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Die Welt · 1898-04-01 · 13 (1.4.1898) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
13 (1.4.1898)
Article
Wien
Date
1898-04-01
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10. Nr. 13. „K a d i m a h" gehörig, „H e i l W o l frufen gehör t. Der Jude schreit heute für die Czechen, morgen für die Deutschen, wenn er nur irgend einen Bortheil hat, und den Bortheil gibt den Juden jetzt Ungarn, und darum muss jetzt Zank und Streit sein, damit wir Ungarn zinspflichtig sind/' Es liegt uns natürlich ferne, auch nur ein überflüssiges Wort über diese Ausführungen des Herrn Scheicher zu verliefen. Wir wollen hier nur das Eine feststellen. Es ist eine Lüge, dass die „Kadimahner" oder sonst irgend ein Zionist sich au irgend einer Demonstration für Wolf oder sonst einen Deutschen, Czechen oder Polen betheiligt haben. Wahr dagegen ist. dass die zionistischen Studenten ausdrücklich dagegen demonstrierten, dass auch Juden an den Ovationen für Wolf theilnahmen. Diese Lüge des Monsignore Scheicher wollen wir hier sestlegen. Eine weitere Antwort an diese Adresse halten wir für unnöthig. Wien (Orig.-Cvrr.) Tie am 27. März abgehaltene öffentliche Sitzung des CultusVerstandes hatte zwei wichtige Angelegenheiten ans der Tagesordnung. Die Sitzung wurde um 10 Uhr vormittags bei Anwesenheit von 12 Borstehern (gerade die Hälfte des Borstandes) eröffnet, Als erster Gegenstand wurde die neufundierte „Freihcrrlich Rothschild'sche Künstler-Stiftung" von 200.000 Kronen zur Debatte gebracht. Der Secretär las den Stistsbries vor. Nach demselben stellen die Herren Nathaniel und ''Albert Freiherren von Rothschild dem Cultusvorstande aus Anlass des fünfzigjährigen Kaiserjubiläums 200.000 Kronen als Stipendienstiftung für jüdische Künstler und Künstlerinnen zur Verfügung. Das Capital ist in 4 % iger .Kronenrente anzulegen und vom Cultusvorstande zu verwalten. Anspruch auf ein Stipendium, das jedoch nur für ein Jabr verliehen und nach dessen Ablauf eventuell prolongiert werden kann, haben jüdische Kiinftler oder .Künstlerinnen auf dem Gebiete der Architectur, Malerei, Bildhauerei, der graphischen Künste itnd musikalischer Composition. Tie Höhe der Stipendien wird jeweilig vom Cnratorium bestimmt und beträgt von 300 bis 2000 Gulden. Diese Stipendien dürfen jedoch nicht an Schüler, Eleven und angehende Künstler, sondern nur „an solche, die schon etwas geleistet haben", zur Bertheilung gelangen. Das Cnratorium hat ans dem jeweiligen Präsidenten der'Cultnsgemeinde und den sowohl vom Cultusvorstande, als vom Verein zur Conservierung jüdischer Alterthümer und den Stiftern zu nominierenden Mitgliedern zu bestehen. So weit der Stiftungsbrief. Wir wollen cs dahingestellt sein lassen, ob unter den gegenwärtigen Verhältnissen angesichts des in den breiten Schichten der jüdischen Bevölkerung selbst in Wien herrschenden Massenelends diese jüdische Stiftung der beiden Rothschild nicht einem anderen, die Wohlfahrt der jüdischen Bevölkerung mehr fördernden Zwecke dienstbar gemacht werden könnte'.-' Allein die Spender haben das ausschließliche Berfngungsrecht über ihre Stiftung, wenn sie auch bisher nir das Judenrhnm gar nichts von Bedeutung geleistet haben. Anders steht aber die Sache, wenn der Bice-Präsident Toetvr Stern zum Fenster hinaus bemerkte, dass sowohl er als Herr Dr. G n d e m a n n an der Berathnng über den Sriftungsbrief theilgenommen und dessen Niederschreibung beeinflusst haben. Diese Herren sollten es wissen, wenn sie sich schon berufen fühlen, die communis opinio zu bilden, mit welchen Schwierigkeiten jeder jüdische Student, an welcher Faculrät immer, zu kämpfen hat, um sich fortzubringen, wie ihm trotz Fähigkeiten und glänzender Zeugnisse alle Stipendien unzugänglich sind, sie sollten wissen, wie viele Studenten auf dem dornigen Wege zusammenbrechen, bis einer das Ziel erreicht. Und wenn die Cultusgcmeinde im ganzen über minimale Studenteustipendien verfügt, daher für die aufstrebenden Talente gar nichts thun kann, so muss sich jeder social denkende Mensch und Jude fragen: Ist es gerechter, junge, aufstrebende Talente zu fördern, anzueifern und zu unterstützen, die sonst zugrunde gehen, oder solche, die sich bereits ausgebildet haben, die durch eigene Kräfte, „schon etwas geleistet haben" und selbständig schaffen können? Beim Oberrabbiner