Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 14 (7.4.1898)
- Article
- Steyr
- Date
- 1898-04-07
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 14 jfcowar Seite 9 am 16. Jänner d. I. in Linz abgehalten wurde, war auch die erste, seit der Einwanderung der Juden aus oberösterreichischem Boden. Die zionistischen Lehren sielen auf guten Boden. Sie bewirkten vor Allem eine klare Scheidung der Juden in den Alpenländern in solche, die den großen Plan der Wiedergeburt ihres Volkes fördern wollen oder wenigstens ihm sehr sympathisch gegenüberstehen, und andere, die ihr Los von dem der Assimilation nicht trennen können. Charakteristisch für die letzteren ist das Folgende. Als vor kurzem in Steyr Gemeindewahlen stattfanden, wurde den Mitgliedern vom dortigen Fortschrittsverein nahegelegt, für den deutschvolklichen Candidaten die Stimme abzugeben. Die Juden, fast alle Mitglieder des Vereines, getrauten sich nicht dagegen zu protestieren, sa sie wagten es nicht einmal, die Stimme einem wirklich freisinnigen Manne, der sich selbst candidierte, zu geben, sondern stimmten zum Theil wie sie sagten ans Parteidisciplin für den Antisemiten, zum Theil fuhren sie, um der unangenehmen Lage zu entgehen, sehr heldenmüthig fort. Durch solche Thaten fördern die Herren ungemein unsere Idee, die heute in den Alpenländern nicht nur vieler Sympathie besitzt, sondern auch sehr eifrige Anhänger findet. In die seit 14 Tagen aufliegende Liste der Mitglieder der zu gründenden Linzer Ortsgruppe haben sich, wie wir vernehmen, über 50 Herren eingezeichnet. Schekelzahlstellen befinden sich in Steyr, Gmunden, Enns. Wie in Oberösterreich so findet sich in Salzburg eine Zahl recht eifriger Zionisten. Unter anderem seien erwähnt die Herren Banquier K o fin, Schoch, D r. Schwarz, die mit löbenswerthem Eifer für die Verbreitung unserer Idee arbeiten. Es werden auf dem zweiten Baseler Congress die Juden Oberösterreichs wie Salzburgs durch Delegierte vertreten sein und werden dadurch zeigen, dass die Juden auch auf den äußerst vorgeschobenen Posten ihrer Pflicht eingedenk sind, mitzuarbeiten für die ethische und materielle Hebung ihres Volkes. R. Norke-R egreb. Prossnitz. Die Brünner „V e r i t a s", vertreten durch Herrn Berthold F e i w e l, nebst dem Olmützer „Zion" und der „Geulah" hat in der am Sonntag hier abgehaltenen Versammlung das bisher unserer Bewegung unfreundliche Prossnitz gewonnen. Ein zionistischer Verein wurde gegründet, dem sich sofort viele Theilnehmer anschlossen. Czernowitz. Der „Bukowinaer Rundschau" entnehmen wir: Ein interessanter Vortrag wurde Samstag abends in einem Saale der jüdischen Voltsschule von dem derzeitigen Präses der jüd. nat.-akad. Verbindung „Zephirah" Herrn stml. .jur. P r esse r vor einem äußerst zahlreichen, zumeist aus Studenten bestehenden Publicum gehalten. Dieser Vortrag, der sich „Zionssehnsucht" benennt, macht den Anfang in einem Vortragcyclus, der von der „Zephirah" veranstaltet wird. Tie „Zephirah" ist eine Vereinigung zionistisch gesinnter Studenten, die das Schwergewicht ihrer Thätigkeit in die Pflege der jüdischen Literatur und Geschichte gelegt hat. Während der Verein „Zion" in Czernowitz die Propaganda der Idee unter den großen Massen besorgt, bemüht sich die Zephirah, die Jugend für den Zionismus zu erziehen. Czernowitz. Sonntag, den 27. März hielt Herr