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Die Welt · 1898-04-07 · 14 (7.4.1898) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
14 (7.4.1898)
Article
Wie im "freien" Ungarn die Juden-Einwanderung verhindert wird
Date
1898-04-07
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Seile 8 „P!c#WdC Nr 14 so ganz wie in einen! — freien Staate. Ter Abgeordnete Bisontai, der einzige Oppositionelle unter den zwölf jüdischen Abgeordneten, hat vor einiger Zeit anlässlich der Budgetdebatte recht interessante Dinge darüber erzählt, wie sich der Minister Perczel die galizischen und russischen Juden vom Halse schaffte. Aber die „liberalen"' ungarischen Blätter haben die Geschichte verschwiegen, die auswärtigen Corresyvndenten scheinen den Fall — überhört zu haben, und da auch Herr Perczel aus diese schweren Beschuldigungen Bisontais gar nichts zu erwidern hatte, so ist nun Alles in Vergessenheit gerathen. In der Pester „Allgemeinen jüdischen Zeitung" finden wir nun den Wortlaut der bezüglichen Ausführungen Bisontais: . dann aber will die Regierung die Judensrage versteckt im Wege der Bajonette lösen. Und doch ist dies eine hochwichtige Frage, bezüglich deren manche einen billigenden, andere einen ablehnenden Standpunkt einnehmen, die aber keineswegs mit Gensdarme n, sondern nur mit den Grundsätzen der Humanität gelöst werden kann. Die Einwanderungssragen und besonders die Frage der Einwanderung der galizischen Juden stehen wohl mit den Interessen der ruthenischen Bewohner der oberen Gegend im Zusammenhang; dann aber möge die Regierung vor das Haus treten und sagen, was sie eigentlich will und was sie mit den 111 Gensdarmen bezweckt. Wie stellt sie es sich vor, die Einwanderungssrage durch die Bajonette lösen zu können?" Aber wie sagt Kronawetter? Das „freisinnige" Ungarn. Im ungarischen Reichstage hat Abg. Mocsy in jüngster Zeit einige Judendebatten herausbeschworen. Er erklärte, „das christliche Evangelium allein sei es, mit welchem man auch in Ungarn den Nebeln begegnen kann, namentlich der Gefahr, dass das Land unter die Knechtschaft des Judaismus gerathe. Redner möchte nicht, dass es zur ultima ratin gegen die Juden komme, sondern, dass eine Regelung nach dem Grundsatz „leben und leben lassen" erfolge. Dass die Juden die Herren des Geldes geworden, erkläre sich nur dadurch, dass sie eine mächtige, über die ganze Erde verbreitete Organisation, die „Alliance israüiiie" besäßen. Durch diese Organisation verfügen sie nicht blos über mächtige Einflüsse, sondern auch über große Geldmittel. Auch haben sich die Juden aus die Presse geworfen, um durch diese die öffentliche Meinung zu bearbeiten. Judenthum und Christenthum, das sei Oel und Wasser, das vermenge sich nicht. Ungarn werde entweder christlich oder jüdisch sein. Auch in den Jntelligenz-Berusszweigen nähmen die Juden immer mehr überhand. Tie^Aerzte, Advocaten, Ingenieure, Richter seien zumeist Juden. In den Ministerien werden außerordentlich viele Juden verwendet: dies gelte namentlich vom Justizministerium: und doch gelte ja die christliche ungarische Nation als ein eminentes Juristenvolk. Alle Schulen seien von Juden in einem Maße überschwemmt, welches ihr Verhältnis zur Gesammlziffer der Bevölkerung weil übersteige. In solcher Weise sei also der christlich-ungarische Stamm aus allen Gebieten unterdrückt. Sei dies deshalb, weil die Juden mehr Neigung zum Studium haben, sei es deshalb, weil die Juden eine andere Moral haben ... Es gebe eine christliche, eine jüdische, eine mohamedanische Moral. Wenn es wahr wäre, dass die Juden in Betreff der Intelligenz höher stehen, dann wäre cs nur umso nothwendiger, durch gesetzliche Verfügungen dafür zu sorgen, dass die Christen nicht unterdrückt werden." Er erklärt, dass er sich nicht erst seit Kurzem zu antisemitischen Principien bekenne und verliest zum Beweis dessen einen Artikel, welchen er vor mehr als zehn Jahren veröffentlicht hat. Doch könne er sich nur zu einem solchen Antisemitismus bekennen, welcher mit den Principien der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit nicht in Widerspruch geräth. Er werde auch nicht aushören, zu fordern, dass Ungarn zur christlichen Basis zurückkehre. In erster Reihe die jüdischen Journalisten, welche in Provinzblättern und hauptstädtischen Blättern — selbst den „Pester Lloyd" nicht ausgenommen — die christliche Religion tagtäglich verspotten. Dann die Regierung, denn der Handelsminister hat ja erst vor Kurzem einer Deputation der christlichen Kausleute erklärt, er könne die allgemeine gänzliche Sonntagsruhe mit Rücksicht aus die orthodoxen Juden