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Die Welt · 1898-04-01 · 13 (1.4.1898) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
13 (1.4.1898)
Article
Der Antigoyismus in Zion
Date
1898-04-01
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 13 J*Ow<r Seite 13 Eine Nation des Geistes. In Palästina ist der Ungebildete etwas Unbekanntes. Tie Grenzen werden von wissenschaftlich gebildeten Grenzwächtern gehütet, und wer nicht einen bestimmten Bildungsgrad besitzt, wird ohne Mitleid aus dem Reiche Gottes verbannt, der wie man weiß, der Herrscher des Landes ist. Diese allgemein verbreitete Bildung bringt es mit sich, dass das geringste Werk ans dem Gebiete der Wissenschaft, Litteratur und Philosophie, das einen gewissen Wert hat, leicht in einem einzigen Monat zwei- oder dreihundert Auslagen erlebt. Es gibt keinen 'Arbeiter, selbst unter den Minenarbeitern des Libanon, der nicht seine reich eingerichtete Bibliothek besäße. Ta ein jeder Bürger arbeitet, so ist es nicht nöthig, sich bis zur Erschöpfung auzustrengen, um bequem zu leben, (die 'Arbeiter der Hüttemverke haben den Siebenstundentag) und man gibt sich während der arbeitssreien Zeit dem Studium oder der Erziehung seiner Binder hin. Ter Unterricht ist dort ans allen Stufen ganz unentgeltlich iind frei zugänglich. Es gibt keine staatliche Vorschrift, kein Lqceum, kein Colleg. Kein Lehrer darf mehr als fünf Schüler haben, denen er sich ganz und gar widmet. Tarans resultiert eine geradezu unerhörte Concurrenz auf dem Gebiete der Pädagogik. Tie Kindererziehung ist, alles in allem, die wahre Leidenschaft der ganzen Natioiu Tie Schulen schießen wie die Pilze ans dem Boden. Man kann sagen, dass es ihrer heute in Jerusalem so viele gibt, als es in Paris am Ende des vorigen Jahrhunderts Weinschänken gegeben. Man kann sich nun ungezwungen das beträchtliche Interesse der Fremden von Bedeutung erklären, sich gerade da dauernd niederzulassen und anderseits den Wert, den seinerseits Palästina diesen hinzugekvmmenen Kräften beilegt. Es ist übrigens so, dass in Politicis die Fremden das w die Wagschale fallende Element bilden, da sie ja nicht die Leidenschaften der nationalen Mehrheit theilen. Diese Fremden, Christen oder Muselmanen, verbriidern sich vollständig mit den Eingeborenen. Sie respectieren den Sabbath, schließen Mischehen, nehmen die Sillen des Landes an, kurz, passen sich bis zu dem Punkte an, dass sie an den aus den Mischehen hervorgegangenen Kindern sogar die Circumcision vornehmen lassen. Der Antigoyisrnus. Die Abstammung Biermonds. So beschaffen ist die Lage der Fremden. Ta erstand eines Tages ein Alaun, der bis dahin unbekannt war, mit Namen Isaac Nathaniel Biermond, der Held des heutigen Tages, der bald eine Berühmtheit von zweifelhaftem Wert gewann durch die Veröffentlichung einer Schmähschrift mit dem Titel „Das vergoyte Iudaea". In diesem Werke, das voll von Beschimpfungen für die zahlreichen in Palästina an,ästigen Christen war klagte er diese aller erdenklichen Missethaten an und reizte seine Mitbürger auf, sie zu vertreiben oder, wenn nöthig, zu decimieren. Von damals an verstand er es dank seiner Energie und seiner fruchtbaren, erfindungsreichen Phantasie allen Widerlegungen die Spitze zu bieten und hatte es selbst dazu gebracht, sich mit einer Partei von Fanatikern zu umgeben, die zwar gering an Zahl aber außerordentlich rührig waren und sich aus denen reerutierten, welche man „die Bannbefreiten" nennt. Es gibt nämlich in Judaea eine Anzahl von Vergehen, die man nicht mit Gesängnis straft — es gibt dort gar keine Gefängnisse — sondern mit Verbannung auf eine gewisse Zeit. Einzelne der Bestraften kehren als Reuige zurück; andere aber, die außerhalb Palästinas Sitten angenommen haben, welche mit den nationalen Gewohnheiten unvereinbar find, bleiben auch nach ihrer Rückkehr in ihrem Jmieren