Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 14 (7.4.1898)
- Article
- London [Nachricht] / J. de H.
- Date
- 1898-04-07
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 14 JPKOWör Seite 11 Richtung gethan habe. Hingegen wurde angeführt, was der Verein für die Ausbildung und Unterstützung der russischen Juden gethan hat. Bemerkenswert ist die Mittheilung, dafs die Unterstützten, sobald sie nur eine gesicherte Existenz haben, freiwillig die Beiträge zurückzahlen. Mr. Claude M o k t e f i o r e gab der Hoffnung Ausdruck, dass es heuer in Russland und Rumänien schon besser sein werde. . . . .7. de H. Russland. Petersburg. (Telegr. der 4L. Fr. Pr.) In dem in Minsk durchgeführten Proceffe gegen mehrere Bewohner jüdischer Conseffion, welche angeklagt waren, am lö. April 1897 Gero altthaten verübt und sich Militär-Patrouillen gewaltsam widersetzr zu haben, fand der Gerichtshof, dass keine Bethätignng des Hasses gegen die Christen, beziehungsweise das Militär, sondern lediglich Widerstand gegen Militär-Patrouillen vorliege. Neun Angeklagte wurden gänzlich sreigesprochen und fünf wegen Widerstandes gegen Militär-Patrouillen zu je zwei Fahren Gesäugnishast verurtheilt. NeremsMlhnchten. Wie«. Jüdisch-academische Verbindung .,M a c c a b ä a". Bei der am 1. April vorgenommenen Neuwahl für das Sommersemester, wurden gewählt: stud. techn. Goldner, Präses (X) '•?tud. techn. Kanruk, Vicepräses (XX)? stud. techn. L i q v o rnik, Schriftführer (XXX). Brünn. In der Vollversammlung des Vereines „Zion" vom d. fanden die Ersatzwahlen in den Ausschuss statt. Herr Tr. S ch r e i e r wurde zum Obmann, Herr Sonderling zu dessen Stellvertreter gewählt. Demnächst soll eine Verbindung zionistichcr Handelsangestellter gegründet werden. Brünn. Jüd. acad. Verb. V e r i r a s. Der Eröffnungscommers fand am 21. März statt. Nach der Begrüßungsrede durch d en Präses hielt Herr Ernst T r o l l e r eine wohlgelungene Tendenzrede, In der dem Commerse folgenden Aeademte wirkten mit: Tie Damen Amalie Windhol; und Marie Weiß und Schauspieler Louis Nerz. Tie zahlreich erschienenen Zuhörer zollten den gelungenen Darbietungen wohlverdienten Beifall. Starozynctz. Am 3. Nissan eröffnete der neugegründete Verein „Zion" seine Thätigkeit mit einem Vortrage Dr. Kommers Ter Verein, der auch die erziehliche Seite in sein Programm ausgenommen, richtet an alle Förderer des jüdischen Gedankens, die Bitte, ihm Bücher, hebräisch, jargon, deutsch, unter Adresse „Tr. Kammer, Storozpnetz, Bukowina" zuzusenden. Fcuil Der Nntigvyisrnus in Zion. Von Jacques Bahar. ‘) Brief des Specialcorrespondenten der „Algier. Colonial Times." (Fortsetzung.) Tiefer T r u m o it t nun starb aus eine geradezu tragische Weise. Er hatte es zuwege gebracht, die vierzig Millionen Franzosen gegen die achrzigtausend Fuden aurzuwiegelu. Als aber die ganze Station in ihrer Raserei darangieng, die jüdischen Mitbürger zu vertilgen, da fand sie nicht mehr als etwa loco Fuden und 79000 — verschämte Antisemiten. Feder dieser Ehrenmänner bat die Menge, alle seine Glaubensgenossen nmznbringen, ihm aber das Leben zu schenken. Ta wendete sich die Wuth des so schmählich getäuschten Volkes gegen Trumont selbst. 91!nit entdeckte ihn zufällig bei einem Fuden, den mau umbringen wollte. Er war dorthin gekommen, um ein altes Lieblingsvrvject auszusühren, um nämlich zu erfahren, was es eigentlich in Wahrheit fiir Bewandtnis mir dem vielbesprochenen Talmud habe, von dem zu erzählen er sich in seinen Artikeln oftmals unterfangen harte. Tie Mörder achteten nicht mehr aus den Juden und bemächtigten sich Trumonts. Man führte ihn in den Schuppen eines in der Nähe befindlichen Bildhauers um ihn in der Thonerde zu ersticken, eine angenehme Unter-, *) Vide Nr. 13 der „Welt", II. Jahrgang. Jassy. Ter Verein „Bnei Zion" besteht aus ungefähr 209 Mitgliedern, die allen Berussarten angehören. Allwöchentlich finden zwei Versammlungen statt, Samstag und Sonntag, wobei Herr Tr. Facob Nacht über jüdische