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Die Welt · 1898-03-18 · 11 (18.3.1898) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
11 (18.3.1898)
Article
Sofia
Date
1898-03-18
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 12 3lt 11 aschkenasischen Cultusgemeinde festen Fuß, zum Präses wurde der Obmann des Ceutralvereines „Zion" gewählt und mehrere seiner Collegen sind altbewährte Zionisten und Ausschussmitglieder des Vereines. Nun sind beide Cultusvorstände, von welchem sämmtliche Institutionen hier abhängig sind, ganz unter dem Einflüsse der Zionisten, respectivc ihrer Centrale. Es wird nicht mehr Vorkommen, dass man uns wie im vorigen Jahre aus Anordnung des Cultirsvorstaudes mit berittenen Gendarmen und mit der städtischen Polizei aus den Bethäusern treiben wird, ans der einzigen heiligen Stätte, wv es dem trostsuchendcn Juden der Diaspora gegönnt war, sein Leid und Elend einem Höheren zu klagen. Die Zionisten Sofias werden ihre Erfolge benützen, um das bedrückte Judenthnm dem erlösenden Ziele näher zu bringen. I a q u e s N a t a u s o u. Amerika. New-Pork. lOrig.-Cvrr.) Das Kriegsgcschrei gegen Spanien ist in diesem Augenblicke durchaus nicht darnach angethan, die Vorlage zur Beschränkung der Einwanderung als inhumane erscheinen zu lassen. Jnmier lauter wird oer Ruf: „Amerika für die Amerikaner" und diesem Rufe gegenüber verhüllen die begeisterten Reden einiger beherzter Männer, welche die Einwanderungsbill als Gefahr für das Land und für das Princip der Freiheit bezeichnen, beinahe wirkungslos. Man würde sehlgehen, wollte man annehmen, dass die Mac Kinley'sche Regierung die antisemitischen Motive, welchen die Bill entsprungen ist, billigt. Wenn Mac Kinley die famose Vorlage, deren Spitze sich vornehmlich gegen das russischjüdische Proletariat wendet, dennoch favorisiert, ist dies seinem schutzzöllnerischem Standpunkte znzuschreiben. Tie Protection inländischer Industrie und inländischer Arbeiter ist das oberste Princip des derzeitigen Regenten im weißen Hause zu Washington und in Verfolgung dieses Principes muss er für jede Vorlage Partei ergreifen, die in ihren Endresultaten die Lage der hiesigen Arbeiter zu sichern geeignet scheint. In Wirklichkeit bedeutet das Absperren des New-'Zorker Hafens gegen die russisch-jüdischen Einwanderer einen Schaden für das Land. Die Hunderttausende jüdischer Flüchtlinge, die durch die Wellen des Lebens nach Amerika getragen worden sind, haben dem Lande schon heute vielfach genützt, indem sie neue Industrien geschaffen und neue Absatzgebiete eröffnet haben. Die so gern gebrauchte Ausstellung, dass die russisch-jüdischen Arbeiter aus die Lohnsrage schädlich eingewirkt haben, ist ebenfalls vollkommen aus der Lust gegriffen. Jene unglücklichen Leute haben blos anfangs für jeden Preis gearbeitet, bald aber haben sie mit den amerikanischen Arbeitern gemeinschaftliche Sache gemacht, und heule ist gerade bei jenen Arbeitern das Svlidaritätsgesühl zumeist entwickelt und wir finden die russisch-jüdischen Arbeiter bei jedem Strikc in der vordersten Diese Arbeiter sind es auch, die dem Socialismus hierzulande eine Armee gestellt haben, und aus ihrer Mitte gehen auch die heftigsten Gegner der zionistischen Idee hervor. So ist beispielsweise die Jndenheit in Bayonne in zwei Lager gethcilt, es gibt ein zionistisches und ein socialistisches. Letzten Sonntag hatten nun diese Parteien eine gemeinschaftliche Versammlung, in welcher Dr. Michael Singer im Flamen des Verbandes der Zionisten-Vereine den Zionismus und ein Herr Fischer im Namen der 'Arbeiterpartei den Socialismus vertrat. Tie Versammlung verlief sachlich und würdevoll und uürd derselben in nächster Zeit eine zweite Versammlung folgen und scheint es nicht ausgeschlossen, dass ein großer Theil der jüdischen Socialisten sich dem Zionismus anschließen wird. Nnkmsmchnlhtt». Wien. Die Neuwahlen der akademischen Verbindung „Libanonia" ergaben nachstehendes Resultat: teclw. Heinrich Weinwurm, Präses, vet. med. Arthur Ottenfeld, Vicepräses, med. Oscar Rosenberger, Schriftführer. Wien. Am 9. März sprach im „Politischen Volksverein" Herr Prof. Cohen aus Marburg über das Thema: „Das Judenthum als Weltanschauung und die Messiasidee". Diese jüdischen Vereinsabende, wie sie in jüngster Zeit an uns in bunter Folge vorüberzogen, haben alle ein gemeinsames Merkmal : In der 'Atmosphäre, die über Rednern und Hörern lagert, ist ein eigener Stimmungszusatz, so wie besorgter Kummer, leises Leid. Cs ist immer so, wie wenn in einem Zimmer eine Anzahl bekümmerter Menschen beisammen wäre, und daneben im Nebenzimmer liegt einer und alhmet schwer auf seinem