in dem Zustande Entnationalisierter. Um nun ihre Mängel zu verhüllen, führen sie immer als die Tugendhaftesten des Landes die erhabensten Principien desselben im Munde, ohne übrigens auch mir ein einziges su üben. Und während das Land das Aufblühen zu würdigen weiß, das es den Fremden verdankt, klagen sie die ganze Nation an, antipatriotisch zu sein und berufen sich dabei auf einen exclusiven, rohen 'Nationalismus. , Ihr Führer Viermond ist von jüdischer Herkunft. Er ist in Hebron, im westlichen Todtenmeerbezirk geboren. Sein Vater aber war ein eingewanderter Christ, französischer Abstammung, der hier nach tausend Mühseligkeiten ans Land geworfen worden war. Sein wahrer Name war nicht Viermond, sondern Treimond. Er war der Sohn eines gewissen Eduard Treimond, der nach den Berichten der Journale so etwas wie ein französischer Temagog des letzten Jahrhunderts gewesen sein muss, zu der Zeit, als das alte Frankreich antisemitisch war. Dieser Treimond, der einer alten jüdischen Familie entstammte, hatte seinen Namen in Trumvnt verroandelt, aber die Ethymologie war deutsch: Treimond, französisch Trois-lunes ****). (Fortsetzung folgt.) * Das neue Ghetto. Schauspiel in 4 Acten von Theodor Hcrzl. Illustrationen von I. M. Okin. (4. Fortsetzung) Dritter Act. (Kleiner Salon bei Rheinberg. Keine Parvenu-Eleganz. Alles discrct, aber kostbar. Echte Gobelins. Feine Empire-MSbel, nicht zu viele Gegenstände. Einige Bronce- und Marmor- Statuetten. Ailf eigenem Gestell ein wertvolles Bild. — Hintergrund ein Wintergarten. —■ Drei Thüren.) 1. Srenr. Wasterstcin Hermiue, Charlotte (kommen aus dem Wintergarten. Halbdunkel,. W a s s e r st e i n (höchst elegant gekleidet, steht im Thürmlsschnitt, blickt rückwärts). Ich werd' mir auch machen lasten so einen Wintergarten. Wie heißt man das? Palmen, Mordichäen? Charlotte. Orchideen Wasser st ein. Ich werd' meinen Tapezierer herschicken — wenn Sie erlauben, Frau Rheinberg. Charlotte. Lieber einen Gärtner. Wasserst ein. Kann ich auch... Aber ich Hab' alles dem Tapezierer überlassen. Ich Hab' ihm gesagt: richten Sie mir die sechs Zimmer ein. Hermine (lacht). Werden Sie da Platz haben? Wasserstein. Ich bin ein bescheidener Mensch. Und ich will nicht eingerichtet sein, wie ein Parvenü. Was es kostet, kostet es. Er hat mir gemacht einen Ueberschlag. Charlotte. Viel? (Dreht au einem Knopf. Elektrisches Licht erglänzt.) W a s s e r st e i n (nachlässig). Nein. Dreiundsechzigtausend Gulden — die Bilder und Kunstwerke inbegriffen. Ich brauch' nur einzuziehen. Charlotte. Sie wollen gewiss heiraten, Herr Wafferstein. Wasser st e i n. Wie heißt heiraten? Wenn ich wollte heiraten, hält' ich mir doch genommen eine größere Wohnung. Nein, meine Damen, Emanuel Wafferstein wird nicht mehr heiraten. (Blickt Hermine elegisch au.) Emanuel Wafferstein hat einmal geliebt — und nie wieder. (Setzt sich, schlägt die Beine über.) H e r m i n e. Das klingt furchtbar traurig. Wasserstein (traurig). Es is auch so. Was Hab' ich jetzt davon, wenn ich im Treffen bin? . . . Ich kann ****> Wir schöpften diese 'A'achrichlen aus einem Werke, da^ in dieser Sache auf 'Anwrilät 'Anspruch machen kann, aus' dem „kurzen Handbuch der Eigennamenverhunzungen" von 'Abraham Treufu. i'Großoctav, V.K 'Abschnitt, Seile hs7l Eben dieser Abraham Dreufu hatte seinen Eigennamen „Trepfus" so verändert um feinen jüdischen Ursprung zu verschleiern, eine häufig ange' wendete Ausflnchl unter den Inden der damaligen Jett, um sich gegen alle Mastacres zu schützen. 'Aber er konnte dennoch seinem Schicksal nicht entgehen. Durch eine den damaligen französischen nutzen gememsame Unbesonnenheit hatte er seinen Vornamen Abraham behalten. Ties verriclh ihn der Menge und koslele ibm das Leben. (Siehe die Vorrede seines Werkes. — Note des Correspondenten).

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