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Die Welt · 1898-04-15 · 15 (15.4.1898) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
15 (15.4.1898)
Article
Wüstenbewässerung [Nachricht] / J. L-u.
Date
1898-04-15
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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abfließt, während das Jordanthal im Sommer zur Wüste wird. Man sieht, dass es auch hiefür eine Abhilfe gibt. J. L—u. Der Etat der Berliner Gemeinde 1898—1899 auf 1,338.855 Mark festgesetzt. Kirche und Synagoge. In Berlin ist die Errichtung von Schank- und Gastwirtschaften in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Pfarrhäusern, Kranken- und Unterrichtsanstalten nicht gestattet. (§ 1 des Circularrescripts des Ministeriums des Innern vom 26. August 1886). Anlässlich eines sveciellcn Falles ersuchte nun jüngst der Stadtausschuss des Städtekreises Frankfurt a. M. den Berliner Stadtausschuss uni Mittheilung, wie die Praxis bezüglich der Synagoge gehandhabt werde. Tie letztgenannte Behörde hat daraufhin entschieden, dass die erwähnte Rücksicht auch auf benachbarte Syn.agogen genau so wie bei den Kirchen zu nehmen sei. Neue Synagogen in Berlin. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde Berlins ist von der Repräsentautenversammlung ersucht worden, unverzüglich mit dem Bau von zwei neuen Synagogen im Osten und Süden Berlins vorzugehen und in gemischter Deputation über den Ankauf von Baustellen zu berathen. Gegen die Judeneinwanderung nach England richtet sich die im Oberhause vom Lord Hardwicke eingebrachte Anti-Alien Bill. Sie würde dem Oberhause vorgelegt, wenn das Unterhaus in Folge seiner sonstigen Gesetzesthätigkeit nicht so schnell zu einer Behandlung dieser Vorlage gelangen würde. Auf dem jüdische» Friedhofe in Kamena bei Pkibram in Böhmen wurde kürzlich von ruchlosen Händen die Einfassungsmauer theilweise demoliert, Grabsteine zertrümmert und umgeworfen, junge Bäumchen theils entwurzelt, theils abgebrochen. Von den Thätern, die auf diese Weise ihr Müthchen am Judenthum gekühlt, fehlt jede Spur. An den „Kolks rolniors^ hat der galizische Landesausschuss aus den ohne Unterschied der Confession eingezogenen Landessteuern in letzter Zeit wieder 5000 Gulden als Darlehen ausbezahlt. Wer soll den jüdischen Dorfkrämeru solche Darlehen gewähren? Aufzeichnung. Mr. Ed. F o a hat in Anerkennung für seine Reise von Zambesi nach dem Cougo, von der französischen Geographischen Gesellschaft die goldene Medaille erhalten. sfs Me Mistische Kkwegmg. Spenden für zionistische Zwecke sind an Herrn Dr. C2 Ko kcsch, Hof- und Gerrchts-Advocatcn in Wien. I., Singer straßc 25, zu senden. CIntüt}. Am 6. April veranstaltete der „Zion" einen Sederabend im großen Stile. Tie unerwarlel rege Subscriprion ermöglichte auch die Errichtung zahlreicher Freiplätze. Die Herren 3 t 5 f> t c r und I. Tauber rccitiercen die Hagada und übersetzten die nationalen .Kraftstellen. Nach dem von Damen servierten Festmahl beleuchtete jur. Birnstein die Bedeutung des „Festes der Freiheit." Eine improvisierte "Akademie, in der sich besonders die Frl. Freund hervorlhaten, sand ungclhcilten Beifall Herr Rabbiner Dr. Oppen heim wandte sich in seiner Pessachpredigt gegen die "Assimilation und erhofft nur von einem engen Zusammenschluss der Juden die Wiedererweckung ihrer alten Größe. "Auch solle die jüdische Erziehung der Jugend nicht länger vernachlässigt werden. Prossnitz. Der Einzelvcrein Olmütz des „Zion" veranstaltete am "April einen "Agitationsabend in Prossnitz. Nachdem Herr B r a u n die zahlreich erschienenen Anwesenden begrüßt hätte und Herr Tr. B u r b a u m zum Vorsitzenden gewählt worden war, erstattete Herr' jur. Berih. F e i w e l sein Referat. Seine von der Majorität der Versammlung lebhaft acclamierten Ausführungen stießen jedoch auch auf Widerspruch, dem je ein Vertreter der Assimilanten und der Socialdemokraten Ausdruck zu geben versuchten. Jedoch siel es dem Referenten und Herrn mell. Brecher nicht schwer, deren Ausführungen zu widerlegen. Ter "Antrag, sich der allgemeinen zionistischen Organisation anzufchließen und einen Zionsverein in Prossnitz zu gründen, wurde angenommen. Eine ansehnliche Zahl Prossnitzer Bürger erkürte sich sofort zum Eintritt bereit. Prossnitz galt als eine Hochburg der Assimilation. _ San Francisco. Hier sand vor Kurzem eine zionistische Versammlung statt, an welcher auch alle orthodoren Rabbiner _ theilnahmen. Die Versammlung war glänzend