse gerätst darüber aus dem Häuschen. Nun haben auch die Juden der Ostseite vor einigen Tagen ein Meeting abgehalten, um im Namen der Humanität gegen das entmenschte Vorgehen der Spanier in Cuba zu protestieren und den Vereimgten Staaten im bevorstehenden Kampfe gegen Spanien jüdische Streitkräste zur Verfügung zu stellen. Kaum war dies geschehen, als eine unverfälschte Trägerin arischer Eultur auch schon die folgende geistreich sein sollende Be merkung veröffentlichte: „Die O st s e i t e - I ud e n sind erbittert gegen Spanien. Schon wieder'. Dass diese Menschen gar nicht verstehen lernen können, wie sie die s ch l i m m st e n, g e s ä h r l i ch st e n Antisemiten sind, indem sie sich immer und immer wieder als eine S o n d e r c 1 a s s e g e r i e r c n Hört man davon, dass die Baptisten, Episkopal i st e n, M e t h o d i st e n und a n d e r e S e c t e n a l s solche patriotisch sind? Sie s i n d's als Bürger nur. To sondern sie bei jedem Anlass von den andern selb st s i ch a b, u n d w u n d e r n und ä r g e r n sich dann, wenn man sie m a n ch e n o r t s und manchesmal als Sondervolk behandelt!" Dieser geistreiche Taglöhner im Dienste arischer Culmr übersieht in seinem Eifer einige beachtenswerte Kleinigkeiten, darunter erstens die, dass die Juden als Juden ein klein wenig Grund haben, gegen Spanien erbittert zu sein, und er übersieln zweitens, dass wir Juden keine Secten, sondern eine Narion sind und als Angehörige einer solchen unsere Sympathie oder Abneigung gegen Völker, die sich uns feindlich oder sreundlicb erwiesen haben, ebenso berechtigt ist wie die der Deutschen. Franzosen oder Italiener. Ten Inden erwächst hieraus aber wieder einmal die Lehre, sich in erster Reihe um ihre eigenen Angelegenheiten zu kümmern. Wenn wir offene Augen haben wollten, müssten wir cs erkennen, dass es den Hetzaposteln bereits gelungen ist, dem Antisemitismus auch in Amerika eine Heimstätte zu sichern. Freilich, unsere Assimilationsprediger stellen dies in Abrede. Durch Rassenhass verübte Judenmorde nennen sie unerklärliche Mordgier und die nicht endenwollenden Zeitung? Hetzereien stellen sie in beneidenswerter Sorglosigkeit als harmlose Religionsdifferenzen hin. Tie Proteste der Arbeiter gegen jüdische Handwerker und die Ausstoßung von Juden aus Vereinen und die Verweigerung der Ausnahme in solche sind - belanglose Kleinigkeiten. Gebraten, wie einst in Spanien, wird mau allerdings hier noch nicht, wenn aber ein Gesetzgeber im Staate Ohio in öffentlicher Sitzung unter dem Beifall seiner Collegen es aussprechen durfre, dass man den Juden die politischen Rechte nehmen soll, wenn eine einflussreiche Zeitung es wagen durfte, die Juden als Wucherer zu brandmarken, wenn man Vorlagen gegen das weitere Einwandern von Juden dem Congress unterbreitet, st

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