Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 12 (25.3.1898)
- Article
- Kolomea
- Date
- 1898-03-25
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 12 JpkOUHr Seite 9 Einen Glanzpunkt an diesem Abend bildete das vom bekannten Artisten Herrn Josef Borenbaum meisterhaft vorgetragene Gedicht „Der Ackerbauer im Felde" von Zunscr, worin der Dichter das bescheidene, ruhige und zufriedene Landleben in Erez Israel, dem geräusch-, prunk- und sorgenvollen Leben in den dichtgefüllten Golusstädten gegenüberstellt, sowie auch das von demselben mit vielem Geschick inscenierte Melodram „Der Wahnsinnige im Spitale". Mit der Declamation von Tr. Mandelkern's „Kothel maarabi" (Die Westwand) durch Herrn F. Düna f e r, und dem Schlussworte des Akademikers Herrn Ll. Lutw ak, Gründers und Obmannes des „Przedswit" in Krakau, worauf abermals vom Virtuosen Herrn H i r o m intonierte Zionsmelodien folgten, die in Jedermanns Brust ein Gefühl der Wehmuth, aber auch eines der Hoffnung auf bessere Zeiten für Israel erweckten, schloss dieses denkwürdige Fest. s Kottbus (N.-Lausitz). Mit großer Freude wird jeder Zionist den Feldzug begrüßen, der jetzt in ganz Deutschland von unseren Gesinnungsgenossen in Scene gesetzt worden ist. In Städten, wo auch nur einige Zionisten sind, wird mit bewunderungswürdiger Energie agitiert. So auch bei uns in Kottbus, wo bisher die Assimilation leider ihre größten Triumphe gefeiert hat. Auch wir haben hier Männer, die das Unglück unseres armen Volkes richtig erkannt haben, Männer, welche die erhabenen Ideale des Zionismus erfasst und zu den ihrigen gemacht haben. Unser Prediger, Herr Leo K a m e r a s e, ist im Bunde mit dem ersten Vorsitzenden der hiesigen Spnagogen-Gemeinde, Herrn Bankier W. Loewenst e i n, eifrig bestrebt, durch eine ruhige, aber umso sicherer zum Ziele führende Agitation dem Zionismus bei uns Eingang und Anklang zu verschaffen. Nachdem durch Vermittelung und anerkennenswerte Hilfe der Kölner Centrale die hiesigen jüdischen Bürger durch Flugblätter und andere Druckschriften mit unseren Bestrebungen bekannt gemacht worden waren, gieng Herr Pre - d i g e r K a m e r a s e an die schwierige und gewagte Ausgabe heran, eine jüdische Versammlung hier einzuberusen. Am Mittwoch, den 16. März a. c. hatten wir denn auch das Vergnügen, unseren rührigen Agitationsredner, Herrn Dr. Heinrich Loewe aus Berlin, hier über den „Zionismus" sprechen zu hören. Seine meisterhaften Ausführungen, von echt jüdisch-orientalischer Begeisterung getragen, verfehlten ihre Wirkung nicht. Herr Dr. Loewe hat mit seinem Vortrage der zionistischen Sache hier viele Freunde zugesührt, und hegen wir die bestimmte Erwartung, dass er mit seinem zweiten Besuche, den er uns für die nächste Zukunft in Aussicht stellte, noch mehr praktische Erfolge für unsere Bewegung erzielen wird. Ein gemüthliches 'Beisammensein schloss den äußerst genussreichen Abend, zu dem sich u. "A. auch der katholische Pfarrer unserer Sradt eingcsunden hatte. Den Veranstaltern der Versammlung gebührt die wärmste Anerkennung und wärmster Dank, und verdient ihr Vorgehen besonders in den Städten Nachahmung, wo vereinzelte Zionisten sich an eine Agitation nicht recht heranwagen wollen. Hier in Kottbus ist aufs neue bewiesen worden, was ein einzelner Mann unserer Sache leisten kann, wenn er nur mit dem nöthigen Muth und der rastlosen Energie sich an's Werk heranmacht. .1. S. Frankfurt a. M. Eine gutbesuchte Versammlung, die von den Kölner Führern der zionistischen Bewegung in Deutschland veranstaltet wurde, vereinigte hier am 21. März nicht nur die Frankfurter Freunde unserer Bewegung, sondern auch eine Anzahl Fernerstehender. Die Discussion nahm einen erfolgreichen Verlaus. Wir werden darüber noch ausführlicher berichten. Es lässl sich die Thalsache verzeichnen, dass wir auch in Frankfurt von Tag zu Tag mehr Anhänger gewinnen. Jassy. Die zionistische Agitation, die hier seit einigen Wochen durch die schwere Erkrankung des Herrn Doctor Lippe einen kleinen Halt gemacht hat, beginnt wieder rege zu werden, da Dr. Lippe gottlob jetzt außer Gefahr ist, und zu hoffen ist, dass derselbe in Bälde ganz wiederhergestcllt sein wird. Heute fand in der „Großen Synagoge" eine Volksversammlung statt. Herr Eleazar Rokeach aus Palästina hielt eine zionistische Rede, wodurch selbst die Zweifler, die anwesend waren, zum Zionismus bekehrt wurden. Ebenfalls heute fand in dem vor einigen Wochen von Schülern der Handelsschule gegründeten Vereine „Bnei Zion" die Wahl des definitiven Comrte's statt. Herr Dr. Lippe wurde einstimmig zum Ehrenpräsidenten und