Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 12 (25.3.1898)
- Article
- Die "Kadimah"
- Date
- 1898-03-25
- Page
- 4 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 12 seitigung der Schäden, welche die Juden so weit gebrächt hatten, dass sie dieser Schlag wie ein Blitz ans heilerem Himmel traf. Vorsorge für die Zukunft, dass sie auf alles gefasst, zu allem gerüstet seien, dass sie eine Stätte fänden, -wo die Müden und Elenden ihres Volkes dem Leben, der Ätenschlichkeit, der Freiheit wiedergegeben würden. Dem Leben, das sie in ihrer Weise leben, der Menschlichkeit, die sie nach ihren Lehren üben, der Freiheit, die sie in ihrem Geiste genießen könnten. Für dieses Programm fanden sie drei kurze Sätze: „Kampf gegen die Assimilation, Wiederbelebung und Studium der jüdischen Sprache, Litteratur und Geschichte, und Colonisation Palästinas". Der Zionismus hatte seine ersten Apostel gefunden. Sie verstanden es, ihm den Weg zu bahnen. Noch fehlte der Vereinigung dieser Männer der Name. Da wollte es ein gutes Geschick, dass ein Fürst im Reich des hebräischen Schriftthums ihnen freigebig einen schenkte. Perez Smolensky gab der Vereinigung den Namen, der bestimmt war, in der Geschichte der Regeneration des Iudenthums ein großer zu werden. Er nannte sie Kadimah- Vorwärts-Ostwärts! Wir können heute sagen, dass die „Kadimah" ihrem Namen Ehre gemacht hat. Die erste jüdisch-nationale Studentenverbindung der Welt, die offen, mit Hintansetzung aller Vottheile und Bequemlichkeiten, ja mit Gefahr für die materielle Zukunft ihrer Mitglieder auf den Plan getreten war, hat ihre Aufgabe in hingebender Treue für ihr Volk erfüllt. Ihre Mitglieder wurden die Führer des Zionismus und seine treuesten Diener zugleich. Leicht wurde ihnen ihre Aufgabe allerdings nicht gemacht. Man bezeichnte sie anfangs als Narren, man verlachte sie. Einige gab es wohl, die wenigstens den guten Willen gelten ließen. Aber auch die erschraken bald vor dem — Radicalismus der jungen Leute. Nicht einen Fußbreit wollten die abweichen von ihrem Wege, ja, noch mehr, sie schlichen sich nicht verstohlen auf diesem Wege dahin, sondern giengen ihn aufrecht, festen Schrittes, ohne Zögern, ohne Bedenken. Ja, radical waren sie und radical blieben sie. Keine Compromisse, kein Beugen; auch vor den Reichen und Mächtigen nicht. Wohl wären sie gerne mit allen Söhnen ihres Volkes friedlich ihres Weges gezogen; aber da es nicht gieng, da sie gerade bei seinen „Großen", bei seinen „Führern" Widerstand fanden, so scheuten sie sich auch nicht, gegen diese aufzutreten, sie andi? Pflichten zu mahnen, welche ihr Führeramt ihnen auferlegte und an die Verantwortung, die sie allen Juden, gegenüber trugen, wo immer diese sich fänden. Das waren schwere Kämpfe, und mehr als einmal schien es, als ob die „Kadimah" unterliegen müsste. Denn auch die jüdische Studentenschaft war damals noch tief drinnen in der' bedingungslosen Anbetung des Fremden uhd in dem Glauben, dass sie nicht nur geduldet, sondern auch brüderlich geliebt werde. Die „Kadimah" sah aber die Dinge, die kommen mussten. Die Liebe zu ihrem Volke hatte ihren Blick für' die Gefahren geschärft, die ihm drohten. Und je ablehnender, je feindseliger, je verstockter die übrige jüdische Studenten-' schafh sich gegen ihre Warnungen verhielt, um so eifriger, ljeß ne ihre Stimme ertönen, um' so energischer betonte' sie ihre Grundsätze, umso entschiedener führte sie ihren Kämpf. - - sie lange Zeit ihre Mitglieder nur geistig herangebildet, hatte sie ihnen vornehmlich nur die Wege gezeigt, wre sie sich zu ihrem Volke, zurückfinden and ihm treue Drener werden könnten, so wollte sie nun auch