Dr. R osenh e ck aus Kolomea einen zweistündigen Vortrag über den Zionismus. Tie gediegenen Ausführungen fanden lauten, sogar stürmischen Beifall. Durch lebhafte Zurufe aus dein Publicum genöthigl, bestieg der vielfach bewährte zweite Gast, Herr Taubes, Redacteur des „Haam", die Tribüne und sprach in äußerst beredter Weise über d i e B e d e u 1 u n g d e s Schekels für die Einheit und Organisation. Unter stürmischem Beifall schloss er seine kurzen Ausführungen. Ein gemüthlicher Abend vereinigte dann die beiden Redner und ihre Zuhörer bis in die späte Nachtstunde. Focsani. Seit Neujahr besteht hier ein Verein junger Männer „Rimon", mir der Tendenz, nach Palästina auszuwandern, um in enger Gemeinschaft Agricultur zu treiben. Corrstanta (Rumänien). Die Soc'ietatea „Bnei Zio n" hatte Sonntag, den 8/20. d. M. ihre Generalversammlung, die den Anschluss an das Galatzer Centralcomite genehmigte. Die Wahlen ergaben folgendes Resultat: L. Hasan, B. B e i n e r, I. M e r l a u b, N. I e r u s a l m i, H. I e r u s a l m i, A. Ber - c o v i c i, Ph. Bercovici, S. Ca h a n a, I. F r a n g e r, I. B r e n n e n f e l d. Sofia. Am 4. AL>ar wurde der neue Zionsclub eingeweiht. Ter Verein umfasst vorwiegend Aschkenasim und hat sich nebst der zionistischen Agitation auch die Förderung der hebräischen Sprache unter der jüdischen Jugend zur Ausgabe gemacht. Bei der Gründungsfeier entwickelte der Vorsitzende in längerer Rede den Zionismus, seine Entstehung und seine Begründung und schloss mit der Aufforderung, dem „Serubabel" beizukrcten. Hieraus wurde eine von Don Iwio gedichtete hebräische Hymne gesungen. oA. Vierer ergötzte mit ewigen Gesangsvorträgen das Publicum. Schlussrede sprach Don I w i o. Nach Absendung eines Begrüßungstelegrammes an Dr. Herzl und die acad. Verbindung „K ad im ah" zu ihrem Jubiläumscommers schloss die Feier. Kobeljaki (Gouv. Poltawa). Die Zahl unserer Anhänger wächst stetig nicht nur in größeren Städten der Ansiedlungsgebiete, jondern auch in entlegeneren Winkeln. Umso freudiger wirkten Nachrichten, wie die, welche „Woschod" bringt. In dem kleinrussischen Städtchen Kobeljaki wurden neben dem bereits bestandenen zionistischen Vereine, dessen Mitglieder der conservativen Richtung angehören, ein zweiter von der hiesigen intelligenten Jugend gegründet. Genf. In unserer Stadt fand zum erstenmale ein Purinnest statt, dass alle jüdischen Kreise zu einer frohen Feier vereinte Das Verdienst gebührt dem neugegründeten jüdisch-literarischen Vereine. Vergangene Woche hielt Herr Sradtrath M. G r ü n - berg einen beifällig aufgenommenen Vortrag über Moses Mendelssohn und sprach Herr M a r c o u - B a r u ch über Spinoza und seine Philosophie. Er schloss mit der Aufforderung, vom Pantheismus zum Panzionismus forrzuschreiten, der nicht nur für die jüdische Welt, sondern auch für die Nichrjuden nur Gutes anstreben wolle. London. Die Hauptgruppe der „Chovevi Zion Association" har die Arbeiten der Conserenz officiell genehmigt. Das zuc Ausarbeitung eines Organisations-Planes gewählte Comitä hat bereits eine Sitzung abgehalten und dürste im Laufe dieses Monates seine Arbeit abschließen. Inzwischen setzt der „Bnej Zion" seine Wochenversammlungen fort, in Manchester hat der „Vaad Hazioni"" ein großes Meeting abgehalten, in Bristol und Liverpool sind neue Vereine entstanden. Von den verschiedenen