Herr I. Leibovici zum Präsidenten gewählt. Herr Rokeach hielt auch hier eine kleine Ansprache, welche ihre Wirkungs nicht verfehlte. Corfu. Hier hat sich über Initiative des Lehrers Moirs C aimi ein zionistischer Verein gebildet. Wir haben hier die zahlreichste Judengemeinde von Griechenland. Philadelphia. Am 27. Februar arrangierten die „Ohavc Zion" eine Versammlung, bei der Mr. Moses Klein über die Lage der Juden referierte. Dann hielt Mr. Rose einen hebräischen Vortrag über das „Farmerleben". „Die jungen Zionssreunde" bilden das jüngste Glied der hiesigen zionistischen Organisation. Die Mitglieder dürften höchstens 20 Jahre all sein. 8 Cincinati. Ein zionistischer Frauenverein, „Bnois Zion", ist hier im Entstehen begriffen. Circleville (Ohio). "Am 2". Februar wurde der Verein „Chovevi Zion" in's Leben gerufen. "Als Jahresbeitrag wurde ein Dollar festgesetzt. St. Paul (Amerika). Vor einigen Wochen wurde hier ein zionistischer Verein gegründet, der am Ni. Februar in der Synagoge „Bnei Jacob" eine Massenversammlung abhielt. Die Begeisterung in der jüdischen Bevöllerung ist eine außerordentliche. Das erste Vereinsvermögenbildeten7Dollars, die beim Beschneidungsseste des Sohnes eines Zionisten gesammelt wurden. Das Kind erhielt den Namen Ben-Zion. Purim-Feier. Mähr.-Ostrau. Die Michalkowitzer Kausieute veranstalteten Dienstag, den 8. März in den neuerbanten Saallocaliräten des Herrn cs. Engel in Michalkowitz einen Purimball, welcher einen sehr fröhlichen Verlauf nahm. Man unterhielt sich bis zum ersten Hahnenschrei. Wojnilow. Am 9. März veranstalteten wir im Vereinslocale ein Purimfest, wobei wir auch mit unseren Purimspenden an die Colonisation Palästinas gedacht haben. Die Festrede hielt Herr Jacob Grünberg, woraus Herr Moses Reis die gegenwärtige Judennoth besprach. Unter Absingen der zionistischen Lieder „Jonu hahomiju", „Schoschana" in Jargon und hebräischem Tert und des „Schoschanas Jakob" schloss das heitere Fest. Ttorozynctz. Der neugegründete Verein „Zion" trat am 12. Adar <6. März) mit einem Purimseste zum erstenmale in die Oeffentlichkeit. Die hcllerleuchtete Synagoge füllte ein vielhunderlköpsiges Publicum. Nach Absingung des Liedes „Al naharos bowel" ergriff Dr. Ko mm er das Wort zur Festrede, um in länzender Weise im Hinweis auf die Megila den Zionismus zu egründen. Mit einem "Appell an die Frauen, dem Volke seine Zukunft, die Jugend durch eine nationale Erziehung zu retten, schloss er seine mit stürmischem Beifall ausgenommene Rede. Mit der Absingung des Liedes „Schiwas Zion" wurde die Versammlung geschlossen, die noch ein stattliches Sümmchen für den Colonisationssond als Resultat ergab. Galatz. Die rührigen Fräulein des „C h i b a s Z i o n"- Vereins luden am 13. März zu einem im prächtig geschmückten Saale des hiesigen Theaters abgehallenen Tanzkränzchen ein. Den Reigen eröffnete eine musikalische "Akademie, die von den Fräulein Zipper, der activen Präsidentin der „C h i b a s Z i o n". Fröhlich, K a n n e r, O r n st e i n und Hart erfolgreich bestritten wurde. Hierauf begann der Tanz, der eine fröhliche Gesellschaft bis in die frühesten Morgenstunden beisammen hielt. & ConespondkLM. Oesterreich-Ungarn. AVien (Orig.-CvrrZ Das kaiserlich-russische Ministerium des Innern hat in letzter Zeit bezüglich der Beisetzung des Visums von Seite des kaiserlich russischen General-Consulates ans die Pässe der Parteien des israelitischen Bekenntnisses einige Aenderungen der früheren Bestimmungen vorgenommen. Wie auA den uns vorliegenden gedruckten „Maßnahmen" hervvrgeht, genügt die Beibringung einer Bestätigung seitens der Handels- und Gerverbekammer fortan lediglich für die Chefs oder Gesellschafter der protoeolliertcn Firmen. Hingegen haben die Reisenden der Firma sich bei der Polizeibehörde ein Identitätszengnis zn verschaffen. Dasselbe muss enthalten: 1. Die Benennung der Firma: 2. wo dieselbe protocolliert ist: 3. die Bezeichnung der Waren, mit welchen der Handel betrieben wird: 4. Tie Dauer des Aufenthaltes in Russland: ö. Den Bor- und Zunamen des nach Russland entsendeten bevollmächtigten Agenten oder Commis. Tie Maßnahmen enthalten noch folgenden Schliffssatz: „Alle anderen Personen israelitischen Glaubensbekenntnisses, welche nicht zu commcrciellen Zwecken nach Russland zn reisen wünschen, müssen die Bewilligung des kaiserlich russischen Ministeriums des Innern in St. Petersburg sich verschaffen, worüber sohin der Reisepass von Seite des Gcneral-Consuls vidiert werden kann." Prag. (Orig.-Corr.) Nachdem der Ausnahmszuftand von der Stadt genommen, ist auch das Entsetzen gewichen, das