nicht einführen. Tann die jüdische Gesellschaft, welche soweit gegangen ist, sich anläßlich der Affaire Dreyfus in die internen Angelegenheiten eines fremden Staates einzumischen, indem sie Picquart einen Ehrensäbel überreichen wollte. In Oesterreich bemühe sich Lueger und seine Partei, das Volk von dem Einflüsse der Juden zu befreien. Mit diesem Bestreben sympathisiere die Volkspartei auch. Ungarn solle vom Einflüsse der Juden befreit werden, er schließe deshalb seine Rede mit dem Rufe: Es lebe das christliche Ungarn! (Zustimmung bei der Volkspartei) Vierzehn Juden haben sich vor dem Gerichte in Minsk gegen die Anklage zu vertheidigen, dass sie Soldaten überfallen haben. Die Genesis dieses Zusammenstoßes besteht darin, dass vor mehreren Monaten Jndenexcesse ausgebrochen sind, und die Soldaten anstatt die Juden zu vertheidigen mit den Excedenten gemeinsam vorgiengen. Die Juden setzten sich zur Wehre. Außer dem Staatsanwalt wird noch das Regiments-Commando von einem Privatankläger vertreten. Als solcher figuriert der antisemitische Advocat S ch m a k o s s, der Verfasser des Buches: „Die unmoralischen Lehren des Schulchan Aruch." Die Juden in den höheren preußischen Unterrichtsanftalten. Das „Ergänzungsheft für die gesammte Unterrichtsverwaltung in Preußen" bringt folgende Daten über die Betheiligung der Juden in den höheren Unterrichtsanstalten. Es besuchten: Sommer 1896 evangel. kathol. jüdische dissident. Gymnasien 51275 22049 6583 117 Progymnasien 2522 2546 361 2 Realgymnasien 19107 3064 2047 96 Realprogymnasien 5161 837 268 21 Oberrealschulen 8512 2147 656 42 Realschulen 16532 2430 1830 95 103109 33073 11745 373 Winter 1896/7 evangel. kathol. jüdische dissident Gymnasien 49913 21562 6424 112 Progymnasien 2464 2515 346 1 Realgymnasien 18624 3006 2002 87 Realprogymnasien 4963 812 264 22 Oberrealschulen 8386 2106 624 41 Realschulen 16402 2373 1799 91 100752 32374 11459 354 Mit dem Zeugnis der Reife wurden entlassen aus den evangel. kathol. jüdische dissident. Gymnasien 2918 1220 343 6 Realgyninasien 659 84 31 9 Realschulen 124 34 6 — 3701 1438 380 15 Es sind also mehr als 71/2 % der Schüler in den höheren Lehranstalten Juden. Unter den Abiturienten sind die Juden mit 7 % der Gesammtzahl vertreten. & Die Miftische Dmegang. Spenden für zionistische Zwecke sind an Herrn Dr. ©. K o kesch, Hof- und Gcrichts-Advocatcn in Wien, l., Singer strafte 25, zu senden. Steyr. Ferne von den jüdischen Centren wohnen die Juden Oberösterreichs in besseren materiellen Verhältnissen. Zerstreut auf dem flachen Lande, in geringer Zahl in den Städten lebend, auf den Verkehr mit dem arischen Nachbar angewiesen, sogen sie mit voller Brust die Lehren der Assimilation ein. Mit Stolz fühlten sie sich als deutsche Fortschrittsmänner: mochten auch die geheimen Antisemiten, genannt Liberale, oft genug sie zurückweisen, mochten sie auch ausgeschlossen sein von allen Vereinen der besseren Stände, sie sahen nichts vom Judenhass — wollten nichts sehen. Weh' dem armen polnischen Juden, der sich nach Oberösterreich verirrte, wie zürnte man ihm, wenn er länger als gerade nothwendig, in der Stadt oder im Markte weilte. Erst, als deutsche Studenten und Doctoren mir ihrem Radaunationalismus den Rassenhass intensiv zu predigen anfingen, erwachten die Vernünftigen unter den Juden aus ihren assimilatorischen Träumen und schauten sich vergebens um eine politische Zufluchtsstätte um. Beängstigt schlossen sie sich inniger zusammen, die einen um in der Religion eine Zuflucht und Ersatz für die verlornen Ideale zu finden, Oie andern um dem politischen Leben gänzlich zu entsagen und nur ihren Berufsgeschäften zu leben. Zwischen beiden Th eilen aber war eine Reihe von Männern, welche die Ideale der Modernen nicht aufgeben, sondern im eignen Volke verwirklichen wollten. Die Botschaft vom ersten Familienrath der Juden, die Nachricht vom Baseler Eongress, bedeutete für sie eine Freudenbotschaft, einen Hellen Stern in dunkler Nacht. Ihm folgten sie beharrlich und voll froher Hoffnung. Sie, die sich heimgefunden zu ihrem Volke, trugen die frohe Botschaft hin zu den Resignierten. Und wie agitierten sie für die Zionsidee, mit welchem Eifer suchen sie ihre Ideale Fernesieh enden zu erklären! So bereiteten sie. Alte und Junge, den Boden zu der ersten Versammlung vor. Allen voran waren es die Herren zur. eanä. Egon Adler, nie.l. cand. Emil Kronberger, sowie der Schriftsteller Rudolf Kafka, die alle Schwierigkeiten aus dem Wege räumten und energisch den Zionismus predigten. Die erste Versammlung, die

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