Artikeln, die im Anschluss an die Conserenz erschienen, verdienen zwei unsere besondere Aufmerksamkeit. In dem „0k e w s o k th e We ek" führt der Verfasser aus, dass die Juden nur entweder Zionisten werden oder sich ganz vom Judenthum loslösen müssen: im neuen Wochenblatte „Outlook" wird der Zionismus als eine neue Orientfrage betrachtet. Eine eigentliche anti-zionistische Bewegung besteht hier nicht, aber unsere Gegner sind bemüht, uns zu verdächtigen und zu verleumden. J <1. U. Manchester. Sonntag, den 20. März, veranstaltete der Verein „Vaad Hazioni" ein sehr gut besuchtes Meeting in den Ncbenräumen der großen Synagoge. Das Referat erstattete Mr. I. de Haas aus London, den Vorsitz führte Tr. Fink elfte in. Referent sprach von den Fortschritten der zionistischen Bewegung unter besonderer Berücksichtigung des nationalen Moments. Er erntete großen Beifall. Dem Vereine. der bereits eilfhundcrt Mitglieder zählt, traten zahlreiche Anwesende bei. Mr. de H a a s sprach dann noch im „Torshei Zion." Rcw-Aork. In Sachen der Genossenschaft für den Verkauf palästinensischer Producte sand hier eine Versammlung zionistischer Delegierter statt. In derselben wurde beschlossen, an die Zionisten wegen Ankaufes der Antheilscheine einen Appell zu richten. Von den 1000 Antheilen ä 100 Dollars, sind bisher erst um circa 20.000 Dollar Actien verkauft. New-Hork. Die am 25. März zum erstenmal erschienene Wochenschrift „Zion Weekly News" veröffentlicht an erster Stelle folgenden Ausruf: „Die Executive des Verbandes der Zionisten-Vereine in den Vereinigten Staaten von Nordamerika hat in ihrer letzten Sitzung beschlossen, unter dem Titel „Weekly News" jede Woche Berichte über die Bewegung in Amerika und anderwärts herauszugcben, damit die dem Verbände angchörenden Vereine imrncr genaue Kenntnis darüber erhalten, was in der zionistischen Bewegung geschieht." Chicago. Wie unser hiesiges Parteiorgan „Chicago Weekly"' berichtet, findet a m lo. M a i l.sOS d i e Conserenz der z i cn i st ische n Vereine von N o r d a m e r i k a statt. T er Ort in noch nicht bekannt, da der New-Porter Verband, der die Conferenz vorbereitete, den Vereinen fünf Städte zur Auswahl gegeben hat : Washington, New-Port, Baltimore, Boston oder Philadelphia. Für die Anzahl der Delegierten wurde folgender Modus bestimmt: Vereine mit mindestens 25 Mitgliedern wählen einen Delegierten, bis 100 einen zweiten, und von jedem weiteren loo noch einen Delegierten. Ein Verein darf aber höchstens von fünf Delegierten vertreten fein. ConcholldkPkn. Oesterreich-Ungarn. Wien. (Orig.-Corr.) Das Parlament ist auf Osterferien gegangen. Aber die zehn Tage, die es in der XIV. Session durchlebt hat, genügten, um trotz Spracheustreit, Berfassungsconslict und Ausgleichsrummel wieder einmal den ganzen Jammer der Judenfrage im grellsten Lichte zu zeigen. Während alle Parteien das Jnterpellationsrechr dazu ansnützten, um sich über das ihnen wirklich oder vermeintlich zugesügte Unrecht zu beklagen, haben die in den verschiedensten Parteien geduldeten zwölf Juden nichts daran auszusetzen gefunden, dass in Krakau ein Gymnasialkatechet die schändlichsten Verleumdungen gegen die Juden in einer Truckschrist verbreitere, die er durch einen Collegen, einen k. k. Gymnasialkatecheten, vertheilen ließ. Sie haben geschwiegen, trotzdem in Wieliczka jüdisches Blut floss