Tr. Güdemann, der sich gegen Tr. Herzl auf Seite 42 seiner Broschüre folgenden Satz leistete: „Die armen Juden, denen die nationale Bewegung zu Hilfe kommen will, sind gerade die stärksten und dauerhaftesten, die dieser Hilfe, selbst wenn sie eine wäre, am allerwenigsten bedürfen" — kann es wirklich nicht Wunder nehmen, wenn er für die zweite Alternative eintritt. Tie anwesenden Cultusvorsteher nahmen die Stiftung dankend und ohne jede Discnssion zur Kenntnis. Ten zweiten Punkt der Tagesordnung bildete die Frage der Constitnieruilg des von uns bereits mehrfach erwähnten „O e st e r r. I s r. Bunde s." Ter Cultnsvorstand als Einberufer des vorjährigen Gemeindetages beschloss die Theilnehmer desselben zu der Ende April stattfindenden Conftituierung einzuladen. Es soll dabei der IKgliedrige Ausschuss gewählt und die Höhe des Jahresbeitrags bestimmt werden. Herr Dr. Spitzer erfüllte die collegiale Pflicht, indem er dem Präsidium und dem Referenten für die Initiative in Sachen des Bundes den Dank votierte. Nur wäre es besser, die Uebertreibung, dass der Bund das ganze Judenthum Oesterreichs repräsentieren werde, bei Seite zu lassen. Man weiß es ja, dass die Cultusvorstände von Wien, Lemberg, Krakau u. s. w. nicht einmal eine wahre Repräsentation ihrer eigenen Städte sind und die diversen Coterien in Compagnie werden erst recht nicht der wahre Ausdruck des durch ein willkürliches Wahlsysteni verunstalteten Volkswillens sein. Wohl hat aber Herr Dr. Spitzer Recht, dass jetzt etwas mehr in „Rechtsschutz" gemacht werden wird. Warum sollten denn nicht auch die „Schutzjuden" einen eigenen Verein haben? ... L. Wicliezka (Orig.-Corr.) Der antisemitische „Glos Narodu" hatte in jüngster Zeit aus Anlass der hier vorgekommenen Jndenexcefse einen ziemlich heftigen Tobsuchts anfall zu bestehen. Er hatte sich nämlich „Original-Correspondenzen" zugehen lassen, in welchen u. A. die Richtigkeit eines von Seite der Juden gegen P. S z p v u d e r geplanten Anschlages behauptet wurde. Daraufhin erhielt das genannte Blatt vom Bezirkshauptnmnne Szczerbinski eine amtliche Berichtigung, in welcher die Redaction unter Berufung auf den K. 10 P.-G. aufgefordert wurde, ihre Angaben dahin richtigstelleu zu wollen, dass die Nachricht, die Juden hätten sich gegen P. Szponder verschworen, jeder Grundlage entbehre. Tie zwangsweise Veröffentlichung dieser Notiz war keinestvegs geeignet, auf die gereizten Nerven des antisemitischen Redac teurs beruhigend einzuwirken. Fast zu gleicher Zeit hatte der „Glos Narodu" noch dazu das Factum zu verzeichnen, dass die antisemitische Propaganda um ein Agitationsmittel, dessen Wirksamkeit bereits erprobt war, ärmer wurde, dass nämlich der Staatsanwalt W <> dkiewi c z die Confiscation des Pamphlets des P. Martin «Jüdische Geheimniffe), welchem eine neue Auslage bevvrstand, verfügt I atte. Es ist daher leicht begreiflich, dass sich des „Glos Narodu" eine Erregung bemächtigte, welche vom journalistisch-psychologischen Standpunkte mit einem Tob suchtsanfall idcntificiert werden kann. Er versuchte sich an dem Staatsanwalte Wodkiewicz und dem Bezirkshauptmanne Szczerbinski dadurch zu rächen, dass er ihnen ihre Handlungsweise als Cousequenz ihrer Abhängigkeit vom universellen jüdischen Einflüsse vorwarf. Uebrigens zeige sich der Erstere immer rück sichtsvvll und nachsichtig, wenn er sich mit etwas beschäftige, wo er mit den Führern der Socialdemokratie in Berührung kommen könne, und der Letztere kenne nicht nur die Handlungen der Juden, sondern unterstütze sogar ihre Absichten. Hoffentlich wird sich kein Beamter durch solche niedrige und vom Terrorismus erfüllte ''Angriffe in der Bethätiguug seiner Pflichl beirren lassen. 8. R—g. Deutschland. Memel. (Orig.-Corr.) Einer der hervorragendsten Ziv nisten Deutschlands, Dr. I. Rüls, hat die langjährige Stättc seiner segensreichen Thätigkeit verlassen. Er begibt sich midi Bonn, wo er seiner Muße leben will. Unter den vielen Ehrungen, die ihm zutheil geworden sind, heben wir besonders hervor, die Feier in der von Dr. Rüls gegründeten nnd gc leiteten Armenschule, die Festversammlung des Vereines „Gemiluth chaffodim", der ihn zum Ehrenmitglied ernannte, und schließlich das Abschiedsfest der Gemeinde, das dem Schei denden die verdienten Ehren brachte. Aus allen Kreisen der

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