daran 6.ehen, dieft begeisterten Kämpfer für das Judenthum auch körperlich für ihre Aufgabe zu befähigen. Sie sollten imstande sein, den Gegnern ihres Volkes auch mit der Waffe entgegenzutreten. Sie sollten die alte Lüge von der Feigheit der Juden aus der Welt schaffen helfen. Und r n>urc>e die „Kadimah" eine schlagende Verbindung.!,° fr*cfcr Eigenschaft gezeigt, was ernster und Liebe für ein hohes Streben zu leisten ' vermag. Vielleicht gerade deshalb, weil ihr das „Schlagen" nie Selbstzweck wurde, sondern nur das Mittel zum Zweck blieb. Diese consequente Fürsorge - der „Kadimah" für die geistige und körperliche Ausbildung ihrer Mitglieder, dieses treue Festhalten an der Reinheit ihrer Principien, diese unentwegte, herzliche Theilnahme an allen Geschehnissen, welche das jüdische Volk betrafen, haben ihrem Namen einen guten Klang gegeben. Man darf es sagen, dass sie heute mit Achtung auch in den Kreisen genannt wird, die ihre Ansichten nicht zu theilen vermögen. Welche Bedeutung sie lange Jahre für die Zionisten hatte und noch hat, und welche Liebe sie bei ihnen fand und noch findet, braucht nicht weiter erwähnt zu werden. Man kennt sie als die radicale Verbindung, die sie stets war, noch heute. Man weiß, dass es nicht nur keine gute jüdische Sache, sondern auch keine edle That und bedeutende Regung bei anderen Völkern gibt, welcher die „Kadimah" nicht ihre Sympathie beweist. Radical im guten Sinne des Wortes wird siehoffentlich auch bleiben. Die jüdische zionistische Studentenschaft soll eine der Clitetruppen des Zionismus sein und bleiben, und die „Kadimah" als ein Th eil und als der älteste Theil dieser Truppe hat vor allem die Pflicht, nichts zu unterlassen, was sie dieser Ehre, unter den Ersten zu sein, würdig macht. So hat sie es stets gehalten, so wird sie es auch hoffentlich weiter halten. Auf dem kleinen jüdischen Friedhofe in Meran steht ein einfacher Stein auf einem schmucklosen Grabe. Da ruht Perez Smolensky, der einst der „Kadimah" den Namen gegeben. Im warmen Frühlingswinde sprossen fröhlich die Gräser aus dem Grabe hervor, und freudig heben die Veilchen ihre Köpfchen der belebenden Sonne entgegen. Und geheimnisvoll regen sich die Keime, die ruhig in der Erde schliefen. Sie geben sich flüsternd Kunde von dem edlen Herzen, das unten friedvoll dem großen entgegenwartet. Und sie erzählen leise von ** Keimen, die diesem Herzen schon entsprossen .vett wuchsen, der Sonne entgegen, ostwärts _ vorwärts. * Unter jüdischen Proletariern.. Bon Dr. S. R. Lauda«. V. Bialystok. Kaum fünf Stunden von Warschau und eiue^ ZÄÄ*'1“8* BialyL Steife Zwe.ste Stadt Llthauens. Wilna die Ich befinde mich, unter lithauifcheu Ir-' erwachen allerlei Erinnerungen aus. r aDen Und da flt ™ den ltthauischeu Magi^ .rühesten Jugend- Ha-Mldra,ch jo gerne zyhörte irnd<W 0 dem ich im „beth- VlsterftM yiedM,' ^ine Landsleute, dfe aufm0 : "" -ßen und von denen mein -n/n- Wder Lutwak hat ein Ceitim* in ibrpr ' 1 diesen Leuten immer, ausfiel, all yre Naturschlauheit. Die Noch .-e fort, und wir finden sie fast über- *' an ihrem singenden, gebrochenen mrd der olive- ' Unb ba auch am ausgeprägten Gesichtso.° ^Warzen Augen, schwarzen lockigen Haaren Blüthe v‘ nea Gesichtsfarbe. Und ihnen haben wir aus d Sch''' 9f -worden ist, wenn' Brehm^s Zoologie, mexf die Ä ^Mchte, Graetz' großartiges Geschichtsiekunrt s en Clässcker u. s. w. in hebräischer Ueberniack/m/^?^' 'ten Mischen Volksmassen MgLnglich ge- ^Uoeti konnten, so ist es ein Verdienst Lithauischer _..' _ aP ir, SLonimsky, Smoleuskrj, Finn, * Kreuz. »lserer heb cäifchen Literatur zu verdanken. Wenn Q; - alten Bäbel- und Talmudsprache eiue moderne