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Die Welt · 1898-04-01 · 13 (1.4.1898) · p. 4

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
13 (1.4.1898)
Article
[Ohne Titel]
Date
1898-04-01
Page
4 (sequence 2)
Language
German
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Seite 4 Nr. 13 Frauen nicht zu Verbannten lassen könne, und erinnert an Bazaine, dessen Gattin ihm zur Flucht von der Insel Saint Marguerite verholfen habe. Allerdings ist das fruchtbare, landschaftlich reizende Saint Marguerite keine Teufelsinsel. Allerdings ist.Frankreich gegen Bazaine, der weit größeres Unglück über das Land herausbeschworen, wie Dreysus es gethan haben soll, milder gewesen, als gegen den jüdischen Capitän. Allerdings blieb Bazaine auch auf der Insel noch ein großer Herr, während Treysns wie ein Thier gehalten wird. Tas hat Herr LeveillO vergessen. Th<Zart spricht von der Unzulässigkeit der „besonderen Fälle", während Leveille davon schweigt. Aber Th6zart braucht die bevorstehenden Wahlen nicht, und Leveillö kandidiert für die Kammer. Ter Großrabbiner von London hat den Assimilierungsjuden, sich selbst, und allen Freunden des Humors ein großes Bergungen bereitet. Den Assimilierungsjuden, indem er anlässlich der tausendjährigen Gedenkfeier für König Alfred den Großen das beliebte Anpassungsversprechen feierlich erneuerte. Sich selbst, da er eine Rede halten konnte, und den Hunlorfreunden, da sie wieder einmal lächeln dursten, als sie den Großrabbi Dr. Adler iu den Wettbewerb national englischer Begeisterrmg mit dem Erzbischof von Canterbury und dem Bischof von London eintreten sahen. Witzig war es auch, wie Dr. Adler die Liebe der englischen Juden zu Alfred dem Großen begründete, indem er ihn nämlich mit — Josuah verglich. Dieser passende Vergleich characterisiert die ganze Anpassung. Er ist so zwanglos wie diese iuit> ebenso natürlich. Der socialdemokratische Abgeordnete Daszynski hat in seiner Rede vom vorigen Dienstag im österreichischen Reichsrath erwähnt, dass die Juden nach Palästina gravitieren. Darob Heiterkeit bei den Volksvertretern und Ruse äußerst links: „Nur fort mit ihnen'." Wir fragen uns bei diesem kleinen Zwischenfalle, was man denn so komisch gesunden hat. Offenbar, dass die Juden, die Herr D a s z y n s k i als die entnationalisierteste Nation bezeichnete, auch Volkswünsche haben. Wir werden eben diese ergötzten Parlamentarier gewöhnen müssen, unsere Sache ernst zu nehmen. Sie ist es vielleicht mindestens in dem Maße wie Wahlcompromisse, Couloiriutriguen, Stimmenschacher und was sonst noch an fröhlichen Abenteuern in modernen Parlalamenten vorkommt. Dir Juden in Palästina.*) Von Oberst C. R. Conder. Es ist überflüssig zu bemerken, dass die Inden in keinem Abschnitte der Geschichte die ausschließlichen Einwohner des Landes waren. Selbst zur größten Blütezeit der Hebräer — unter König Salomon — finden wir sie in Beziehungen stehen zu Einwohnern Nord-Syriens und auch in der Mischna werden srenide, in Palästina wohnende Völker erwähnt. Die Zerstreuung der Juden begann mit ihrer Verschickung durch die Assyrier und Babylonier. Unter Esra kehrte aber nur ein Theil zurück. Viele blieben in Babylon und bettieben, wie aus den ausgesundeuen Tafeln ersichtlich, einen sehr regen Handel. Jerusalem fiel, und dis zum Ausstande Bar Kochbas hatte das Sanhedrium seinen Sitz in Jamnia, südlich von Jafia. Dann übersiedclte es nach Galiläa und schließlich nach Liberias. Tie große Anzahl griechischer und persischer Worte in der Mischna und Gemara beweist den intunen Contact zwischen den Juden und jenen Bevölkerungsclassen in Liberias, deren Umgangssprache das Griechische war. Aber wir haben Beweise, dass die Juden auch in Jerusalem und Jaffa zu dieser Zeit sich ausgehalten haben, beispielsweise einen großen Friedhof in *) Ter Autor dieses bei der englischen Zionisten-Conferenz zur Vorlesung gebrachten, hier nur auszugsweise mitgetheilten Vortrages ist, obwohl Ehrist, einer der besten Kenner der Geographie Palästinas, das er längere Zeit zu Studienzwecken bereist hat. Von seinen Vorträgen sind erschienen und bei der „Ehovevi Zion Association" in London (E. E. Bevis