Geschichte, unser Führer Tr. Lippe und der beliebte Volksredner Rokeach über Zionismus zu sprechen pflegen. Tie Versammlungen finden immer in einer anderen Svnagoge statt. <8? Zeitschrifienrundschan. Die „Ungarische Wochenschrift" bringt folgende Notiz: Ten Antisemitismus im ungarischen Abgeordnetenhause wieder belebt zu haben, ist das traurige Verdienst des nur dadurch zu kläglichem Ruhme gelangten Abgeordneten Mücsy. Dass sich unter den jüdischen Deputierten keiner fand, der ihn merüorisch widerlegt hätte, ist nicht gerade so hcrzerhebend, wie dies die große liberale Presse glauben machen möchte. Warum sich aber keiner dieser Herren gegen Franz Kossuth wandte, der es als Zeichen der Schwäche der ungarischen Nation hinstellte, dass sich die Juden in Ungarn ein größeres Terrain eroberten, ist völlig unbegreiflich. Haben die Juden Ungarns nicht ehrlich zum Aufblühen und Gedeihen ihres Vaterlandes beigetragen? Haben sie gar keinen Theil daran, dass es so groß, so stark, so angesehen, so achtunggebietend geworden ist?! In der solkloristischen polnischen Zeitschrift „Lud" hat es ein Mitarbeiter unternommen, durch Zusammenstellung von Vollssprüchen und Legenden, die in der bäuerlichen Bevölkerung festgewurzelten antisemitischen Anschauungen nachzuweisen. Das citierte Material ist jedoch zumeist derartig, dass wir es nicht übersetzen können, so sehr es auch für den Völkerpsychologen und Folkloristen von Bedeutung ist. Der Verfasser schickt seiner Sammlung folgende Einleitung voraus: „Der stille, hausbackene, dem Rassenhass entstammende Antisemitismus, der traditionell von Generation aus Generation übertragen wird, wurzelt jetzt tiefer denn je, noch genährt durch die ökonomischen Verhältnisse der breiten Schichten, in unserem Bauernstände. An Stelle des alten Schlagwortes vom Jahre 1846 (In diesem Jahre fand der blutige Bauernaufstand statt. Anm. der Red.), das. Dank den Lichtstrahlen der Wissenschaft und Cultur, gemildert wurde, ist in der breiten Masse sett jüngster Zeit in einer etwas milderen Form das populäre „Haut's den Juden!" aufgetreten. Auf Grund langjähriger Beobachtung bin ich zum Schlüsse gelangt, dass es in der Wirklichkeit so ist, wenn auch dem Anscheine nach hie und da zwischen der Bauernhütte und dem Wirtshause eine gewisse Eintracht herrscht. Den besten Beweis — ich übergehe drastische Beispiele aus dem wirklichen Leben — bildet die Literatur des Landvolkes, insbesondere die prosaische mit ihren Sprichwörtern, Legenden, Erzählungen, die Spassmacher zur Erheiterung der Hochzeitsgäste oder beim Tagewerke ersonnen zu haben scheinen." I c 10 n. Haltung für wcinselige Empörer. Als er aber in diesen Raum geführt worden war, erblickte er das Gypsmodell einer Statue lind schrie aus: „Ah, Mores! Tas ist die Strafe, weil ich Teine Verherrlichung verzögert habe!" Nach diesem Aufschrei stürzte er ohnmächtig zusammen. Man machte ib m den Garaus am Sockel der Statue seines Freundes, und zertrümmerte das Monument, dessen Einweihung er immer verzögert hatte ') Ter Name Trumonts wurde seit damals ein Synonym rür Hinterlist bei einem Fanatiker und ein Schimpfwort unter den Antisemiten. Sein Sohn Leon Treimond musste Frankreich verlassen, wurde aber, da auch die anderen Nationen antisemitisch waren, überall mit Zorn und Verachtung zuriickgewiesen. So wurde er zum „ewigen Christen" und kam zu den palästinensischen Juden, um eine Zufluchtsstätte zu finden. Voll Erbarmett und Edelmuth nahm man ihn aus. Von tiefer Tankbarkeit durchdrungen, bekehrte er sich zum Judenthum und ließ die Circumcisiou an sich vornehmen. Er änderte seinen Vornamen in „Abraham", indem er aus diese Weise dem Pattiarchen seine Ehrfurcht bewies, dessen Grab in der Nähe Hebrons liegt. Seinen Familiennamen Dreimond (Trois-Lunes) wandelte er *) Nach dem Tode Mores' hatte die „Libre Parole" eine Subscription für ein Monument eröffnet. Tie Subscription ergab eine Summe von 28.900 Francs, lieber den Verbleib dieser Summe hat bisher nichts verlautet.