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Die Welt · 1898-04-01 · 13 (1.4.1898) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
13 (1.4.1898)
Article
Memel [Nachricht] / M.
Date
1898-04-01
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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»Jt. 13 J*OW*r Seite 11 Bevölkerung kamen Tr. Riilf an diesem "Abende die lebhaftesten Sympathiebezeugnngen zu. Besondere Anerkennung für Tr. Rülf drückte auch das Schreiben des königlichen Landrathes des Kreises Memel aus. — Hoffentlich wird der thätige, nimmermüde Mann auch im Kreise seiner Kinder, zu denen er sich jetzt begibt, allen jüdischen Bestrebungen fernerhin mit ebensoviel Erfolg dienen können, wie bisher. M. Frankreich Algier, 25. März. Die Zustände in Algier verschlimmern sich fortgesetzt, namentlich infolge der Schwäche der Regierung. Seit drei Tagen sind alle jüdischen Geschäfte geschloffen. Abends versuchte eine Schaar Antisemiten in die Synagoge einzudringen, wo Gottesdienst stattfand. Eine Compagnie Jäger zersprengte die Ruhestörer mir anfgepflanztem Bajonett, wobei es zu zahlreichen Verwundungen kam. Ter General-Gouverneur Lc-pine ist, wenn er sich öffentlich zeigt, den Schmähungen der antisemitischen Menge ausgesetzt. Tie „Libre Parole" will wissen, dass er seine Demission erbeten habe. Russland. Warschau. (Or.-Corr.) Klemens I u n o s z a, der polnische Novellist und Humorist, der dieser Tage in Warschau starb, bat in seinen Arbeiten hauptsächlich das Leben der Torfjuden und Bauern geschildert. Um den Juden näher zu kommen, hat er nicht nur ihre Gebräuche und Gewohnheiten genau studiert, sondern auch den Jargon volkommen erlernt. Tie besten Beweise hiefür finden wir in seinen classischen Uebersetzungen der Romane Abramowicz' „Die Klacze" und „Tie Reisebeschreibungen Benjamin des Dritten", durch die dieselben sowohl der weiteren Oeffentlichkeit als auch dem „intelligenten" jüdischen Publicum in Polen bekannt wurden. Die erste Novelle Junosza's, erschienen im Jahre 1880, gehört zu seinen vbjcctivsten Schilderungen und zu den ergreifendsten Bildern socialen Elends in der polnischen Belletristik; sie heißt: „Ter Flickschneider". Man pflegt diese Novelle neben Sienkiewicz' „Janko, der Musikant" zu stellen. Tiefer Flickschneider, Juda Silberknopf, arbeitet die ganze Woche, bei Tag und Nacht, im Hose eines Edelmannes und bekommt dafür vier Rubel und einen Sack Erdäpfel, die er am Freitag selbst zu seiner Familie in die Stadt tragen muss. Seine Vergangenheit, seine harte Arbeit und dann den langen Weg in die Stadt, bis er erschöpft zusammenbricht, schildert uns Junosza mit einer warmen Empfindung und tiefen Beobachtungsgabe. Die Arbeit erregte viel Aufsehen. Bald begann jedoch Junosza die Juden von einer anderen Seite zu betrachten. Er war in der Redaction des ersten polnischen antisemitischen Blattes „Rola" eingetretcn. In allen seinen weiteren Arbeiten bemühte er sich die Inder; lediglich als Volksausbeuter und Wucherer darzustellen. Er wurde einseitig und wenn er auch so manche harte Gegensätze durch seinen jovialen Humor zu mildern suchte, so blieb er doch ungerecht. Er hat das 40. Lebensjahr erreicht. Nkremsnachrichlk«. Wien. Am 20. März fanden in der jüdischen academischen Verbindung „Unitas" Neuwahlen für das VJIJ. Semester statt. Aus dem Rechenschaftsberichte des abtretenden Präsidiums entnehmen wir: Im Laufe des Semesters wurden Vorträge gehalten von den Mitgliedern : M u n k, F ü r st, S ch ö n s e l d, F i s ch e r, Benedikt, Engländer und L o e b l. Von der auswärtigen Thätigkeit ist hervorzuheben: Die Gründung eines Vereines von Absolventen der höheren Handels- und Fachschulen, des jüdischnationalen Vereines „Iördani a". Die Neuwahlen ergaben folgendes Resultat: Techn. David L e o p. Deut s ch, Präses, ."tud. phil. Alois Fischer, Vicepräses, --tust. iur. Joses S a n b o r, Schriftführer. Wien. Der hiesige Verein jüdischer Mädchen „H adassa " hat beschlossen, einen Curs für hebräische Sprache zu eröffnen. Fünfzehn Damen meldeten sich zu diesem Unterrichtscurse an, woraus sich der Verein an den „Hebräischen Club" des „Zion" wandte mit der Bitte, ihn bei diesem Vorhaben zu unterstützen. Vom „Hebräischen Elub" wurde Herr M. Berkowicz als Lehrer bestimmt. Der Unterricht wird dieser Tage beginnen. Anmeldungen sind an den Verein „H «dass a", II.. Praterstrafte 2'A, pr. Adr. des Herrn Saphier, zu richten. Wien. Der humanitäre Gesclligkeitsverein der „Ungarisch- Broder" veranstaltet den ± April im Festsaal des Hotels „Continental," 11., Taborstrafte, einen Vortragsabend mit nachfolgendem Tanzkränzchen. Brünn. (Jüdisch-akademische Verbindung „V e r i l a s".