besucht. lj u\„ / Biala bei Biclitz» Zufolge der Anregung unseres Gewnrde für ^finnungsgenossen Ehrwürden Herr Dr. Glaser, in seiner Predigt am ersten Feiertage, berief 'der hiesige Cultusvorstand eine Versammlung der hiesigen jüdischen Bürger ein, um über die Förderung des hebräischen Unterrichtes unter der hiesigen Jugend zu berathen. Man kam überein, eine Lehranstalt für hebräischen Unterricht — Talmud Thora — hier zu errichten. Zum Zwecke der Ausarbeitung eines diesbezüglichen Entwurfes und der "Abfassung der Statuten wurde ein Eomirü, bestehend aus sechs Mitgliedern, gewählt. Wer die hiesigen Verhältnisse kennt, muss in diesem Beschlüsse einen Fortschritt des Erwachens des jüdischen Selbstbewusstseins in der hiesigen Gemeinde erblicken, wozu wir ihr nur gratulieren können, den Wunsch aussprechend, dass der in's Leben zu rufende Verein, wirklich Ersprießliches für die hiesige jüdische Jugend leisten möge. __ —9. Esicgg. Am ersten Peßachtage predigte unser Gesinnungsgenosse Oberrabbiner Dr. Kaminka in dem Tempel zu Essegg über den Text lo omuss kl eclvjeh — Nicht sterben, leben will ich. Tiefe Worte' des Psalmisten in den Halelgesängen wandte der Oberrabbiner aus das jüdische Volk an, das jetzt durch den Zionismus zum neuen Leben erwacht ist. Die ganze Predigt, von nationaler Begeisterung getragen, begeisterte die andächtige Gemeinde derart, dass sich der Tempelvorstand noch am selben Tage veranlasst sah, in corpore dem Oberrabbiner seinen Dank auszusprechen. Wer einen Protestrabbiner und einen Zionisten auf der Kanzel gehört, dem wird der Unterschied zwischen falschen und echten Propheten klar. Die falschen Propheten wollen — durch die Assimilation unseren Untergang, die echten aber rufen mit dem Psalmisten, Io omuss ki eebjeb.Nichtsterben, leben wollen wir! Berlin. Herr B r o i d o hielt in der hiesigen literarischgeselligen Vereinigung einen Bortrag über „Zionismus" im engeren Kreise. Bei der Debatte gelang es dem Vorsitzenden der hiesigen „Berliner Zionistischen Vereinigung" Dr. H. L o e w e einen durchschlagenden Erfolg zu erzielen. Berlin. Zum Discussionsabende der „Berliner Zionistischen Vereinigung" hielt Herr Tr. Heinrich Loewe einen Vortrag über „den nationalen Gedanken im Zionismus". An der Debatte betheiligten sich außer dem Referenten noch die Herren I. H W a gn e r, S. L u b l i n s k i, Dr. Loewe, F r e u t h a l, ' I u n gm a n n und Z l o c i st i. Ncw-York. Seit unserem letzten Berichte haben sich unserer Föderation noch elf neue Gesellschaften angeschlossen, so dass dieselbe jetzt aus -i'S Vereinen besteht. Aus unseren Auftuf zur Abhaltung einer Conserenz der zionistischen Vereine von Nordamerika, welche am io. und 11. Mai statrfinden soll, sind bis jetzt von vierundzwanzig Gesellschaften in den Vereinigten Staaten "Antworten eingelansen. Der Enthusiasmus ist groß, und die Conserenz verspricht erfolgreich zu werden. In der letzten Versammlung der Föderation ist unter Anderem der Beschluss gefasst worden, allwöchentlich ein Bulletin herauszugeben, in welchem Beschlüsse des Centralvereines, wie auch der denselben angehörigen Gesellschaften, veröffentlicht werden sollen. Tie Directoren des Baron de Hirsch-Fonds, die eigentlich der zionistischen Bewegung bis jetzt ziemlich fern gestanden sind, haben uns doch die große Halle ihres „Hebrew Institutes" für die zwei Tage der Conserenz in liebenswürdiger Weise zur Verfügung gestellt. M Corrchondkllst«. Oesterreich-Ungarn. Wien. Anlässlich eines speciellen Falles, in welchem einer Schülerin israelitischer Eonsession ans Ansuchen der Eltern von der Leitung der betteffenden Schule im Einveruehmeu mir dem Rcligionslehrer die — wenn auch nur passive — Teilnahme an dem katholischen Religionsunterrichte gestattet wurde, hat sich der Bezirks sch ulrath bestimmt gefunden, anzuordnen, dass dem Religionsunterrichte einer bestimmten Confession Angchörige anderer Consefsionen nicht beiwohnen dürfen. Die Schulleitungen wurden angewiesen, darüber zu wachen, dass die Theilnahme, sei es auch in vollkommen passiver Weise, an dem Religionsunterrichte einer bestimmten Confession aus die dieser Confession augehörigen Schulkinder beschränkt werde. Frankreich. Paris. Das Kriegsgericht, welches Esterhazy freigesprochen hatte, trat am 8. April zur Prüfung folgender zwei Fragen zusammen: „Soll gegen Zola eine neue Klage angestrengt werden?" Soll beim Großkanzler der Ehrenlegion

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