Schmerzenslager. In all' diesen Versammlungen hört man das schwere Athmen des Judenthums, und die Versammelten, die zu dem Leidenden auf dem Schmerzenslager in gewissen Beziehungen stehen, und denen daher sein Schicksal sehr nahegeht, besprechen den beklagenswerten Fall, und weil sie sich über die Natur des Leidens ihre eigenen. Gedanken machen, so haben sie auch ihre eigene Heilmethode — sie trösten sich nämlich gegenseitig durch wohlgemeinten Zuspruch: und weil jeder dem anderen gut gesinnt ist und ihm den Kummer möglichst lindern möchte, so entwickelt jeder eine erstaunliche Erfindungsgabe im Connruiercn von Trostgründen, und es ist rührend anzusehen, mit welcher innigen Theilnahme und Herzlichkeit einer mn den anderen bemüht ist, nur ihm die Trostgründe^ cinzuflößen. Vielbeliebt ist ein Trostspruch, der trotz seiner Einfachheit eine mächtige Fülle tröstender Kraft enthält, der Spruch: „Es wird schon besser werden." - Es sind nur fünf Wörtchen, aber cs wird wohl sonst nirgends fünf Wörtchen geben, die eine so frappierende, universelle Heilkraft besitzen, wie diese äußerlich so unscheinbaren Wörtchen. Es ist eine oft beobachtete Eigenthümlichkeit der Menschen, dass der Prophet im Vaterlande nicht so viel gilt, wie der Fremde. Auch die Trostbedürftigen fühlen in sich das Verlangen, von Zeit zu Zeit neben den eingeborenen Tröstungen auch fremde, zugereiste Tröstungen aus sich einwirken zu lassen, und um ja über das Schicksal des Leidenden aus dem Schmerzenslager vollständig beruhigt zu sein, berufen sie von Zeit zu Zeit aus der Ferne Capacitäten auf dem Gebiete der Trostkunde, welche die wuuderthätigen fünf Worte nicht, wie es bei oberflächlichen Naturen Usus ist, einfach in lapidarer Schroffheit so Hinwersen, nein, die fünf Wörtchen erhalten einen würdigen Hofstaat von zweifellos vertrauenswürdigen Prämissen, von thcologisch-politisch-historischphilosophisch-nationalökonomisch und ein wenig autizionistisch veranlagten Betrachtungen, und jetzt können die fünf Wörtchen standesgemäß auftreten; denn jetzt sind sie ein System. — Im 'Nebenzimmer aber liegt einer und athmet schwer und schwerer. li. Olmütz. Am 12. März fand in den Localitäten des „Hotel Lauer" die vierte Monatsversammlung des^ Vereins „Zion" in Olmütz statt, bei der Herr Redacleur Dr. ^iegmund Werner zunächst über den Zionismus, sodann über die Thätigkeit des Wiener Actionscomitt s referierte. Seine interessanten Mittheilungen wurden von allen Anwesenden mit großem Beisalle ausgenommen. Herr Berthold Gärtner aus Paulowitz gab der allgemeinen Stimmung dadurch beredten 'Ausdruck, dass er dem Herrn Redner den besten Dank für die lichtvolle Darlegung der Tendenzen des Zionismus aussprach: er erklärte zugleich, er sei als Gegner zur Versammlung gekommen, als begeisterter 'Anhänger verlasse er dieselbe. Hierauf ergriff Herr Rabbiner Tr. O p p e n h e i m das Wort, um Herrn Dr. Werner dafür zu danken, dass er auch seine letzten Zweifel an der Vortrefflichkeit der zionistischen Idee zerstreut habe. Er werde nun mit aller Kraft für die Verbreitung des Zionismus cintreten und erwarte von dieser Bewegung allein eine Lösung der Judenfrage. Schließlich wurde einstimmig eine Resolution beschlossen, in der Herrn Tr. Werner der Tank und dem Wiener Centralcomitö das Vertrauen ausgesprochen wurde, und in der zugleich die großen Erwartungen 'Ausdruck fanden, die das jüdische Volk auf die zweite 'Nationalversammlung in Basel setzt. Gegen Mitternacht schloss der Vorsitzende die jo erfolgreiche Versammlung. E ZckschnstenmndschM. .II Lorriene IsraelU-ooN das bekannte, in italienischer Sprache erscheinende gesinnnngsgenössische Blatt hat in seinen beiden letzten Nummern wieder eure Fülle des interessantesten und gediegensten Lesestoffes geboten. Von Artikeln heben wir hervor : j,Mai den M e k i tz", ein allegorisches Werk von Abraham Iben Esra, die Fortsetzungen der Artikel: „Hat der Hcbraismus eine Lebensbercchligungund „Ter organische Staat" von Lublinski (Uebersetzung des in der „Welt" erschienenen Artikels! :c. Sehr gute Informationen weist auch der Correspondenzentheil des .ttcni-mi-o Nineluieo" auf. Ter Besprechung der Fortschritte der zionistischen Bewegung wird nach wie vor ein bedeutender Theil des Blattes eingeräumt. — Wir erwarten und wünschen, dass diese sehr gut redigierte und gesinnungsgenössische Monatsschrift recht viele Freunde und 'Anhänger gewinne. Bei dem maßvollen Tone, den gut geschriebenen 'Artikeln und den instructiven Informationen des Blattes darf Herr A. di S. Curiel, der das Blatt leitet, auf eine große Verbreitung desselben rechnen.

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