> Bei der am 16. März stattgefundenen Vollversammlung fand eine Neuwahl des Ausschusses für das laufende Sommerscmester stall. Das Ergebnis der Wahl war folgendes: Präses J.-U.-f.. Bcrlhold Feiwel, Vicepräses sluä. jur. Rudolf Nassau, Schriftführer siuii mech. Rudolf Zeisel. Der Eröffnungscommers der Verbindung fand am 24. März statt. Der Bericht, den die Verbindung versendet, gibt ein Bild der Tbätigkeil der Brunner Zionisten und enthält eine Reihe geistreicher Epigramme. Wir citicren nur folgendes: Fortschritt. Moses — also der Urahne hieft, Marcus — so hieft der Ahne, Groftvater hieft Moriz, jedoch Marcell Heißt der jüngste der „Kohane". Urahne war „Jüd", ein „Jude" der "Ahn', Großvater, der war „Semite", Jedoch das jüngste Familienglied Ist nur noch — „Jsraelite". 8 V. Krakau. Im hiesigen akademisch-zionistischen Verein „P rze ds w i t" hielt am 2<>. März vor einem zahlreichen Audilorium von Herren und einem Kranz schöner Damen der Redacteur des „Hamagid", I. S. Fuchs, einen überaus interessanten Vortrag über das folgende interessante Thema: „Haben die Juden eine nationale Sprache?" Redner wies zunächst in meisterhafter Weise nach, dass die Juden, trotzdem einem bedeutenden Thcile derselben das nationale Bewusstsein, der Kernpunkt einer jeden Nationalität, abhanden gekommen ist, nach wie vor eine glorreiche Nation Hilden. Sind wir nun eine Nation, so müssen wir die größte Sorgfalt darauf verwenden, unsere nationalen Güter zu erhalten, in erster Linie aber die hebräische Sprache uns anzueignen. Redner schilderte dann in kurzen, aber gelungenen Um rissen den Entwicklungsgang unserer altehrwürdigen Sprache seit ihrem Bestehen und appellierte an die versammelte Jugend, die Kenntnis der hebräischen Sprache, der einzigen Sprache unserer Nation, mit aller Kraft zu fördern und zu verbreiten. Richtenden wollender Beifall lohnte die geistreichen Ausführungen des Redners. An der Discussion nahmen Theil die Herren Tr. I. Gun zig, Julius S ch ö n w e t t e r, B. Spiro, Lehrfreund u. a. m. 0. Braila. Auch hier hat sich ein jüdischer Mädchenvercin „Hadassa" gebildet. Ter Eifer unserer jungen Damen ist im höchsten Grade erfreulich. Nachstehend die Liste der begeisterten Vorkämpferinnen, welche an der Spitze des neuen Vereines stehen. Präsidentin: Frau Regine Herz: Vicepräsidenlin: Fräulein Mina Kirsche n; Sekretärin: Fräulein Jda Agent: E assierin: Fräulein Ernestine Straft: Ausschussmitglieder: die Fräulein Ella Kirsche n, Elaire R a p p a p o r t, Ella H erscovici, Kunigunde R r i a l n i k, Libertine W e i n t r a u b. m Mschristknnmdscha«. Das einzige Organ für jüdische Interessen, das in russischer Sprache erscheint, ist der „Woschod". Seitdem die zionistische Bewegung so mächtig zu wachsen begann und gerade in Rufs land sich eine zahlreiche und angesehene Gefolgschaft zu erobern wusste, musste auch „Woschod" zu diesem neuen Stadium Stellung nehmen. Und das geschah in einer Weise, welche ungemein an den Januskopf mit zwei Gesichtern erinnerte: das" eine des Friedens und das andere des Krieges. In jeder Nummer der Wochenschrift erschien in der Rubrik „Zeilschriften-Echo" eine Zeitschriflenrundschau, mit rUuu<- gezeichnet, deren ganze Richtung der zionistischen Bewegung sympathisch war und die in maßvoller Weise die ganze culturelle und sittliche Bedeutung dieser Bewegung stets hervorhob. Der Herzl'sche Satz, „der Zionismus ist die Rückkehr zum Judenthum vor der Rückkehr in's Juden land", schien .Onus'" besonders angesprochen zu haben. Dafür war die „Auslandschronik" mit „A n n a l ens ch r c i b e r" gezeichnet, jene Stätte, welche die Leser des „Woschod" daran erinnerte, dass der Januskopf noch fortlebt. Mit besonderem Fleiß sammelte der Annalenschreiber alles, was der Beurtheilung des Zionismus nach seiner Ansicht besonders abträglich war und m allen Fällen, wo unsere Gegner den Anlauf nahmen, den Zionismus zu schädigen, focht der Ännalenschreiber tapfer mit ihnen gegen das bessere Gewissen seines Journals, genannt. Dass "ein derartiges Vorgehen die Leser im Unklaren über die Stellung des Journals zu der für die Juden brennendsten Frage des Tages lassen musste, liegt auf der Hand, und es müssen sehr viele diesbezügliche "Anfragen an die Redaclion gerichtet worden sein, denn ganz unerwartet bringt „Woschod" einen Leitartikel, der-diese Zweifel lösen soll, die er aber thalsächlich nicht löst. „Das Journal „Woschod" ist das einzige unserer Organe in russischer Sprache, und Sie müssen daher auch unseren Enunciationen in den Spalten des-

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