Marks School House) erhältlich: ..The Future of Paiestine“ und „Baslern Paletti ne“. (Anmerkung der Redaction.) Jaffa mit dem Grab des Sohnes von Rabbi Tarphon. Mit Ausnahme der Herrschaft Antonius des Großen im zweiten Jahrhundert des Christenthums, war das Los der Juden ein hartes. Allein im übrigen Asien bildeten die Juden eine Macht. Sie existierten bereits in einer großen Anzahl in Arabien, als Mahomed austrat. Es ist wohlbekannt, dass viele Bestimmungen des Korans der Bibel entnommen sind, und dass Mahomed die jndischenColonien in Nord -Arabien bekämpfte, allein das Los derJuden unter mahomedanischer Herrschaft war doch ein viel günstigeres, als unter christlicher. Denn Palästina wurde inzwischen nach der Bekehrung Constantins von vielen christlichen Pilgern, von Mönchen und Nonnen heimgesucht, und die Bevölkerung stieg immer mehr. Im Jahre 687 eroberte Omar Jerusalem. Von den Juden aus diesem Zeitalter wissen wir sehr wenig. Blos der arabische Schriftsteller El Mukaddasi erzählt von ihnen im Jahre 985, dass sie in allen Theilen des Landes als Banquiers, Färber und Gerber beschäftigt sind. Dann kommen die Kreuzzüge. Während dieses Zeitraumes hat die jüdische Bevölkerung in Palästina die niedrigste Zahl erreicht. Im Jahre 1096 begann der erste Kreuzzug mit den Juden-Massacres in Mainz, Worms, Speyer und Verdun. Auch der dritte Kreuzzug wurde in London mit einem Judenmassenmvrd inauguriert. Der normannische Adel, der bei den europäischen Juden zu tief in Schulden gerathen war, wollte sie unten im Osten nicht mehr zur Geltung kommen lassen. So findet auch Benjamin von Tudela nur sehr wenig Glaubensgenossen in Palästina. In Anttochia gab es kaum zehn Glasschleifer, in Tyrus an vierhundert Glasschleifer und Schifffahrer, in Ascalvn, Galiläa, Tiberias kaum einige Dutzende jüdischer Färber, in Jerusalem etwa zweihundett, in Acre vierhundert, alles in allem in ganz Palästina weniger als 2000 Juden. Zu dieser ttaurigen Lage bildet die günstige Stellung der Juden unter mahomedanischer Herrschaft einen günstigen Cvntrast. In Bagdad lebte der „Fürst des Exils" in großem Ueberflnss und sein Einfluss reichte vom Kaukasus bis nach Süd-Arabien, Armenien und Persien. Die Pfeiler des Tempels von Bagdad waren mit Gold und Silber belegt. Die Juden waren bis nach China und Ceylon gedrungen; in Egypten beeinflussten sie den Handel, und in Alexandrien allein gab es 3000 jüdische Kausleute. So waren denn die Juden, wenn auch in Palästina spärlich vertteten, innerhalb der moslemitischen Provinzen reich und angesehen, Vermittler des Handels zwischen Europa und Asien. Als Acre fiel und mit ihm die christliche Herrschaft in Palästina, lenkten die Juden wieder ihre Schritte hin. Biele Reisende haben darüber Tagebücher zurückgelassen: Samuel Bar Simdon (1210), Jsaac Cheto (1321), Rabbi Uri von Biel (1564) u. s. w. Trotzdem ist die Anzahl der Juden bis ans die Zeit der jüngsten zionistischen Bewegung eine ganz minimale geblieben, wenn sie auch in keinem Zeitabschnitte seit dem llntergange des zweiten Tempels dort vollständig abwesend waren. Die gegenwättigen Bevölkerungs-Verhältnisse in Palästina sind folgende: Die Majorität bilden mit Ausnahme des Libanon Mahomedaner. Türken und Turkmenen finden wir in Nord-Syrien. Die Griechisch-Orthodoxen, Maroniten, Trusen und Tscherkessen bilden nur einen kleinen Bruchtheil der Bevölkerung. Juden finden wir in Jerusalem selbst über 40.000 und sonst noch welche in den Ackerbau-Colonien. Nur in einem Theile Syriens, in Süd-Libanon finden wir eine christliche Majorität unter einem christlichen Gouverneur. Die Bedingungen einer günstigen Colonisatton in Palästina lassen sich auf folgende drei Punkte zusammenfassen: 1. Die Colonien müssen in der Nähe der Häsen oder Hauptstraßen angelegt werden, um die Producte leicht zu exportieren. 2. Tie Colonien müssen so eingerichtet werden, dass sie sich am schnellsten selbst erhalten können. 3. Die Colonisten müssen die türkische Staatsbürgerschaft annehmen. Tenn die Majorität der Bevölkerung ist und bleibt für lange hinaus moslemitisch. Die Juden würden aber in

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