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Die Welt · 1898-03-25 · 12 (25.3.1898) · p. None

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
12 (25.3.1898)
Date
1898-03-25
Page
None (sequence 1)
Language
German
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Kedartion 2 Erscheint jeden Freitag. £ 3-n Preise der Anzeigen: und ^Administration: Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an Die viermal gespaltene Petit¬ Wien die Redaction oder Administration: Wien, >X . Türkenzeile 10 kr. IX., Türkenstraße 9. straße 9, zu richten. Telephon Nr. 6805. Unsrankierte Briese werden nicht angenommen und Einzelne Nummern 15 kr. 13-1 1 Manuscripte nicht zurückgesendet. j 3-8 ßftllftltlirflff1* O esterreich-Ungarn : halbjährig 3 fl. — 6 Kr., ganzjährig 6 fl. 12 Kr.: Für das Ausland: Deutschland * ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 Shg., Rußland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 5<> 5top., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Ggyptne ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doll. 40. Nr 12. Wien, 25. Mär; 1988.2. Jahrgang. Ipp“ Da Ende Vieles Monats eine gröhere Anzahl von Abonnements abläuft, so inerden die Betreffenden erinnert, die Erneueruns rechtzeitig vorzunehmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Dir Administration. Märzkage. Von O. Crter. Die freisinnigen Blätter in Deutschland haben den fünfzigsten Gedenktag des 18. März 1848 mit Festartikeln begangen, in denen, gleich wie verabredet, der Refrain wiederkehrte: Ohne 1848 kein 1870, ohne den 18. März 1848 kein 18. Januar 1871, ohne die Revolution keine Einigung des deutschen Volkes und keine Errichtung des deutschen Reiches. Gleich wie oerabredet,sagenwir,wiederholte sich dieser Refrain. Dies ist bei geschichtlichen Ueberlieferungen immer der Fall, dass sie allmählich die Form von Glaubenssätzen annehmen, welche Allen geläufig und bei gegebener Gelegenheit von Allen anerkannt werden. In der Hauptsache wird wohl auch kein Historiker bestreiten, dass dem deutschen Reiche am 18. März 1848 das erste Wiegenlied gesungen worden ist, ein schrilles, aufstürmendes Lied, dessen Melodie auch mit ein wenig Blut gefärbt war — „schwarz ist der Tod, roth ist das Blut, golden flackert die Flamme". Doch was im Jahre 1848 gesäet wurde und im Jahre 1870 aufgegangen ist, hat sich hauptsächlich nur nach der nationalen Seite hin als nachhaltig erwiesen, für Freiheit und Gleichberechtigung entkeimte daraus eine Frucht mit sehr bitterem Rachgeschmacke. Heute kann man dies, ohne die geschichtliche Wahrheit zu entstellen, ebenso vom 24. Februar wie vom 13- und vom 18. März constatieren. Der Idealismus hat sich verflüchtigt, der weltbürgerliche Gedanke ist um seinen Credit gekommen, vom Staatsbürgerthum in dem sentimentalenthusiastischen Sinne der Achtundvierziger spricht man nur noch achselzuckend wie von einem Petrefact. Es liegt uns natürlich ferne, diese unbestreitbare Wandlung allein auf die Verhältnisse der Juden zu beziehen, obwohl es sicherlich sehr interessant wäre, die jüdischen „Märtyrer" des Sturmjahres in Erinnerung zu bringen. Dass in Wien das erste Opfer des März ein jüdischer Techniker war, dass unter den Flüchtlingen, welche vor der Reaction sich ins Exil retteten, sich eine große Zahl von Juden befand — um nur Fischhof und Goldmark, die beiden Simon und Moriz Hartmann zu nennen — erwähnen wir wahrhaftig nicht aus Ruhmredigkeit, denn wie heute die Anschauungen beschaffen sind, wird ja sehr sonor bestritten, dass es ein Ruhm sei, damals mit dabei gewesen zu sein. Es geht uns vielmehr etwas Anderes durch den Kopf. Wir denken an Einen, der schon sechs Jahre nach den Märztagen von >848, obwohl er selbst in hervorragender Stellung als Chefredacteur der führenden demokratischen „Rheinischen Zeitung" für die Ideale des Achtundvierzigerjahres tapfer gestritten hatte, die spätere Entwicklung vorahnte und zum Apostel des Zionismus wurde. Wir denken an Moses Heß, der im Jahre 18.74 seine flammende Schrift „Rom und Jerusalem" veröffentlichte, eine Schrift, so gut deutsch geschrieben, wie wenig andere, und so tief jüdisch gedacht, dass jeder Protest- Rabbiner von heute sich daran ein nützliches Beispiel nehmen könnte. Moses Heß hat, wie übrigens fast gleichzeitig auch der Franzose Laharanne in seiner Schrift rLe juif errant“, mit erhobener Hand nach Jerusalem als der wahren Zuflucht der Juden gewiesen, da der Assimilierungstaumel eben seine ersten Orgien feierte. Und dieser Apostel des Zionismus war auch ein Revolutionär, aber ein Revolutionär ohne Calabreser und ohne Barrikaden, wie der Zionismus selber eine Revolution ist, aber eine Revolution, die nichts zu stürzen braucht, um, was sie bezweckt, zu gründen. Merkwürdig, wie sich der Begriff der Revolution überhaupt verändert hat. Er ist in seiner früheren Bedeutung dem heutigen Geschlechte kaum mehr geläufig. Aus der Revolution ist die Evolution, aus dem Umsturz, den nur noch die Reactionäre bisweilen als Schreckgespenst fructificieren, ist Entwicklung geworden. Wir stehen an der Schwelle eines neuen Jahrhunderts und Alles, was wir erblicken, ist Revolution, jedoch Revolution mit dem Gesetzbuche in der Hand. Man macht Socialpolitik, um gewaltsamem Lossteuern auf den Znkunstsstaat friedlich vorzubeugen : man entfremdet die Schule dem Clafficismus, um dem Einflüsse der Naturwissenschaften die Herrschaft über die moderne Bildung einzuräumen; man erweitert den Stoffkreis in Kunst und Literatur, selbst auf die Gefahr hin, dass das ästhetische Ideal von Jahrtausenden seine ehrwürdige Physiognomie verliere. Der große nordische Dichter Henrik Ibsen, dessen siebzigster Geburtstag jüngst wie ein Weltfeiertag begangen wurde, ist ein Revolutionär — „nordwestlich, Satan, liegt dein Luftrevier, südöstlich aber diesmal segeln wir", heißt es bei Goethe — und Revolutionär ist im Grunde jeder Biologe, der Bestehendes als nicht mehr ausreichend erachtet und in eine neue Entwick-

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